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Einkommensverteilung in Polen
Die personelle Einkommensverteilung betrachtet dabei, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen(gruppen) z. B. Privathaushalte verteilt ist.
Inhalt6 Abschnitte
Grundlagen und Einkommensbegriffe
Die Einkommensverteilung beschreibt, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf Personen oder Gruppen wie Privathaushalte verteilt ist. Die personelle Verteilung untersucht diese Aufteilung zwischen Menschen; die funktionale Verteilung unterscheidet Einkommen nach ihrer Entstehungsquelle. Ergebnisse hängen davon ab, welche Einkommensdefinition und welches statistische Verfahren verwendet werden.
Unterschieden werden insbesondere Bruttoeinkommen, Nettoeinkommen, zu versteuerndes Einkommen und verfügbares Einkommen. Eurostat misst die personelle Verteilung anhand des verfügbaren Äquivalenzeinkommens. Dieses berücksichtigt das verfügbare Haushaltseinkommen und die Größe beziehungsweise Zusammensetzung des Haushalts, sodass Haushalte vergleichbar werden.
Das Markteinkommen oder Primäreinkommen entsteht vor staatlicher Umverteilung. Es umfasst Einkommen aus unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, Geschäftstätigkeit, Vermietung und Verpachtung sowie Kapitalerträge vor Steuern und Abgaben. Das Sekundäreinkommen ergibt sich nach Berücksichtigung von Sozialabgaben, direkten Steuern sowie öffentlichen Transfers wie Sozialhilfe und Arbeitslosengeld und privaten Transfers wie Unterhalt.
2017 lag Polen mit einem Gini-Index von 29,2 im einkommensgleichsten Drittel der Europäischen Union. Im Vergleich mit anderen Transformationsländern war die Ungleichheit moderat. Das verfügbare Medianeinkommen betrug 25.940 PLN, rund 6.000 EUR, und lag deutlich unter dem Durchschnitt der EU-28; das polnische Durchschnittseinkommen betrug 29.714 PLN.
Einkommenshöhe und Entwicklung
Das Durchschnittseinkommen ist das arithmetische Mittel aller Einkommen. Das Medianeinkommen bezeichnet dagegen das Einkommen der Person in der Mitte der Verteilung: 50 % verdienen weniger und 50 % mehr. Der Median reagiert weniger stark auf extreme Werte. Weil sehr hohe Spitzeneinkommen den Durchschnitt, aber nicht den Median nach oben ziehen, liegt der Durchschnitt gewöhnlich höher; dies wird als rechtsschiefe Verteilung bezeichnet.
2017 betrug das Durchschnittseinkommen nach sozialen Transfers und Pensionen 29.714 PLN beziehungsweise 6.810 EUR. Das Medianeinkommen lag bei 25.940 PLN beziehungsweise 5.945 EUR. Die gewichteten Vergleichswerte der EU-28 erreichten 19.354 EUR beim Durchschnitt und 16.885 EUR beim Median.
Zwischen 2006 und 2017 stieg das nominale Durchschnittseinkommen nach sozialen Transfers und Pensionen um 99,4 %, das entsprechende Medianeinkommen um 107,2 %. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex, kurz HVPI, nahm im selben Zeitraum lediglich um 24,9 % zu. Der Einkommensanstieg war deshalb überwiegend real, also auch nach Abzug der Preissteigerungen vorhanden. Das reale Einkommen wird in der Darstellung mit dem HVPI und dem Basisjahr 2015 inflationsbereinigt.
Die realen und nominalen Durchschnitts- und Medianeinkommen entwickelten sich insgesamt deutlich aufwärts. 2010 war nach der Wirtschaftskrise das einzige Jahr mit einem Rückgang beider Größen. Wegen geringer Inflationsraten verliefen die realen und nominalen Werte zwischen 2013 und 2016 nahezu gleich.
Maße der Ungleichheit
Der Gini-Index misst Einkommensungleichheit auf einer Skala von 0 bis 100. Der Wert 0 bedeutet absolute Gleichverteilung, bei der alle gleich viel erhalten. Der Wert 100 bedeutet absolute Ungleichverteilung, bei der eine Person das gesamte Einkommen erhält. Je niedriger der Wert ist, desto gleichmäßiger ist das Einkommen verteilt.
In Polen sank der Gini-Index sowohl vor als auch nach Sozialtransfers seit Mitte der 2000er Jahre. Die Tabelle weist für 2006 vor Transfers 53,0 und danach 33,3 aus; 2017 waren es 47,3 beziehungsweise 29,2. Daran wird auch die Wirkung staatlicher Umverteilung sichtbar. Für 2016 nennt der Text beim Markteinkommen 45,5 Punkte und beim Sekundäreinkommen 28,4 Punkte. 2004 hatten die entsprechenden Werte noch 59,4 und 37,6 betragen. Beide polnischen Werte lagen unter dem EU-Durchschnitt. Polen hatte 2004 innerhalb der betrachteten Nachbarländer noch den höchsten Gini-Index; 2016 lag dieser unter den Werten Litauens und Deutschlands.
Das S80/S20-Verhältnis teilt das Gesamteinkommen der einkommensstärksten 20 % durch das Gesamteinkommen der einkommensschwächsten 20 %. Ein Wert nahe 1 steht für größere Gleichheit. In Polen sank das Verhältnis von 5,6 im Jahr 2006 auf 4,6 im Jahr 2017.
Der Einkommensanteil der Top 10 % gibt an, welchen Prozentsatz des Gesamteinkommens das einkommensstärkste Zehntel erhält. Er fiel von 25,5 % im Jahr 2006 auf 23,2 % im Jahr 2017. Vor 2014 hatte der Anteil klar über dem EU-Durchschnitt gelegen; 2017 lag er 0,7 Prozentpunkte darunter und ungefähr auf der Höhe Deutschlands.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Beim S80/S20-Verhältnis entwickelten sich die Werte von Männern und Frauen in Polen mit relativ konstantem Abstand. 2017 betrug das Verhältnis bei Männern 4,7 und bei Frauen 4,4; der EU-Durchschnitt lag für beide Geschlechter bei 5,1. Der polnische Männerwert lag damit um 0,3 über dem Frauenwert. Beide Werte sanken im Zeitverlauf und blieben unter dem EU-Durchschnitt.
Der unbereinigte Gender-Pay-Gap ist die Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Frauen und Männern, ausgedrückt als Prozentsatz des durchschnittlichen Bruttostundenlohns der Männer. „Unbereinigt“ bedeutet, dass Unterschiede etwa bei Berufen, Arbeitszeit oder Qualifikation nicht herausgerechnet werden. Grundlage sind die Verdienststrukturerhebungen von 2002, 2006, 2010 und 2014 sowie nationale Schätzungen für die Zwischenjahre ab 2007. Die Daten werden unter anderem nach Wirtschaftszweig, öffentlicher oder privater Kontrolle, Voll- oder Teilzeit und sechs Altersgruppen gegliedert.
Für Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen ohne öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung lag der polnische Gender-Pay-Gap 2017 bei etwa 7 %, gegenüber 16 % im EU-Durchschnitt. Zwischen 2008 und 2010 soll sich der polnische Abstand ungefähr halbiert und auf unter 5 % verringert haben; anschließend stieg er wieder. Der Artikel nennt allerdings für Polen 2010 zugleich einen Wert von 11 %, sodass die Angaben für dieses Jahr widersprüchlich sind. Für die EU werden 17,3 % im Jahr 2008 und 16 % im Jahr 2017 angegeben.
Regionale Unterschiede und Armut
Die regionalen Einkommensunterschiede waren stärker ausgeprägt als die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. 2016 reichte das durchschnittliche verfügbare Einkommen je Einwohner von 9.600 EUR im Karpatenvorland, einer der ärmsten Regionen der EU, bis 13.500 EUR in Schlesien. Weitere hohe Werte hatten Lodsch mit 13.200 EUR, Großpolen mit 12.700 EUR und Niederschlesien mit 12.600 EUR. Niedrige Werte verzeichneten Podlachien mit 10.200 EUR, Lublin mit 10.500 EUR sowie Heiligkreuz und Ermland-Masuren mit jeweils 10.600 EUR. Für Warschau weist die Tabelle 17.500 Kaufkraftstandards im Jahr 2016 aus.
Nach Eurostat ist eine Person von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eines von drei Merkmalen vorliegt: Armutsgefährdung, materielle Deprivation oder das Leben in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit. Armutsgefährdet ist, wer über weniger als 60 % des nationalen Medianäquivalenzeinkommens verfügt. Materielle Deprivation bedeutet, sich bestimmte Güter des täglichen Lebens unfreiwillig nicht leisten zu können; berücksichtigt werden wirtschaftliche Belastungen und fehlende langlebige Gebrauchsgüter.
Der landesweite Anteil der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Bevölkerung sank kontinuierlich von 45,3 % im Jahr 2005 auf 19,5 % im Jahr 2017. Die räumlichen Unterschiede veränderten sich dabei. Für 2017 nennt der Fließtext eine Spannweite von 15,5 % im Osten bis 25,9 % in Zentralpolen; die zugehörige Tabelle ordnet die Werte jedoch umgekehrt zu: 15,5 % der zentralen und 25,9 % der östlichen Region. Die Quelle enthält hier somit einen Widerspruch.
Ursachen, Umverteilung und politische Maßnahmen
Nach dem Ende der Volksrepublik stieg die Einkommensungleichheit in Polen stark und stärker als in Ungarn oder Tschechien. Seit 2007 nahm sie moderat ab. Der anfängliche Anstieg hing besonders mit einer größeren Lohnspreizung zusammen: Hochqualifizierte Beschäftigte wurden nach der wirtschaftlichen Öffnung besser bezahlt, während Einkommen vieler Menschen mit geringer Ausbildung sanken. Seit Mitte der 2000er Jahre verringerten Emigration und ein steigendes Bildungsniveau diese Spreizung. Als weitere Ursachen bestehender Ungleichheit gelten die geringe Progression der Einkommensteuer und die hohe Zahl atypischer Beschäftigungsverhältnisse. Der Einkommensvorsprung von Personen mit tertiärem Bildungsabschluss lag über dem EU-27-Durchschnitt, verringerte sich aber zuletzt.
Eine Steuerreform von 2007 führte Kinderfreibeträge ein und trug zur Verringerung der Ungleichheit bei. Der Nachlass betrug 306,40 EUR pro Jahr, entsprechend 6 % des nominalen polnischen Medianeinkommens von 2017.
Nach der Weltfinanzkrise wurden 2009 Arbeitsmärkte und Löhne gesetzlich flexibilisiert. In der Forschung besteht kein Konsens darüber, wie stark diese Maßnahmen Polen vor schweren Krisenfolgen schützten und ob die damit verbundene Ausweitung prekärer Beschäftigung notwendig war.
Zwei neuere Maßnahmen wirkten erheblich auf die Verteilung. 2015 wurde ein neuer Bruttomindestlohn von 2.000 PLN eingeführt, der angesichts des großen Niedriglohnsektors zur Verringerung der Ungleichheit beitrug. 2016 folgte der Fertilitätsbonus „Rodzina 500 plus“: Er umfasst eine bedarfsorientierte Geldleistung ab dem ersten Kind und universelle Leistungen ab dem zweiten Kind. Das Programm erwies sich bei der Bekämpfung von Kinderarmut als wirksam. Kritische Stimmen verweisen jedoch auf mögliche negative Folgen für die Erwerbsbeteiligung von Müttern und eine mögliche Vergrößerung des Gender-Pay-Gaps.