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Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit. Zentrum zur Dokumentation der Geschichte der Zwangsarbeiter in der Zeit des Nationalsozialismus im Berliner Ortsteil …
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Ort und Entstehung
Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit befindet sich im Berliner Ortsteil Niederschöneweide. Es dokumentiert die Lebenssituation von Menschen, die während des Nationalsozialismus zur Arbeit gezwungen wurden. Bis zur Eröffnung des Museums Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Weimar 2024 war es das einzige Museum dieser Art in Deutschland.
Das etwa 32.000 m² große Gelände gehörte ursprünglich größtenteils der Deutschen Reichsbahn. 1939 gab es Pläne für ein Hitlerjugendheim und später für Zweiraumwohnungen. Das Grundstück der jüdischen Brüder Kurt und Willy Mannheimer wurde enteignet; ihr Eckgrundstück gelangte im Juni 1942 an die Vermögensverwaltung des Landes.
Ab 1943 entstand unter der Bezeichnung „Lager 75/76“ ein Wohnlager für mehr als 2.000 ausländische Zwangsarbeiter. Die Planung lag beim Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer und seiner Behörde; Architekt war Hans Freese. Das Lager bestand aus zwei baulich verbundenen Teilen mit ursprünglich 13 symmetrisch angeordneten Steinbaracken. Die Bäume sollten teilweise vor Luftangriffen schützen. Einige Baracken besaßen Luftschutzbunker, obwohl dies nach den geltenden Richtlinien nicht zulässig war.
In sechs Baracken des sogenannten Italienerlagers lebten etwa 500 italienische Militärinternierte und Zivilarbeiter; vermutlich waren dort auch „Ostarbeiter“ untergebracht. Zwei Baracken der anderen Lagerhälfte dienten zeitweise als KZ-Außenlager für weibliche Häftlinge, die bei der Batteriefabrik Pertrix arbeiten mussten.
Nach dem Krieg nutzte zunächst die Rote Armee das Gelände. 1946 zog ein Seruminstitut der DDR in den westlichen Teil ein. Eine Baracke wurde abgerissen, andere für verschiedene Zwecke genutzt. Nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch umliegender Industriebetriebe wurde über die städtebauliche Zukunft des Gebiets beraten. Bei Untersuchungen im Jahr 1993 wurden die weitgehend erhaltenen Reste des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers entdeckt. 1995 fand die erste Open-Air-Ausstellung statt. Seitdem engagierten sich Initiativen und Einzelpersonen für einen Dokumentations- und Gedenkort; seit 2004 sind sie im Förderverein Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zusammengeschlossen. Seit 2006 gehört das Zentrum als Abteilung zur Stiftung Topographie des Terrors und wird gemeinsam vom Land Berlin und der Bundesrepublik Deutschland getragen.
Gedenkstätte und erhaltene Baracken
Die Anlage ist seit 1995 als gesamtes, 3,3 Hektar großes Ensemble denkmalgeschützt. Sie gilt als letztes erhaltenes Beispiel von rund 3.000 Berliner Zwangsarbeiter-Unterkünften. Seit Juli 2001 erinnert eine Gedenktafel an die Geschichte des Ortes.
Im Rahmen des Gedenkstättenkonzepts wurden sechs der noch elf vorhandenen Baracken baulich gesichert. Zwei Baracken wurden zu Vortrags-, Ausstellungs- und Seminarräumen sowie zu Bibliothek und Archiv ausgebaut. Die Schlüsselübergabe am 24. August 2006 markierte den Beginn einer kontinuierlichen wissenschaftlichen und pädagogischen Aufarbeitung. Neben Ausstellungen finden Vorträge, Lesungen und Zeitzeugengespräche statt. Geleitet wird das Dokumentationszentrum von der Historikerin Christine Glauning.
Die am 30. August 2010 eröffnete Baracke 13 steht am östlichen Rand des Lagergeländes und wurde 1943 als eines der ersten Gebäude errichtet. Im Luftschutzbunker und in anderen Bereichen sind Originalspuren erhalten, darunter Inschriften früherer Insassen. Sichtbar sind teilweise der grüne Tarnanstrich, unverputzte Mauersteine sowie der Wasch- und Toilettenraum. Ein Waschbrunnen aus Baracke 4 wurde hier eingebaut. Die frühere Einrichtung bestand laut Zeitzeugen aus neun Etagenbetten, neun Doppelschränken, einem Tisch, Gartenstühlen, einem Gusseisenofen und einem Eimer; beleuchtet wurde der Raum nur durch eine spärliche Glühlampe. Nach 1945 diente die Baracke als Materiallager und Werkstatt, zeitweise auch als Ausbildungswerkstatt des VEB Kühlautomat Berlin. Bei der Instandsetzung wurden nachträglich entfernte Trennwände wieder eingezogen; Spalten zeigen, dass sie nicht original sind.
Die Baracken 5 und 6 wurden zu einer internationalen Jugendbegegnungsstätte mit Seminarräumen, Bibliothek, Veranstaltungsraum und Räumen für Sonderausstellungen umgebaut. Baracke 4 erhielt mit Mitteln des Auswärtigen Amtes einen Teilausbau für eine Dauerausstellung über die italienischen Militärinternierten.
Dauerausstellungen und zentrale Themen
Die erste Dauerausstellung wurde am 8. Mai 2013 in Baracke 2 eröffnet. Sie trägt im Artikel die Bezeichnung „Alltag Zwangsarbeit 1938–1945“, während der entsprechende Abschnitt „Alltag Zwangsarbeit 1939–1945“ überschrieben ist. Die Ausstellung stellt Zwangsarbeit als allgegenwärtiges Massenphänomen des Nationalsozialismus dar. Sie behandelt den Alltag verschleppter Männer, Frauen und Kinder im Lager, bei der Arbeit und im Kontakt mit Deutschen. Ein Schwerpunkt liegt auf der rassistischen Hierarchie des NS-Regimes, die die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter prägte.
Die zweite Dauerausstellung „Zwischen allen Stühlen. Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943–1945“ wurde am 28. November 2016 eröffnet. Deutschland und das faschistische Italien waren zunächst Bündnispartner. Nach dem Waffenstillstand von Cassibile am 8. September 1943 schied Italien aus dem Bündnis aus; die deutsche Wehrmacht nahm italienische Soldaten und Offiziere gefangen. Etwa 650.000 Italiener wurden in das Deutsche Reich und in besetzte Gebiete transportiert. Nach der Gründung der Repubblica Sociale Italiana (RSI) 1944 erklärte man sie zu „Militärinternierten“. Dadurch konnten sie trotz des neuen faschistischen Bündnisses und ohne Rücksicht auf das Völkerrecht als Zwangsarbeiter in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden.
Die Ausstellung verfolgt den Weg von der deutsch-italienischen Bündnispolitik über Gefangennahme, Transport und Zwangsarbeit bis zu Kriegsende und Erinnerung. Sie zeigt damit, wie politische Entscheidungen und rechtliche Umdeutungen die Ausbeutung der Gefangenen ermöglichten.
Sonderausstellungen: regionale und internationale Perspektiven
Die Sonderausstellungen erweitern den Blick auf verschiedene Opfergruppen, Unternehmen, Regionen und Formen der Erinnerung. Die Ausstellung „Eine Geschichte von Vertreibung und Überleben. Holocaust und Zwangsarbeit in Galizien“ (30. August 2019 bis 2. Februar 2020) behandelte die deutsche Besatzungspolitik gegenüber mehr als 500.000 Juden im Distrikt Galizien. Themen waren Pogrome, Ghettos, Deportationen nach Bełżec und Zwangsarbeit in Lagern. Die Darstellung machte deutlich, dass Zwangsarbeit der Ausbeutung diente, ein Arbeitsplatz aber zeitweise auch vor der Deportation in den Tod schützen konnte. Im Mittelpunkt standen das Schicksal Józef Lipmans sowie Rettungsversuche von Berthold und Else Beitz und Donata und Eberhard Helmrich.
„GE-SCHICHTE_N“ von Jolanda Todt (21. August bis 29. September 2019) bestand aus 60 Betontafeln mit Fotografien, historischen Dokumenten und Teilen eines Zeitzeugeninterviews. Die Besucher sollten die deutsche Besatzung in Polen 1939–1945 durch das Analysieren und Verbinden einzelner Materialien erschließen.
„Verlorenes Gedächtnis“ (16. Mai bis 18. August 2019) zeigte 18 Orte der NS-Zwangsarbeit in der Tschechischen Republik. Behandelt wurden unter anderem das Ghetto Theresienstadt, das KZ-Außenlager Leitmeritz und ein Rüstungsbetrieb in Prag. Die Ausstellung verband Zwangsarbeit mit Holocaust, KZ-System, der Ermordung von Sinti und Roma sowie der Ausbeutung von Zivilisten und Kriegsgefangenen.
„Philibert und Fifi“ (23. November 2018 bis 28. April 2019) präsentierte Zeichnungen des französischen Zwangsarbeiters Philibert Charrin. Er wurde 1943 nach Österreich verschleppt und verarbeitete Arbeit, Lebensbedingungen, Widerstand und Sabotage in humorvollen, teilweise verschlüsselten Karikaturen.
„Batterien für die Wehrmacht“ (13. November 2015 bis 28. Oktober 2018) untersuchte die Pertrix, eine Tochterfirma der AFA im Quandt-Konzern. Sie produzierte Trockenbatterien, Taschenlampen und Zünderbatterien für die Wehrmacht und Luftwaffe. Nach der Dokumentenlage waren dort rund 2.000 Menschen aus 16 Nationen eingesetzt, überwiegend Frauen. Vertreten waren unter anderem Berliner Juden, Kriegsgefangene, italienische Militärinternierte, westeuropäische Zivilarbeiter, Ostarbeiter, Polen und KZ-Häftlinge.
Die Ausstellung „Zwangsarbeit in Berlin 1938–1945“ fragte nach Herkunft und Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter, nach Profiteuren und Organisatoren sowie nach dem Nachkriegsschicksal der Überlebenden. Sie beruhte auf Forschungen von elf Berliner Regionalmuseen und wurde um Zwangsarbeit in Betrieben des Flick-Konzerns erweitert.
„Bausteine“ dokumentierte die Geschichte des Lagers von 1943 bis 1945, seine Bedeutung im Rüstungszentrum Schöneweide und die Entstehung des Dokumentationszentrums durch bürgerschaftliches Engagement. „Zwangsarbeit und Arisierung. Warnecke & Böhm“ zeigte am Beispiel eines Lack- und Farbenherstellers die Verbindung von Unternehmensgeschichte, Zwangsarbeit und der Verdrängung jüdischer Eigentümer. Von 352 Personalakten jüdischer Zwangsarbeiter überlebten 61 Menschen; 306 wurden in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet.
Weitere Ausstellungen behandelten die Lebensgeschichte der ukrainischen Zwangsarbeiterin Maria Zhuk und ihrer Enkelin, Zwangsarbeit in der Region Dahme-Spreewald, zehn Lebensgeschichten ukrainischer Zwangsarbeiterinnen im Rheinland, die Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung im „Protektorat Böhmen und Mähren“, die Zwangsarbeit im Bosch-Konzern in Kleinmachnow sowie die Geschichte der 2,8 bis 3 Millionen polnischen Männer, Frauen und Kinder, die 1939–1945 zur Arbeit in deutscher Kriegs- und Landwirtschaft gezwungen wurden. Die Ausstellung über Kleinmachnow dokumentierte den Einsatz von über 2.500 zivilen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen.
Bildung und zukünftige Erinnerungsarbeit
Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei. Auf Anfrage gibt es kostenlose Führungen und Seminare, auch für Schulklassen. Öffentliche Führungen ohne Anmeldung finden samstags und sonntags um 15 Uhr statt. Baracke 13 ist grundsätzlich nur im Rahmen einer Führung zugänglich; ganztägig geöffnet ist sie außerdem am Internationalen Museumstag und am Tag des offenen Denkmals. Bibliothek, Sammlung und Archiv können auf Anfrage genutzt werden.
Durch eine Spende der Johanna-Quandt-Stiftung wurden 2015 zwei bisher ungenutzte Baracken ausgebaut. Sie wurden am 12. November 2015 öffentlich übergeben. Baracke 5 beherbergt Sonderausstellungs-, Veranstaltungs- und Archivräume sowie die Bibliothek. In Baracke 6 entstand eine internationale Jugendbegegnungsstätte. Damit verbindet das Dokumentationszentrum die Bewahrung des authentischen Ortes mit Forschung, Ausstellung, schulischer Bildung, internationalem Austausch und öffentlicher Erinnerung.