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Equilibrium (Film)
Die Handlung ist stark vom Roman und gleichnamigen Film Fahrenheit 451 inspiriert; außerdem finden sich Elemente aus Aldous Huxleys Roman Schöne Neue Welt, …
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Überblick
Equilibrium, auch Equilibrium – Killer of Emotions genannt, ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film von Kurt Wimmer aus dem Jahr 2002. Er spielt in einer dystopischen Zukunft, also in einer negativ dargestellten Gesellschaft, in der ein totalitäres Regime das Leben der Menschen vollständig kontrolliert. Der Film dauert 102 Minuten, ist ab 16 Jahren freigegeben und wurde von Blue Tulip produziert. Regie und Drehbuch stammen von Kurt Wimmer, die Musik von Klaus Badelt, die Kamera von Dion Beebe. In den USA startete der Film am 6. Dezember 2002 im Kino; in Deutschland erschien er am 12. Juni 2003 direkt auf DVD.
Im Mittelpunkt steht der Stadt-Staat Libria. Nach einem Dritten Weltkrieg gelten menschliche Gefühle als Ursache von Gewalt. Deshalb zwingt das Regime alle Bürger, ihre Emotionen durch die Droge Prozium II und durch Gehirnwäsche zu unterdrücken. Wer trotzdem fühlen will oder Kunst, Literatur, Musik und andere gefühlsauslösende Gegenstände besitzt, wird als „Sinnestäter“ verfolgt. Diese Aufgabe übernehmen die „Grammaton-Kleriker“, eine Elitepolizeieinheit.
Der Film greift Motive aus mehreren bekannten dystopischen Werken auf. Besonders stark ist er von Fahrenheit 451 inspiriert. Außerdem enthält er Elemente aus Aldous Huxleys Schöne Neue Welt, George Orwells 1984, Michael Andersons Flucht ins 23. Jahrhundert, George Lucas’ THX 1138 und erinnert mit der Stadt Libria an Fritz Langs Metropolis.
Handlung
John Preston ist einer der ranghöchsten Grammaton-Kleriker Librias. Er glaubt zunächst vollständig an das System. Bei Einsätzen töten die Kleriker Sinnestäter und vernichten Gegenstände, die Gefühle auslösen können, etwa Kunstwerke, Literatur, Tonträger oder Dekoration. In einem Einsatz werden mehrere Gemälde verbrannt, darunter auch die Mona Lisa. Prestons Partner Errol Partridge nimmt heimlich einen Gedichtband von William Butler Yeats an sich. Als Preston erkennt, dass Partridge selbst ein Sinnestäter ist, bringt Partridge ihn dazu, ihn zu erschießen, um der Hinrichtung durch Kremation zu entgehen.
Preston erhält danach Brandt als neuen Partner. Brandt ist ehrgeizig und misstraut Preston von Anfang an. Kurz darauf zerbricht Preston aus Versehen seine morgendliche Ampulle Prozium II. Weil er sich die Droge nicht injizieren kann, erlebt er erste Gefühle. Danach verzichtet er weiterhin auf Prozium II und versteckt die Ampullen hinter dem Badezimmerspiegel. Durch die Brutalität des Systems und durch die Verhöre einer Sinnestäterin, für die er Gefühle entwickelt, beginnt er zu zweifeln.
Preston nimmt Kontakt zum Widerstand auf. Gemeinsam planen sie, die Anführer der Rebellen absichtlich verhaften zu lassen. Preston soll dadurch eine Audienz bei „Vater“, dem Führer Librias, erhalten und ihn töten. Die Rebellen hoffen, dass mit seinem Tod das System zusammenbricht und Gefühle in die Gesellschaft zurückkehren.
Als die Sinnestäterin, in die Preston verliebt ist, hingerichtet werden soll, versucht er erfolglos, sie zu retten. Nach ihrer Exekution weint er öffentlich, wird von Brandt verhaftet und als Sinnestäter angeklagt. Preston kann seine Vorgesetzten jedoch überzeugen, Brandt sei der Verräter. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung will Preston seine versteckten Prozium-Ampullen entfernen, entdeckt aber, dass sein Sohn dies bereits getan hat. Der Sohn erklärt, dass er selbst das Mittel schon vor Jahren abgesetzt hat, nachdem er seine Mutter als Sinnestäterin gemeldet hatte.
Der Plan, „Vater“ direkt bei einer Audienz zu töten, scheitert zunächst. Preston kämpft sich jedoch mit seinen Fähigkeiten in die Räume des Herrschers vor. Dort erfährt er, dass „Vater“ schon lange tot ist und nur noch als imaginäre Leitfigur dient. Der tatsächliche Machthaber ist Dupont, der selbst heimlich Gefühle auslebt. Preston tötet zunächst Brandt in einem kurzen Kampf mit einem Katana und besiegt danach Dupont. Anschließend zerstört er die Kommunikationssysteme Librias. Der Widerstand greift die Produktionsstätten von Prozium II an, und ohne die Droge beginnt der Aufstand gegen das Regime.
Welt, Symbole und Schauplätze
Kurt Wimmer erklärte im DVD-Kommentar, die Figur des „Vaters“, dem das Volk gehorsam folgt, sei religiös motiviert zu verstehen. Der ganze Film ist nach dieser Erklärung von religiösen Symbolen durchzogen.
Viele Drehorte lagen in Berlin. Für Libria wurden bevorzugt Bauten aus der Zeit des Nationalsozialismus genutzt, darunter der Flughafen Tempelhof und das Olympiastadion. Auch zeitgenössische Monumentalbauten in Berlin-Mitte, etwa der Bahnhof Potsdamer Platz, kamen zum Einsatz. Im Film sind diese Orte durch Computereffekte allerdings kaum wiederzuerkennen. Die Haupthalle vor Prestons Büro wurde im U-Bahnhof Bundestag gedreht, das Kampftraining im Bärensaal des Alten Stadthauses.
Die Architektur unterstützt die Darstellung eines übermächtigen Staates: große, strenge Gebäude und monumentale Räume zeigen die Kontrolle des Regimes über die Bürger. Die Stadt Libria wirkt dadurch kalt, geordnet und einschüchternd.
Musik, Stil und Action
Die Filmmusik stammt von Klaus Badelt. Kurt Wimmer hatte zunächst die Idee, ausschließlich klassische Musik zu verwenden, hielt dies später aber nicht für sinnvoll. Während der Produktion entschied man sich für Musik aus den Bereichen Alternative Rock, Techno und Drum and Bass. Ein wichtiger Wendepunkt der Handlung wird mit der Einleitung des ersten Satzes von Beethovens 9. Sinfonie gestaltet. Dieser Einsatz erinnert an A Clockwork Orange, dessen Hauptfigur besonders gern Beethoven hört.
Ein zentrales Stilelement ist das „Gun-Kata“. Damit bezeichnet der Film eine Kampftechnik der Grammaton-Kleriker, bei der Körperhaltung, Waffenhaltung und ein gleichmäßiges Schussraster so kombiniert werden, dass die statistische Wahrscheinlichkeit, getroffen zu werden, sinken und die Wahrscheinlichkeit, möglichst viele Gegner zu treffen, steigen soll. Im Film können Kleriker damit sogar gegnerischen Geschossen ausweichen. Die Technik geht auf das fiktive „Gun Fu“ zurück, das schon in den 1980er Jahren im Hongkong-Action-Kino verwendet wurde. Wimmer benannte es für Equilibrium in Gun-Kata um. Die Kampfszenen erinnern stark an Kung-Fu-Filme von John Woo.
Die Grammaton-Kleriker verwenden meist zwei Pistolen. Es gibt aber auch Szenen mit dem Sturmgewehr HK G36 und mit Katanas. Viele Kampfelemente, darunter auch meterhohe Sprünge, wären wie in älteren Kung-Fu-Filmen ohne Tricktechnik oder Hilfsmittel körperlich kaum ausführbar. In Wimmers späterem Film Ultraviolet von 2006 nutzt die Hauptfigur ebenfalls Gun-Kata in einigen Action-Szenen.
Literarische Bezüge und Details
Ein wichtiger Gegenstand ist das Buch, das Errol Partridge nach einem Einsatz im Nether an sich nimmt. Preston nennt es später „irgend so ein Büchlein“. Es handelt sich im Film um The Poetry of William Butler Yeats, eine tatsächlich existierende literaturtheoretische Schrift von Sandra Gilbert, erschienen 1965 bei New York Monarch Press Inc. Darin sind Gedichte von William Butler Yeats enthalten, der von 1865 bis 1939 lebte und 1923 den Literaturnobelpreis erhielt.
Partridge liest Preston aus Yeats’ Gedicht „He wishes for the Cloths of Heaven“ aus dem Zyklus The Wind among the Reeds von 1899 vor. In der deutschen Fassung wird die Übersetzung von Werner Vordtriede verwendet: „Doch weil ich arm bin, / habe ich nur meine Träume. / Die Träume breite ich aus vor deinen Füßen. / Tritt leicht darauf, / Du trittst auf meine Träume.“ Eine Abwandlung dieses letzten Satzes erscheint vor dem finalen Kampf zwischen Preston und Dupont: „Vorsicht Preston, Sie treten auf meine Träume!“
Der Artikel verbindet diesen literarischen Bogen mit George Orwells 1984. Dort dient der Kinderreim „Oranges and Lemons“ dazu, den Protagonisten eines Gedankenverbrechens zu überführen; auch dort wird ein letzter Satz abgewandelt und zitiert, wenn es zur Konfrontation mit der Autorität kommt. Außerdem nennt die als Sinnestäterin entlarvte Frau auf die Frage nach ihrem Namen „O’Brien“. In Orwells 1984 heißt ebenfalls eine Figur O’Brien, die Gedankenverbrechen für das Ministerium für Liebe aufdeckt.
Der Name der psychotropen Droge Prozium setzt sich aus Prozac, einem in den USA häufig verwendeten Antidepressivum, und Valium, einem Beruhigungsmittel, zusammen.
Besetzung und Bewertung
Die Hauptrolle John Preston spielt Christian Bale; seine deutsche Stimme ist David Nathan. Dupont wird von Angus Macfadyen gespielt und von Lennardt Krüger gesprochen. Mary O’Brien spielt Emily Watson, gesprochen von Sabine Falkenberg. Weitere wichtige Rollen sind Brandt, gespielt von Taye Diggs und gesprochen von Clemens Gerhard, Jürgen, gespielt von William Fichtner und gesprochen von Sascha Draeger, sowie Errol Partridge, gespielt von Sean Bean und gesprochen von Gerhart Hinze. Die Figur „Vater“ wird von Sean Pertwee gespielt und von Holger Mahlich gesprochen. Die deutsche Synchronfassung entstand bei AV Productions.
Equilibrium erhielt insgesamt ein schlechtes Presseecho. Rotten Tomatoes weist für den Film 40 % im Tomatometer aus und ordnet ihn damit als „Gammelig“ ein. Metacritic nennt einen Metascore von 33/100; die Bewertungen fallen dort im Mittel „Grundsätzlich Ablehnend“ aus. Daneben führt der Artikel auch AllMovie und Filmstarts mit Sternbewertungen auf.
Das Lexikon des internationalen Films beschreibt Equilibrium als „Science-Fiction-Thriller mit Anleihen bei Blade Runner und Matrix, der seine Geschichte mit einigen reizvollen (auch musikalischen) Brüchen erzählt.“ René Malgo bewertet den Film bei Filmstarts positiver und nennt ihn einen „weithin übersehenen, erstaunlich kraftvollen Science-Fiction-Actioner mit epischem Touch und cooler Action“, der von guten Darstellern und einer mitreißenden Inszenierung profitiere.