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Erfurter Gipfeltreffen
Das Erfurter Gipfeltreffen vom 19. März 1970 stellt den Auftakt der deutsch-deutschen Annäherung im Rahmen der neuen Ostpolitik dar, die mit der …
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Kern und historische Bedeutung
Das Erfurter Gipfeltreffen vom 19. März 1970 war das erste deutsch-deutsche Treffen auf der Ebene der Regierungschefs. Bundeskanzler Willy Brandt traf in Erfurt den DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph. Das Treffen bildete den Auftakt der deutsch-deutschen Annäherung im Rahmen der neuen Ostpolitik der seit Herbst 1969 regierenden SPD-FDP-Bundesregierung.
Die Gespräche brachten noch keine konkreten Ergebnisse. Ihre besondere Bedeutung lag deshalb im symbolischen Bereich: Das Treffen steht für die beginnende Annäherung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR sowie für das schrittweise Ende des Kalten Krieges. Es gehört zugleich in den Zusammenhang der sozialdemokratischen beziehungsweise sozialliberalen Ostpolitik und der weltweiten Entspannungspolitik. Zwei Monate später folgte beim Gipfeltreffen in Kassel 1970 der Gegenbesuch Willi Stophs im Westen.
Politische Ausgangslage
Seit ihrer Gründung unterhielten die beiden deutschen Staaten keine diplomatischen Beziehungen miteinander. In der Bundesrepublik galt die Hallstein-Doktrin, die mit dem Anspruch verbunden war, Deutschland allein zu vertreten. Dennoch wurden die Beziehungen zwischen Bundesrepublik und DDR zunächst auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet ausgebaut.
Treffpunkt und Anreise
Ursprünglich schlug das DDR-Außenministerium das Haus der Ministerien in Ost-Berlin als Tagungsort vor. Wegen gegenseitiger statusrechtlicher Vorbehalte gegenüber Berlin wurde dieser Plan jedoch verworfen. Die DDR wollte außerdem nicht, dass Brandt über West-Berlin mit der Bahn anreiste oder dort mit einem Flugzeug landete; seine Maschine sollte den Ost-Berliner Flughafen Schönefeld direkt ansteuern.
Schließlich wurde Erfurt als Treffpunkt festgelegt. Brandt reiste im Salonwagen 10 242 an, der sich heute im Deutschen Dampflok-Museum Neuenmarkt befindet. Die offiziellen Gespräche zwischen Brandt und Stoph fanden im Hotel Erfurter Hof statt.
Begegnung mit der Bevölkerung
Das Treffen erregte internationales Aufsehen: Rund 500 Journalisten aus 42 Ländern waren akkreditiert. Am Vormittag des 19. März 1970 stürmten Tausende DDR-Bürger trotz Absperrungen von Polizei und Staatssicherheit den Bahnhofsvorplatz. Mit dem Sprechchor „Willy Brandt ans Fenster!“ forderten sie den Bundeskanzler auf, sich am Fenster des Erfurter Hofes zu zeigen. Als Brandt erschien, jubelten ihm die Menschen zu.
Die emotionalen und dramatischen Umstände verstärkten den Symbolwert des Gipfels. Zwei Jahrzehnte später schrieb Brandt in seinen Erinnerungen: „Der Tag von Erfurt. Gab es einen in meinem Leben, der emotionsgeladener gewesen wäre?“
Weitere Entwicklung
Obwohl die Verhandlungen in Erfurt ohne konkretes Ergebnis blieben, folgten ihnen weitere Gespräche und mehrere deutsch-deutsche Verträge, darunter der Grundlagenvertrag von 1972. Außerdem wurden Ständige Vertretungen eingerichtet, die dem regelmäßigen Kontakt zwischen beiden deutschen Staaten dienten.
1973 wurden die Bundesrepublik Deutschland und die DDR in die UNO aufgenommen. 1975 unterzeichneten beide Staaten die KSZE-Schlussakte.
Dokumentarfilm
Das Gipfeltreffen wurde 2010 in dem MDR-Film „Willy Brandt ans Fenster!“ von Rainer Erices und Jan Schönfelder behandelt.