Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Edler achtfacher Pfad

Die wichtigste Überlieferung für den edlen achtfachen Pfad ist die 22. Lehrrede Buddhas im Digha-Nikaya des Pali-Kanon, dem Mahāsatipatthāna-Sutta von den …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Weisheit: Erkenntnis und Gesinnung
  3. 3. Sittlichkeit im Reden und Handeln
  4. 4. Geistesschulung und Meditation
  5. 5. Was „recht“ bedeutet

Bedeutung und Aufbau

Der edle achtfache Pfad ist ein zentrales Element der buddhistischen Lehre und wird von allen buddhistischen Schulen als gemeinsamer wesentlicher Lehrinhalt anerkannt. Er bildet die vierte der Vier edlen Wahrheiten des Siddhartha Gautama, des Buddha, und beschreibt den Weg zur Erlösung, dem Nirwana. Als wichtigste Überlieferung gilt die 22. Lehrrede im Digha-Nikaya des Pali-Kanon, das Mahāsatipatthāna-Sutta über die Grundlagen der Achtsamkeit (D 22). Die acht Speichen des Dharmachakra, des „Rades der Lehre“, symbolisieren die acht Glieder.

Der Pfad umfasst:

• rechte Erkenntnis oder Einsicht (sammā diṭṭhi) • rechte Gesinnung, Absicht oder rechten Entschluss (sammā sankappa) • rechte Rede (sammā vācā) • rechtes Handeln (sammā kammanta) • rechten Lebenserwerb oder Lebensunterhalt (sammā ājīva) • rechtes Streben oder rechte Anstrengung (sammā vāyāma) • rechte Achtsamkeit oder Bewusstheit (sammā sati) • rechte Sammlung, Konzentration oder Versenkung (sammā samādhi)

Die acht Glieder bilden drei Gruppen: Weisheit (paññā; Glieder 1 und 2), Sittlichkeit (sīla; Glieder 3 bis 5) und Vertiefung (samādhi; Glieder 6 bis 8). Der buddhistische Weg gilt als Weg der Mitte, der Extreme vermeidet.

„Pfad“ bezeichnet keine lineare Folge von Stufen. Alle acht Bestandteile sind gleich wichtig und sollen fortwährend beachtet und geübt werden. Sie sind außerdem voneinander abhängig: Rechte Rede gehört etwa zum rechten Handeln, rechtes Handeln setzt rechte Achtsamkeit voraus, und rechte Sammlung trainiert zugleich die Achtsamkeit. Denken und Motivation gelten bereits als Vorbereitung des Handelns, unabhängig davon, ob dies bewusst oder unbewusst geschieht.

Weisheit: Erkenntnis und Gesinnung

Vollkommene Weisheit heißt auf Sanskrit Prajna und auf Pali paññā. Sie ist das Ziel eines Erkenntnisvorgangs, der von Unwissenheit (Avidya) zum Erwachen (Bodhi) führt. Zu dieser Gruppe gehören förderliches Wissen und eine förderliche Geisteshaltung.

Rechte Erkenntnis (sammā diṭṭhi) ist zunächst die Einsicht in die Vier edlen Wahrheiten: das Leiden, die Entstehung des Leidens, die Erlöschung des Leidens und den edlen achtfachen Pfad, der zur Leidenserlöschung führt. Im weiteren Sinne umfasst sie mehrere zentrale Lehren:

• Das Bedingte Entstehen erklärt aus buddhistischer Sicht die Ursachen des Wiedergeburtskreislaufs (Samsara) und dessen Überwindung im Nirvana. • Die Drei Daseinsmerkmale sind Unbeständigkeit, Leidhaftigkeit und Nicht-Selbst. Ihnen unterliegen alle körperlichen und psychischen Phänomene. • Das Karma-Prinzip unterscheidet heilsame (kusala) von unheilsamen (akusala) Willenshandlungen.

Rechte Gesinnung oder rechter Entschluss (sammā sankappa) bedeutet Entsagung, Nichtschädigen und Enthaltung von Groll. Rechtes Denken ist frei von Habgier, hasslos und großzügig. Im weiteren Verständnis soll die eigene Gedankenwelt ständig geprüft werden: Heilsame Gedanken bringen einem selbst und anderen Wohl; unheilsame Gedanken bringen einem selbst und anderen Ungemach oder Leiden.

Sittlichkeit im Reden und Handeln

Die Sittlichkeits-Gruppe enthält die Tugendregeln (sīla). Nach dem Karma-Prinzip bezeichnen sie heilsame Verhaltensweisen (kusala). Untugendhaftes Verhalten gilt als unheilsam (akusala) und verursacht Leiden (Dukkha). Allgemein geht es um den Verzicht auf böse Taten.

Rechte Rede (sammā vācā) vermeidet Lüge, Verleugnung, Beleidigung und Geschwätz. Rede kann wie ein Gedanke heilsam oder unheilsam, nützlich oder unnütz sowie wahr oder falsch sein. Ein Wort entspricht einem guten Wandel, wenn es zur richtigen Zeit gesprochen wird, wahr, höflich und zweckmäßig ist und aus einer liebevollen Gesinnung kommt.

Rechtes Handeln (sammā kammanta) vermeidet Töten, Stehlen und sinnliche Ausschweifungen. Weiter gefasst bedeutet es, nach den Fünf Silas, den buddhistischen Tugendregeln, zu leben.

Rechter Lebenswandel beziehungsweise Lebenserwerb (sammā ājīva) verlangt den Verzicht auf unrechten Lebenswandel. Ein buddhistischer Laienanhänger soll fünf Tätigkeiten weder selbst ausüben noch andere dazu veranlassen: Handel mit Waffen, Handel mit Lebewesen, Tierzucht und Handel mit Fleisch, Handel mit Rauschmitteln sowie Handel mit Giften. Allgemein soll der ausgeübte Beruf anderen Lebewesen nicht schaden und mit dem edlen achtfachen Pfad vereinbar sein. Zum rechten Lebenserwerb gehört außerdem die Bereitschaft, erworbenes Geld oder Vermögen nicht ausschließlich für sich zu behalten, sondern mit anderen zu teilen.

Geistesschulung und Meditation

Die Vertiefungs-Gruppe zielt auf einen gesammelten Geist (samādhi). Ihre drei Glieder beschreiben die Schulung des Geistes, insbesondere durch Meditation. Im weiteren Sinne wird diese Gruppe auch als Vollführen guter Taten verstanden.

Rechtes Streben (sammā vāyāma) ist der Wille, Affekte wie Begierde, Hass, Zorn und Ablehnung bei Wahrnehmungen und Erlebnissen zu kontrollieren und zu zügeln. Ähnlich wie beim rechten Denken werden Gedanken geprüft. Unheilsame Gedanken und Vorstellungen der Gier, des Hasses und der Verblendung sollen durch heilsame, würdige Gedanken ersetzt werden.

Rechte Achtsamkeit (sammā sati) beginnt mit der bewussten Wahrnehmung des Körpers und seiner Funktionen, etwa des Atmens, Gehens und Stehens. Auch Sinnesreize, Affekte und Denkinhalte sollen umfassend bewusst werden, ohne dass man versucht, sie zu kontrollieren. Die Achtsamkeit auf das „Innere“ beobachtet und benennt die Regungen des Geistes. Dabei wird der fortlaufende Strom von Gefühlen und Bewusstheitszuständen wahrgenommen. Die Achtsamkeit auf das „Äußere“ richtet die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart: Man grübelt nicht über die Vergangenheit und verliert sich nicht in Zukunftsvorstellungen. Bei einem Gespräch oder einer anderen Tätigkeit bedeutet dies, vollständig bei der gegenwärtigen Person oder Sache zu sein.

Rechte Sammlung (sammā samādhi) ist die Fähigkeit, einen unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren. Sie wird auch als einspitziger Geist oder höchste Konzentration bezeichnet und ist ein zentraler Bestandteil buddhistischer Spiritualität. Die buddhistischen Schulen haben dafür verschiedene Methoden entwickelt. Im Kern handelt es sich um Meditation, bei der die Aufmerksamkeit auf ein einziges Phänomen, häufig den Atem, konzentriert wird. Dadurch soll der Geist von Gedanken frei werden und zur Ruhe kommen.

Was „recht“ bedeutet

Vor jedem Pfadglied steht das Pali-Wort sammā. Es wird meistens mit „recht“ übersetzt; dieser Übertragung folgen unter anderem Karl Eugen Neumann, Nyanaponika, Kurt Schmidt, Wilhelm Geiger, Klaus Mylius und Ajahn Buddhadosa. Das Wort kann jedoch auch „vollkommen“ bedeuten.

Lama Govinda gibt sammā mit „vollkommen“ wieder, um die ursprüngliche Bedeutung im Sinne von „Ganzheit“ oder „Vollständigkeit“ auszudrücken. Danach bezeichnet sammā nicht einfach den Gegensatz von „richtig“ und „falsch“, den das deutsche Wort „recht“ nahelegen könnte. Dies zeigt sich auch an der Verehrungsformel sammā sambuddhasā, die mit „der vollständig oder völlig Erleuchtete“ übersetzt wird. Deshalb kommen für einzelne Glieder auch Formulierungen wie „vollkommener Entschluss“ infrage.

Lernvideos zu Edler achtfacher Pfad

Weiterlesen

Dharmachakra ... Buddhismus das Symbol der von Buddha verkündeten Lehre. Die Speichen symbolisieren den achtfachen Pfad. Dharma-Rad Buddha mit Handgestus der … Buddhismus → Hauptartikel: Vier Edle Wahrheiten und Edler Achtfacher Pfad. Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus im Wesentlichen zweierlei: Die … Vier edle Wahrheiten Sie sind der Kern von Siddhartha Gautamas erster Lehrrede (Sutta) in Sarnath, die als „Rede vom Ingangsetzen des Rads der Lehre“ überliefert ist. Die vier edlen … Siddhartha Gautama ALTERNATIVNAMEN, Buddha ; KURZBESCHREIBUNG, Religionsstifter ; GEBURTSDATUM, um 563 v. Chr. ; GEBURTSORT, Lumbini, im heutigen Nepal. Nirwana Das Wort bedeutet „Erlöschen“ (wörtlich „verwehen“), von einigen Buddhisten auch aufgefasst als „erfassen“ im Sinne von verstehen im Sinne des Endes aller mit … Pali-Kanon Der Pali-Kanon ist eine frühe zusammenhängend überlieferte Sammlung von Ordensregeln, Lehrreden (Sutta) des Buddha Siddhartha Gautama und Abhandlungen über … Deutsche Sprache Die heutige deutsche Standardsprache entwickelte sich überwiegend aus den hochdeutschen Dialekten und fungiert als überregionale Dachsprache für sowohl hoch- … Samadhi In der Bhagavad Gita wird er zu Beginn des zweiten Kapitels genannt. Samadhi ist das 8. Glied (anga) des Raja Yoga (bzw. Ashtanga Yoga oder Kriya Yoga) … Samsara Dieser Kreislauf wird in einigen indischen Religionen als leidvoll (siehe Dukkha/Leiden) gewertet. Der Ausbruch aus diesem unheilvollen Kreislauf geschieht … Dukkha Dukkha (Pali दुक्ख; Sanskrit दुःख duḥkha, „schwer zu ertragen“) ist ein Schlüsselbegriff im Buddhismus, der meist als „Leiden“ übersetzt wird. Anatta Mit der Anatta-Lehre positionierte sich Buddha gegen die Ātman-Lehre hinduistischer Prägung oder zumindest gewisse Interpretationen davon. In der buddhistischen … Karma Es gibt im Hinduismus einerseits den allgemein gültigen sadharanadharma, der die Pflichten eines jeden Individuums beinhaltet wie etwa Gewaltlosigkeit (ahimsa) …