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Willy Brandt und die „Neue Ostpolitik" I Geschichte

MrWissen2go Geschichte | Terra X12:49 955.174 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 123 Zeilen
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  1. und den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs haben die Kanzler der CDU,
  2. Adenauer, Erhard und Kiesinger den Ton angegeben. Aber mit Willy Brandt von der SPD beginnt 1969 eine neue Zeit
  3. der deutschen Innen- und Außenpolitik: Frieden durch Aussöhnung, so das neue Motto.
  4. Wie das genau geschehen ist - hier in diesem Video. Konrad Adenauer, der 1. Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.
  5. Wenn euch seine Politik interessiert, klickt auf das "i". Da erfahrt ihr mehr.
  6. Adenauer hat die Bundesrepublik Deutschland, also den westdeutschen Staat, der nach dem 2.Weltkrieg entstanden ist,
  7. in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien eingebunden. Als Reaktion darauf schließt sich der sogenannte Eiserne Vorhang.
  8. Europa ist geteilt durch eine Mauer. Im Westen - die kapitalistischen Demokratien,
  9. die mit den USA verbündet sind, im Osten - die kommunistischen Volksrepublik,
  10. Diktaturen von kommunistischen und sozialistischen Parteien, die von der Sowjetunion beherrscht werden.
  11. Zur Zeit Adenauers gibt es eine knallharte Konfrontation. Damals wird die Mauer gebaut.
  12. Die Deutschen im West-Staat leben sozusagen auf der Sonnenseite dieser Mauer.
  13. Dort gibt es das Wirtschaftswunder, persönliche Freiheit, Demokratie, aber die Gesellschaft ist auch sehr traditionell.
  14. Die Vergangenheit der Nazi-Zeit wird unter den Teppich gekehrt. Gerade die jungen Menschen rebellieren gegen die Traditionen
  15. und die aus ihrer Sicht veralteten Gesellschaftwerte. Sie protestieren gegen den Vietnamkrieg.
  16. Ihr wisst, worum es geht, um die Studentenbewegung von 1968. In diesem Klima des gesellschaftlichen Wandels
  17. gibt es auch einen Wechsel in der Regierung. Bisher stellt die CDU den Bundeskanzler.
  18. Nach der Wahl 1969 ist die CDU/CSU zwar nach wie vor stärkste Kraft, aber die SPD und die FDP haben zusammen mehr Abgeordnete.
  19. So wird ein SPD-Politiker Bundeskanzler: Willy Brandt. In der DDR gibt es keine freien Wahlen.
  20. Die Einheitspartei SED und ihr Vorsitzender Walter Ulbricht sind nur noch an der Macht,
  21. weil sowjetische Panzer einen Volksaufstand niedergewälzt haben. Zwar gibt es kleine Reformen,
  22. aber die Lage wird wirtschaftlich kaum besser. Auch Wohnungen fehlen. Weil der Staat die Bürger mehr und mehr unterdrückt.
  23. Dazu gibt es die Staatssicherheit, im Volksmund Stasi genannt, die alles und jeden bespitzelt und einsperrt.
  24. Weil der Staat die Bürger unterdrückt, fliehen sie nach Westdeutschland.
  25. Hört sich sehr flapsig an, ist aber wahr. Bevor die letzte DDR-Bürgerin flieht, zieht die DDR die Mauer hoch.
  26. Als es 1968 den "Prager Frühling" gibt, die Reformversuche der tschechoslowakischen Kommunisten,
  27. rollen wieder sowjetische Panzer. Die Beziehungen der beiden Staaten sind,
  28. dem Kalten Krieg entsprechend, eisig. Die Bundesrepublik
  29. bricht alle diplomatischen Beziehungen mit Staaten ab, die die DDR als eigenständigen Staat anerkennen.
  30. So will sie die DDR isolieren. Die Deutsche Demokratische Republik wiederum ist nicht bereit,
  31. mit dem Westen zu verhandeln, solange sie nicht anerkannt wird. Die Lage ist festgefahren, angespannt.
  32. Seit ein paar Jahren haben Willy Brandt und sein enger Berater Egon Bahr
  33. eine Idee entwickelt, wie man die Lage entspannen kann. Sie wollen Wandel durch Annäherung.
  34. Da auch die Supermächte erkennen, dass sie aufeinander zugehen müssen, passt diese neue Politik eigentlich gut in die Zeit.
  35. "Tauwetter" nennen die Zeitungen diese nachlassende Konfrontation. Aber in Deutschland tut man sich schwer damit.
  36. Was ist das für ein Mann, der einen wichtigen Teil der Außenpolitik umgekrempelt.
  37. Willy Brandt wird 1913 als Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck geboren. Er ist ein uneheliches Kind.
  38. Als junger Mann ist er zunächst SPD-Mitglied, wechselt aber
  39. zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, der SAPD, eine Abspaltung, die zwischen der SPD und der KPD liegt.
  40. Während der Nazi-Zeit flieht er ins Exil nach Norwegen, arbeitet als Journalist und nimmt den Kampfnamen Willy Brandt an.
  41. Nach dem Krieg kehrt er nach Berlin und zur SPD zurück. Brandt wird Bundestagsabgeordneter,
  42. anschließend Regierender Bürgermeister von Berlin. 1961 tritt er als SPD-Kanzlerkandidat gegen Konrad Adenauer an.
  43. Er verliert und unterliegt auch 1965 Ludwig Erhard. Allerdings ändern sich die politischen Verhältnisse.
  44. Und es kommt zur Bildung der 1. Großen Koalition. Bundeskanzler wird Kurt-Georg Kiesinger (CDU).
  45. Außenminister und Vizekanzler wird Willy Brandt. Und 1969 rückt er an die Spitze der Regierung.
  46. SPD und FDP werben im Wahlkampf auch um eine neue Außenpolitik. Jetzt können sie sie durchsetzen.
  47. Das sagt Brandt in seiner Regierungserklärung am 28. Oktober 1969.
  48. Zur Aussöhnung mit dem Westen soll eine Aussöhnung mit dem Osten kommen.
  49. Dazu macht Brandt etwas bisher Undenkbares: Er erkennt die Realität an.
  50. Er sagt, dass 2 deutsche Staaten existieren. Damit lässt er die Möglichkeit durchblicken,
  51. dass die Bundesrepublik die DDR anerkennen könnte wie jeden anderen Staat.
  52. Brandt fährt in die DDR und trifft sich mit dem Ministerratsvorsitzenden Willi Stoph.
  53. Später empfängt er Stoph im westdeutschen Kassel. Man redet miteinander.
  54. Freilich kann die DDR alleine nichts entscheiden. Deswegen verhandelt die neue Bundesregierung
  55. direkt mit der sowjetischen Führung in Moskau. Die pocht darauf, dass die Bundesregierung die Nachkriegsgrenzen anerkennt,
  56. also auf die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Grenze verzichtet. Brandt ist bereit, diese Grenze anzuerkennen,
  57. aber er will nicht eine mögliche Wiedervereinigung beider deutscher Staaten aufgeben.
  58. Deshalb gibt es den Moskauer Vertrag von 1970. Die Sowjetunion und die Bundesrepublik vereinbaren,
  59. ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen, also friedlich. Sie erkennen die bestehenden Grenzen in Europa an und versprechen,
  60. keine Gebietsansprüche zu stellen. Allerdings übergibt Außenminister Walter Scheel
  61. dem sowjetischen Außenminister einen Brief, in dem er darauf hinweist,
  62. dass, aus Sicht der Bundesregierung, die Wiedervereinigung des deutschen Volkes in freier Selbstbestimmung
  63. weiterhin das wichtigste Ziel ist, vereinfacht gesagt. Heißt: Die Regierung erkennt die Dinge an wie sie sind,
  64. weil sie daran nichts ändern kann und nur so positive Bewegung erzeugen kann.
  65. Das Ziel der Einheit bleibt bestehen, wird aber auf Eis gelegt bis sich die Lage in Europa so ändert,
  66. dass die Einheit möglich wird. Außerdem soll die Situation
  67. der geteilten Stadt Berlin geregelt werden. Alle 4 Besatzungsmächte stimmen zu,
  68. dass Westberlin frei erreichbar sein soll und zum Weststaat gehören soll.
  69. Man nennt diesen Vertrag das "Viermächteabkommen". Jetzt geht Willy Brandt
  70. die Beziehung mit den anderen Ostblockstaaten an. Besonders schwierig ist das Verhältnis mit Polen,
  71. aus dessen westlichen Gebieten Mio.Deutsche vertrieben worden waren. Mit Polen, das besonders unter dem Terror und Morden
  72. des Naziregimes gelitten hatte. Beim Besuch Brandts in Polen, in Warschau,
  73. entsteht dieses weltberühmte Bild. Der Bundeskanzler kniet vor dem Mahnmal im früheren Warschauer Getto.
  74. Brandt, der selber ein Verfolgter der Nazis war, bittet auf Knien um Vergebung.
  75. Brandt selbst sagt später dazu: Heute ist das Bild eine Ikone der Friedenspolitik.
  76. Im Dezember 1970 aber sind zumindest die Westdeutschen geteilter Meinung. Eine knappe Mehrheit findet, dass der Kanzler mit dieser Geste übertreibt.
  77. Im Ausland sehen die Menschen das anders. Willy Brandt wird zum Mann des Jahres gekürt
  78. und erhält den Friedensnobelpreis für seine Versöhnungspolitik. Zu Hause macht er Opposition gegen die Ostverträge-Front.
  79. Die CDU/CSU lehnt sie ab. Brandt, so die Vorwürfe, habe die deutschen Interessen verkauft,
  80. die Wiedervereinigung aufgegeben und die alten ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete weggegeben.
  81. Was habe er dafür bekommen? Naja, die vage Hoffnung auf Entspannung, zu Bedingungen der Sowjetunion.
  82. Der Oppositionsführer Rainer Barzel (CDU) erinnert an den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze.
  83. Die DDR lässt ihre Grenzsoldaten auf fliehende DDR-Bürger schießen. Solange dieser Schießbefehl gelte,
  84. stehe der in der Verträgen niedergeschriebene Gewaltverzicht eben nur auf dem Papier.
  85. Als der Bundestag die Verträge ratifiziert, also bestätigen soll, wird tagelang diskutiert.
  86. Tatsächlich wird es für die Regierung knapp. Denn einige Abgeordnete von FDP und SPD wollen ebenfalls nicht zustimmen.
  87. Sie laufen zur Union über. Jetzt hat der Kanzler keine Mehrheit mehr.
  88. Also wagt Rainer Barzel das "Konstruktive Misstrauensvotum". Bedeutet: Der Bundestag soll ihn zum Kanzler wählen, Brandt damit stürzen.
  89. Am 27.April 1972 findet die Abstimmung statt. Am Ende scheitert das Misstrauensvotum ganz knapp.
  90. Nur 2 Stimmen fehlen der Union. Willy Brandt bleibt Bundeskanzler. Das sind die wohl dramatischsten Tage und Stunden
  91. in der Demokratiegeschichte der Bundesrepublik. Wie wir heute wissen, hat die Stasi Abgeordnete bestochen.
  92. Vielleicht ist es sogar möglich, dass beide Seiten, die SPD und die CDU versucht haben,
  93. Leute aus der jeweils anderen Partei zu bestechen. Bewiesen ist das nicht. Vermutlich wird man das nie erfahren.
  94. Da kann man mal sehen, wie unglaublich aufgeheizt die Stimmung war.
  95. Und doch geht es vernünftig weiter. Barzel und Brandt vereinbaren, dass sich die Union
  96. bei der Abstimmung über die Ostverträge enthält. So werden sie ratifiziert.
  97. Weil die Regierung ihre Mehrheit aber verloren hat, kommt es zu Neuwahlen.
  98. Nun haben es die WählerInnen in der Hand. Sie sollen ein Urteil über die neue Ostpolitik sprechen.
  99. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Koalition gewinnt,
  100. die SPD fährt das beste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Brandt bleibt Kanzler.
  101. Die DDR und die Bundesrepublik schließen den "Grundlagenvertrag". Darin vereinbaren sie die Entwicklung gutnachbarschaftlicher Beziehungen.
  102. Sie wollen ihre Konflikte friedlich lösen. Die Grenzen werden festgeschrieben,
  103. können aber im gegenseitigen Einvernehmen verändert werden. Beide Staaten wollen sich am Prozess
  104. für Sicherheit und Frieden in Europa beteiligen. Sie richten "Ständige Vertretungen" ein.
  105. Das sind letztendlich Botschaften, aber die deutschen Staaten wollen sich nicht gegenseitig als Ausland sehen.
  106. Deswegen nennt man sie nicht Botschaften. Auch hier übergibt die Bundesregierung einen Brief,
  107. in dem steht, dass der Vertrag: Also auch hier gibt es keine ganz normalen Beziehungen.
  108. Einen solchen "Verständigungsvertrag" gibt es dann auch mit der Tschechoslowakei,
  109. also Sowjetunion, Polen, DDR und Tschechoslowakei. Die Bundesregierung hat also nun keine Staaten mehr als Nachbarn,
  110. mit denen sie in Feindschaft lebt. Frieden, ganz echter Frieden ist das natürlich nicht.
  111. Die Beziehungen der deutschen Staaten verbessern und verschlechtern sich wie sich der Kalte Krieg entwickelt: mal taut es, mal friert es.
  112. Aber Willy Brandt hat mit der neuen Ostpolitik den Weg zur Versöhnung mit dem früheren Gegner im Osten gewiesen.
  113. Er hat einen Weg gefunden, mit der DDR klarzukommen. Die Wiedervereinigung ist aber immer als Fernziel erhalten geblieben.
  114. Und das Bundesverfassungsgericht stellt am 31.Juli 1973 fest, dass alle Staatsorgane der Bundesrepublik daran gebunden seien,
  115. die Wiedervereinigung anzustreben. Auf dem Höhepunkt seines Ansehens und seiner Macht
  116. kommt plötzlich das Aus für den Bundeskanzler Willy Brandt. Günter Guillaume, der persönliche Referent des Kanzlers,
  117. wird als DDR-Spion enttarnt. Willy Brandt bleibt noch lange als SPD-Chef in der Politik
  118. und erlebt sogar die Wiedervereinigung mit. Er sagt dazu am Tag nach dem Mauerfall:
  119. Das war es in aller Kürze zur Ostpolitik von Willy Brandt. Wenn ihr noch Fragen dazu habt, schreibt sie in die Kommentare.
  120. Sonst haben wir noch viel mehr Geschichte zu bieten zur Zeit vor Willy Brandt.
  121. Zur Zeit nach Willy Brandt wird auch noch einiges kommen. Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)
  122. Themenwünsche gerne in die Kommentare. Ansonsten: "Abonnieren" klicken, die Glocke aktivieren,
  123. dann verpasst ihr kein Video. Danke fürs Zuschauen, bis nächstes Mal.

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