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Einsatzgruppen-Meldungen
Als Einsatzgruppen-Meldungen werden Berichte und Meldungen der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD bezeichnet, die von deren Kommandeuren …
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Bedeutung und Entstehung
Als Einsatzgruppen-Meldungen werden Berichte und Meldungen der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD bezeichnet. Ihre Kommandeure gaben sie zwischen 1941 und 1943 aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion an das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) weiter. Das RSHA redigierte die Meldungen und leitete sie in regelmäßigen Abständen innerhalb des RSHA sowie an hohe Amtsträger in NSDAP, Wehrmacht und Reichsregierung weiter.
Die Meldungen sind wichtig, weil sie zur juristischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen genutzt wurden und bis heute eine zentrale Quelle für die Erforschung des Holocaust und von Kriegsverbrechen in der besetzten Sowjetunion sind. Sie enthalten Angaben zu Tatorten, beteiligten Einheiten und Zahlen ermordeter Juden und anderer Sowjetbürger.
Arten der Meldungen
Zu den Einsatzgruppen-Meldungen gehören mehrere Berichtsreihen und Dokumente. Die wichtigsten sind die „Ereignismeldungen UdSSR“: Zwischen Juni 1941 und April 1942 entstanden 195 solcher Meldungen; bis auf eine blieben alle erhalten.
Daneben gab es „Tätigkeits- und Lageberichte der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in der UdSSR“. Sie wurden im gleichen Zeitraum wie die Ereignismeldungen abgegeben, aber in größeren zeitlichen Abständen. Sie waren stärker zusammenfassend und behandelten oft dieselben Taten.
Als regelmäßige Berichte folgten später die „Meldungen aus den besetzten Ostgebieten“. Im Vergleich zu den Ereignismeldungen UdSSR enthielten sie weniger direkte Aussagen zum Mord an den Juden, aber mehr Einzelheiten zur Partisanenbekämpfung.
Außerdem zählen drei Einzelberichte dazu: zwei Berichte von Walter Stahlecker, der erste aus dem Oktober 1941 und der zweite vom Januar 1942, sowie der Bericht von Karl Jäger aus dem Dezember 1941, der sogenannte Jäger-Bericht.
Übermittlung und Geheimhaltung
Die Berichte wurden von Juni 1941 bis Mai 1943 von den Stäben der Einsatzgruppen per Funk und Kurier nach Berlin an das RSHA gemeldet. Sie waren geheim und trugen meist den Vermerk „Geheime Reichssache“.
Die Meldungen wurden in zweistelliger Anzahl kopiert und als nummerierte Exemplare verteilt. Empfänger waren Dienststellen des RSHA sowie hohe Ämter in NSDAP, Reichsregierung und Militär. Auch innerhalb der Einsatzgruppen war der Zugang stark eingeschränkt: In der Einsatzgruppe D hatten nur drei Offiziere und ein Funker Zugang zu den eigenen Meldungen und zu deren Übertragung.
Fund nach 1945
Ab 1945 stellte die amerikanische Einheit 6889th BDC (Berlin Document Center) in Berlin auf Befehl von General Lucius D. Clay Akten der Reichs- und NS-Behörden sicher. Zunächst sollte sie vor allem Verwaltungsunterlagen für die Viermächteverwaltung bereitstellen; die Dokumentation und Verfolgung von NS-Verbrechen wurde erst schrittweise wichtiger.
Am 3. September 1945 fand die Einheit im vierten Stockwerk des Gestapo-Hauptquartiers in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße, heute Topographie des Terrors, zwei Tonnen Unterlagen. Darunter waren 578 Aktenordner aus Beständen des RSHA und der Gestapo. In zwölf Ordnern, Nr. E316 und E325–E335, befand sich ein fast kompletter Satz der Ereignismeldungen UdSSR und der Meldungen aus den besetzten Ostgebieten.
Obwohl die Unterlagen nun im Besitz der Amerikaner waren, wurde ihre Bedeutung erst etwa ein Jahr später erkannt. Ende 1945 lagen an verschiedenen Orten der Document-Center-Einheiten in der amerikanischen Zone mehr als 1600 Tonnen Unterlagen. Benjamin Ferencz schätzte, dass allein das Berliner BDC acht bis neun Millionen sichergestellte Dokumente verwahrte. Deshalb ging die Sichtung nur langsam voran.
Nutzung in Prozessen
Der im Berliner Bestand gefundene Teil der Einsatzgruppen-Meldungen war der Anklage im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess noch nicht bekannt und wurde dort nicht als Beweismittel verwendet. Einige andere Einsatzgruppen-Meldungen waren jedoch von den Sowjets erbeutet worden und wurden schon im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher genutzt.
Benjamin Ferencz, der von Telford Taylor vom Office of Chief of Counsel for War Crimes mit der Sichtung des Materials für OMGUS beauftragt worden war, erkannte etwa Ende 1946 die Bedeutung der Meldungen. Im Frühjahr 1947 wurden sie systematisch ausgewertet. Aus den Berichten ergab sich, dass die Einsatzgruppen zwischen Mai 1941 und Juli 1943 für die Ermordung von etwa einer Million Menschen verantwortlich waren.
Diese Erkenntnisse führten zum Gerichtsverfahren Otto Ohlendorf et al., dem Einsatzgruppenprozess vor dem amerikanischen Nürnberger Militärtribunal. Dort wurden 24 hochrangige Mitglieder der Einsatzgruppen angeklagt.
Forschung und Bewertung
Seit ihrer Auswertung gelten die Einsatzgruppen-Meldungen als unverzichtbare Quelle für die Erforschung und Verfolgung der Ermordung der sowjetischen Juden. Sie sind außerdem wichtig für die Untersuchung der deutschen Besatzungspolitik in den besetzten Teilen der Sowjetunion.
Zwischen 2011 und 2014 erschien eine dreibändige kommentierte Dokumentensammlung, herausgegeben von Klaus-Michael Mallmann, Andrej Angrick, Jürgen Matthäus und Martin Cüppers. Die Herausgeber weisen darauf hin, dass die Berichte nicht nur der Information höherer Stellen über die zunehmende Radikalisierung dienten. Durch einen Wettlauf um die höchsten Quoten hätten sie auch die Radikalisierung der Einsatzgruppen gefördert. In diesem Klima seien auch „Zigeuner“, Insassen psychiatrischer Anstalten und „asiatische Minderwertige“ ohne zentralen Befehl von oben in den Vernichtungsprozess einbezogen worden.