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Die Jahreszeiten (Haydn)

Das Musikwerk Die Jahreszeiten ist ein 1801 uraufgeführtes weltliches Oratorium von Joseph Haydn (Hob. XXI:3) nach einem Libretto von Gottfried van Swieten.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Entstehung
  2. 2. Besetzung und musikalische Anlage
  3. 3. Der Frühling
  4. 4. Sommer und Herbst
  5. 5. Der Winter und die Hoffnung auf Erlösung

Werk und Entstehung

Die Jahreszeiten ist ein weltliches Oratorium von Joseph Haydn (Hob. XXI:3), das 1801 uraufgeführt wurde. Es war Haydns letztes von insgesamt vier Oratorien. Das Werk schildert den Ablauf der vier Jahreszeiten und verbindet Naturbeobachtung, bäuerliches Alltagsleben, menschliche Gefühle und am Schluss eine religiös-metaphysische Vorstellung vom ewigen Leben.

Das Libretto schrieb Gottfried van Swieten. Es ist eine deutsche Bearbeitung eines Auszugs aus James Thomsons englischem Versepos The Seasons. Haydn begann die Komposition unter dem Eindruck des großen Erfolgs seines Oratoriums Die Schöpfung von 1798. Die Arbeit dauerte wegen seiner angegriffenen Gesundheit zwei Jahre und war für ihn mühsam.

Die Uraufführung fand am 24. April 1801 im Stadtpalais Schwarzenberg in Wien statt. Sie war erfolgreich, erreichte aber nicht die Wirkung der drei Jahre zuvor am selben Ort uraufgeführten Schöpfung. Auch später wurde Die Jahreszeiten deutlich seltener aufgeführt. Als Grund gilt vor allem das Libretto: Oratorien behandelten gewöhnlich christliche Stoffe und stützten sich häufig auf Bibel oder Heiligengeschichten. Die Jahreszeiten beschreibt dagegen überwiegend den Jahres- und Tageskreis. Erst der Schlusssatz behandelt ausdrücklich das menschliche Leben, den Tod und das ewige Leben; diese Passagen stammen nicht aus Thomson, sondern sind originale Texte van Swietens.

Das Werk ist weder ein religiös geprägtes Oratorium im üblichen Sinn noch vollständig ein Kunstwerk im Geist der Aufklärung. Die heiteren und eindringlichen Naturschilderungen sowie die Verklärung des Landlebens zeigen vielmehr einen Einfluss der Philosophie Rousseaus. Haydns persönliche Haltung zum Text bleibt uneindeutig. Einerseits soll er sich über die Verherrlichung des Fleißes kritisch geäußert haben, andererseits fühlte er sich durch den Text über den Wein zu einer musikalischen Darstellung der Trunkenheit in der Schlussfuge angeregt.

Van Swieten gab Haydn teilweise genaue kompositorische Anweisungen. Bekannt wurde besonders die lautmalerische Nachahmung eines quakenden Frosches in „Und aus dem Sumpfe quakt der Frosch“. Haydn schrieb später, diese Stelle sei ihm aufgedrungen worden und im Klavierauszug nicht überzeugend. Ein Briefzitat gelangte 1801 durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit und verärgerte van Swieten; durch Georg August Griesingers Vermittlung beruhigte sich der Streit wieder.

Besetzung und musikalische Anlage

Das Werk ist in vier in sich geschlossene Kantaten gegliedert: „Der Frühling“, „Der Sommer“, „Der Herbst“ und „Der Winter“. Die Handlung und Beschreibung werden aus der Sicht des Bauernvolks vermittelt. Die drei Solostimmen stehen zugleich für typische Figuren des Landvolks: Simon, ein Pächter und Bass; Lukas, ein junger Bauer und Tenor; sowie Hanne, Simons Tochter und Sopran. Diese Solistenbesetzung entspricht derjenigen von Die Schöpfung. Der zumeist vierstimmige Chor verkörpert Gruppen der ländlichen Bevölkerung.

Haydn verwendet ein großes spätklassisches Orchester. Dazu gehören zwei Flöten, wobei die zweite auch Piccolo spielen kann, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte und ein zusätzliches Kontrafagott. Hinzu kommen jeweils zwei Waldhörner und Trompeten, im Schlusschor drei Waldhörner und drei Trompeten, außerdem Kesselpauke, Triangel, Tamburin, zwei Posaunen und Bassposaune. Das Streicherensemble besteht aus erster und zweiter Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass. Die Secco-Rezitative werden von Cembalo oder Hammerklavier begleitet; Violoncello und Kontrabass können dabei zusätzlich eingesetzt werden.

Die 39 nummerierten Musiknummern umfassen Einleitungen, Rezitative, Arien, Cavatinen, Duette, Terzette, Lieder und Chöre. Rezitative treiben die Handlung und Beschreibung voran, während Solonummern einzelne Empfindungen oder Situationen ausmalen und die Chöre größere Gruppen, Naturereignisse und gemeinschaftliche Gefühle darstellen.

Der Frühling

Der Frühling beginnt mit einer düsteren Einleitung. Simon, Lukas und Hanne beschreiben, wie der strenge Winter weicht, Schnee schmilzt und ein milder Wind den Frühlingsboten ankündigt. Der Chor des Landvolks ruft den Frühling als „Gabe des Himmels“ herbei und bittet darum, dass die Natur aus ihrem Todesschlaf erwacht. Die Männer warnen jedoch davor, sich zu früh zu freuen, weil der Winter noch einmal zurückkehren könnte.

Simon beschreibt anschließend die milder werdende Sonne und die gelöste Erde. In seiner Arie „Schon eilet froh der Ackermann“ wird der Bauer bei der Feldarbeit gezeigt: Er folgt dem Pflug, sät die Körner aus und vertraut darauf, dass der Acker sie zur goldenen Frucht reifen lässt. Lukas stellt fest, dass der Landmann seine Arbeit vollbracht hat, und ein Terzett mit Chor bittet um Regen, Tau, milde Luft und Sonne. Der ersehnte Segen soll Überfluss bringen.

Hanne berichtet, dass der Regen erhört wurde und die Natur dadurch ihren Schmuck und Reichtum erhält. Das abschließende Freudenlied schildert Blumen, Felder, Wiesen, Wasser, Tiere und die bewegte Frühlingslandschaft. Mädchen und Burschen empfinden Freude und Liebe; Simon deutet diese Gefühle als Wirkung des Schöpfers. Der Chor endet mit Lob und Dank an den „ewigen, mächtigen, gütigen Gott“.

Sommer und Herbst

Der Sommer wird als Verlauf eines Tages dargestellt. In der Einleitung weicht die Nacht dem Morgenlicht. Der Hahn weckt die Landarbeiter, der Hirt führt seine Herden auf die Weide, und die aufgehende Sonne wird als Quelle von Licht und Leben gefeiert. Terzett und Chor preisen ihre „flammende Majestät“ und danken zugleich dem Schöpfer.

Danach beginnt die Arbeit auf den Feldern. Der Schnitter mäht das Korn, während die Mittagssonne die Natur mit großer Hitze belastet. Lukas beschreibt welke Blumen, dürre Wiesen und trockene Quellen; Mensch und Tier schmachten erschöpft. Im kühlen Hain findet Hanne Erholung: Bach, Bäume, Kräuterduft und Schäfermusik beleben ihre Sinne und geben ihr neue Kraft. Ein plötzlich aufziehendes Gewitter beendet die friedliche Szene. Dunkle Wolken, Donner, Blitze, Sturm und Regengüsse lösen Angst aus. Im Terzett mit Chor klart der Himmel wieder auf: Die Sonne erscheint, Tiere kehren zurück, die Abendglocke ertönt und der Stern lädt zur Ruhe ein.

Im Herbst zeigt sich, was Frühling und Sommer vorbereitet haben. Der Landmann bringt die reiche Ernte auf hochbeladenen Wagen in die Scheune. Das Terzett und der Chor erklären den Fleiß zur Grundlage von Schutz, Kleidung, Nahrung, Tugend und Pflichterfüllung. Danach werden Haselnüsse gesammelt und Obst gepflückt. Lukas und Hanne versprechen sich im Duett ewige Liebe und Treue. Sie stellen ihre Liebe dem Wechsel von Blättern, Früchten, Tagen und Jahren gegenüber; trennen könne sie nur der Tod.

Es folgen Jagdszenen. Hunde verfolgen Wild, Jäger treiben Hasen auf und verfolgen einen Hirsch. Der Chor der Landleute und Jäger schildert mit Hörnern, Hundegebell und Rufen die Jagd bis zum Tod des Hirsches. In der Weinlese bringen die Menschen Fässer und Gefäße in die Weinberge. Der abschließende Chor „Juhhe! Juhhe! Der Wein ist da“ feiert Wein, Gesang, Tanz und ausgelassene Fröhlichkeit. Haydn nutzte diesen Text nach dem Bericht seines Biografen Albert Christoph Dies als Anregung für eine musikalisch „betrunkene“ Schlussfuge.

Der Winter und die Hoffnung auf Erlösung

Der Winter beginnt mit Nebel, Kälte und dem Erlöschen des Lichts. Ein grauer Dampf verhüllt Berge und Flächen; die Natur erstarrt. Der See ist zugefroren, der Strom steht still, der Wasserfall hängt gefroren am Felsen, und Schnee bedeckt Felder und Täler. Lukas beschreibt die Landschaft als Grab und öde Wüstenei.

In seiner Arie verirrt sich ein Wanderer im tiefen Schnee. Er findet keinen Weg, verliert Mut und Kraft und sieht den nahenden Abend mit Angst. Schließlich entdeckt er den Schein einer Hütte und gewinnt neue Hoffnung. Dort versammelt sich die Nachbarschaft in einer warmen Stube. Die Männer erzählen, flechten und stricken, die Frauen spinnen, und gemeinsames Singen begleitet die Arbeit.

Hanne erzählt eine scherzhafte Liebesgeschichte: Ein Edelmann versucht, ein Mädchen mit Geld, Schmuck und Versprechungen zu gewinnen. Sie täuscht ihn, indem sie auf ihren Bruder und Vater verweist, und entkommt schließlich auf seinem Pferd. Der Chor kommentiert die Geschichte spöttisch. Danach verschärft ein eisiger Ostwind den Winter noch einmal.

Simons Arie stellt den Ablauf der Jahreszeiten dem menschlichen Leben gegenüber. Der Frühling steht für die Jugend, der Sommer für die Kraft des Lebens, der Herbst für das Alter und der Winter für das Grab. Vergängliche Entwürfe, Hoffnungen, Vergnügungen und Sorgen verschwinden; allein die Tugend bleibt und führt den Menschen durch Freude und Leid zum höchsten Ziel.

Im Schluss-Terzett mit Chor bricht schließlich der „große Morgen“ an. Die Himmelspforten öffnen sich, und ein ewiger Frühling beginnt. Zugang zu diesem Zustand erhalten diejenigen, die Böses meiden, Gutes tun, die Wahrheit sprechen, Armen und Bedrängten helfen sowie Schutz und Recht der Unschuld gewähren. Der Chor verbindet diese Hoffnung mit der Aufforderung, zu wirken, zu streben, auszuharren und um Gottes Stärke und Mut zu bitten.

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