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Techno
Techno [ˈtɛkno(ʊ)] ist eine Musikrichtung, die in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre durch die Verschmelzung mehrerer Stilarten der elektronischen …
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Definition und musikalische Merkmale
Techno ist eine synthetisch produzierte, vor allem rhythmusorientierte Form elektronischer Tanzmusik. Sie entstand in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre in Europa und Nordamerika durch die Verbindung mehrerer Stile. Grundlage war besonders der minimalistische, von der Bassdrum bestimmte Rhythmus der House-Musik. Hinzu kamen Einflüsse aus Acid House, Chicago House, Detroit Techno, New Beat, Electronic Body Music (EBM), Synthiepop, Electro Funk, Industrial, Ambient und der Berliner Schule. Der anfangs auch „Techno House“ genannte Stil erlebte in den 1990er Jahren seine Blütezeit und entwickelte zahlreiche Unterarten.
Typisch ist ein 4/4-Takt, bei dem eine elektronische Bassdrum jedes Viertel betont. Eine meist offene Hi-Hat erklingt auf den geraden Achteln. Häufig kommen eine geschlossene Hi-Hat auf allen Sechzehnteln sowie eine Snare Drum oder ein Handclap auf jedem zweiten Viertel hinzu. Herkömmliche Akkordfolgen sind weniger wichtig als das Experimentieren mit einzelnen Klängen und deren Zusammenspiel. Die Klangfarben wirken oft industriell oder metallisch.
Die Stücke beruhen meist auf repetitiven Arrangements, also auf wiederholten rhythmischen und klanglichen Mustern. Trotzdem bleiben sie nicht unverändert: Effekte, Flächenklänge und einzelne Perkussionselemente werden schrittweise hinzugefügt oder entfernt. Dadurch entwickelt sich das Stück, obwohl seine Grundstruktur weitgehend gleich bleibt.
„Techno“ bezeichnet sowohl den engeren Musikstil als auch einen Oberbegriff für verwandte Richtungen elektronischer Tanzmusik. Diese doppelte Bedeutung knüpft an die 1980er Jahre an, als das Wort als Sammelbezeichnung für technologisch fortschrittliche Musik verwendet wurde.
Ursprünge und wichtige Einflüsse
Die Grundlagen reichen in die frühe elektronische Musik zurück. Oskar Sala und Karlheinz Stockhausen verbanden klassische Komposition mit elektronischer Technologie. Kraftwerk griff solche Ideen auf und legte mit Autobahn (1974) eine Grundlage des Elektropop. Die Alben Die Mensch-Maschine (1978) und Computerwelt (1981) enthielten bereits minimalistische, tanzbare Elemente, die später für Techno wichtig wurden. Afrika Bambaataas Planet Rock (1982), das eine Melodie aus Kraftwerks Trans-Europe Express verwendete, wurde zum Klassiker des frühen Hip-Hops und zu einem Grundstein von Electro beziehungsweise Electro Funk.
Giorgio Moroders für Donna Summer produziertes I Feel Love (1976) verband repetitive Synthesizer-Schleifen erstmals mit einer durchgehenden Four-On-The-Floor-Bassdrum und einer Off-Beat-Hi-Hat. Es gilt daher als bedeutender Vorläufer von House und Techno. Weitere Einflüsse kamen unter anderem von Jean-Michel Jarre, Tangerine Dream, Brian Eno, Manuel Göttsching, Yello, Depeche Mode und Cabaret Voltaire.
Industrial entstand in den 1970er Jahren aus elektronischer Avantgarde und Musique concrète. Übersteuerungen, Störgeräusche, maschinenähnliche Klänge und Samples waren kennzeichnend. Gruppen wie Throbbing Gristle, Cabaret Voltaire und SPK beeinflussten Techno-Produzenten sowie die Entwicklung von Hardcore Techno und Gabber.
Bei der Electronic Body Music, kurz EBM, verbanden Musiker zu Beginn der 1980er Jahre minimalistische Sequenzerschleifen, Electropunk und frühen Industrial. Deutsche Projekte wie DAF, Liaisons Dangereuses und Die Krupps beeinflussten Gruppen wie Front 242 und Nitzer Ebb. EBM wurde zu einer wichtigen Grundlage für Detroit Techno, New Beat und später Goa-Trance.
New Beat entwickelte sich in Belgien. Nach verbreiteter Darstellung spielte DJ Marc Grouls 1986 die Single Flesh von A Split-Second mit 33 statt 45 Umdrehungen pro Minute; andere Äußerungen Grouls’ deuten auf eine bewusste Gegenbewegung zum schnelleren Acid House hin. Typisch waren 90 bis 115 bpm und Einflüsse aus EBM, Acid House und Hi-NRG. Der Boom dauerte nur etwa zwei Jahre, brachte aber zahlreiche Produzenten hervor und gilt als Wiege der belgischen Techno-Szene.
House entstand in den 1980er Jahren in Chicago aus dem Disco-Sound der 1970er Jahre. Frankie Knuckles und Larry Levan verlängerten und mischten die rhythmischen Passagen von Schallplatten, wodurch deren hypnotische Wirkung in den Mittelpunkt rückte. Acid House, eine um 1984/1985 entstandene harte und minimalistische House-Variante, wurde Ende der 1980er Jahre besonders in England und auf Ibiza populär. Der „Second Summer of Love“ 1988, das Smiley-Symbol und eine ausgeprägte Partykultur prägten die Bewegung. Nach Berichten über LSD und Ecstasy folgten Polizeikontrollen, Razzien und ein Medien- und Radioboykott, wodurch die Szene schnell an Bedeutung verlor.
Detroit, Ausbreitung und Stilbildung
In Detroit vermittelte Charles Johnson, bekannt als The Electrifying Mojo, in seiner Radiosendung Midnight Funk Association unterschiedliche elektronische Musikrichtungen. Sie wurde zur wichtigen Inspiration für Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson, die häufig „Belleville Three“ genannt werden. Ab 1986/1987 verbanden Detroiter Produzenten Electro mit Chicago House und Acid House. Kennzeichnend wurden die 4/4-Bassdrum der Roland TR-909, reduzierte Songstrukturen und der weitgehende Verzicht auf Gesang.
Internationale Aufmerksamkeit erhielt der Stil 1988 durch die Compilation Techno! The New Dance Sound of Detroit, deren Titel von Juan Atkins’ Stück Techno Music angeregt war. Detroit Techno gilt als Brücke zwischen US-amerikanischem House und europäischer Elektronik sowie als Frühform und unmittelbarer Vorläufer des späteren Techno. Umstritten ist jedoch, ob der Name des entstehenden Techno House vom Detroit Techno oder von der bereits verbreiteten Sammelbezeichnung „Techno“ abgeleitet wurde.
In den späten 1980er Jahren verschmolzen New Beat, EBM, Detroit Techno, House und andere elektronische Richtungen zu Techno House; die Bezeichnung wurde bald zu „Techno“ verkürzt. In Deutschland entstand zeitweise die Schreibweise „Tekkno“, etwa bei der 1989 begonnenen Berliner Partyreihe Tekknozid. Mehrere K sollten teilweise die Härte der Musik anzeigen. In Frankfurt am Main erschienen ab 1988 unter dem Namen Sound of Frankfurt Produktionen, die New Beat und Acid House verbanden.
Anfang der 1990er Jahre wurden die verschiedenen Formen zunächst kaum getrennt: DJs spielten auf einem Dancefloor unterschiedliche Spielarten. Mit der Mayday entstand Ende 1991 ein Veranstaltungskonzept mit vielen bekannten DJs, aber Spielzeiten von jeweils weniger als einer Stunde. Loveparade, Mayday, das Magazin Frontpage und zahlreiche regionale Fanzines trugen zur schnellen Verbreitung in Deutschland bei.
Danach bildeten sich stärker erkennbare Stile und regionale Szenen heraus. Die wiederentdeckte Roland TB-303 führte zum Acid Techno. Durch die Verbindung von Techno-Strukturen mit harmonischen Akkorden und Melodien entwickelte sich Trance zunehmend zu einem eigenen Genre. Hardcore Techno entstand zunächst in Frankfurt am Main und später auch in Amsterdam, Den Haag und Rotterdam. Berlin wurde unter anderem durch den Tresor Club und härtere Klänge geprägt. Aus Detroit kam Minimal Techno, der die Musik bewusst auf das Wesentliche reduzierte.
Ab 1992 breitete sich Techno stärker weltweit aus. In Argentinien und Brasilien gab es bereits um 1990 Partys; etwa 1996 wurde die Szene dort zur Massenbewegung. In Japan entwickelte sich eine kleine, zunehmend einflussreiche Szene, die Techno oft mit anderen Stilen verband. Außerhalb Europas entstanden ab den späten 1990er Jahren Paraden nach dem Vorbild der Loveparade. In der arabischen Welt, weiten Teilen Afrikas und Südasien – abgesehen von Goa – blieb Techno wenig verbreitet.
Unterarten, Abgrenzung und weitere Entwicklung
Die Grenzen der Techno-Unterarten sind fließend. Bezeichnungen dienen sowohl der Orientierung in einer großen Zahl von Veröffentlichungen als auch dem Marketing. Verbreitete Formen sind:
• Detroit Techno: stark am Chicagoer Acid House orientierter Detroiter Sound, oft als früheste Techno-Variante betrachtet. • Acid Techno: härtere Weiterentwicklung des Acid House mit den charakteristischen, quietschenden Klängen der Roland TB-303. • Dub-Techno: Techno mit den für Dub typischen Klangeffekten. • Minimal Techno: Reduktion der Musik auf wenige wesentliche Elemente. • Tech House: schnellerer House, nicht mit dem früheren Begriff Techno House zu verwechseln. • Hardcore Techno: sehr schnelle, von Beats und Klängen geprägte Varianten mit Einflüssen aus Industrial und Noise; dazu gehören Gabber und Speedcore. • Schranz: eine harte, ursprünglich regionale Techno-Ausprägung. • Rave: zeitweise als Sammelbezeichnung für mehrere Techno-Stile des „Eurobeat“ verwendet.
House und Techno lassen sich wegen ihrer ähnlichen Grundlagen nicht eindeutig trennen. Behelfsweise gilt House häufig als langsamer und liegt meist bei 120 bis 130 BPM. Sein Rhythmus verwendet oft punktierte Sechzehntel und orientiert sich am Funk; zudem kommen eher traditionelle Instrumente oder Samples davon zum Einsatz.
Im weiteren Sinn werden auch tanzbare elektronische Stile mit unregelmäßigen oder komplexen Rhythmen dem Umfeld von Techno zugerechnet. Dazu zählen 2-Step, Ambient, Big Beat, Drum and Bass, Dubstep, Electro, Electronica, Intelligent Dance Music sowie Trap und Drill. Diese Genres entstanden teilweise parallel und unabhängig, überschneiden sich aber durch Produzenten, Veranstaltungen und gemeinsame elektronische Gestaltungsmittel.
Die Musikindustrie vermarktete Techno früh für ein Massenpublikum. Das Boot von U 96 (1991), James Brown Is Dead von L. A. Style und Don’t You Want Me von Felix (1992) waren frühe Chart-Erfolge. Verbindungen von Techno, Hip House und Pop wurden als Dancefloor und später als Eurodance bekannt. Ab etwa 1994 gelangten auch Trance sowie technoorientierte Popmusik in die Charts.
Gleichzeitig wandte sich der Underground ab etwa 1994 wieder härteren oder minimalistischeren Klängen zu. Psychedelic Trance, auch Goa oder Psytrance genannt, verband elektronische Technik und Science-Fiction-Vorstellungen mit Elementen der Hippie-Kultur. Als Gegenbewegung entstand Mitte der 1990er Jahre „Intelligent Techno“, der komplexe Taktarten und Rhythmen sowie Einflüsse aus Industrial und Ambient verwendete. Ende der 1990er Jahre setzte sich dafür die Bezeichnung Intelligent Dance Music (IDM) durch.
Ab den späten 1990er Jahren ließ der große Techno-Boom nach. Die Zahl großer Raves sank, Labels stellten ihre Arbeit ein und Partys verlagerten sich von Lagerhallen in gewöhnliche Clubs. Techno entwickelte sich dennoch durch Mischungen mit anderen Stilen weiter. In Großbritannien und den Niederlanden erlebte Trance um die Jahrtausendwende als Dutch Trance eine neue Blüte, während sich Techno in Mitteleuropa stärker langsamen und minimalistischen Formen zuwandte. Insgesamt wurde Techno von einer wichtigen Avantgardebewegung der frühen 1990er Jahre zu einer Musikrichtung innerhalb einer vielfältigen Gesamtmusikszene. Der entsprechende Artikelabschnitt wird allerdings ausdrücklich als veraltet und um etwa 20 Jahre Geschichte unvollständig gekennzeichnet.
Produktion und Technokultur
Techno wird vor allem mit Synthesizern, Drumcomputern, Sequenzern, Samplern, Music Workstations und Musiksoftware produziert. Ein Sequenzer steuert und wiederholt gespeicherte Tonfolgen; ein Sampler verarbeitet aufgezeichnete Klänge. Das Beherrschen eines klassischen Instruments ist nicht zwingend notwendig. Trotzdem ersetzten Produzenten herkömmliche Songstrukturen bewusst durch neue musikalische Konzepte und näherten sich der Produktion auch künstlerisch und intellektuell.
Besonders wichtig sind Drumcomputer mit deutlich elektronisch klingender Perkussion. Kultstatus besitzen die Roland TR-808 und TR-909, obwohl ihre Herstellung bereits vor dem eigentlichen Techno-Boom endete. Hardware- und Software-Nachbildungen konnten die Originale für manche Anhänger nicht vollständig ersetzen. Bei Synthesizern waren analoge Geräte wie TB-303 und Juno 106 beliebt, weil sie vielfältige Klangveränderungen über Drehregler ermöglichen und weniger „clean“ als digitale Instrumente klingen. Virtuell-analoge Geräte wie der Clavia Nord Lead sollten analoge Modulationsmöglichkeiten mit den Vorteilen digitaler Technik verbinden.
Seit Mitte der 1990er Jahre verlagerte sich die Produktion zunehmend auf Computer. Diese dienten zunächst als MIDI-Sequenzer zur Steuerung anderer Geräte, ermöglichten später aber Harddisk Recording und ersetzten teilweise Sampler. Virtuelle Synthesizer wie die Software Reaktor simulieren Hardware am Computer. Plug-ins lassen sich in Sequenzerprogramme einbauen und wie externe Instrumente steuern.
Computer erleichterten neue Samplingmethoden. Richie Hawtin setzte für Closer To The Edit (2001) zerschnittene Produktionen anderer Künstler als Samples und Loops neu zusammen. Akufen entwickelte auf My Way (2002) das Microsampling weiter: extrem kurze Ausschnitte verschiedener Quellen wurden zu neuen Rhythmusstrukturen verbunden. Frühere Ansätze zeigte bereits Error 129 mit der EP Controlled Voice (1996).
Um Techno und House entstand in den 1990er Jahren eine breite Jugendkultur. Zur Technoszene gehörten eigene Kleidung, Clubgestaltung, Medien und Kunstformen. Ein verbreitetes Ideal verband Frieden, Toleranz, sexuelle Freiheit und Hedonismus und wurde im Slogan „Love, Peace and Unity“ zusammengefasst. Seit Mitte der 1990er Jahre entstanden jedoch Parallelszenen, die diese Vorstellungen kaum noch teilten. In vielen Ländern wurden House und zunehmend auch Techno später eher mit Diskotheken für Besserverdienende als mit einer alternativen Jugendkultur verbunden.
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