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Attila

Attila († 453) war seit 434 Mitherrscher mit seinem Bruder Bleda und von 444/45 bis zu seinem Tod Alleinherrscher des Kriegerverbands der Hunnen.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Attila und das Hunnenreich
  2. 2. Herrschaft, Hof und innere Ordnung
  3. 3. Konflikte mit Ostrom
  4. 4. Krieg gegen Westrom und Niederlagen 451/52
  5. 5. Tod, Zusammenbruch und Quellenlage

Attila und das Hunnenreich

Attila († 453) war seit 434 gemeinsam mit seinem Bruder Bleda und von 444/45 bis zu seinem Tod alleiniger Herrscher eines hunnischen Kriegerverbands. Sein Machtzentrum lag in der ungarischen Tiefebene, im Gebiet des heutigen Ungarns. Unter ihm erreichte das kurzlebige Hunnenreich im 5. Jahrhundert seine größte Ausdehnung und Macht, zerfiel jedoch schon kurz nach seinem Tod.

Das Reich war kein einheitlicher Staat wie Ost- oder Westrom, sondern ein locker organisierter Vielvölkerverband. Zu ihm gehörten Hunnen sowie unterworfene germanische, romanische und kleinere iranische Gruppen, etwa Alanen, Gepiden und Ostgoten. Attila herrschte nicht über alle Hunnen. Seine Stellung beruhte weniger auf einer festen Erbmonarchie als auf militärischen Erfolgen, Diplomatie und der Fähigkeit, seinen Anhängern Beute, Gold und Geschenke zu verschaffen.

Die Hunnen waren ein heterogen zusammengesetztes Reitervolk unklarer Herkunft, das nach vorherrschender Auffassung um 375 die Völkerwanderung auslöste. Ihre Herrschaftsform wird als „Steppenreich“ bezeichnet: Sie war räumlich weit, aber administrativ nur schwach organisiert. Deshalb benötigte Attila ständig neue materielle Gewinne. Diese erhielt er durch Söldnerdienste, Plünderungen und besonders durch römische Tributzahlungen. Ein Tribut ist eine regelmäßige Zahlung, die hier vor allem Frieden sichern oder Angriffe verhindern sollte. Die Forschung beschreibt die materielle Abhängigkeit von Reitervölkern gegenüber sesshaften Staaten als „endemischen Konflikt“.

Für Rom war ein geregeltes Verhältnis zu Attila ebenfalls wichtig: Er konnte Kriegergruppen und abhängige Stämme jenseits der Grenzen kontrollieren. Zugleich blieben die Kontakte spannungsreich. Attila führte mehrfach harte Kriegszüge gegen römisches Gebiet, unterhielt aber auch Gesandtschaften und Verhandlungen mit beiden Reichsteilen.

Herrschaft, Hof und innere Ordnung

Attilas Hauptlager befand sich an der Theiß in der ungarischen Tiefebene, zwischen Ost- und Westrom. Der zeitgenössische oströmische Gesandte Priskos beschrieb dort einen großen Holzpalast mit getäfelten Wänden und einem Palisadenzaun. Am Hof wurden neben Hunnisch auch Gotisch und Latein gesprochen. Dies zeigt den vielsprachigen Charakter des Reichs und die Nähe zur spätantiken Mittelmeerwelt.

Attila übernahm teilweise römische Formen der Herrschaft. Er verfügte offenbar über eine Kanzlei und beschäftigte römische Sekretäre, darunter Orestes als notarius. Ein notarius war ein Schreiber oder Sekretär mit wichtigen Verwaltungs- und diplomatischen Aufgaben. Zu Attilas engsten Vertrauten gehörte Onegesios. Priskos bezeichnete besonders hervorgehobene Vertrauenspersonen als logades, die „Auserwählten“; wahrscheinlich waren dies keine festen Amtsträger.

Trotz solcher Ansätze war das Reich kein durchorganisierter Verwaltungsstaat. Es war ein Personenverband: Stammesführer und mächtige Gefolgsleute mussten durch Geschenke, Beute und Gunst an Attila gebunden werden. Davon profitierten auch die Stämme, deren Loyalität er gewinnen wollte. Archäologische Grabfunde weisen auf die Multikulturalität des Reichs und auf materielle Vorteile für fremdstämmige Angehörige hin. Priskos berichtet zudem von Römern, die sich mit der hunnischen Herrschaft arrangiert hatten.

Diese Ordnung blieb jedoch instabil. Attila war auf einen fortlaufenden Zustrom von römischem Gold und Prestigegütern angewiesen. Blieben militärische Erfolge, Beute und Tribute aus, verlor seine Herrschaft die Grundlage. Gerade diese starke Bindung des Reichs an seine Person und an materiellen Erfolg erklärt seinen schnellen Zusammenbruch nach 453.

Konflikte mit Ostrom

Nach dem Tod ihres Onkels Rua schlossen Attila und Bleda wohl 434 den Vertrag von Margus mit Kaiser Theodosius II.; die genaue Datierung ist umstritten. Ostrom musste geflohene Hunnen ausliefern, den Zugang zu Märkten erlauben, durfte keine gegen die Hunnen gerichteten Bündnisse schließen und sollte jährlich 700 Goldpfund zahlen. Rua hatte zuvor 350 Goldpfund erhalten.

Als Ostrom Verhandlungen verzögerte, griffen Attila und Bleda 441/42 an. Als Anlass galt die Plünderung hunnischer Königsgräber durch den Bischof von Margus. Die Hunnen eroberten und plünderten mehrere Städte und Festungen, darunter Viminacium, Singidunum und Sirmium. Nachdem die Römer ihre Grenzbefestigungen wiederhergestellt und Zahlungen eingestellt hatten, folgte ein weiterer Krieg.

447 besiegte Attila den oströmischen Heermeister Arnegisclus, der dabei fiel, und drang bis zu den Thermopylen vor. Der Balkan wurde schwer verwüstet; Priskos schildert Naissus 449 als verlassene Stadt. Der Anatoliusfrieden vom Herbst 447 war Attilas größter Sieg über das Imperium. Ostrom verpflichtete sich zu einer einmaligen Zahlung von 6.000 Goldpfund und danach zu jährlich 2.100 Goldpfund.

449 verschlechterten sich die Beziehungen weiter, weil Attila von einem gescheiterten oströmischen Mordplan gegen ihn erfuhr. Priskos nahm an einer Gesandtschaft des Maximinus an Attilas Hof teil und berichtete davon. 450 stellte Kaiser Markian die Zahlungen erneut ein. Attila griff Ostrom diesmal nicht an: Der Balkan war ausgeplündert, die reichen Orientprovinzen lagen außerhalb seiner Reichweite, und Markian galt als militärisch kompetenter als sein Vorgänger. Attila suchte daher im Westen nach neuen Einkünften.

Krieg gegen Westrom und Niederlagen 451/52

Zu Westrom bestanden zunächst gute Beziehungen, besonders zum Heermeister Flavius Aëtius. Aëtius kannte die Hunnen seit Jahren und hatte mit Rua zusammengearbeitet. Hunnische Krieger hatten ihm im westlichen Machtkampf geholfen; 436 wurde mit hunnischer Unterstützung das Burgundenreich am Rhein vernichtet. Dies ist wahrscheinlich der historische Kern der Nibelungensage. Eine mögliche Abtretung von Teilen Pannoniens an die Hunnen wird aus Priskos abgeleitet, ist aber in ihren Einzelheiten unklar und in der Forschung umstritten.

Der Konflikt mit Westrom verschärfte sich durch die sogenannte Honoriaaffäre. Justa Grata Honoria, die Schwester Kaiser Valentinians III., bat Attila über den Eunuchen Hyacinthus um Hilfe gegen Aëtius und bot ihm nach Priskos Geld an. Jordanes berichtet zusätzlich von einem Heiratsangebot; dessen Historizität ist umstritten. Sicher ist, dass Attila anschließend Westrom mit Krieg bedrohte.

Im Frühjahr 451 fiel Attila in Gallien ein. Als weiterer Vorwand diente ein Streit um die Nachfolge bei einem fränkischen Stamm. Am 7. April fiel Metz; auch Augusta Treverorum und Reims wurden bedrängt. Attila zog über Troyes nach Orléans, konnte die Stadt aber nicht erobern. Aëtius stellte ein Bündnis aus Römern, Westgoten und weiteren Germanen zusammen. In der zweiten Junihälfte 451 wurde Attilas Vielvölkerheer auf den Katalaunischen Feldern, meist bei Châlons-en-Champagne vermutet, unter hohen Verlusten zurückgeschlagen. Die überlieferten Opferzahlen sind unzuverlässig. Attilas Rückzug war jedenfalls eine strategische Niederlage; die geplante Eroberung Galliens war gescheitert.

452 fiel Attila dennoch in Italien ein. Aquileia wurde nach langer Belagerung zerstört, außerdem wurden Mailand, Bergamo, Padua und Verona erobert. Der Vormarsch kam aber zum Stillstand. Das Treffen mit Papst Leo I. am Mincio wird in den Quellen hervorgehoben, doch die Vorstellung, Leo habe Rom gerettet, gilt überwiegend als Mythos. Wichtiger waren vermutlich Zahlungen, Versorgungsprobleme, Seuchen und der Widerstand, den Aëtius mit von Markian gesandten Truppen leisten konnte. Attila zog ohne ausreichende Beute ab. Nach den gescheiterten Feldzügen in Gallien und Italien waren seine Ressourcen erschöpft und seine Macht hatte ihren Höhepunkt überschritten.

Tod, Zusammenbruch und Quellenlage

Attila starb 453 in seiner Hochzeitsnacht mit Ildico. Die Todesursache ist nicht sicher feststellbar. Jordanes berichtet, Attila sei nach Wein und Schlaf durch Nasenbluten erstickt. Diese Erzählung passt zum römischen Bild eines ausschweifenden Barbarenherrschers, widerspricht aber Priskos, der Attilas Lebensweise als maßvoll schildert. Andere Quellen behaupten, Ildico oder ein bestochener Leibwächter habe ihn getötet; die letzte Variante bringt Aëtius mit dem Mord in Verbindung.

Nach Attilas Tod begannen sofort Nachfolgekämpfe. Seine Söhne Ellac, Ernak und Dengizich konnten keine dauerhafte Herrschaft begründen. Mehrere unterworfene Gruppen lösten sich vom Hunnenreich. In der Schlacht am Nedao 454/55 verloren die Hunnen gegen aufständische Verbände ihre Oberherrschaft. Vertraute Attilas wie der Gepidenfürst Ardarich und Edekon sicherten sich danach eigene Herrschaftsbereiche. Das Reich zerbrach innerhalb eines Jahres, weil es locker organisiert, auf Attilas Person ausgerichtet und zuletzt durch militärische Rückschläge geschwächt war.

Der Zerfall veränderte auch die Lage an den römischen Grenzen. Ostrom wurde an der Donau wieder zur Ordnungsmacht. Westrom geriet dagegen weiter in Krise: Aëtius wurde 454 von Valentinian III. ermordet, Valentinian selbst ein halbes Jahr später von ehemaligen Gefolgsleuten des Heermeisters. Das weströmische Kaisertum in Italien erlosch 476.

Die Quellen zu Attila sind lückenhaft, und ihre Chronologie ist teilweise umstritten. Die wichtigste Quelle ist Priskos, ein zeitgenössischer griechischsprachiger Geschichtsschreiber. Sein in Fragmenten erhaltenes Werk behandelte etwa die Jahre 430 bis 474 in acht Büchern. Priskos besuchte 448/49 als Mitglied einer oströmischen Gesandtschaft Attilas Hof und liefert die wichtigste Augenzeugenschilderung der dortigen Verhältnisse. Jordanes verfasste um 551 die Getica und nutzte eine verlorene Vorlage sowie teilweise Priskos; seine Angaben sind nicht immer zuverlässig. Viele spätantike Darstellungen zeichnen Attila sehr düster, sowohl wegen der Brutalität seiner Kriegszüge als auch wegen ihrer Nähe zu seinem Gegner Aëtius.

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