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Dunkle Wolken

Dunkle Wolken, auch Es geht ein dunkle Wolk herein, ist ein Volkslied nach der Liederhandschrift des bayerischen Benediktinerpaters Johannes Werlin aus dem …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Lied und Überlieferung
  2. 2. Ältere Quellen und Textinhalt
  3. 3. Spätere bekannte Fassung
  4. 4. Bearbeitungen und spätere Verwendung

Lied und Überlieferung

„Dunkle Wolken“, auch „Es geht ein dunkle Wolk herein“, ist ein Volkslied und ein Abschiedslied aus dem 16. Jahrhundert. Die wichtigste Quelle ist die Niederschrift des bayerischen Benediktinerpaters Johannes Werlin aus dem Kloster Seeon von 1646. Sie steht in seiner Sammlung von knapp 3.000 Volksliedern in sieben Folianten. Werlin wollte auch damals bereits teilweise weniger gesungene Lieder seines und des vorherigen Jahrhunderts bewahren.

In seiner Handschrift sind neben der Melodie jedoch nur eine Textstrophe erhalten. Sie beginnt: „Es geht ein dunkle Wolk herein, / mich deucht, es wird ein Regen sein“ und endet mit „wohl in das grüne Gras.“ Die Melodie ist dorisch, also in einem Kirchenton; ihre Generalvorzeichnung kommt ohne das hier verwendete ♭ aus. Werlins Notierung gilt als wenig verändert. Anders als bei manchen anderen Liedern vereinfachte er die Melodie offenbar kaum in Richtung der zeitgemäßen Dur-Moll-Tonalität. Hartmut Braun vom Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg betont deshalb die „große Spannkraft der Melodielinie“ sowie das enge Zusammenwirken von Text und Musik.

Ältere Quellen und Textinhalt

Das Lied ist älter als Werlins Niederschrift von 1646. Ein Textfragment „Es get ein finster wölckle herein“ findet sich bereits 1540 in Georg Forsters „Frischen Teutschen Liedlein“, im Quodlibet Nr. 60 „Secunda pars: Es fur ein Herr“. Die Melodie ist in Wolfgang Schmeltzls Quodlibet-Sammlung von 1544 überliefert.

Der ausführlichste Textdruck stammt aus zwölf Flugblättern des Linzer Buchhändlers Urban von Stroheim von 1630. Dort heißt das Lied „Drey schöne newe und kurtzweilige Lieder / von einem Schnitter in der Erndte erdacht“ und wird als Gesellenliebeslied bezeichnet. Im Auszug beginnt es ebenfalls mit dem dunklen Wölklein und Regen. Danach verbindet der Text Wetterbilder mit dem Wunsch, beim geliebten Menschen zu sein: Bei Regen wäre der Sprecher lieber bei seinem „Buhlen“, bei Sonnenschein wäre dort gut „schmucken“.

Die weitere Handlung erzählt von einem jungen Mann, der nachts um Einlass bei Annelein bittet. Zunächst weist sie ihn ab, lässt ihn dann aber herein. Er verspricht, im folgenden Jahr ihr eigen zu sein; sie hält ihm entgegen, er verspreche viel und halte wenig. Am Ende zieht er fort, während sie ein Kind in der Wiege zurückbehält. Er gibt ihr zehn Taler „wohl für deine Ehre, / die du verschlafen hast“. Als Sänger wird ein junger Schnitter genannt, der in der Ernte bei Met und kühlem Wein singt.

Spätere bekannte Fassung

Moderne Drucke enthalten meist drei Strophen. Die zweite und dritte Strophe gehören aber nicht zur ursprünglichen Überlieferung. Die zweite ist eine „schwächer[e] Hinzudichtung“ der Herausgeber des „Zupfgeigenhansls“ von 1908, gemeint ist Hans Breuer. Sie schildert die ausbleibende Sonne und die müden Blumen im grünen Wald. Die dritte Strophe stammt, abgesehen von einer geänderten Schlusszeile, aus dem Kuhländchen-Wanderlied „Ich waß wohl, wenn’s gut wandern is“: „Es soll und muss geschieden sein. / Ade, feins Lieb, dein Scheiden / Macht mir das Herze schwer.“

Wegen der Datierung 1646 und dieser Abschiedsthematik wurde das Lied lange als Zeitdokument des Dreißigjährigen Krieges verstanden. Tatsächlich ist es deutlich älter. Die bekannte dreistrophige Version hat mit dem ursprünglichen Text zwar nicht mehr viel gemeinsam, wurde durch ihre weite Verbreitung aber zu einem Kunstwerk eigenen Ranges. Ihre Natursymbole, besonders die „dunkle Wolke“, beschreiben Stimmung und drohendes Unheil. Dieser Symbolgehalt stammt aus dem beginnenden 20. Jahrhundert.

Bearbeitungen und spätere Verwendung

Das Lied wurde in vielen Musikrichtungen bearbeitet. In der E-Musik entstanden unter anderem Kantatenfassungen von Johann Nepomuk David (1949/1961), Hugo Distler (1932), Günter Kochan (1979) und Dietrich Erdmann (1979); Kunstliedbearbeitungen stammen von Hanns Eisler und Felix Wolfes (1953). Der Jazzpianist Uli Kieckbusch machte es 1994 zum Titellied seiner Live-CD „Dark Clouds“ und improvisierte darauf 30 Minuten lang am Klavier über Werlins Noten.

In der populären Musik gehörte eine nur von Laute begleitete Fassung mit Manfred Krug in den 1960er Jahren zum Soundtrack des DEFA-Films „Auf der Sonnenseite“; 1997 erschien sie erneut auf „Manfred-Krug-Anthologie“. Achim Mentzel sang das Lied 1966 für Bernd Maywalds Film „Zwei Versuche“. Beim Volksliederabend „Deutsche Volkslieder“ des Deutschen Theaters Berlin, Premiere am 12. Oktober 1981, sang Elsa Grube-Deister das Lied; die Fassung erschien auch auf Tonträger. Weitere Aufnahmen stammen von Drei Liter Landwein (1997) und Dagmar Krause.

In Friedens- und Umweltbewegungen der 1970er- und 1980er-Jahre entstanden Umdichtungen, die die dunklen Wolken etwa als radioaktiven Fallout oder sauren Regen deuteten. Die Sendereihe „Sing mal wieder!“ des Bayerischen Rundfunks (1999/2000) ordnete das Lied solchen zu, deren politischer und sozialkritischer Hintergrund erst bei genauerem Hinsehen sichtbar werde. Das gleichnamige Lied der Gruppe Rosenstolz hat keine Verbindung zu diesem Volkslied.

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