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Jürgen Matthäus
Jürgen Matthäus (* 1959 in Dortmund) ist ein deutscher Historiker und war bis März 2025 Leiter der Forschungsabteilung des United States Holocaust Memorial …
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Person und fachlicher Schwerpunkt
Jürgen Matthäus (* 1959 in Dortmund) ist ein deutscher Historiker. Bis März 2025 leitete er die Forschungsabteilung des United States Holocaust Memorial Museum in Washington, DC. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der Geschichte des Holocaust, insbesondere auf den Hintergründen nationalsozialistischer Judenverfolgung und des Völkermords an den europäischen Juden.
Nach dem Abitur studierte Matthäus Geschichte und Philosophie an der Universität Bochum. 1986 schloss er das Studium mit dem akademischen Grad Magister artium ab. 1992 wurde er in Bochum zum Dr. phil. promoviert. Seine Dissertation behandelte die Nationsbildung in Australien von den Anfängen weißer Besiedlung bis zum Ersten Weltkrieg (1788–1914). Anschließend arbeitete er als Senior Historian im australischen Justizministerium in Sydney.
Seit 1994 war Matthäus am United States Holocaust Memorial Museum tätig. Als Direktor leitete er die Forschungsabteilung am Jack, Joseph and Morton Mandel Center for Advanced Holocaust Studies. Außerdem nahm er verschiedene Gastprofessuren in den USA, Australien und Deutschland wahr. Von 2015 bis 2021 gehörte er unter anderem dem Internationalen Beirat der Stiftung Topographie des Terrors an.
Matthäus ist als Autor, Herausgeber und Bearbeiter an Fachpublikationen zum Holocaust beteiligt. Zu seinen Forschungsgegenständen gehörten unter anderem die Hintergründe der bekannten Fotografie „Der letzte Jude in Winniza“. Im September 2025 wurde er als Schiedsrichter an die neu eingerichtete Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut der Bundesregierung berufen.
Ausgewählte Veröffentlichungen und Bearbeitungen
Matthäus veröffentlichte und bearbeitete Arbeiten zu unterschiedlichen Bereichen der Holocaustforschung und zur Geschichte des Nationalsozialismus. Dazu zählen sowohl eigene Studien als auch Editionen, Nachträge und gemeinsam herausgegebene Dokumentationen.
Zu seinen frühen wissenschaftlichen Arbeiten gehört Nationsbildung in Australien von den Anfängen weisser Besiedlung bis zum Ersten Weltkrieg (1788–1914), erschienen 1993 bei Lang. Das Buch war zugleich seine 1992 an der Ruhr-Universität Bochum eingereichte Dissertation.
Als Bearbeiter gab Matthäus 2000 die Erinnerungen Totenkopf und Zebrakleid. Ein Berliner Jude in Auschwitz von Erwin R. Tichauer mit einem Nachwort heraus. 2003 steuerte er einen Beitrag zu Christopher Brownings Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939–1942 bei. Im selben Jahr erschien seine eigene Studie Ausbildungsziel Judenmord? „Weltanschauliche Erziehung“ von SS, Polizei und Waffen-SS im Rahmen der „Endlösung“.
Gemeinsam mit Klaus-Michael Mallmann gab Matthäus 2006 Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart heraus. 2008 veröffentlichten Matthäus, Mallmann und Jochen Böhler Einsatzgruppen in Polen. Darstellung und Dokumentation. Mit Klaus-Michael Mallmann, Andrej Angrick und Martin Cüppers gab er 2011 die „Ereignismeldungen UdSSR“ 1941. Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion heraus.
Weitere Herausgeberschaften sind Approaching an Auschwitz survivor. Holocaust testimony and its transformations (2009), das sich mit Holocaustzeugnissen und ihren Veränderungen befasst, sowie Naziverbrechen. Täter, Taten, Bewältigungsversuche (2013), herausgegeben mit Martin Cüppers und Andrej Angrick. Die Auswahl zeigt, dass Matthäus sowohl zur historischen Analyse nationalsozialistischer Verbrechen als auch zur Bearbeitung von Erinnerungsberichten und zeitgenössischen Dokumenten beigetragen hat.