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Brief

von spätlateinisch breve, „kurzes Schreiben, Urkunde“, zu brevis ‚kurz') ist eine auf Papier festgehaltene Nachricht, die meist von einem Boten überbracht wird …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Aufbau und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung des Briefes und des Postwesens
  3. 3. Formen und historische Quellen
  4. 4. Gestaltung und postalische Regeln
  5. 5. Elektronische und besondere Briefformen
  6. 6. Briefmarken als Sammelgebiet

Begriff, Aufbau und Bedeutung

Ein Brief ist eine auf Papier festgehaltene Nachricht, die meist durch einen Boten oder Postdienst überbracht wird und eine für den Empfänger bestimmte persönliche Botschaft enthält. Er kann als Faltbrief zusammengefaltet oder als Umschlagbrief in einem Umschlag versandt werden. Mit „Brief“ kann außerdem die gesamte Briefsendung gemeint sein.

Ein Brief besteht gewöhnlich aus Ort und Datum des Verfassens, Anrede, Brieftext und Schlussformel. Auf dem Umschlag stehen in der Regel der Absender, die Empfängeranschrift und beim Versand eine Freimachung, beispielsweise durch Briefmarke, Freistempel oder Aufdruck des Postdienstleisters.

Als Kultur- und Kommunikationsmittel setzt der Brief Schreib- und Lesekompetenz, eine geschriebene Sprache sowie Schreibmaterial und einen Schriftträger voraus. Briefe dienen der Übermittlung persönlicher und amtlicher Nachrichten, der öffentlichen Meinungsäußerung und als literarische Form. Durch moderne elektronische Kommunikation hat der Papierbrief deutlich an Bedeutung verloren.

Entwicklung des Briefes und des Postwesens

Die Anfänge schriftlicher Mitteilungen reichen bis zu den Babyloniern zurück, die Nachrichten in Tontafeln ritzten. Im Alten Ägypten dienten Papyri als Schriftträger; im antiken Griechenland und Rom verwendete man mit Wachs beschichtete Holztafeln. Der grundlegende Zweck blieb weitgehend gleich: Briefe übertragen persönliche oder amtliche Nachrichten, können öffentlich wirken oder literarisch gestaltet sein. Beispiele sind Liebes- und Leserbriefe, amtliche Schreiben, die Paulusbriefe und Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“.

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts wurden Briefe zu Fuß, zu Pferd, mit der Postkutsche oder über Wasserwege befördert. Meist handelte es sich um Portobriefe: Der Empfänger bezahlte die noch offene Transportgebühr. Der seit dem 16. Jahrhundert verwendete Vermerk „en diligence“ bedeutete „mit Eile“ oder „mit Sorgfalt“; davon leitet sich die französische Bezeichnung „diligences“ für Postkutschen ab.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erschien die Briefpost. Briefe gelangten von Poststation zu Poststation. An Relaisstationen wurden die Pferde gewechselt; ein Postillon führte den Transport bis zur nächsten Station und brachte die Pferde anschließend zurück. Für den Abstand der Stationen nennt der Artikel unterschiedliche Angaben: durchschnittlich 7 französische Meilen beziehungsweise 28 km sowie für das 18. Jahrhundert 16 km. Ein Brief von Paris nach Lyon benötigte 2 Tage und 8 Stunden, nach Marseille etwas mehr als 4 Tage. Damals gab es etwa 1400 Poststationen.

1671 gründeten die Familien Pajot und Rouille im Zentrum von Paris die erste Poststelle der Stadt. 1760 richtete Claude Humbert Piarron de Chamousset (1717–1773) eine weitere Pariser Poststelle ein. 200 Briefträger, die mit Klappern auf sich aufmerksam machten, sollten die Post innerhalb von drei Tagen verteilen.

Auch die Materialien veränderten sich. Zunächst waren Federkiele verbreitet; gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand die in einen Federhalter eingesetzte Stahlfeder. Vor der von Claude-Louis Berthollet 1789 entwickelten Chlorbleiche („Eau de Javel“) wurde Papier vor allem aus hellen Hadern aus Leinen und Hanf, sehr selten aus Baumwolle, sowie aus Spinnerei- und Seilereiabfällen hergestellt. Dieses Papier heißt Hadernpapier.

Formen und historische Quellen

Im 16. Jahrhundert verbreitete sich der „Zeitungs“-Brief. Er bestand aus einem intimen Teil in einem eigenen Umschlag und einem lose in den größeren Umschlag gelegten halböffentlichen Teil. Diesen sollte der Empfänger an Bekannte und Gleichgesinnte weiterreichen. So entstanden dezentrale Diskussionszirkel und soziale Netzwerke. Die halböffentlichen Teile wurden unter anderem Avise, Beylage, Pagelle, Zeddel, Nova und schließlich Zeitung genannt. Ihre Darstellung war meist „relatorisch“: Sie trug Nachrichten und Meinungen zusammen, ohne sie gründlich zu recherchieren.

In der Geschichtswissenschaft gilt im engeren Sinn nur ein Privatbrief als „Brief“. Schreiben von oder an Amtspersonen und Institutionen werden eher den Urkunden oder Akten zugerechnet; ein an die Öffentlichkeit gerichteter offener Brief eher den literarischen Werken. Wegen zahlreicher Mischformen, etwa Geschäftsbriefen mit privaten Inhalten, wird diese Abgrenzung jedoch nicht immer streng angewandt.

Briefe waren lange teuer und wurden vor allem von Amtspersonen und wohlhabenden Kaufleuten verschickt. Im 18. Jahrhundert, dem sogenannten Jahrhundert der Briefe, weitete sich der Briefverkehr auf weitere Teile der Oberschicht aus. Einfache Menschen ließen wichtige Schreiben teilweise von beruflichen Briefschreibern verfassen. Deren feste Formeln können die persönliche Ausdrucksweise der Absender verdecken.

Seit dem 19. Jahrhundert wertet die Geschichtswissenschaft überlieferte Korrespondenzen aus. Im 20. Jahrhundert rückten mit der Alltagsgeschichte auch Briefe der „kleinen Leute“ stärker in den Mittelpunkt. Soldatenbriefe aus den Weltkriegen geben beispielsweise nicht nur Auskunft über einzelne Schicksale, sondern auch über Lebensbedingungen und Denkweisen größerer Gruppen. Auswandererbriefe berichten von Erlebnissen, Erfolgen und Misserfolgen in Amerika, Südamerika oder Russland. Sie informierten mögliche weitere Auswanderer über die Verhältnisse im Zielland und übermittelten zugleich Nachrichten zwischen neuer und ehemaliger Heimat.

Gestaltung und postalische Regeln

Der Briefkopf umfasst die gewöhnlich oben auf der ersten Seite vorgedruckten Angaben. Private Briefköpfe enthalten meist nur wenige Daten und höchstens schlichte Schmuckelemente. Unternehmensbriefköpfe wurden seit Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend repräsentativ gestaltet. Dazu trugen die 1813 patentierte Schnellpresse und der Aufschwung der Lithografie ab 1820 bei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Ornamente, allegorischer Schmuck, Fabrikansichten und Darstellungen von Preismedaillen beliebt. Öffentliche Institutionen verwenden meist ein amtliches Wappen oben in der Mitte oder rechts. In Deutschland regelt DIN 5008 die Gestaltung von Briefkopf und Geschäftsbrief.

Bis ins 19. Jahrhundert waren gefaltete Papierbögen üblich; ein besonderer Umschlag war selten. Die Normalgröße lag bei etwa 9 × 17 cm, das durchschnittliche Gewicht bei ungefähr 1 Lot beziehungsweise ½ Unze oder rund 15 g. Briefe mussten versiegelt werden, bis diese Pflicht 1849 entfiel. Das Siegel schützte das Briefgeheimnis. Die Post haftete nicht für Verluste, und die Gebühren wurden zunächst häufig von Postamt zu Postamt ausgehandelt.

Im 19. Jahrhundert entstanden zunehmend einheitliche Gewichts- und Entfernungstarife, die sich regional unterschieden. Im Königreich Westphalen wurde seit dem 1. November 1810 nach Gewicht und Entfernung bezahlt; ein einfacher Brief durfte 8 g wiegen, Sendungen über 60 g gehörten zur Fahrpost. In Preußen bestimmte das Posttaxregulativ von 1825 das Porto ebenfalls nach Gewicht und Entfernung. Ein einfacher Brief durfte ¾ Lot wiegen; über 2 Lot war die Fahrpost zuständig. Später wurden die Regeln mehrfach geändert.

Gewerblich hergestellte Briefumschläge kamen ab 1830 auf den Markt und wurden ab 1840 maschinell produziert. 1850 wurden Freimarken eingeführt, 1851 Umschläge mit eingedrucktem Wertzeichen. Es folgten unter anderem amtliche Kartenbriefe 1897, Fensterbriefumschläge 1908 und dienstliche Aktenbriefe bis 500 g im Jahr 1922. 1923 stieg das Höchstgewicht für Briefe von 250 auf 500 g, 1947 auf 1 kg. Von 1948 bis 1956 mussten fast alle Sendungen in den westlichen Zonen beziehungsweise der Bundesrepublik zusätzlich mit der Steuermarke „Notopfer Berlin“ frankiert werden. 1993 führte die Deutsche Bundespost die vier Basisprodukte Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibrief ein. Ein Standardbrief darf höchstens 20 g wiegen und kostet seit 2025 0,95 Euro.

Heute sollte ein Briefumschlag die Empfängeranschrift und möglichst auch die Absenderadresse tragen. Letztere ermöglicht die Rücksendung, wenn der Empfänger nicht ermittelt werden kann oder die Annahme verweigert. Ein Nachsendeauftrag kann Briefe mit veralteter Adresse weiterleiten. Besondere Zustellformen sind die deutsche Zustellungsurkunde, der österreichische Rückscheinbrief und das international nutzbare Einschreiben. Bei gewöhnlichen Briefen wird bei Verlust keine Haftung übernommen.

Elektronische und besondere Briefformen

Seit den 1990er Jahren ergänzt und verdrängt die E-Mail den klassischen Brief zunehmend, besonders im Geschäftsverkehr, weil sie schneller und preiswerter ist. Für bedeutende Texte wie Liebesbriefe, Verträge oder diplomatische Noten bleibt die Briefform gebräuchlich. Die konventionelle Post wird im Vergleich zur E-Mail scherzhaft „Schneckenpost“ oder „Sackpost“ genannt. Eine weitere Sonderform ist der Werbebrief beziehungsweise das Mailing.

Der E-Postbrief der Deutschen Post war ein Hybridpostdienst mit einer Website für den elektronischen Nachrichtenaustausch über das Internet. Er konkurrierte mit dem gesetzlich geregelten De-Mail-Verfahren und musste nach einem Gerichtsurteil eingestellt werden; das Angebot endete zum 30. November 2022.

Der Rückgang zeigt sich im Sendungsvolumen der Deutschen Post: 2008 wurden noch 16 Milliarden Briefsendungen befördert, 2017 waren es 12,7 Milliarden. Davon waren 92 % Geschäftsbriefe.

Nicht-private Sonderformen sind offene Briefe, die veröffentlicht werden und zugleich einen ausdrücklich genannten Empfänger und die Öffentlichkeit ansprechen, sowie Leserbrief und Steckbrief. Lehrhafte oder gebietende Schreiben an Gruppen heißen ebenfalls Briefe, etwa die Paulusbriefe, der Brief an die Hebräer, Luthers „Sendbrief vom Dolmetschen“ und kirchliche Hirtenbriefe. Im weiteren Sinn zählen Meisterbriefe, Ehrenbriefe und Pfandbriefe zu den Urkunden; daran erinnert die Redensart „Brief und Siegel“. Literarische Formen sind Briefroman, Briefgedicht und Epistel.

Briefmarken als Sammelgebiet

Die Deutsche Post AG begann am 1. März 2022 mit der Dauerserie „Welt der Briefe“. Der Artikel spricht zunächst von drei Postwertzeichen, nennt jedoch vier Nennwerte und Motive: 70, 110, 195 und 225 Eurocent sowie „Brief auf Umlaufbahn“, „Luftpost“, „Mond und Briefe“ und „Briefsonde im Weltall“. Am 7. Juli 2022 folgte „Brief im Abendlicht“ zu 170 Eurocent. Am 4. August 2022 erschienen „Briefperle“ zu 32, „Briefmühle“ zu 37, „Briefbaum“ zu 45 und „Ballonpost“ zu 95 Eurocent. Am 5. Januar 2023 kamen „Briefbahn“ zu 30, „Briefberge“ zu 33, „Flügelstifte“ zu 38, „Regenbogenbrief“ zu 48 und „Briefmarkenbegleiter“ zu 61 Eurocent hinzu. Alle Entwürfe stammen von der Bonner Grafikerin Bettina Walter.

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