Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Augmentativ
Die entgegengesetzte „Verkleinerungsform“ (Diminutiv) wird mit der Silbe -et- in Anlehnung an die romanischen Sprachen gebildet. pordo „Tür“, pordego „Tor …
Inhalt6 Abschnitte
Was ist ein Augmentativ?
Das Augmentativ oder Augmentativum (von lateinisch augmen „Vermehrung, Zuwachs“) ist die Vergrößerungsform eines Substantivs. Es ist damit der Gegensatz zum Diminutiv, der Verkleinerungsform. Viele Sprachen haben eigene Mittel, um Augmentative zu bilden.
Bildungsarten im Deutschen
Man unterscheidet zwei Bildungsarten: die analytische Bildung durch ein Syntagma (z. B. Übergröße, wo das Erstglied über die Verstärkungsfunktion übernimmt) und die synthetische Bildung mittels Derivaten. Bei der synthetischen Bildung unterscheidet man nach den beteiligten Komponenten: Bildung mit Affixen (z. B. Bombenhitze, Telefonitis), mit Affixoiden (z. B. Schlangenfraß, Modezar) und teilweise gesondert mit Subaffixoiden (z. B. Fehlentscheidung, Schimpfkanonade).
Augmentative Vorsilben im Deutschen
Die Vorsilbe un- wird in Wörtern wie Unzahl, Unsumme, Unmenge oder Untier nicht negativ gebraucht, sondern als augmentatives Präfixoid mit der Bedeutung „(unvorstellbar) groß“. Bei einigen Zahlwörtern drückt das Präfixoid aber- das Augmentativ aus, z. B. Abertausende. Die Präposition über kann als Präfix dienen, z. B. in Übergröße, Überlänge, Übermaß, Übermensch. Umgangssprachlich werden auch Riese (z. B. Riesengaudi) sowie super- bzw. mega- (z. B. superstark, megastark) als Präfixe verwendet.
Esperanto, Italienisch und Portugiesisch
Esperanto: Die Silbe -eg- bildet das Augmentativ, danach wird wie üblich ein Endvokal bzw. eine Endsilbe angefügt, die die Wortklasse bezeichnet (-o Substantiv Einzahl, -oj Substantiv Plural, -a Adjektiv, -e Adverb, -i Verb in der Grundform). Der Diminutiv wird mit -et- gebildet. Beispiele: pordo „Tür“, pordego „Tor“, pordeto „Türchen“; varma „warm“, varmega „heiß“, varmeta „lauwarm“; salti „springen“, saltegi „Riesensprünge machen“, salteti „hüpfen“. Die Silben sind auch als eigenständige Wortstämme einsetzbar: ege „sehr“, eta „klein, gering“.
Italienisch und Portugiesisch
Italienisch: Das Augmentativ wird mit dem Suffix -one (m.) bzw. -ona (f.) gebildet; padre ist der Vater, padrone der Herr oder Gebieter, padrona die Herrin. Beispiele: porta („Tür“) → portone („Tor“); tromba („Trompete“) → Trombone („Posaune“), viola („Bratsche“) → Violone; Tortellini → Tortelloni, Spaghetti → Spaghettoni. Wichtig: Die durch Augmentation entstandenen Substantive sind Maskulina, z. B. la porta – il portone, la viola – il violone.
Neugriechisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch und Spanisch
Neugriechisch: Maskulina bilden mit -αρος [-aros], Feminina mit -άρα [-ára], z. B. μύτη [míti] („Nase“) → μυτάρα [mitára] („große Nase“); das Diminutiv ist μυτούλα [mitoúla] („Näschen“). In der Volkssprache Dimotiki sind diese Augmentativa oft sehr plastisch, häufig ironisch, ja nicht selten pejorativ. Bekannt ist die Szene aus Pinocchio, in der die große Lügen-Nase (mitára) wieder zum kleinen Näschen (mitoúla) schrumpft.