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Eco-entrepreneurship
Eco-Entrepreneure erstreben in ihrem Kerngeschäft Marktanteile durch Innovationen zur Lösung oder Minderung ökologischer Probleme. Hierbei erscheint der …
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Begriff, Ziel und Bedeutung
Eco-Entrepreneurship, auch Ecopreneurship genannt, ist eine Form des Unternehmertums, bei der ökologieorientierte Innovationen das Kerngeschäft bilden. Eco-Entrepreneure wollen mit Produkten, Dienstleistungen oder anderen Innovationen Marktanteile gewinnen und zugleich ökologische Probleme lösen oder mindern. Entscheidend ist häufig der persönliche, intrinsische und oft idealistische Antrieb der Unternehmerperson.
Eco-Entrepreneure erschließen zunächst häufig Marktnischen. Anschließend versuchen sie, erfolgreiche Angebote aus der „Öko-Nische“ in den Massenmarkt zu überführen. Dadurch sollen stark nachhaltig ausgerichtete Unternehmen wachsen und bestehende Märkte verändern. Ihre transformative Funktion wird als „kreative Zerstörung“ umweltschädlicher Produktionsweisen und Konsummuster beschrieben: Ökologisch nachteilige Angebote verlieren an Attraktivität, während technische oder soziale Innovationen die Umwelt- und Lebensqualität verbessern und die Ansprüche der Kundschaft an ökologische Qualität erhöhen.
Von gewöhnlichen Unternehmen mit einzelnen Umweltmaßnahmen unterscheiden sich Öko-Unternehmen dadurch, dass ökologische und andere „metaökonomische“, also über rein wirtschaftliche Ziele hinausgehende Anliegen, einen besonders hohen Stellenwert besitzen. Die ökologischen Innovationen sollen den Umsatz nicht nur ergänzend absichern, sondern wesentlich tragen.
Eco-Entrepreneurship ist deshalb nicht mit Umweltmanagement gleichzusetzen. Umweltmanagement ist meist ein ergänzender Funktionsbereich herkömmlicher Unternehmen und behandelt unter anderem Umweltmanagementsysteme, Ressourceneffizienz, gesellschaftliche Verantwortung und die Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz eines Unternehmens.
Entwicklung und Einordnung
In Deutschland reicht das Phänomen bis in die 1920er Jahre zurück. Aus der Reformbewegung und der Anthroposophie entstanden damals erste Unternehmen, die eine naturverbundene Lebensweise und die biologisch-dynamische Landwirtschaft förderten. Im Zusammenhang mit den neuen sozialen Bewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre wurden zahlreiche weitere Unternehmen als Formen alternativen Wirtschaftens gegründet. In den folgenden Jahrzehnten professionalisierten sie sich und gliederten sich zunehmend in die Marktwirtschaft ein.
Seit dem Jahr 2000 beschäftigen sich betriebswirtschaftliche Beiträge ausdrücklich mit Eco-Entrepreneurship. Ihre Begriffe, Konzepte und normativen Handlungsempfehlungen unterscheiden sich jedoch stark und beziehen sich nur teilweise aufeinander. Daher gibt es keine einheitliche Theorie, sondern verschiedene theoretische Deutungen einer bewussten Ausrichtung des Kerngeschäfts auf die Lösung oder Minderung ökologischer Probleme.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das Konzept stärker von den Wirtschaftswissenschaften aufgenommen, etwa durch Theorien des Marktversagens. Praktische Ansätze sind Eco-Venturing und Eco-Inkubatoren, die ökologische Unternehmensgründungen unterstützen. Als Oberbegriff für Social Entrepreneurship und Eco-Entrepreneurship wird auch Sustainable Entrepreneurship, Sustainability Entrepreneurship oder kurz Sustainopreneurship verwendet.
Viele herkömmliche Unternehmen übernehmen einzelne Gedanken des Ansatzes für Marktstrategien, CSR-Konzepte oder freiwillige Zertifizierungen. Deren Funktionsweise ist für Kundinnen und Kunden jedoch häufig schwer durchschaubar. Als Beispiel nennt der Artikel den ökologisch problematischen Einsatz von Palmöl und den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), der nachhaltigen Anbau regulieren und zertifizieren soll. Der Erfolg von Abfallbanken zeigt außerdem, dass unternehmerische Konzepte beim Sammeln und Recycling von Wertstoffen wirksamer sein können als staatliche Lösungen.
Forschungsfragen und empirische Ergebnisse
Die Übertragung der Theorie des Marktversagens auf das Ökounternehmertum wirft offene theoretische und empirische Fragen auf. Dazu gehört die Rentabilität: Im Ökosegment müsste sie eigentlich deutlich niedriger liegen als die üblicherweise bei Großinvestitionen erwartete Rentabilität. Dennoch haben viele Ecopreneure ohne Wagniskapital aus kleinsten Anfängen heraus großen Einfluss auf Märkte gewonnen. Sie veränderten diese Märkte so, dass sie später auch für Großinvestoren rentabel wurden.
Eine weitere Frage betrifft die Verbindung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsorientierung, radikaler Innovationsbereitschaft und unternehmerischem Denken in einer Person. Petersen zeigt, dass unter den neu gegründeten Unternehmen, die später großen Markteinfluss erreichten, weitaus mehr zunächst vor allem Umweltziele und weniger Rentabilitätsziele verfolgten.
Kirkwood und Walton stellen anhand neuseeländischer Gründer fest, dass Ecopreneure geringere Einkommenserwartungen haben als durchschnittliche Gründer. Häufig eröffnete ihnen eine teilweise überraschend positive Nachfrageentwicklung die Aussicht auf eine erfolgreiche Gründung. Dieser sogenannte Pull-Effekt ist in Deutschland eher von Nebenerwerbsgründern bekannt.
Nach Wagner hängt eine starke umweltpolitische Orientierung bei befragten Studierenden einer technischen Universität mit einer erhöhten Bereitschaft zur unternehmerischen Tätigkeit zusammen. Bei den Alumni dieser Hochschule bleibt dieser Zusammenhang aber nur erhalten, wenn die Innovationsbereitschaft als „Moderatorvariable“ stark ausgeprägt ist. Andernfalls zeigt sich ein gewisser Resignationseffekt.
Nachhaltiges Produktdesign
Nachhaltigkeit ist für die Auswahl der Produktpalette und das Produktdesign grundlegend. Ein wichtiges Werkzeug ist die Lebenszyklusanalyse. Sie untersucht die wirtschaftlichen und ökosozialen Wirkungen und Kosten eines Produkts über den gesamten Entstehungs-, Nutzungs- und Verwertungsprozess sowie über die vollständige Wertschöpfungskette.
Ein spezieller Ansatz ist das von Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough entwickelte Cradle to Cradle Design, auf Deutsch „Von der Wiege bis zur Wiege“. Nachhaltiges Design und ein entsprechendes Produktionsmodell sollen Abfall bei der Produktion vermeiden oder die Wiederverwendung der eingesetzten Materialien ermöglichen.
Das Konzept beschreibt ein System, in dem Materialien als „Nährstoffe“ in geschlossenen Kreisläufen bleiben. Für biologische Kreisläufe optimierte Materialien dienen als biologische Nährstoffe und können bedenkenlos in die Umwelt gelangen. Für geschlossene technische Kreisläufe entwickelte Materialien, beispielsweise Metalle und verschiedene Polymere, dienen als technische Nährstoffe. Sie sollen wiederverwendet werden und dürfen nicht in biologische Kreisläufe gelangen.
Lehre, Gründungen und Kritik
Ausbildung, Forschung und Gründungsunterstützung zu Eco-Entrepreneurship finden in Deutschland unter anderem an den Universitäten Erlangen, Lüneburg, Oldenburg, Stuttgart und Hohenheim sowie an der Technischen Universität Berlin statt. Weitere Angebote bestehen an der Universität Graz, der Copenhagen Business School, der University of Southern Denmark sowie am Babson College, an der Brandeis University und an der Harvard Summer School.
Der von der Universität Oldenburg mit herausgegebene Green Economy Gründungsmonitor (GEMO) bietet einen Überblick über deutsche Aktivitäten. Für 2016 weist er unter insgesamt 126.200 Betriebsgründungen einen Anteil von 16,3 % „grüner Gründungen“ aus. Besonders häufig zielten diese Gründungen auf eine Steigerung der Energieeffizienz. Zur Vernetzung und zum Austausch über Forschung und Innovationen wurde 2015 der akademische Arbeitskreis Sustainable Entrepreneurship gegründet. Ein Ranking der „Most Sustainable Universities“ erschien 2022 erstmals.
Kritisiert werden dauerhaft höhere Betriebskosten von Ecopreneuren, die ihren wirtschaftlichen Erfolg erschweren können. Außerdem könne der ständige Zwang, Ökoeffizienz und Ökobilanz zu beachten, die technische und unternehmerische Kreativität teilweise begrenzen. Der Markterfolg könne zusätzlich darunter leiden, dass Ecopreneure ihre Entwicklungsvorhaben häufig an selbst festgelegten Zielen ausrichten, statt auf einen bereits vorhandenen Bedarf zu reagieren, und gleichzeitig ein hohes Eco-Commitment, also eine starke ökologische Verpflichtung, von ihren Kunden erwarten. Der Artikel kennzeichnet diese Kritik als nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet.
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