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Die Schweiz im Mittelalter

Der Artikel die Schweiz im Mittelalter behandelt die Geschichte des Gebiets der heutigen Schweiz von der Spätantike bis zum beginnenden Spätmittelalter, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Spätantike
  2. 2. Völkerwanderung und Besiedlung
  3. 3. Frühmittelalter, Kirche und Sprachgrenzen
  4. 4. Herrschaft, Städte und Reichsunmittelbarkeit

Überblick und Spätantike

Der Artikel beschreibt die Geschichte des Gebiets der heutigen Schweiz von der Spätantike bis zum beginnenden Spätmittelalter, also bis zur Gründung der Alten Eidgenossenschaft 1291 beziehungsweise 1315. Prägend waren der Rückzug Roms, die Ansiedlung germanischer Gruppen, die Entstehung der Sprachräume, die Christianisierung sowie die Einbindung in das Fränkische Reich und später in das Heilige Römische Reich.

Um 200 n. Chr. erreichte die römische Herrschaft ihren Höhepunkt. Städte mit Theatern und Bädern, ländliche Gutshöfe (villae rusticae), Militärstandorte und Straßen prägten das Land. Im 3. Jahrhundert folgten wirtschaftlicher Niedergang und Plünderungen durch germanische Gruppierungen. Um 260 gab Rom das Dekumatland auf; mit diesem Limesfall rückte die Grenze an den Rhein. Etwa drei Viertel der römischen Gutshöfe im Mittelland wurden aufgegeben. Teile der romanischen Bevölkerung flohen in Alpentäler oder nach Italien, die Bevölkerungsdichte sank.

Nach der letzten schweren Christenverfolgung unter Diokletian um 300 wurde das Christentum 313 offiziell zugelassen. Seit 391 war es Staatsreligion; die heutige Schweiz war vermutlich nahezu vollständig christianisiert.

Völkerwanderung und Besiedlung

Zwischen 401 und etwa 406 wurden große Teile des römischen Grenzheeres abgezogen. Die Rheingrenze brach wohl erst nach Attilas Tod 453 und dem Zusammenbruch des Hunnenreiches 454 endgültig zusammen. Erhalten blieben das römische Straßennetz und Teile der Verwaltungsgliederung, die besonders in der Organisation früher Bistümer weiterwirkten.

Im 5. Jahrhundert begann die alamannische Besiedlung von Norden her. Die Alamannen prägten Norden und Zentrum, setzten sich dichter fest und verbreiteten ihre Sprache. Die Burgunder dominierten den Westen, vermischten sich jedoch bald mit der kelto-romanischen Mehrheit und wurden assimiliert. Sie waren früher christianisiert als die Alamannen, was Eheschließungen mit Romanen erleichterte. Ihr Reich wurde 436 im Rheinland zerstört, bestand danach aber in einem größeren Gebiet um Genf, den Genfersee und im östlichen Frankreich weiter. Unter Gundobad umfasste es zwischen 507 und 516 vorübergehend fast die gesamte heutige Deutschschweiz. 534 wurde es in das fränkische Merowingerreich eingegliedert; auch alamannische Gebiete standen ab 537 unter fränkischer Oberhoheit.

Langobarden drangen im späten 6. Jahrhundert in südalpine Täler ein und wurden ebenfalls romanisiert. Die alamannische Landnahme erreichte im 7. Jahrhundert die Zentralalpen, Ende des 8. Jahrhunderts Bielersee und Saanetal. Rätien und das obere Wallis wurden erst ab dem 11. Jahrhundert stärker germanisiert.

Frühmittelalter, Kirche und Sprachgrenzen

Der größte Teil der heutigen Schweiz gehörte im frühen Mittelalter zum Stammesherzogtum Schwaben, der Westen zu Burgund. Wichtige Konflikte waren die fränkisch-alemannische Auseinandersetzung um die Oberherrschaft und der Streit zwischen alamannischen Herzögen und Burgund um Gebiete der Zentralschweiz, besonders den Aargau. Das Land war stärker bewaldet als heute. Durch Rodungen im mittelalterlichen Landesausbau nahm die Waldfläche ab; Flurnamen wie Rüti, Schwand und Schwendi erinnern daran.

Die Bistümer aus der Spätantike bestanden grundsätzlich fort. Bischofssitze wurden teils verlegt: von Martigny nach Sitten 574, von Avenches nach Lausanne, von Augst nach Basel und um 585/590 von Windisch nach Konstanz. Ihre Grenzen folgten weitgehend römischen Provinzgrenzen. Die vollständige Christianisierung der Nord- und Ostschweiz erfolgte unter fränkischem Einfluss. Ab dem späten 6. Jahrhundert förderte besonders das iro-schottische Mönchtum die Mission; im 7. Jahrhundert entstanden im Jura mehrere Klöster, darunter Moutier-Grandval, Saint-Imier und Romainmôtier.

843 wurde das Frankenreich im Vertrag von Verdun geteilt: Die Westschweiz kam zu Lotharingien, die Ostschweiz zum Ostfrankenreich. Nach 888 entstand in der Westschweiz das unabhängige Königreich Hochburgund. Um 926 zerstörten ungarische Truppen unter anderem das Kloster St. Gallen; 955 wurden sie auf dem Lechfeld besiegt. Sarazenen plünderten in den 920er Jahren Wallis und Teile Graubündens und kontrollierten zeitweise Alpenübergänge wie den Großen St. Bernhard. Sie wurden 972/973 vertrieben; Siedlungsspuren in den Schweizer Alpen sind nicht nachgewiesen.

Romanische und germanische Siedlungsräume überlappten sich zunächst. Minderheiten wurden später meist assimiliert, wodurch sich die Sprachgrenzen herausbildeten. Im 7. Jahrhundert lag die germanisch-romanische Grenze noch etwas östlich von Solothurn, heute etwa 30 Kilometer westlich davon. Walen-Ortsnamen wie Walensee und Walenstadt weisen auf damalige romanischsprachige Orte hin. In Alpengebieten hielt sich das Romanische länger: Im 10. Jahrhundert war es um Einsiedeln, im Rheintal, in Uri und im heutigen Kanton Glarus vorherrschend. In Churrätien entwickelte es sich zum modernen Rätoromanischen, das bis heute zunehmend vom Schweizerdeutschen verdrängt wird.

Herrschaft, Städte und Reichsunmittelbarkeit

Im Hochmittelalter gehörte die gesamte heutige Schweiz zum Heiligen Römischen Reich. 951 kam das Königreich Italien, 1033 das Königreich Burgund zum Reich der Ottonen und später der Salier. Alpenpässe waren für die Kaiser strategisch wichtig, weil ihre Kriegszüge nach Italien häufig durch dieses Gebiet führten. Zur Sicherung von Wegen besaßen sie Reichsgut oder gründeten Klöster und Pfalzen. Die Pfalz Zürich ist die einzige gesicherte Königspfalz der heutigen Schweiz; 2010 wurde zudem der zuvor nur urkundlich bekannte Königshof von Zizers archäologisch entdeckt.

Als Lehensträger des Reiches übten Adelsgeschlechter Grafenämter aus. Bedeutend waren besonders Zähringer, Kyburger und Lenzburger. Ab dem 12. Jahrhundert gründeten lokale Adlige zahlreiche Städte zur Besiedlung und militärischen Sicherung ihrer Gebiete. Bern und Freiburg entwickelten sich gut, während Glanzenberg bei Zürich um 1300 zur Wüstung wurde. Im 13. Jahrhundert konzentrierte sich Grundbesitz durch das Aussterben von Grafengeschlechtern vor allem bei den Habsburgern. Sie erbten durch Heiratspolitik große Gebiete der Zähringer, Lenzburger und Kyburger. Auch Klöster wie St. Gallen, Einsiedeln, Pfäfers und Disentis sowie Bischöfe wurden zu bedeutenden Grund- und Landesherren.

Im 13. Jahrhundert verselbständigten sich Städte und Talschaften. Nach dem Aussterben der Zähringer wurden Zürich, Bern, Freiburg und Schaffhausen 1218 Reichsstädte. Uri erhielt 1231, Schwyz 1240 die Reichsunmittelbarkeit: Sie unterstanden unmittelbar Kaiser oder König und nicht den lokalen Grafen, wobei das Privileg nur Teile der Führungsschicht betraf. Kaiser Friedrich II. wollte damit den Gotthardweg sichern und Loyalität im Konflikt mit lombardischen Städten und Papst Innozenz IV. gewinnen. Nach Friedrichs Bann und Absetzung 1245 hielten Bern, Basel und Zürich zum Kaiser. Das Ende der Staufer und der Beginn des Interregnums markieren den Übergang zum Spätmittelalter.

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