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Dylan Thomas
Dylan Marlais Thomas (* 27. Oktober 1914 in Swansea, Wales; † 9. November 1953 in New York City) war ein walisischer Dichter und Schriftsteller.
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Wer Dylan Thomas war
Dylan Marlais Thomas (* 27. Oktober 1914 in Swansea, Wales; † 9. November 1953 in New York City) war ein walisischer Dichter und Schriftsteller. Er schrieb Gedichte, Essays, Briefe, Drehbücher, autobiographische Erzählungen und ein Theaterstück. Sein Hauptwerk ist Under Milk Wood, auf Deutsch Unter dem Milchwald. Es wurde als Radio-Hörspiel 1954 postum mit dem Prix Italia ausgezeichnet.
Thomas ist besonders durch seine Lyrik und durch Unter dem Milchwald wichtig. Einzelne Gedichte, zum Beispiel Do not go gentle into that good night, stehen in vielen englischsprachigen Anthologien. Trotzdem gilt er unter den britischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts eher als Außenseiter. Seit 1982 erinnert im Poets’ Corner der Westminster Abbey eine Gedenktafel an ihn.
Leben und Entwicklung als Autor
Dylan Thomas war das zweite Kind des Gymnasiallehrers David John Thomas und seiner Frau Florence Williams. Er wuchs in einer Umgebung auf, in der Bibel, Predigtsammlungen, walisische Klassiker, Prediger und Dichter eine wichtige Rolle spielten. Schon mit vier Jahren lernte er Gedichte von Shakespeare auswendig, mit acht Jahren schrieb er erste eigene Gedichte. Mit elf Jahren veröffentlichte er Gedichte in der Schülerzeitung seines Gymnasiums.
1931 verließ Thomas die Schule vorzeitig und arbeitete zwei Jahre als Journalist bei der Tageszeitung South Wales Daily Post in Swansea. Danach lebte er in der Londoner Bohème und entwickelte eine starke Abhängigkeit vom Alkohol. 1934 erschien in London seine erste Gedichtsammlung 18 Poems, die die Aufmerksamkeit von Edith Sitwell erregte. Die frühen Gedichte werden durch eine strenge metaphorische Logik geprägt und kreisen um die „dialektische Einheit von Leben oder Sexualität und Tod“. Wichtige Anregungen für seine Bilder und Metaphern fand Thomas bei William Blake. Viele Gedichte entstanden aus zahlreichen Vorfassungen, die er in kleinen Wörterbüchern sammelte.
1937 machte Thomas seine erste Rundfunkaufnahme bei der BBC. Im selben Jahr heiratete er die Tänzerin Caitlin MacNamara (* 8. Dezember 1913; † 1. August 1994), mit der er drei Kinder hatte. Thomas war Kriegsgegner. Dem Kriegsdienst entging er, indem er volltrunken zur Musterung erschien und wegen Krankheit freigestellt wurde. Als Dichter und Schriftsteller war er erfolgreich, konnte aber schlecht mit Geld umgehen; seine Familie lebte oft in Armut, während er Geld für Alkohol ausgab.
Laugharne, Unter dem Milchwald und Tod
Von 1949 bis 1953 lebte Thomas mit seiner Familie in einem notdürftig umgebauten zweistöckigen Bootsschuppen an der Mündung des Flusses Tâf beim südwalisischen Fischerdorf Laugharne. Laugharne wurde zum Vorbild für den fiktiven Ort Llareggub in Unter dem Milchwald. Zum Schreiben zog Thomas sich in einen kleinen Erker auf der Burgmauer des verfallenen Laugharne Castle an der Küste zurück.
Thomas versuchte mit Rebecca’s Daughters ein Drehbuch zu schreiben, das sich wie ein Roman lesen lässt. Besonders bedeutend blieb aber Unter dem Milchwald, ein „Spiel für Stimmen“. Der Text verbindet Theater und Hörspiel: Figuren und Stimmen eines Ortes treten in einer poetischen Form hervor.
Der Literat John Malcolm Brinnin lud Thomas zu Lesereisen in die USA ein. Bei seinen vier USA-Reisen wohnte Thomas im Chelsea Hotel im New Yorker Greenwich Village. Auf seiner dritten Vortragsreise wurde er um ein Libretto für eine Oper von Igor Strawinsky gebeten, der einen Text vom „besten lebenden Schriftsteller“ wollte. Dazu kam es nicht mehr. Thomas starb an einer Lungenentzündung, die er wegen seiner Alkoholexzesse nicht auskurieren konnte. Er wurde in Laugharne beigesetzt.
Werke und Ausgaben
Zu den wichtigen englischen Ausgaben gehören Collected Poems 1934–1953, herausgegeben von Walford Davies und Ralph Maud, sowie The Collected Poems of Dylan Thomas: The New Centenary Edition, herausgegeben von John Goodby. Außerdem erschienen The Collected Stories, Early Prose Writings, Quite Early One Morning, Selected Letters und Aufnahmen unter dem Titel Dylan Thomas reading, in denen Thomas eigene Werke liest.
Auf Deutsch ist besonders Unter dem Milchwald bekannt. Die Übersetzung von Erich Fried erschien zuerst 1954 im Drei Brücken Verlag in Heidelberg und später in Reclams Universal-Bibliothek. Weitere deutsche Ausgaben enthalten frühe Erzählungen und Aufsätze, Gedichte in zweisprachiger Form, autobiographische Erzählungen unter dem Titel Porträt des Künstlers als junger Hund sowie ausgewählte Briefe. An deutschen Übersetzungen waren unter anderem Erich Fried, Klaus Martens, Reinhard Paul Becker, Detlev Gohrbandt und Margit Peterfy beteiligt.
Adaptionen und Hörspiele
Unter dem Milchwald wurde vielfach adaptiert. 1972 kam ein Spielfilm von Andrew Sinclair mit Richard Burton, Peter O’Toole und Elizabeth Taylor in die Kinos. Seit 1996 wird das Stück in Netzeband als Figurentheater mit überlebensgroßen Figuren aufgeführt. Walter Steffens schrieb von 1968 bis 1972 eine Oper Unter dem Milchwald, die 1973 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt wurde. Weitere Bearbeitungen stammen unter anderem von Bettina Bruinier, Michael Hansonis und Akos Banlaky.
Auch als Hörspiel wurde Unter dem Milchwald mehrfach produziert: 1954 in der Übersetzung und Bearbeitung von Erich Fried beim NWDR, 1969 bei BR/WDR, 1989 beim Rundfunk der DDR, 2003 beim MDR, 2006 als niederdeutsche Fassung Ünner den Melkwoold bei RB/NDR, 2023 als Unter Milch Wald Kreuzberg beim RBB und 2026 als Unterm Milchwald in einer Neuübersetzung von Jan Wagner beim Deutschlandfunk. Außerdem wurde 1984 Rebeccas Töchter als Hörspiel produziert.
Zu Thomas selbst entstanden Filme und Theaterstücke, darunter Set Fire to the Stars (2014), Dylan Thomas – Dichter mit Treibstoff Alkohol (2009), Dylan Thomas – Return Journey (1990), The Edge of Love – Was von der Liebe bleibt (2008), der Dokumentar-Kurzfilm Dylan Thomas (1962) und Leon Pownalls Ein-Mann-Stück Do Not Go Gentle.
Nachwirkung und Würdigungen
Zu Dylan Thomas gab es bis 2010 über 300 Veröffentlichungen. Biografische und literaturwissenschaftliche Arbeiten stammen unter anderem von Bill Read, Aeronwy Thomas, Elke Heidenreich und Tom Krausz, Hilly Janes, William Christie, Patrick Gill und Paul Ferris.
Thomas wurde auch durch Musik, Literatur und Film geehrt. Igor Strawinsky komponierte im Jahr nach Thomas’ Tod In memoriam Dylan Thomas für Tenor, Streichquartett und vier Posaunen. Johannes Bobrowski schrieb 1959 ein Gedicht mit dem Titel „Dylan Thomas“. Stan Tracey veröffentlichte 1965 die Jazzsuite Under Milk Wood. John Cale vertonte 1989 Words for the Dying. Thomas’ Gedicht Do not go gentle into that good night ist ein Leitmotiv des Films Interstellar (2014) und gab dem Filmdrama That Good Night (2017) den Titel. 2015 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (13130) Dylanthomas.