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Roundtable on Sustainable Palm Oil

Kein nachhaltiger Anbau möglich · Wirtschaftliche Interessen stehen über ökologischen und sozialen · Kleinbauern nicht ausreichend eingebunden.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung des RSPO
  2. 2. Entstehung und Organisation
  3. 3. Standards und Zertifizierung
  4. 4. Modelle der Produktkennzeichnung
  5. 5. Produktion und Kritik

Aufgabe und Bedeutung des RSPO

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO; englisch für „Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl“) ist eine 2004 gegründete Organisation. Sie versucht, nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und dadurch Umweltschädigungen zu begrenzen. Ihr Zweck ist die „Förderung des Wachstums und der Nutzung nachhaltigen Palmöls durch Kooperation innerhalb der Lieferkette und offenen Dialog mit allen Akteuren“.

Mitglieder sind neben Umweltschutzverbänden und anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor allem Unternehmen und Institutionen aus der Palmöl-Wertschöpfungskette, darunter Plantagenbetreiber, Händler und industrielle Abnehmer. Auch Investoren und Banken gehören dazu. Der RSPO hat seinen Sitz in Zürich, seine Geschäftsstelle befindet sich jedoch in Kuala Lumpur; ein weiteres Büro unterstützt die Arbeit in Indonesien.

Die Organisation ist ein Verein. Gewöhnliche Vollmitglieder müssen in der Palmöl-Lieferkette tätig sein und aktiv zur Arbeit des RSPO beitragen. Andere interessierte Akteure können assoziierte Mitglieder werden. Die Vollmitglieder wählen in der Generalversammlung den Vorstand; assoziierte Mitglieder dürfen teilnehmen, besitzen aber kein Wahlrecht.

Entstehung und Organisation

Der WWF untersuchte ab 2001 Möglichkeiten für einen Runden Tisch. Daraus entstand 2002 eine informelle Kooperation mit Produzenten und Handelsunternehmen. Das Gründungstreffen fand im August 2003 in Malaysia mit 200 Teilnehmern aus 16 Ländern statt. Am 8. April 2004 wurde der RSPO in Zürich formal als Verein gegründet. Beteiligt waren der WWF, der malaysische Palmölverband MPOC, die Migros, Unilever und der internationale Pflanzenölverarbeiter AAK.

Im November 2007 traten die RSPO-Prinzipien und -Kriterien für die nachhaltige Produktion von Palmöl in Kraft. Ende 2008 war erstmals zertifiziertes Palmöl auf dem Markt verfügbar. 2018 kündigte Coop an, bei Eigenmarken künftig auf andere Öle auszuweichen oder Palmöl durch Bio-Suisse-zertifiziertes Palmöl zu ersetzen.

Der RSPO wird zahlenmäßig von der Wirtschaft dominiert. Im Oktober 2009 gab es 312 Vollmitglieder; 206 davon stammten aus Anbau, Verarbeitung und Handel, etwa 6,7 % waren Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. 2018 zählte das freiwillige Regelwerk 3659 Mitglieder, davon waren drei Viertel Verarbeiter und Großverteiler. Im September 2017 werden außerdem 1593 Vollmitglieder genannt. Diese unterschiedlichen Angaben beziehen sich offenbar auf verschiedene Mitgliedschafts- oder Erhebungsstände.

Der Vorstand umfasst nach einer Quotenregelung 16 Personen, von denen vier Nichtregierungsorganisationen stellen. Der Vorstand ernennt den Generalsekretär und setzt Arbeitsgruppen ein. Die drei Arbeitsgruppen befassen sich mit Standards und Zertifizierung, Handel und Nachverfolgbarkeit sowie Öffentlichkeitsarbeit. Seit November 2016 verpflichten interne Richtlinien zur Marktkommunikation die Mitglieder, den Absatz nachhaltigen Palmöls „zu fördern und nicht zu beeinträchtigen“. Negative Aussagen, etwa dass der Verzicht auf Palmöl umweltverträglicher sei als die Verwendung nachhaltigen Palmöls, sind danach nicht erlaubt; bei Verstößen kann der RSPO rechtliche Schritte einleiten.

Standards und Zertifizierung

Der RSPO definiert Prinzipien und Kriterien (Principles and Criteria, P&C). Ihre Anwendung soll eine nachhaltige Palmölproduktion ermöglichen. Der Katalog enthält acht Prinzipien mit jeweils ein bis elf Kriterien. Indikatoren und Richtlinien sollen überprüfbar machen, ob die Kriterien eingehalten werden. Die Anforderungen betreffen vor allem Pläne, Dokumentation und Nachweise und sind häufig allgemein und qualitativ formuliert. Für einzelne Anbauländer werden sie durch nationale Richtlinien konkretisiert.

Die acht Prinzipien lauten:

  • Bekenntnis zu Transparenz.
  • Einhaltung von Gesetzen und sonstigen rechtlichen Bestimmungen, etwa zur rechtmäßigen Nutzung von Anbauflächen.
  • Bekenntnis zu langfristiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit.
  • Anwendung angemessener, bewährter und vorbildlicher Methoden in Anbaubetrieben und Mühlen, beispielsweise zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, zur Vermeidung von Erosion und beim Einsatz von Agro-Chemikalien.
  • Verantwortung gegenüber der Umwelt sowie Wahrung natürlicher Ressourcen und der Biodiversität.
  • Verantwortungsvolle Berücksichtigung von Angestellten sowie betroffenen Individuen und Gemeinden.
  • Verantwortungsvolle Entwicklung neuer Anbaugebiete.
  • Bekenntnis zur kontinuierlichen Verbesserung in wichtigen Arbeitsbereichen.

Die RSPO-RED-Anforderungen ergänzen diese Regeln für Palmölproduzenten, Verarbeiter und die Lieferkette. Sie sollen die Nachhaltigkeitsanforderungen der Richtlinie 2009/28/EG, der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (Renewable Energies Directive, RED), erfüllen. Nur Flächen, die im Januar 2008 bereits für Palmölproduktion genutzt wurden, können die Anforderungen erfüllen. Torf- oder Feuchtgebiete dürfen seit 2008 nicht entwässert worden sein. Ab April 2013 müssen zertifizierte Betriebe außerdem eine Reduktion von Treibhausgasemissionen nachweisen. Kleinbauernkooperativen werden nach RSPO-RED derzeit nicht zertifiziert. Für die Lieferkette sind bei RSPO-RED nur Segregation oder Mass Balance zugelassen. Die Europäische Kommission erkannte das RSPO-RED-System als System an, das Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe nach der RED erfüllt.

Unabhängige Zertifizierer prüfen die Einhaltung, darunter TÜV Nord, BM TRADA Deutschland, Control Union und agroVet Austria. Die Zertifizierung von Erzeugern soll belegen, dass Palmöl nach den Kriterien produziert wurde. Bei Händlern und anderen Unternehmen der Lieferkette soll sie sicherstellen, dass Angaben über zertifiziertes Palmöl zutreffen.

Modelle der Produktkennzeichnung

Der RSPO erlaubt verschiedene Formen der Lieferkettenkontrolle und Produktkennzeichnung:

  • Book and Claim ist ein Zertifikathandelssystem. Erzeuger verkaufen Zertifikate für zertifiziertes Palmöl, während das Öl selbst wie nichtzertifiziertes Palmöl weiterverarbeitet werden kann. Unternehmen am Ende der Wertschöpfungskette kaufen Zertifikate entsprechend der Menge des verwendeten nichtzertifizierten Palmöls. So soll gewährleistet werden, dass eine entsprechende Menge zertifizierten Palmöls produziert wurde. Zulässig ist der Hinweis, dass ein Produkt die Produktion nachhaltigen Palmöls unterstützt. Das System wird von Greenpalm betrieben.
  • Bei Mass Balance wird entlang der Lieferkette ein bestimmtes Mischungsverhältnis von zertifiziertem und nichtzertifiziertem Palmöl eingehalten. Produkte können mit dem RSPO-Logo und dem Zusatz „Gemischt“ sowie optional mit „Erhöht die Produktion von zertifiziertem nachhaltigem Palmöl.“ gekennzeichnet werden.
  • Bei Segregation bleibt zertifiziertes Palmöl auf jeder Stufe von nichtzertifiziertem getrennt. Das Endprodukt enthält dann tatsächlich nur zertifiziertes Palmöl, das allerdings aus verschiedenen Quellen stammen kann. Möglich sind der Zusatz „zertifiziert“ und/oder der Hinweis „Dieses Produkt enthält zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl.“
  • Bei Identity Preserved (Identitätssicherung) muss das Öl bis zu einer einzelnen, konkreten Plantage zurückverfolgbar sein. UTZ Certified bot als Partner des RSPO einen Dienst an, mit dem sich der Weg des Öls bis zur letzten Raffinerie nachvollziehen lässt. Auch hier sind die Zusätze „zertifiziert“ und/oder „Dieses Produkt enthält zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl.“ vorgesehen.

Produktion und Kritik

RSPO-zertifiziertes Palmöl war seit September 2008 auf dem Markt. Zu diesem Zeitpunkt hatten RSPO-Mitglieder einen Anteil von 35 % an der weltweiten Palmölproduktion, doch nur ein geringer Teil ihrer Gesamtproduktion war tatsächlich zertifiziert. Produktion und Absatz blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Bis Ende 2008 hatte der RSPO eine Produktion von 1,5 Mio. t zertifiziertem Palmöl erwartet. Tatsächlich wurde seit dem Markteintritt erst im März 2010 eine Gesamtproduktion von 1,8 Mio. t erreicht; die Monatsproduktion lag bei 128.000 t. Nicht in allen Monaten konnte die Gesamtproduktion verkauft werden. Die Nachfrage war anfangs zu niedrig, insbesondere zeigten China und Indien wenig Interesse. Zertifiziertes Palmöl kostete etwa 8–15 % mehr als nichtzertifiziertes Palmöl. Der größte Teil wurde über Book and Claim verkauft.

Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsorganisationen kritisieren den RSPO teilweise grundlegend und werfen ihm Greenwashing beziehungsweise „Etikettenschwindel“ vor. Nach ihrer Auffassung seien die Auflagen zu schwach und Sanktionen nicht wirksam genug. Sie nennen Landraub, die Vertreibung indigener Völker und die Zerstörung von Primär-Regenwald. Große Palmölplantagen in Monokulturen führten ihrer Einschätzung nach zu Entwaldung, Biodiversitätsverlust, Überschwemmungen, stärkeren Dürren, Bodenerosion, Gewässerverschmutzung sowie Schädlingsproblemen infolge des Zusammenbruchs ökologischer Gleichgewichte und veränderter Nahrungsketten. Rodung von Regenwald und die Trockenlegung von Torfmooren setzten große Mengen Kohlenstoffdioxid frei und hätten besonders in Südostasien gravierende Klimafolgen.

Kritiker bezweifeln außerdem, dass nachhaltiger Palmölanbau grundsätzlich möglich sei. Die RSPO-Kriterien schützten nur Waldgebiete mit „hohem Schutzwert“; andere Waldflächen könnten in Plantagen umgewandelt werden. Dadurch entstünden fragmentierte Schutzgebiete mit geringerer Biodiversität. Auch selektiver Holzeinschlag schädige durch breite Schneisen umliegende Bäume und verursache Bodenerosion. Werden seltene Baumarten mit langer Wachstumsphase gerodet, könne ihr Überleben gefährdet werden.

Weitere Kritik betrifft die Machtverteilung und die Einbindung von Kleinbauern. In einer Angabe werden 303 Mitglieder genannt, davon 282 Wirtschaftsunternehmen und 21 Umwelt- und Sozialorganisationen. Daraus wird geschlossen, dass wirtschaftliche Interessen im RSPO überwiegen könnten. Länderspezifische politische Fragen, etwa der Schutz indigener Völker, würden nicht ausreichend berücksichtigt. Kleinbauern seien gemessen an ihrem Anteil an der Palmölproduktion nicht angemessen in die Standardsetzung einbezogen; die Einhaltung der Kriterien gelte für sie als schwierig. Der Fokus auf nationale Kriterien lasse regionale Unterschiede bei Wettbewerb und Verhandlungsmacht außer Acht. Eine RSPO-Arbeitsgruppe befasst sich mit einer besseren Berücksichtigung der Kleinbauern.

Der WWF betrachtet Standards und Kennzeichnung des RSPO nicht als Ökosiegel, sondern als Mindeststandards. Die Schweizer Stiftung PanEco verließ den RSPO im Frühjahr 2016 als erste Non-Profit-Organisation und bezeichnete zertifiziertes Palmöl als „nicht nachhaltig“. Im Januar 2018 beschwerten sich Bewohner zweier Dörfer auf Borneo mit Unterstützung einer Bürgerrechtsorganisation bei der OECD über den RSPO. Sie warfen ihm vor, auf eine Beschwerde wegen Landraubs durch Sime Darby nicht reagiert zu haben; das Unternehmen widersprach dieser Darstellung.

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