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Digitale Transformation
Die „digitale Transformation“ bezeichnet eine fortlaufende, tiefgreifende und strukturelle Veränderung in der Wirtschaft und auch Gesellschaft, die durch …
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Begriff und Bedeutung
Die digitale Transformation ist eine fortlaufende, tiefgreifende und strukturelle Veränderung von Wirtschaft, Gesellschaft und Alltagsleben, die durch die Verbreitung computerbasierter und vernetzter Technologien seit den 2010er Jahren ausgelöst wurde. Sie verändert Kommunikation, Zusammenarbeit, Prozesse sowie Produkte und Dienstleistungen. Vorgänge werden zunehmend in Echtzeit, transparent und interaktiv abgewickelt; zugleich erhalten immer mehr Produkte und Dienstleistungen eine digitale Komponente.
Im engeren Sinn bezeichnet digitale Transformation die Umstellung der Abläufe und Prozesse einer Organisation oder eines Unternehmens hin zu einem „digitalen Unternehmen“ beziehungsweise einer digitalen Organisation. Plötzliche Veränderungen durch digitale Technologien werden als Disruption bezeichnet.
Der oft gleichbedeutend verwendete Begriff Digitalisierung hatte ursprünglich eine engere Bedeutung: die Erfassung und Umwandlung analoger Daten in digitale Formate. Digitale Transformation meint dagegen den umfassenderen Wandel, der aus der Nutzung und Wirkung digitaler Technologien entsteht. Das zunächst vor allem in der Unternehmens- und Strategieberatung verwendete Konzept spielt inzwischen auch in der Politik eine Rolle, etwa durch die Gründung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung in Deutschland.
Wirtschaftlicher Wandel und technische Grundlagen
Nach dem Ökonomen Jeremy Rifkin gehören zu jeder großen wirtschaftlichen Wende drei Komponenten: neue Kommunikationsmedien zur effizienteren Steuerung des Wirtschaftssystems, neue Energiequellen und neue Transportmittel für den wirksameren Transport von Energie und Waren. Für das Industriezeitalter nennt er die Trias „Telegraph – Kohle – Eisenbahn“. Im Informationszeitalter bildet das Internet eine Grundlage für die verändernde Wirkung digitaler Netze in nahezu allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen.
Die technische Grundlage ist die seit den 2000er Jahren weltweit ausgebaute digitale Infrastruktur. Dazu gehören Informationstechnik (IT), Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK), Cloud-Computing-basierte Onlinedienste, Big Data sowie weitere Schlüsseltechnologien. Zur Infrastruktur zählen außerdem Zugangs- und Endgeräte wie Smartphones, Tabletcomputer und Desktop-Computer, eingebettete Systeme in Maschinen, Fahrzeugen oder Gebäuden sowie drahtlose und drahtgebundene Netze mit ihren Kommunikationsprotokollen. Diese Bestandteile ermöglichen es digitalen Anwendungen, Daten auszutauschen und sich miteinander zu vernetzen.
Auch die Infrastruktur selbst wird zunehmend virtualisiert. Cloud-Anbieter wie AWS stellen beispielsweise virtuelle Maschinen bereit, also simulierte Computer-Hardware. Dieses Modell wird als Infrastructure as a Service (IaaS) bezeichnet. Dadurch können auf einem physischen Server mehrere virtuelle Maschinen betrieben werden.
Anwendungen, Potenziale und Geschäftsmodelle
Digitale Anwendungen sind Programme, die bestimmte Funktionen oder Dienste anbieten. Ein Beispiel ist Electronic Banking. Auf der digitalen Infrastruktur lassen sich durch Software außerdem neue Anwendungen wie Smartphone-Apps entwickeln. Da solche Anwendungen rein digital dargestellt werden, können sie etwa als Webanwendungen weltweit zugänglich sein und sich schnell global verbreiten.
Digitale Technologien schaffen wirtschaftliche Verwertungspotenziale, also Möglichkeiten, mit ihrer Nutzung wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Dazu zählen neue Geschäftsmodelle. Solche Möglichkeiten können kurzfristig entstehen, durch weitere technische Entwicklungen aber ebenso schnell wieder überholt werden. Die Entwicklung begann historisch mit der New Economy, die heute als Digital Economy bezeichnet wird. Zusätzlichen Veränderungsdruck erzeugen neue Erwartungen der Kundschaft. Die Digitalisierung kann die Schwelle für den Markteintritt senken; bestimmte Vorhaben bleiben jedoch sehr ressourcenintensiv. So lässt sich eine konkurrenzfähige Websuchmaschine nur mit sehr großem Ressourceneinsatz entwickeln und am Markt etablieren.
Ein Geschäftsmodell beschreibt, wie ein Unternehmen Werte schafft, Kundensegmente erreicht und den geschaffenen Wert wirtschaftlich erfasst. Digitale Geschäftsmodelle umfassen im weiten Sinn alle Geschäftsmodelle, deren wertschöpfende Tätigkeiten auf digitalen Technologien beruhen. Oliver Gassmann definiert sie enger als „internetbasierte Werteversprechen auf Grundlage intelligenter Wertketten“. Da sich Technologien und Erwartungen ständig verändern, entwickeln sich auch die möglichen Geschäftsmodelle fortlaufend weiter.
Analysen börsennotierter Unternehmen zeigen, dass besonders in den USA Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen rasch gewachsen sind und innerhalb kurzer Zeit ein Vielfaches der Marktkapitalisierung traditioneller Unternehmen erreichen konnten. Bei jungen, von Wagniskapitalinvestoren bevorzugten Unternehmen wird auch in weiteren Branchen mit disruptiven Innovatoren gerechnet. Cloud-Computing unterstützt ihren Erfolg, weil digitale Angebote damit schnell skaliert, also an eine wachsende Nutzung angepasst werden können.
Vernetzte Wertschöpfung und Unternehmen
Die Vernetzung digitaler Anwendungen verbindet Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten über Unternehmens- und Staatsgrenzen hinweg. Es entstehen Wertschöpfungsnetzwerke, in denen mehrere Beteiligte gemeinsam eine Leistung erzeugen. Bei der Buchung einer Komplettreise gehören dazu beispielsweise Flug, Steuern, Hotel, Mietwagen, Provisionen und Kreditkartengebühr. Die Kommunikation zwischen den beteiligten Organisationen läuft weitgehend automatisiert ab, etwa mithilfe kognitiver Systeme.
Für Unternehmen bietet die Transformation Chancen und Risiken. Richtig genutzte digitale Potenziale können besonders Start-ups schnelles Wachstum ermöglichen. Wer solche Möglichkeiten nicht versteht, kann dagegen in Bedrängnis geraten. Als Beispiel nennt der Artikel Kodaks Haltung zur Digitalkamera. Clayton Christensen bezeichnet ein solches Problem als „The Innovator’s Dilemma“.
Digitale Technik dient nicht mehr nur dazu, bestehende Geschäftsprozesse zu unterstützen, sondern kann eine Neugestaltung der gesamten Organisation erfordern. Kunden erwarten beispielsweise, über unterschiedliche Kanäle mit einem Unternehmen Kontakt aufnehmen zu können. Unternehmen reagieren auf solche vielschichtigen Customer Journeys – die Wege der Kunden über verschiedene Berührungspunkte – mit Multichannel-Marketing. Digitale Plattformen ermöglichen Produzenten, Händlern und Privatpersonen zudem, Dienstleistungen direkt im Wettbewerb anzubieten oder auszuschreiben. Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland weisen allerdings einen geringeren Digitalisierungsgrad als Großunternehmen auf.
Als zentrale Kompetenzen gelten die Entwicklung und flexible Anpassung von Software, die Nutzung von Plattformen und externen Ressourcen sowie die durchgängige, interdisziplinäre Anwendung von Ansätzen wie Digital Engineering. Digital Engineering bezeichnet hier softwaregestützte Verfahren, mit denen Projekte, Systeme und Produkte wirksamer entwickelt werden sollen. Die organisatorische Neugestaltung verändert zugleich die Unternehmenskultur und verlangt deren Anpassung an die digitale Umgebung.
Konsumenten, Daten und Staat
Konsumenten verwenden digitale Technologien zunehmend zur Beschaffung alltäglicher Güter. In Deutschland kauften 2013 bereits 45 Millionen Menschen im Internet ein; 2017 wurden dabei fast 49 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Im Jahr 2023 nutzten 75 % der 16- bis 74-jährigen EU-Bürger Online-Shopping.
Bei der täglichen Nutzung digitaler Technik entstehen Datenspuren, durch die menschliches Verhalten berechenbarer wird. Anbieter von Kommunikationsportalen werten solche Daten aus, geben sie weiter und ermöglichen damit gezieltere Werbung, die zur Finanzierung ihrer Angebote beiträgt. Große Datenmengen können aber auch einzelnen Menschen nutzen: Gesundheitsdaten vieler Personen und die Auswertung des Erfolgs oder Misserfolgs von Therapien können beispielsweise sehr genau angepasste Behandlungen ermöglichen.
Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers hatte Deutschland um 2015 keine primär lenkende Rolle bei der digitalen Transformation, war aber ihren Mechanismen und Folgen ausgesetzt, etwa den veränderten Erwartungen der Bürger an Behörden. Durch Förderung und gesetzliche Regeln kann der Staat Bedingungen schaffen, unter denen Unternehmen digitale Potenziale nutzen können. Die Bundesregierung griff mit der „Digitalen Agenda“ erstmals ressortübergreifend „Grundsätze der Digitalpolitik“ auf; außerdem veröffentlichten 13 der 16 Landesregierungen Digitalisierungsstrategien.
Staatliche Regulierung betrifft unter anderem digitale Infrastruktur, Netzneutralität und den Technikeinsatz in staatlichen Prozessen wie dem E-Government. Wichtige, wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärte Herausforderungen sind mögliche Arbeitsplatzverluste durch digitalisierte Geschäftsprozesse, veränderte Qualifikationsanforderungen, Quasi-Monopole etwa im Suchmaschinenmarkt sowie die Frage, ob der Schumpetersche Mechanismus der schöpferischen Zerstörung in der Internetwirtschaft gilt. Hinzu kommt die Konzentration von Kapital, Wissen und Daten bei wenigen, immer mächtigeren Internetkonzernen, Ländern und Personen. Damit stehen sowohl einzelne Staaten als auch Staatenverbünde vor politischen Aufgaben.
Wissenschaft und Forschung
Die digitale Transformation erfasst auch Technik und Wissenschaft. Sie wirkt dort sowohl durch den Erkenntnisfortschritt als auch durch die Erzeugung und Veröffentlichung von unmittelbar nutzbarem Wissen. Forschung und Entwicklung stellen ihre Tätigkeiten, Methoden und Verfahren bereits seit den 1980er Jahren auf digitale Grundlagen.
Dazu gehören digitale Messtechnik, Modellierung und Simulation. In den Ingenieurwissenschaften kommt außerdem die computergestützte Produktentwicklung zum Einsatz. Ansätze wie Digital Engineering und zahlreiche neue Spitzentechnologien sind eng mit modernen technischen Entwicklungen verbunden. Die seit Jahrzehnten vorangetriebene Digitalisierung von Forschungsliteratur ermöglicht zudem eine systematische und weltweite Nutzung von Wissen. Als Beispiele nennt der Artikel die großen Wissensdatenbanken von Springer und Elsevier.