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EBIT

Das EBIT (Abkürzung aus englisch earnings before interest and taxes, deutsch „Gewinn vor Zinsen und Steuern“) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Ermittlung und Grenzen der Aussagekraft
  3. 3. EBIT-Marge und verwandte Kennzahlen
  4. 4. Empirische Ergebnisse zur Entwicklung
  5. 5. Vergleiche, Branchen und Auswirkungen auf Kreditverträge

Grundidee und Bedeutung

EBIT steht für „earnings before interest and taxes“, auf Deutsch „Gewinn vor Zinsen und Steuern“. Die betriebswirtschaftliche Kennzahl beschreibt den operativen Gewinn eines Unternehmens aus dessen Leistungsbereich (originärem Bereich) in einem bestimmten Zeitraum. Geläufige Bezeichnungen sind Betriebsergebnis, Operating Profit und Operating Income.

Beim EBIT wird das Ergebnis um Steuern und das Finanzergebnis bereinigt. Zinsen, Beteiligungsergebnisse, sonstige Finanzierungsaufwendungen und -erträge sowie Steuern werden daher nicht berücksichtigt, weil sie nicht unmittelbar aus der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit entstehen. Das EBIT misst damit die operative Profitabilität des Geschäfts.

Da Finanzgeschäfte, Kapitalmarktbedingungen und die besondere steuerliche Situation eines Unternehmens das Ergebnis weniger verzerren, eignet sich das EBIT besonders für Zeitvergleiche und internationale Vergleiche. Außerdem kann es zur Schätzung des Unternehmenswerts mit der Multiplikatormethode verwendet werden. Viele börsennotierte Unternehmen richten deshalb ihre Berichterstattung am EBIT aus.

Ermittlung und Grenzen der Aussagekraft

Das EBIT entstand in der Rechnungslegung nach US-GAAP und wird meist auch nach IFRS ausgewiesen. Es wird regelmäßig in Konzernabschlüssen veröffentlicht und muss daher normalerweise nicht selbst berechnet werden. Eine Ermittlung ist sowohl nach dem Gesamtkostenverfahren als auch nach dem Umsatzkostenverfahren möglich.

Beim Gesamtkostenverfahren wird vom Umsatz ausgegangen. Hinzu kommen Bestandsveränderungen bei fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie sonstige betriebliche Erträge. Abgezogen werden Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen und sonstige betriebliche Aufwendungen. Das Ergebnis ist das EBIT.

Beim Umsatzkostenverfahren werden vom Umsatz zunächst die Herstellungskosten zur Erzielung der Umsätze abgezogen. Daraus ergibt sich das Bruttoergebnis vom Umsatz. Davon werden Vertriebskosten, Verwaltungskosten sowie gegebenenfalls sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen abgezogen. Auch hier ergibt sich als Ergebnis das EBIT.

Indirekt lässt sich das EBIT aus dem Periodenergebnis, etwa dem Jahresüberschuss oder Quartalsüberschuss, ableiten:

  • Periodenergebnis (EAT)
  • plus Steueraufwand, zum Beispiel Ertragsteuern
  • minus Steuererträge
  • ergibt EBT
  • plus Zinsaufwand und sonstiger Finanzaufwand
  • minus Zinserträge und sonstige Finanzerträge
  • ergibt EBIT

Die Kennzahl enthält überwiegend betriebliche Erträge und Aufwendungen. Ihre Vergleichbarkeit kann jedoch durch außergewöhnliche, periodenfremde oder dispositive Aufwendungen und Erträge erschwert werden. Auch Finanzierungsaufwendungen von Zielkäufen oder Operating Leasing können dem EBIT zugeordnet sein, obwohl eine Berücksichtigung im Finanzergebnis zweckmäßiger wäre. Umstritten ist außerdem, ob at-equity bilanzierte Beteiligungen dem operativen Bereich zugerechnet werden sollten. Unternehmen bereinigen solche Bestandteile deshalb teilweise. Dann kann das dargestellte bereinigte EBIT vom nach IFRS oder US-GAAP ausgewiesenen Operating Profit beziehungsweise Operating Income abweichen.

Für die Unternehmenssteuerung ist das EBIT ebenfalls nur eingeschränkt geeignet, weil Ergebnisse meist erst nach langen finanziellen und betrieblichen Prozessen sichtbar werden und wichtigen Managemententscheidungen hinterherlaufen. Außerdem können niedrige Zinsen aufgrund eines guten Ratings oder niedrige Steuern aufgrund einer sinnvollen Standortwahl durchaus Folgen von Managemententscheidungen sein.

EBIT-Marge und verwandte Kennzahlen

Die EBIT-Marge setzt das EBIT ins Verhältnis zu den Umsatzerlösen:

EBIT-Marge in Prozent = (EBIT / Umsatzerlöse) · 100 %

Sie zeigt, welches operative Ergebnis mit einem Jahresumsatz erzielt wurde, und ist ein Maß für die Umsatzrentabilität. Die EBIT-Marge wird häufig für Rentabilitätsziele verwendet, beispielsweise für das Ziel, innerhalb der kommenden zwei Geschäftsjahre eine EBIT-Marge von mindestens 9 % zu erreichen.

Die Höhe der Marge kann auch mit der Wettbewerbsstruktur einer Branche zusammenhängen. Oligopolistische oder monopolistische Strukturen ermöglichen tendenziell größere Preisfreiheiten und damit höhere Margen. Kostengünstig produzierende Unternehmen haben ebenfalls bessere Voraussetzungen für hohe EBIT-Margen. Branchenabhängig weisen Unternehmen mit einer EBIT-Marge von über 15 % eine hohe Ertragskraft auf; bei weniger als 3 % bestehen hohe Rentabilitätsrisiken. Wie das EBIT ist die EBIT-Marge unabhängig vom Finanzergebnis und den Steuern; im Artikel wird sie außerdem als unabhängig von außerordentlichen Positionen beschrieben.

EBITA und EBITDA berücksichtigen zusätzlich Abschreibungen oder Teile davon. Für EBITDA gilt:

EBIT + Abschreibungen auf Sachanlagevermögen und immaterielles Anlagevermögen = EBITDA.

Das EBIT kann außerdem als Grundlage für den Zinsdeckungsgrad, den Schuldendienstdeckungsgrad und die Eigenkapitalrentabilität dienen.

Empirische Ergebnisse zur Entwicklung

Absolute EBIT-Werte können für Zeitvergleiche verwendet werden. Für die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland wurde geschätzt, dass die operativen Ergebnisse im Jahr 2020 um 8,6 Prozent auf etwa 160 Milliarden Euro steigen und damit ein Rekordniveau erreichen würden. Nahezu alle Branchen sollten sich verbessern; als Ausnahmen wurden Telekommunikation und Transport genannt. Diese Prognose ist im Artikel als veraltet gekennzeichnet.

Im internationalen Vergleich sollten die Top-100-Unternehmen weltweit im MSCI World ihre operativen Ergebnisse um 13,9 Prozent steigern. Die deutschen Unternehmen blieben damit eher zurück. Als Erklärung wird genannt, dass die deutsche Wirtschaft stark von traditionellen Industrieunternehmen geprägt ist, die einem scharfen Wettbewerb ausgesetzt sind. Branchen mit hohen Markteintrittsbarrieren können dagegen größere Gewinnsteigerungen erzielen. Dazu zählen insbesondere Unternehmen aus dem IT-/Internetsektor und dem Pharmasektor, die vornehmlich in den Vereinigten Staaten und in China liegen.

Für Deutschland 2017 wird berichtet, dass die 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Konzerne ihren Gesamterlös in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp sieben Prozent auf 1,25 Billionen Euro steigerten. Der Gewinn nahm um 21 Prozent auf knapp 109 Milliarden Euro zu. Die durchschnittliche EBIT-Marge stieg laut einer Auswertung von Ernst & Young von 7,7 auf 8,7 Prozent.

Vergleiche, Branchen und Auswirkungen auf Kreditverträge

Anhand der EBIT-Marge sind Zeit- und Betriebsvergleiche möglich. Empirische Untersuchungen zeigen einen positiven nationalen und internationalen Trend. Als mögliche Gründe werden Konzentrationsprozesse, eine nachlassende Wettbewerbsintensität und das Wachstum von Branchen mit hohen Markteintrittsbarrieren, etwa Internet und Telekommunikation, genannt. Die Corona-Krise führte 2020 nur kurzfristig zu einer Eintrübung; für 2021 wurde eine deutliche Erholung erwartet. Auch diese Einschätzung ist im Artikel als veraltet gekennzeichnet.

Größere Unternehmen im DAX erzielen höhere Margen als Unternehmen im MDAX und SDAX. Dies gilt als Hinweis auf Economies of Scale and Scope, also Größenvorteile und Verbundvorteile. Außerdem sind die Ergebnisse großer, häufig breiter aufgestellter Unternehmen in Krisen stabiler. Nach Branchen zeigen insbesondere Unternehmen mit höherer Kapitalintensität sowie Kreditkarten-, Pharma- und Internetunternehmen überdurchschnittliche Margen. Als Grund werden erhebliche Markteintrittsbarrieren genannt.

Die EBIT-Marge kann Bestandteil von Anleihebedingungen oder Kreditverträgen im Rahmen von Covenants sein. Ein Covenant ist eine vertragliche Verpflichtung des Schuldners gegenüber seinen Gläubigern, eine festgelegte Untergrenze der EBIT-Marge nicht zu unterschreiten. Bei einer Unterschreitung liegt ein covenant breach, also eine Vertragsverletzung, vor. Meist folgt zunächst eine remedy beziehungsweise grace period, eine Heilungs- oder Nachfrist zur nachträglichen Erfüllung der Kennzahl. Gelingt dies nicht, können eine höhere Kreditmarge oder ein außerordentliches Kündigungsrecht des Kreditgebers ausgelöst werden.

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