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Die Wannseekonferenz (1984)

Die Wannseekonferenz ist ein deutscher Fernsehfilm der ARD aus dem Jahre 1984 über die Wannseekonferenz im Januar 1942 zur Organisation der Endlösung der …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Film und historische Grundlage
  2. 2. Ablauf und Inhalt der Konferenz
  3. 3. Zentrale Beteiligte
  4. 4. Bewertung, Auszeichnungen und neue Fassung

Film und historische Grundlage

„Die Wannseekonferenz“ ist ein deutscher ARD-Fernsehfilm aus dem Jahr 1984. Der 85 Minuten lange, deutschsprachige Film stellt die Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942 dar, bei der hochrangige Vertreter des nationalsozialistischen Staates und der SS die organisatorische Durchführung der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“, also des systematischen Mordes an den europäischen Juden, besprachen.

Regie führte Heinz Schirk, das Drehbuch schrieb Paul Mommertz. Der Film beruht auf dem erhaltenen Originalprotokoll der Konferenz. Dieses fasst die Besprechung zusammen, ist aber kein Wortprotokoll. Deshalb sind die Dialoge des Films fiktiv und stellen eine dramatisierte Rekonstruktion dar. Die Einheit von Ort und Zeit bleibt weitgehend erhalten: Gezeigt wird vor allem die etwa 90 Minuten dauernde Sitzung in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin.

Ablauf und Inhalt der Konferenz

Ausgangspunkt ist ein Auftrag, den Reichsmarschall Hermann Göring am 31. Juli 1941 an SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich erteilt hat. Heydrich soll eine „Gesamtlösung der Judenfrage“ in Europa vorbereiten. Am 20. Januar 1942 lädt er deshalb Vertreter verschiedener Ministerien, staatlicher Dienststellen und der SS zu einer Konferenz mit Frühstück ein.

Heydrich beansprucht während der Sitzung die Federführung für SS-Führer Heinrich Himmler und für sich selbst als dessen Stellvertreter. Als zentraler Raum für die geplante Vernichtung wird das Generalgouvernement Polen bestimmt, wo die großen Vernichtungslager errichtet werden. Insgesamt sollen elf Millionen europäische Juden erfasst, in Sammellagern konzentriert, nach Osten transportiert und ermordet werden.

Der Film macht außerdem deutlich, dass der Massenmord bereits begonnen hat: SS-Einsatzgruppen haben im rückwärtigen Gebiet der Ostfront schon eine halbe Million sowjetische Juden ermordet. Estland wird als bereits „judenfrei“ bezeichnet; Lettland und Litauen gelten mit Ausnahme sogenannter „Arbeitsjuden“ ebenfalls als entsprechend erfasst. Die beschönigende Verwaltungssprache zeigt, wie der Völkermord als organisatorischer und bürokratischer Vorgang behandelt wird.

Zwei besondere Fragen werden ausführlicher erörtert. Die erste betrifft Juden, die Staatsbürger verbündeter oder neutraler Staaten sind. Die zweite betrifft jüdische „Mischlinge“ und Menschen in sogenannten Mischehen. Nach den Nürnberger Rassegesetzen sind „Halbjuden“, im Film als Nichtjuden mit mindestens einem jüdischen Elternteil beschrieben, von bestimmten Regelungen ausgenommen. Ein Arbeitspapier sieht jedoch vor, auch sie grundsätzlich in die Maßnahmen der „Endlösung“ einzubeziehen, wobei einzelne Ausnahmen möglich sein sollen.

Wilhelm Stuckart, Staatssekretär im Innenministerium und Mitverfasser der Nürnberger Gesetze, widerspricht diesem Vorhaben deutlich. Als er sich mit seiner Position nicht durchsetzen kann, schlägt er eine kollektive Zwangssterilisation der „Halbjuden“ vor. Die Sitzung endet in dieser Frage ohne Konsens.

Zentrale Beteiligte

An der dargestellten Besprechung nehmen Vertreter wichtiger Behörden und Organisationen des NS-Staates teil. Reinhard Heydrich, SS-Obergruppenführer und stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, führt den Vorsitz und ist der Hauptredner. Dietrich Mattausch spielt ihn im Film. Adolf Eichmann, dargestellt von Gerd Böckmann, ist als SS-Obersturmbannführer für das Protokoll zuständig; seine Sekretärin Ingeburg Werlemann wirkt als Protokollantin mit.

Zu den weiteren Teilnehmern gehören Staatssekretäre und leitende Beamte aus dem Reichsinnenministerium, dem Reichsjustizministerium, dem Auswärtigen Amt, der Reichskanzlei, dem Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, dem Amt des Generalgouverneurs und dem Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan. Hinzu kommen führende Angehörige der SS, der Gestapo, der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes. Diese Zusammensetzung verdeutlicht, dass verschiedene Teile der staatlichen Verwaltung und des SS-Apparats an der Organisation des geplanten Massenmords beteiligt waren.

Bewertung, Auszeichnungen und neue Fassung

Das Lexikon des internationalen Films bezeichnete die Produktion als eindrucksvolles und erschütterndes Dokumentarspiel, das sich durch die Beibehaltung von Ort und Zeit um einen authentischen Bericht bemühe. Andere Kritiken hoben besonders die Darstellung des Holocaust als scheinbar gewöhnlichen Verwaltungsvorgang hervor: Menschen werden zu statistischen Größen, der Genozid zu einem Transport- und Aktenproblem.

Die behauptete historische Genauigkeit wurde jedoch auch kritisiert. Heinz Höhne schrieb 1984 im Spiegel, Regisseur Heinz Schirk und die Schauspieler hätten die Atmosphäre von rassistischem Vernichtungswahn und bürokratischer Kälte überzeugend dargestellt. Zugleich urteilte er, die angeblich dokumentensichere Rekonstruktion sei über weite Strecken von erfundenen Kombinationen geprägt und entspreche nicht vollständig dem Bild, das Historiker von der Konferenz hätten. Diese Einschränkung hängt besonders damit zusammen, dass kein Wortprotokoll existiert und die Dialoge daher rekonstruiert werden mussten.

Der Film erhielt den Adolf-Grimme-Preis, die Silberne Nymphe in Monte Carlo und einen Preis des World Television Festivals in Tokio.

Zum 80. Jahrestag der Konferenz entstand 2022 eine Neuverfilmung. Paul Mommertz schrieb erneut das Drehbuch; ihre Dialoge übernehmen in starkem Maß Formulierungen aus dem Film von 1984.

Lernvideos zu Die Wannseekonferenz (1984)

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