Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Auftakt zum systematischen Massenmord - Die Wannseekonferenz | Terra X

Terra X History18:49 1,5 Mio. Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 63 Zeilen
Herunterladen
  1. Eine Villa am Großen Wannsee in Berlin. Hier besprechen 1942 Bürokraten des Nazi-Regimes den millionenfachen Mord an Juden. Ein Wendepunkt. Das Protokoll zeigt den Weg von der Entrechtung und Verfolgung zum systematischen Massenmord.
  2. Wie kam es dazu? Welche Rolle spielte die Wannsee-Konferenz? Das Menschheitsverbrechen besprechen 15 hochrangige Vertreter des NS-Staates.
  3. Die Idee zu dieser Konferenz kommt von Reinhard Heydrich. Er ist Chef des Reichssicherheitshauptamtes, die zentrale Verfolgungs- und Vernichtungsbehörde.
  4. Heydrich ist vor allem ein sehr kalter Fisch. Es ist auch eine antrainierte Kälte, weil das natürlich sehr im Idealbild des SS-Mannes liegt, dass man eben emotionslos reagiert. Aus Reinhard Heydrich wird dann Heydrich, sozusagen eine schwarze Ikone, die sich auch selber sehr stark stilisiert als idealtypischen Nationalsozialisten, idealtypischen SS-Mann.
  5. Ihm untersteht auch die Geheime Staatspolizei Gestapo. Heydrichs Herrschaft setzt auf Verfolgung und Terror – vor allem gegen die jüdische Bevölkerung.
  6. Hermann Göring, nach Hitler zweitmächtigster Mann im Reich, schätzt Heydrichs kalte Effizienz und beauftragt ihn mit einem Großprojekt – am 31. Juli 1941. Heydrich soll „einen Gesamtentwurf“ vorlegen - über die „Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage“ in Europa.
  7. Von höchster Stelle ermächtigt lädt Heydrich die beteiligten Behörden und Institutionen zu einer Konferenz – in das Gästehaus der SS am Großen Wannsee, zu einer "Besprechung mit anschließendem Frühstück“, wie es in der Einladung heißt.
  8. Die Männer, die über millionenfachen Mord sprechen, sind gebildet. Acht tragen einen Doktortitel. Das sind normale Menschen, im gewissen Sine, die sind nicht krank, und die sind in der Lage, das zu beschließen:
  9. Wir wollen nun gemeinsam dafür Sorge tragen, dass elf Millionen Menschen ermordet werden. Auf der einen Seite sitzen die Vertreter der Ministerien, die mit der Judenverfolgung befasst sind.
  10. Unter ihnen der Mitverfasser der Nürnberger Rassegesetze Dr. Wilhelm Stuckart oder Dr. Roland Freisler vom Justizministerium. Ziel ist es, alle ins Boot zu holen. Zum einen kam es darauf an, möglichst alle Reichsverwaltungen zu integrieren.
  11. Im Protokoll der Wannseekonferenz ist das genau bezeichnet als Parallelisierung der Linienführung, also dass alle mitmachen. Das andere ist auch, die Reichsverwaltung insgesamt zu informieren, ins Bild zu setzen und zu sagen: Das machen wir jetzt, ihr macht da mit.
  12. Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs hat sich Hitlers Machtbereich enorm vergrößert. Im Osten reicht er fast bis Moskau. Eroberte Gebiete werden unter zivile Verwaltung gestellt.
  13. Neue Staatengebilde entstehen: Die Reichskommissariate Ukraine und Ostland mit den baltischen Ländern und Teilen der Sowjetunion. Für sie sprechen auf der Konferenz Gauleiter Dr. Alfred Meyer und sein Berater Georg Leibbrandt.
  14. Dr. Josef Bühler vertritt das sogenannte „Generalgouvernement“. Es entsteht im Oktober 1939 auf polnischem Gebiet mit Krakau als Besatzungs-Hauptstadt.
  15. Seit 1940 werden hier Juden von der übrigen Bevölkerung separiert und in Hunderte Ghettos gezwungen. Verantwortlich für Ausbeutung, Vertreibung und Mord ist Generalgouverneur Hans Frank, früher Anwalt von Hitler.
  16. Frank will, dass das Mordprogramm im besetzten Polen beginnt. Sein Stellvertreter Josef Bühler, hier links im Bild, wird diese Forderung auf der Wannsee-Konferenz vorbringen.
  17. Und diese Vertreter, die Staatssekretäre, wirken dann alle in ihrem jeweiligen Bereich mit. Sind nicht unmittelbare Mörder, aber sehr, sehr entscheidende Tatgehilfen auf allen Ebenen.
  18. Zur Konferenz lädt Heydrich auch wichtige Vertreter der SS- und Polizei wie Heinrich Müller, Chef der Gestapo. Und Adolf Eichmann, sogenannter „Judenreferent“ im Reichssicherheitshauptamt.
  19. Neben den Schreibtischtätern sitzen zwei Männer, die aus eigener Erfahrung wissen, was Massenmord bedeutet. Dr. Eberhard Schöngarth, Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, des Sicherheitsdienstes der SS, im Generalgouvernement.
  20. Und Dr. Rudolf Lange, Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD im besetzten Lettland. Auch er ein Massenmörder. Es geht darum, dass man hier eben Praktiker der genozidalen Politik mit am Tisch hat, um eben möglicherweise diskutieren zu können, wie die praktische Umsetzung bereits aussieht.
  21. Allen Teilnehmer ist klar: Der Massenmord hat schon begonnen. Und keiner hat dagegen Einwände. „Deutsche, macht Euch frei, von der Juden-Tyrannei!“
  22. Der radikale Antisemitismus der Nationalsozialisten zeigt sich nach der Machtübernahme 1933 auf offener Straße. Juden werden verfolgt und entrechtet – mit rassistischen Gesetzen. Eheschließungen mit nichtjüdischen Deutschen werden verboten.
  23. Der NS-Staat will wie loswerden. Auf der Flucht vor Verfolgung verlassen hunderttausende Juden Deutschland oder werden gezwungen, auszuwandern. Am 9. November 1938 brennen in Deutschland die Synagogen.
  24. Da habe ich gesagt: Das ist der Anfang vom Ende, was noch schlimmer passieren wird. Das hat uns gezeigt, Hitler geht nicht, wir müssen gehen. Es war zu spät.
  25. Doch wohin sollen Margot und ihr Bruder Ralf gehen? Auswandern ist schwierig – und kostspielig. Von dann an hat die Mutter vieles versucht irgendwelche Ausreisen zu arrangieren. Man brauchte aber Dollar für das Visum, die wir nicht hatten.
  26. 1941 bringt der Krieg gegen die Sowjetunion eine neue Stufe der Radikalisierung. Es ist ein Vernichtungskrieg. Massenhaft werden jüdische Zivilisten erschossen. Erst ausschließlich Männer, dann auch Frauen und Kinder.
  27. Ohne diese unglaublich brutale und massenmörderische Kriegsführung, jetzt nicht nur gegen Juden, sondern gegen alle in Osteuropa im Zweiten Weltkrieg, wäre der Holocaust nicht möglich gewesen. Also der Krieg selbst, sozusagen als Hülle, als Möglichkeit, ist für die Ermordung der europäischen Juden mindestens genauso wichtig wie der überall verbreitete Antisemitismus.
  28. Es ist ein Weltkrieg, den Hitler selbst entfesselt. „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen,
  29. dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa." Krieg und Vernichtung – für Hitler ist beides untrennbar miteinander verbunden.
  30. Ohne ihn ist der Holocaust nicht denkbar. Das zeigt auch das Wannsee-Protokoll: Nach Hitlers Genehmigung beginnt die „Evakuierung der Juden“ nach dem Osten – im Herbst 1941.
  31. Juden in Deutschland müssen einen gelben Stern tragen, werden fortgeschafft. Das sollte öffentlich gezeigt werden, um die Deutschen, Mehrheitsbevölkerung, mit in diesen Prozess einzubeziehen: Ihr wisst es.
  32. Die werden abtransportiert. Und man wird nie mehr etwas von ihnen hören. Und sehr bald, kaum dass sie weg waren, wurden ja ihre Wohnungen verteilt, ihr Eigentum versteigert.
  33. Das war dann ein zweiter Schritt der Integration in das Böse. Berlin, Bahnhof Grunewald. Der erste Transport Richtung Riga verlässt die Hauptstadt am 17. November 1941.
  34. Im Zug sind 1006 Juden aus Berlin, darunter 25 Kinder. Offiziell ist das Ermorden von deportierten Juden aus Deutschland untersagt. Doch als der Zug ins litauische Kaunas umgeleitet wird, werden sie gleich nach der Ankunft erschossen.
  35. Den Befehl zum Massaker gibt Friedrich Jeckeln, einer von Himmlers Stellvertretern im Osten. Er mordet auf eigene Initiative, ganz nach Hitlers Willen.
  36. Mehrmals hatte der Diktator angedroht, sollte es zu einem Weltkrieg kommen, werde das die Vernichtung des Judentums in Europa zur Folge haben. Am 11. Dezember 1941 erklärt er den USA den Krieg. Jetzt ist es ein weltweiter Konflikt.
  37. "Ich traf den Führer vor ein paar Wochen in seiner Wohnung in der Alten Reichskanzlei. Da sagte er klipp und klar, er wolle in der Judenfrage jetzt reinen Tisch machen."
  38. Gemeint ist ein Geheimtreffen mit Gauleitern am Abend nach der Kriegserklärung an die USA. An diesen Terminen dürfte mit großer Sicherheit Hitler diesem engen Kreise quasi seinen Entschluss mitgeteilt haben:
  39. Nach dem Weltkrieg ist jetzt quasi ein Teil dieser Prophezeiung fällig, nämlich die Endlösung der Judenfrage durch Mord. Ein Tatort dieser Verbrechen ist Riga, die lettische Hauptstadt.
  40. Hier erschießen deutsche Besatzer lettische Juden, um im Ghetto der Stadt Platz zu schaffen für Deportierte aus dem Deutschen Reich. Auch aus dem Protektorat Böhmen und Mähren. Hier liegt das Ghetto Theresienstadt.
  41. Im Herrschaftsgebiet von Reinhard Heydrich, der auch regierender Reichsprotektor ist. Theresienstadt ist ein Sammel- und Durchgangslager zum Weitertransport – in den Osten.
  42. Am 19. Januar 1942, einen Tag vor der Wannsee-Konferenz, fährt ein Zug mit 900 Juden von Theresienstadt nach Riga. Direkt nach der Ankunft werden sie von einem Einsatzkommando erschossen.
  43. Den Befehl gibt Dr. Rudolf Lange, Teilnehmer der Wannsee-Konferenz. Unmittelbar nach dieser Erschießung besteigt Rudolf Lange ein Flugzeug, um rechtzeitig am 20. Januar hier am späten Vormittag auf der Wannseekonferenz aufzutauchen
  44. und seinen direkten Dienstvorgesetzten Reinhard Heydrich zu treffen, dessen Juden er in der Perspektive der Nationalsozialisten gerade eben ermordet hat. "Viel zu tun bei Ihnen?" "Mhm…Kaum bist du mit den eigenen Juden fertig, kommen schon die nächsten. Gestern wieder 900 Figuren, Tschechen."
  45. "Wo stecken Sie die alle hin? Riga? Ghetto?" "Na, soweit kommt’s noch. Kleiner Waldspaziergang und das war’s." Lange lässt Juden aus dem Reichsgebiet ermorden – ganz im Sinne Heydrichs.
  46. Seine Einladung zur Konferenz zeigt, was fortan mit „Endlösung“ gemeint ist: Nicht mehr Vertreibung, sondern Vernichtung. Ermordet werden sollen, so Heydrich, nicht nur die Juden im Reich und in den deutsch besetzten Gebieten, sondern überall in Europa.
  47. Über elf Millionen Menschen. Auf der Konferenz wird offen von Töten und Eliminieren gesprochen.
  48. Doch im Protokoll, verfasst von Eichmann nach Vorgaben von Heydrich, heißt es in verschleiernden Worten, Juden sollen „im Osten zum Arbeitseinsatz kommen“. Gemeint ist immer Mord.
  49. In der Tarnsprache der Täter: „Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen.“
  50. Es kam darauf an, die Gewissen der Menschen, der deutschen Mehrheit, aber auch der Hunderttausenden von Beamten, von Zugführern, von Sekretärinnen, von Leuten, die damit zu tun hatten in irgendeiner Form, die Gewissen derer, die arbeitsteilig zu tun hatten, diese Gewissen zu entlasten.
  51. So dass eigentlich jeder wissen konnte, was geschah, aber es nicht vor seinem Gewissen ausbreiten musste. Er musste nicht sagen: Ich bin Beteiligter an einer ungeheuerlichen, geschichtlich beispiellosen Mordtat.
  52. Dafür werden neue Methoden entwickelt. In Auschwitz laufen Experimente mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B zur Ermordung von Häftlingen. So sollen die Täter geschont, soll effektiver gemordet werden. In Chelmno wird seit Ende 1941 in Lastwagen mit Motorabgasen getötet.
  53. Mit Kohlenmonoxid werden in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka insgesamt 1,6 Millionen Menschen ermordet. 16. April 1942: Ankunft jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Magdeburg und Brandenburg im Warschauer Ghetto.
  54. Wir sehen Menschen, die aus ihren sozialen Zusammenhängen herausgerissen, an diesen unbestimmten und unbekannten Ort deportiert worden sind. Und das Mädchen, was hier wirklich direkt in die Kamera blickt, ist Margot Steinhardt, die gemeinsam mit ihrer Mutter Erna aus Eberswalde bei Berlin ins Warschauer Ghetto deportiert wird.
  55. Was sie im Ghetto erwartet, keiner von ihnen weiß es. Rosa Milewski aus Brandenburg mit ihrer Mutter Klara Kreindel.
  56. Margarete Katz aus Magdeburg. Ein Koffer und ihr Leben – mehr ist ihr und den andern nicht geblieben. Wir sehen, wie die Kamera wirklich entlangfährt an den Gesichtern von Menschen, die hier auch gezwungen werden, sich sozusagen in gewisser Weise zu entblößen.
  57. Die Juden, die wir hier sehen in diesen Aufnahmen, wurden dann zwischen Juli und September 1942 fast alle nach Treblinka deportiert und dort ermordet. Margot Friedländer taucht während des Krieges in Berlin unter.
  58. Als ihr Bruder Ralf deportiert werden soll, hört Margot von einer Nachbarin, dass die Mutter einen Entschluss gefasst hat. Meine Mutter. Sagt sie, sie ist gegangen. Sie ist gegangen? Ja, sie hat eine Nachricht für Dich hinterlassen.
  59. Ich gehe mit Ralf, wohin auch immer das sein mag. Sagen Sie meiner Tochter, wenn sie sie sehen, sie soll versuchen ihr Leben zu machen. Ihre Mutter Auguste und ihr Bruder Ralf werden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.
  60. Das Menschheitsverbrechen, systematisch und planmäßig – auf dem Weg dorthin liegt die bislang mörderischste Konferenz der Geschichte. Margot Friedländer – nach Jahrzehnten in den USA lebt sie heute wieder in ihrer Heimatstadt Berlin.
  61. Ihr Vermächtnis will sie an kommende Generationen weitergeben. Ich bin zurückgekommen, um mit Euch zu sprechen, Euch die Hand zu reichen, bei Euch zu bitten, dass ihr die Zeitzeugen werdet, die wir nicht mehr lange sein können.
  62. Es ist für Euch. Was war, war, können wir nicht mehr ändern. Es darf nur nie wieder jemals geschehen. Für Euch! Für Eure Kinder, für Eure Nachkommen. Wenn ihr mehr über Wannsee-Konferenz wissen wollt, hier haben wir Euch einen Schwerpunkt mit mehr Videos verlinkt.
  63. Interesse an mehr Geschichte? Dann abonniert unseren Kanal.

Zum Nachlesen