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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

EBITDA

Das EBITDA ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den nachhaltigen operativen Cashflow vor Steuern eines Unternehmens beschreibt.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Definition
  2. 2. Wozu EBITDA verwendet wird
  3. 3. Wichtige Kennzahlen
  4. 4. Grenzen und Kritik

Grundidee und Definition

EBITDA ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie beschreibt den nachhaltigen operativen Cashflow vor Steuern eines Unternehmens. Operativ bedeutet: Es geht um das eigentliche Geschäft des Unternehmens, nicht um Finanzierung, Steuern oder besondere Einmaleffekte.

EBITDA ist die Abkürzung für englisch Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization. Übersetzt bedeutet das: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände. Sachanlagen sind zum Beispiel Maschinen oder Gebäude. Immaterielle Vermögensgegenstände sind nicht körperliche Werte wie Goodwill, Patente, Lizenzen oder Software.

Das EBITDA wird berechnet, indem man zum bereinigten EBIT die Abschreibungen auf Sachanlagen und auf immaterielle Vermögensgegenstände hinzurechnet:

EBIT bereinigt + Abschreibungen auf das Sachanlagevermögen = EBITD; EBITD + Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände = EBITDA.

Das Berechnungsschema folgt der indirekten Berechnung eines Cashflows: Nicht zahlungswirksame Abschreibungen werden zu einem operativen Ergebnis addiert. Nicht zahlungswirksam bedeutet, dass in der betreffenden Periode kein Geld abfließt, obwohl ein Aufwand verbucht wird. Das EBITDA ist aber nur eine vereinfachte Cashflow-Größe, weil nicht alle zahlungsunwirksamen Vorgänge berücksichtigt werden. Es werden vor allem die regelmäßig anfallenden und relativ stabilen Abschreibungen einbezogen. Dadurch wird das EBITDA weniger durch zufällige Schwankungen beeinflusst, etwa durch Veränderungen der Rückstellungen oder des Net Working Capital. Deshalb ist es oft stabiler als der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit.

Das Prädikat „nachhaltig“ ist besonders dann gerechtfertigt, wenn das zugrunde liegende EBIT um außergewöhnliche und aperiodische Effekte bereinigt wurde. Wichtig ist außerdem: Der englische Begriff amortization meint Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände. Er ist nicht gleichbedeutend mit dem deutschen Begriff „Amortisation“, der sich in der Betriebswirtschaftslehre nur auf Firmenwert-Abschreibungen bezieht.

Wozu EBITDA verwendet wird

EBITDA wird in mehreren Bereichen eingesetzt: als Steuerungskennzahl im betrieblichen Controlling, bei der Unternehmensbewertung, bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen, bei der Bemessung gewinnabhängiger Managementgehälter und in der Finanzkommunikation.

Besonders wichtig ist EBITDA für internationale Vergleiche der operativen Performance. Performance meint hier die wirtschaftliche Leistung des eigentlichen Geschäfts. Im EBITDA werden mehrere Faktoren ausgeblendet, die zwischen Ländern und Unternehmen stark unterschiedlich sein können: Abschreibungspolitik, Behandlung von Goodwill, Finanzierungspolitik und Steuersystem. Dadurch können Unternehmen eher miteinander verglichen werden, wenn es um das operative Geschäft geht. Weil viele schwankende Größen ausgeschaltet werden, ist EBITDA oft stabiler als andere Ergebnisgrößen und kann als Ausgangspunkt dienen, um die zukünftige Ertragskraft abzuschätzen.

Die Bezeichnung von EBITDA als operativer „Gewinn“ ist jedoch irreführend. Ein Gewinn, zum Beispiel EBIT, ist ein Saldo aus Erträgen und Aufwendungen. Ein positiver Gewinn zeigt, dass ein Unternehmen in der betrachteten Periode das Vermögen der Kapitalgeber vermehren konnte. Ein Verlust zeigt eine Vermögensvernichtung. Aus einem positiven EBITDA kann man dagegen nicht sicher schließen, dass Vermögen vermehrt wurde. Vom operativen Cashflow vor Steuern müssen noch notwendige Investitionen zur Aufrechterhaltung des Geschäfts, sogenannte Ersatzinvestitionen, finanziert werden. Außerdem verringern Steuerzahlungen die tatsächlich verfügbaren Cashflows. Für die Beurteilung, ob das operative Geschäft Vermögen schafft, sind daher operative Gewinngrößen wie EBIT oder NOPAT sowie operative Free Cashflows besser geeignet.

Wichtige Kennzahlen

Das absolute EBITDA kann im Zeitablauf analysiert werden. Dadurch lassen sich Trends und Veränderungen erkennen. Besonders interessant ist, wie stark EBITDA schwankt und wie stabil es in Krisenzeiten bleibt. Für Vergleiche zwischen Betrieben oder Branchen reicht ein absoluter Wert jedoch nicht aus. Dafür werden Verhältniszahlen gebildet, bei denen EBITDA im Zähler oder Nenner steht.

Eine wichtige Kennzahl ist die EBITDA-Umsatz-Marge, auch EBITDA margin genannt. Sie zeigt das Verhältnis von EBITDA zum Umsatz:

EBITDA-(Umsatz-)Marge = EBITDA / Umsatz.

Eine weitere Kennzahl ist das EBITDA-EV-Multiple. EV steht für Enterprise Value, auf Deutsch entschuldeter Unternehmenswert. Diese Größe wird besonders bei Übernahmen verwendet und mit dem gegebenenfalls erwarteten oder durchschnittlichen EBITDA über mehrere Jahre ins Verhältnis gesetzt. Daraus kann man zum Beispiel einen Anhaltspunkt gewinnen, nach wie vielen Jahren das vom neuen Eigentümer aufgebrachte Kapital zurückfließen könnte:

EBITDA-(EV-)Multiple = EV / EBITDA.

Statt des Enterprise Values wird manchmal der Börsenwert, also die Marktkapitalisierung, verwendet. Bei Unternehmen ohne außerordentliche Schulden macht das laut Artikel keinen großen Unterschied. Für Fremdkapitalgeber sind außerdem Verhältnisse zum Kreditumfang, etwa langfristige Schulden oder Nettoschulden, sowie zum Kapitaldienst wichtig. Kapitaldienst bedeutet Zins und Tilgung.

Eine alternative EBITDA-Marge setzt die Ergebniskennzahl ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Auf Englisch heißt sie EBITDA return on total assets. Sie eignet sich auch für nicht börsennotierte Unternehmen, bei denen es keinen am Markt ermittelten Unternehmenswert gibt. Sie zeigt, wie viel Rendite das eingesetzte Eigen- und Fremdkapital beziehungsweise das Gesamtvermögen in Prozent erwirtschaftet.

Grenzen und Kritik

EBITDA eignet sich nur eingeschränkt für Vergleiche zwischen Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalintensität. Kapitalintensität bedeutet, wie viel Kapital ein Unternehmen für Anlagen, Maschinen oder andere Vermögenswerte benötigt. Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalintensität haben auch einen unterschiedlichen Bedarf an Ersatzinvestitionen. Deshalb sind ihre EBITDA-Werte unterschiedlich zu beurteilen. Auch geringere Schulden oder geringere Steuerzahlungen können bedeuten, dass ein Unternehmen zur Aufrechterhaltung des Geschäfts ein niedrigeres EBITDA benötigt. Vergleiche von Bewertungen und Margen auf Basis von EBITDA sind daher am sinnvollsten innerhalb derselben Branche und bei vergleichbaren Investitionen und Verschuldungsgraden.

Obwohl EBITDA kaum zur Unternehmenssteuerung geeignet ist, wird es bei vielen internationalen Unternehmen verwendet. Ein Problem ist, dass die Berechnung des EBITDA in verschiedenen Rechnungslegungssystemen wie IFRS und US-GAAP nicht standardisiert ist. Manche Unternehmen nutzen diesen Spielraum und weisen statt EBITDA ein „adjusted EBITDA“ oder „bereinigtes EBITDA“ aus. Dabei entscheidet das Unternehmen selbst, welche Geschäftsvorfälle als bereinigungswürdig gelten, zum Beispiel Leasing-Zahlungen, Kosten für Rechtsstreitigkeiten, Restrukturierungen, Marketing-Aktionen oder Abfindungen. Diese Entscheidungen können sehr willkürlich sein.

Besonders kritisch ist es, wenn die Unternehmensleitung auf Grundlage eines Adjusted EBITDA bezahlt wird. Dann kann ihre Vergütung durch große Übernahmen steigen, obwohl weder Abschreibungen auf möglicherweise überhöhte Kaufpreise noch die Kapitalkosten der Finanzierung berücksichtigt werden. Zur Zeit des Neuen Marktes nutzten manche unprofitablen Unternehmen adjusted EBITDA, um eine Verlustsituation zu verschleiern. Durch das Herausrechnen vieler Aufwandspositionen konnten unter Umständen positive Werte entstehen. Zusätzlich konnte ein solches Reporting dadurch unterstützt werden, dass Umsätze vor der eigentlichen Warenauslieferung und Rechnungslegung verbucht wurden. EBITDA kann außerdem durch die wahlweise Aktivierung von Eigenleistungen künstlich erhöht werden.

In Deutschland hat EBITDA auch steuerrechtliche Bedeutung. Die Zinsschranke beschränkt die Abzugsfähigkeit des Nettozinsaufwands auf maximal 30 % „des Gewinns vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITDA)“; genannt wird § 4h EStG.

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