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-li
Das schweizerdeutsche und südbadische Suffix -li (ausgesprochen [lɪ]) ist ein Diminutivaffix und verkleinert ein Substantiv (vgl. Diminutiv) oder manchmal …
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Grundfunktion und regionale Formen
Das schweizerdeutsche und südbadische Suffix -li, ausgesprochen [lɪ], ist ein Diminutivaffix. Ein Diminutiv ist eine sprachliche Verkleinerungsform. -li wird vor allem an Substantive angefügt und entspricht funktional grundsätzlich dem hochdeutschen -chen beziehungsweise -lein. Gelegentlich werden auch andere Wörter, etwa Pronomina, verkleinert.
Je nach Region treten verschiedene Lautvarianten auf: -le im Schwäbischen sowie teilweise im Mittelalemannischen, Südbairischen und Südfränkischen; -el im Elsässischen, Süd-, Rhein- und Nordfränkischen, in Thüringen, Obersachsen und teilweise in Schlesien; -la im Ostfränkischen, Nordbairischen und teilweise in Schlesien sowie -l im bairisch-österreichischen Sprachraum.
Je nach Mundart, Affektionsgrad oder Wort kommen neben -li auch -eli und -ili vor. Besonders im alpinen und voralpinen Schweizerdeutsch gibt es außerdem die historisch auf -li zurückgehenden Formen -ji, -je, -elti, -etli, -ti und -tschi. Beispiele sind Hundji oder Hundi „Hündchen“, Vogelti „Vöglein“, Chuotschi „Kühlein“ und Alpelti beziehungsweise Alpetli „kleine Alp“. Im Mittelland finden sich etwa Meitschi „Mädchen“ und Müntschi „Kuss“.
Diminutive auf -li sind gewöhnlich sächlich. Ausnahmen bilden unter anderem Ableitungen von Ruf- und Familiennamen wie de(r) Hansli „Hänschen“ und en Bünzli „ein Kleinbürger“. Meist männlich sind auch Peeterli „Petersilie“ und Röteli „Kirschenlikör aus Graubünden“. Bei Egli „Flussbarsch“ besteht neben einem älteren neutralen ein jüngeres maskulines Genus.
Bildung bei Substantiven
Bei der Bildung eines Diminutivs zieht -li, soweit es lautlich möglich ist, meist eine Umlautung des Stammvokals nach sich. Typische Veränderungen sind:
- /a/ > /ä/: Männli zu Maa „Mann“
- /a/ > /e/: Negeli zu Nagel
- /o/ > /ö/: Röösli zu Roos(e) „Rose“
- /u/ > /ü/: Müüsli zu Muus „Maus“
- /uə̯/ > /üə̯/: Müesli zu Mues „Mus“
Bei anderen Vokalen bleibt der Laut häufig unverändert, etwa in Wäägli zu Wääg, Wyybli zu Wyyb, Tierli zu Tier und Füürli zu Füür.
Wörter auf -le und -i sowie teilweise Wörter auf -e bilden das Diminutiv auf -eli: Chügeli zu Chugle „Kugel“, Byygeli zu Byygi „Stapel, Beige“ und Kässeli zu Kasse. Wörter auf -el bilden dagegen -i, zum Beispiel Tüüfeli zu Tüüfel „Teufel“. Diese Endungen dürfen nicht mit Mundarten verwechselt werden, in denen -eli oder -i allgemein anstelle von -li verwendet wird.
Wenn -li und -eli nebeneinander möglich sind, bezeichnet -eli häufig eine stärkere Affektion, also mehr Zärtlichkeit: Mäitli „Mädchen“ gegenüber Mäiteli „(herziges) Mädchen“ sowie Hündli „kleiner Hund“ gegenüber Hündeli „(lieber) kleiner Hund“.
Je nach Region und Bedeutungsnuance gibt es Formen mit oder ohne Umlaut, etwa Hundeli/Hündli, Puurli/Püürli und Chueli/Chüeli. Umlautlose Formen können stärker affektiv wirken. Manchmal unterscheiden sich die Bedeutungen deutlicher: Manndli bedeutet „Männlein“, Männdli dagegen „kleiner Mann; Tiermännchen“. Schachteli bezeichnete früher eine „Schachtel für das Schreibzeug“, während Schächteli eine „kleine Schachtel“ meint.
Plural und Bedeutungen
In vielen alemannischen Dialekten des Schweizer Mittellands, der Voralpen und Teilen der Alpen sind Singular und Plural gleich: e(s) Vögeli „ein Vögelchen“, zwei/zwöi Vögeli „zwei Vögelchen“. Bis ins 20. Jahrhundert gab es in vielen Dialekten zusätzlich eine besondere Dativ-Pluralform auf -ene, etwa de Vöglene „den Vögelchen“.
In der südwestlichen Deutschschweiz werden Singular, Plural und teilweise auch die Fälle unterschieden. Im Berner Simmental, im Haslital sowie in den Freiburger Gebieten Sensebezirk und Jaun heißt es beispielsweise Vögeli im Singular, Vögeleni im Nominativ und Akkusativ Plural und Vögelene im Dativ Plural. Im Haslital lautet die Dativform -enen; im Sensebezirk fehlt eine besondere Dativform. In Visperterminen und allgemein im Wallis stehen etwa Redli „Rädlein“, Redlini im Nominativ und Akkusativ Plural und Redlinu im Dativ Plural.
Das Suffix kann verschiedene Bedeutungen haben:
- Verkleinerung: Büechli „kleines Buch“
- Vereinzelung: Chörnli „einzelnes Korn“ oder Häärli/Höörli „einzelnes Haar“
- Wertschätzung oder Herabsetzung: Puurli „liebenswürdiger oder gering geschätzter Kleinbauer“
- Verniedlichung: Ämtli „regelmäßige Aufgabe“ oder es Glesli Wyy „ein Glas Wein“
- funktionsloses Diminutiv: Lyybli „Leibchen“ oder Zündhölzli „Streichholz“
Viele Formen sind semantisch selbstständig geworden. Beispiele sind Chnöpfli „eine Art Spätzle“, Gipfeli „Hörnchen, Croissant“, Hüüsli „Toilette“, Müesli „Frühstücksflocken mit Früchten“, Rüebli „Karotte“, Täfeli oder Dääfeli „Bonbon“ und Stöckli „kleineres Wohnhaus der Eltern neben dem Bauernhaus, Auszugshaus“. Bei manchen Wörtern ist die Grundform verschwunden oder kaum noch gebräuchlich, etwa bei Mäitli oder Meitschi „Mädchen“, Müntschi „Kuss“, Egli „Flussbarsch“, Fäärli „Ferkel“ und Läckerli.
Nicht jede Form hat tatsächlich eine Grundform mit gleicher Bedeutung. Dänkeli „Stiefmütterchen“ wurde aus französisch pensée übersetzt. Bei Peeterli „Petersilie“ und Viöönli beziehungsweise Veieli „Veilchen“ handelt es sich um volksetymologische Umdeutungen. Zoggeli „Zoccoli“ ist die Übernahme des italienischen Plurals von zoccolo „Holzschuh“ und nur manchmal als Diminutiv verstanden.
Verkleinerung anderer Wortarten
Bei anderen Wortarten ist die Verkleinerung mit -li ausschließlich verniedlichend und meist kindersprachlich oder ironisch. Dabei kann das verkleinerte Wort formal substantiviert werden.
Bei Fragepronomen sind aus der ganzen Deutschschweiz verkleinerte, oft verdoppelte Formen belegt: Waaseli(waas) wottsch dänn? „was willst du denn?“ und Wääreli(wäär) säit das? „wer sagt das?“. Als Hiattilger kann ein -d- oder -n- eingefügt werden, etwa Woodeliwoo oder wooneliwoo isch es? „Wo ist es?“.
Verkleinerte Personalpronomen treten in verschiedenen Mundarten auf. Für du gibt es in der Anrede Formen wie duuli, duueli, duili und döüeli, etwa Duuli, chum glyy zue-n-is! „Duuli, komm bald zu uns!“ oder E döüeli! „ei du Kleines!“. Auch die reduplizierte Form duulidu ist belegt. Das Pronomen myyn erscheint gegenüber Kindern als myyseli. Myyneli oder myynelis kann außerdem als euphemistische Interjektion für Schmerz, Überraschung oder Mitleid dienen, etwa o du myyneli! oder ach myyneli!, verhüllend für myyn Gott.
Zu den verkleinerten Adjektiven gehören die Gebäckbezeichnungen Brunsli sowie Guetsli, Gueteli und Güetsi. Sie gehen auf bruun „braun“ und guet „gut“ zurück. Formen mit -s beruhen auf einer Verbindung des starken neutralen Nominativs, etwa Bruuns oder Guets, mit -li. Gegenüber Kleinkindern kommen außerdem Formen wie warmeli haa und ischt das guetili? vor.
Bei Adverbien finden sich verniedlichende Formen wie sooli, soodeli, sooneli oder sooseli „so“, sevili „so viel“ und e chlyyseli „ein klein wenig“. Ironisch oder spielerisch sind Ausdrücke wie e goldigs Nüüteli „ein goldenes kleines Nichts“ und es Hättigäärneli „ein kleines Ich-hätte-Gerne“.
Bei der Interjektion ää ist die kindlich-verniedlichende Form Ääli belegt: Ääli mache und es Ääli gää bedeuten eine liebkosende Gebärde, besonders das Aneinanderschmiegen der Wangen.
Verkleinerungsformen des Verbs
Verben werden regelmäßig mit den Endungen -le, -ele oder -erle verkleinert. Diese Formen bezeichnen häufig eine weniger intensive, spielerische oder beiläufige Tätigkeit. Beispiele sind bräätle oder bröötle „grillieren“, bädele „als Freizeitvergnügen baden“, lädele „shoppen“, sändele „im Sandkasten spielen“, sünnele „sich sonnen“, schneie(r)le „leicht schneien“ und lismerle „vor sich hin stricken“.
Auch bei diesen Verben gehörte das l ursprünglich zum Substantiv, von dem das Verb abgeleitet wurde. Erst später wurde es als eigenständiges Verkleinerungssuffix verstanden.