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Transaktionskostentheorie
Make- or Buy-Entscheidungen: Die Transaktionskostentheorie ist oft im Zusammenhang mit der Entscheidung zwischen Eigen- oder Fremderstellung empirisch …
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Kernidee und Grundbegriffe
Die Transaktionskostentheorie, auch Transaktionskostenansatz genannt, ist eine Organisationstheorie der Neuen Institutionenökonomik. Sie untersucht, warum bestimmte Transaktionen in bestimmten institutionellen Arrangements, also Organisationsformen des Tausches, effizienter oder weniger effizient organisiert werden. Im Mittelpunkt steht der Vertrag als Organisationsform. Grundannahme ist: Handeln in einer Marktwirtschaft verursacht nicht nur Produktionskosten, sondern auch Kosten für die Abwicklung des Austauschs. In einem modellhaft vollkommenen Markt gibt es definitionsgemäß keine Transaktionskosten.
Transaktionen sind die Grundeinheiten der Analyse. Gemeint sind alle Übertragungen von Verfügungsrechten an Gütern und Dienstleistungen in Austauschbeziehungen zwischen mindestens zwei Vertragspartnern. Effizienz bedeutet dabei den möglichst sparsamen Einsatz knapper Ressourcen. Eine Transaktion ist effizient, wenn die Beteiligten die Organisationsform wählen, bei der Produktionskosten und Transaktionskosten zusammen am niedrigsten sind.
Die Theorie vergleicht vor allem Markt und Organisationen als mögliche Formen der Abwicklung. Ein Unternehmen zu gründen oder zu vergrößern, etwa durch Anteilskäufe oder Insourcing, ist wirtschaftlich, wenn die Transaktionskosten des Marktes höher sind als die internen Transaktionskosten. Sind dagegen die internen Transaktionskosten höher als die externen, spricht dies für Verkleinerung, Anteilsverkäufe oder Outsourcing.
Oliver Williamson unterscheidet ex-ante- und ex-post-Transaktionskosten. Ex-ante-Transaktionskosten fallen vor dem Vertragsschluss an, zum Beispiel Informations-, Verhandlungs- und Vertragskosten. Ex-post-Transaktionskosten entstehen nach Vertragsabschluss und Leistungsaustausch, etwa durch Kontrolle, Durchsetzung oder nachträgliche Vertragsanpassungen.
Verhalten und Einflussfaktoren
Die Theorie arbeitet mit drei zentralen Verhaltensannahmen. Erstens gilt begrenzte Rationalität: Akteure können wegen begrenzter Fähigkeiten, Zeit, Wissen und Informationsverarbeitung nur eingeschränkt rational handeln. Besonders bei unsicheren zukünftigen Marktbedingungen können nicht alle möglichen Situationen im Vertrag geregelt werden. Zweitens wird Opportunismus angenommen: Vertragspartner verfolgen ihre eigenen Interessen und können auch täuschen, wenn der andere Teil nicht über die nötigen Informationen verfügt. Beispiele sind Verzögerungen durch Zulieferer oder ein geringerer Aufwand zur Zielerreichung. Opportunismus kann vor und nach Vertragsabschluss auftreten, etwa durch Nachverhandlungen bei asymmetrischer Informationsverteilung. Drittens nimmt die Theorie vereinfachend Risikoneutralität an: Beteiligte verhalten sich gegenüber Risiken neutral und haben denselben Grad an Risikobereitschaft.
Drei Merkmale von Transaktionen beeinflussen die Höhe der Transaktionskosten besonders. Das erste ist die transaktionsspezifische Investition, auch Faktorspezifität genannt. Sie liegt vor, wenn ein Vermögenswert speziell für eine Geschäftsbeziehung oder ein Produkt eingesetzt wird und sich nicht profitabel anderweitig verwenden lässt. Unterschieden werden Standortspezifität, physikalische Spezifität, Humanspezifität und zweckbestimmte Spezifität. Standortspezifität entsteht etwa, wenn sich ein Unternehmen nahe beim Vertragspartner ansiedelt. Physikalische Spezifität betrifft spezielle Komponenten, Maschinen oder Werkzeuge. Humanspezifität meint besonderes Wissen, Fähigkeiten, Kommunikationskanäle und Problemlösungsstrategien. Zweckbestimmte Spezifität liegt vor, wenn Investitionen in Einrichtungen genau für die Anforderungen eines bestimmten Geschäftspartners getätigt werden.
Das zweite Merkmal ist Unsicherheit. Parametrische Unsicherheit betrifft zukünftige Umweltzustände, unter denen Leistungen erbracht werden. Verhaltensunsicherheit betrifft mögliches opportunistisches Verhalten des Partners. Beide erhöhen Transaktionskosten, weil mehr Bedingungen vorausgedacht und vereinbart werden müssen und wegen begrenzter Rationalität später oft Anpassungen und Nachverhandlungen nötig werden. Das dritte Merkmal ist Häufigkeit: Bei vielen gleichen oder ähnlichen Transaktionen können Fixkostendegression, Lern-, Skalen- und Synergieeffekte die durchschnittlichen Produktions- und Transaktionskosten senken. Dieser Faktor ist im Vergleich zu Spezifität und Unsicherheit aber eher untergeordnet.
Formen der Organisation
Williamson unterscheidet drei Arten von Vertragsbeziehungen, die jeweils institutionelle Organisationsformen begründen. Klassische Verträge stehen für die Abwicklung über den Markt. Ein typisches Beispiel ist ein normaler Kaufvertrag über ein einfaches Produkt. Die Bedingungen sind vorher festgelegt, die Transaktion dauert kurz, und die Vertragspartner erwarten keine spätere Anpassung.
Neoklassische Verträge stehen für langfristige Verträge. Sie werden verwendet, wenn die Partner nicht alle Bedingungen im Voraus festlegen können und deshalb mit Anpassungsbedarf rechnen. Dafür nutzen sie Sicherungs-, Anpassungs- und Garantieklauseln. Beispiele sind Joint-Ventures oder Franchising. Williamson nennt dieses Arrangement eine hybride Form, weil es zwischen Markt und Organisation liegt.
Relationale Vertragsbeziehungen stehen für die Abwicklung in Organisationen. Sie beschreiben komplexe soziale Beziehungen, in denen gemeinsame Entscheidungen, abgestimmte Anpassungen und gemeinsame Entwicklung nötig sind. Als Beispiel nennt Williamson die Leistungserstellung im Unternehmen selbst.
Die Hauptaussage lautet: Bei geringer Unsicherheit und ohne transaktionsspezifische Investitionen wird ein Güter- oder Leistungsaustausch eher über den Markt abgewickelt. Viele Konkurrenten begrenzen opportunistisches Verhalten, und eine spätere Vertragsanpassung ist weniger teuer, weil ein Vertragspartner leichter zu einem anderen Anbieter wechseln kann. Steigen jedoch Spezifität und Abhängigkeit, wächst der Anreiz zu opportunistischem Verhalten, etwa um sich Quasi-Renten anzueignen. Dann kann eine hybride Form sinnvoll sein, bei der Informationspflichten, Sanktionen und Regelungen für Nachverhandlungen vereinbart werden. Bei sehr großer Unsicherheit und hohen transaktionsspezifischen Investitionen kann interne Leistungserstellung die kostengünstigste Lösung sein, weil Informations-, Verhandlungs- und Vertragskosten teilweise eingespart werden und spätere Anpassungen intern leichter erfolgen. Ein eigenes Steuerungs- und Kontrollsystem kann opportunistisches Verhalten möglicherweise stark verringern.
Ziel ist immer die Organisationsform, bei der die Koordinationskosten für Information und Kommunikation minimal sind und zugleich Effizienz und Investitionsschutz möglichst hoch sind. Der Erfolg hängt wesentlich von der Neigung der Akteure zum Opportunismus ab. Je kleiner die Anzahl der Akteure ist, desto größer ist nach der Theorie die Neigung zum Opportunismus; dies wird als small numbers problem bezeichnet. Die Einordnung von Unternehmensnetzwerken als eigenständige Organisationsform zwischen Markt und Hierarchie oder als intermediäre Form gilt im Artikel als noch fraglich.
Anwendungen und soziale Kontrolle
Die genaue Bestimmung von Transaktionskosten ist nach dem Artikel bisher nicht gelöst. Trotzdem liefert die Theorie Entscheidungshinweise. Ein wichtiger Anwendungsbereich sind Make-or-Buy-Entscheidungen, also Entscheidungen zwischen Eigenherstellung und Fremdbezug. Solche Fragen wurden unter anderem in der Automobilindustrie und im öffentlichen Sektor untersucht. Je höher Faktorspezifität und Unsicherheit sind, desto wahrscheinlicher wird es, dass Unternehmen benötigte Komponenten innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen beziehen, besonders wenn diese Komponenten voneinander abhängig sind. Innerhalb eines Unternehmens unterliegen Beteiligte derselben Autorität; Vereinbarungen lassen sich leichter durchsetzen, Verstöße leichter ahnden und Konflikte effizienter lösen. Bei modularen Produkten ist opportunistisches Verhalten von Zulieferern weniger wahrscheinlich, weil sie leichter austauschbar sind.
Weitere Anwendungsbereiche sind Internationalisierungsstrategien multinationaler Unternehmen, besonders die institutionelle Gestaltung internationaler strategischer Allianzen wie Joint-Ventures. Auch Beschäftigungsverhältnisse werden untersucht, etwa Arbeitsverträge, Mitbestimmungsrechte und Kündigungsschutz aus Sicht der Transaktionskostentheorie.
In der Weiterentwicklung der Theorie werden soziale Kontrollmechanismen bedeutsam, obwohl die ursprüngliche Opportunismusannahme einen „worst case“ beschreibt. Vertrauen kann Kontrollkosten senken und Verhandlungen verkürzen; es wird zugleich als Risikoverständnis beschrieben. In Kooperationsspielräumen entstehen Chancen und Gefahren, und eine faire Ausfüllung dieser Spielräume ist eine wichtige Bedingung der Kooperation. Der Artikel weist aber ausdrücklich darauf hin, dass Vertrauen im Transaktionskostenansatz nicht thematisiert wird, weil Opportunismus die Verhaltensannahme ist.
Kultur kann Koordinationskosten senken, wenn Präferenzen, Werte, Ziele und Kompetenzen ähnlich sind. Das erleichtert Abstimmung und Lernen. Bei längerfristigen Beziehungen kann eine sehr einheitliche Kultur aber auch höhere transaktionsspezifische Investitionen fördern, Abhängigkeiten erhöhen und opportunistisches Verhalten ermöglichen. Reputation gilt als spezifisches Kapital, das verteidigt werden muss, besonders wenn es viele Möglichkeiten zum Opportunismus gibt. Gute Reputation senkt den Anreiz zu opportunistischem Verhalten und verringert Informations-, Verhandlungs- und Suchkosten.
Entwicklung und Bewertung
Ein wichtiger Ausgangspunkt der Transaktionskostentheorie ist Ronald Coases Aufsatz The Nature of the Firm aus dem Jahr 1937. Coase fragte, warum es Unternehmen gibt, obwohl sie in der Theorie vollkommener Märkte keinen Platz hatten. Er kam zu dem Schluss, dass die von Adam Smith beschriebene unsichtbare Hand des Marktes zwar unsichtbar sein mag, aber nicht kostenlos ist. Coase verwendete noch nicht den Begriff Transaktionskosten, sondern sprach von Kosten zur Nutzung des Preismechanismus, also des Marktes. Für diese Arbeit erhielt er 1991 den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.
Kenneth Arrow beschäftigte sich ebenfalls mit Transaktionen und Transaktionskosten; Williamson verband später Coases Gedanken mit Arrows Begriff der Transaktionskosten von 1969. Anfang der 1970er Jahre wurde die Institutionenökonomik als Transaktionskosten-Ansatz interpretiert. Oliver Williamson legte 1985 mit The Economic Institutions of Capitalism: Firms, Markets, Relational Contracting eine zusammenfassende und detaillierte Darstellung der Theorie vor. Der Ansatz wurde auch auf die Politikwissenschaft übertragen, etwa auf den Austausch von Wählerstimmen gegen Wahlversprechen, bei dem Informationskosten entstehen können.
Positiv bewertet wird, dass die Theorie erklärt, warum Organisationen überhaupt entstehen und warum bestimmte Transaktionen in bestimmten Arrangements besser abgewickelt werden können. Sie ermöglicht auch die Analyse von Organisationsformen zwischen Unternehmen. Empirische Untersuchungen haben die Thesen der Transaktionskostentheorie laut Artikel überwiegend bestätigt, etwa nach Shelanski/Klein 1995.
Kritisiert wird, dass die Theorie nur wenige Aussagen über äußere Einflussfaktoren wie Machtverteilungen zwischen Transaktionspartnern macht und keinen Zusammenhang zwischen einzelnen Transaktionen herstellt. Die Beschreibung institutioneller Arrangements gilt als sehr einfach und kann nur wenige Alternativen klar unterscheiden. Außerdem ist die Opportunismusannahme fraglich, weil Transaktionen und Vertragspartner in soziale Beziehungen eingebettet sind; solche Beziehungsdimensionen werden in der Theorie nach Mark Granovetter vernachlässigt.
Als Fazit nennt der Artikel: Zusammen mit der wissensbasierten Unternehmenssicht hilft die Transaktionskostentheorie, das Zusammenwirken von Unternehmen, Markt und Unternehmenskooperationen zu erklären. Sie gibt Hinweise für die Wahl von Organisations- und Kooperationsformen, auch wenn Transaktionskosten häufig schwer zu operationalisieren sind.