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Die Grenzen des Wachstums

Das benutzte Weltmodell diente der Untersuchung von fünf Tendenzen mit globaler Wirkung: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand, Bedeutung und Methode
  2. 2. Ergebnisse der Studie von 1972
  3. 3. Kritik und spätere Überprüfung
  4. 4. Aktualisierungen von 1992 bis 2012
  5. 5. Neuere politische Vorschläge
  6. 6. Einordnung in die Wachstumskritik

Gegenstand, Bedeutung und Methode

„Die Grenzen des Wachstums“ ist eine 1972 veröffentlichte Studie zur Zukunft von Weltwirtschaft, Bevölkerung und Umwelt. Sie wurde am Massachusetts Institute of Technology im Auftrag des Club of Rome erstellt und von der Volkswagenstiftung mit einer Million DM finanziert. Die zentrale Ausgangsidee lautet: Das lokale Handeln einzelner Menschen kann globale Folgen haben, die weit über ihren eigenen räumlichen und zeitlichen Erfahrungshorizont hinausreichen.

Donella Meadows, Dennis Meadows und weitere Mitarbeiter am Institut für Systemdynamik von Jay Wright Forrester untersuchten mit einer Computersimulation fünf weltweit wirksame Entwicklungen: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum. Dafür verwendeten sie das in der Computersprache Dynamo geschriebene Modell World3. Es verknüpfte unter anderem Daten zur Bevölkerung, Industrieproduktion, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelproduktion und zu Rohstoffvorräten.

World3 arbeitet mit Regelkreisen, also wechselseitigen Abhängigkeiten. Die Bevölkerung wächst beispielsweise, solange die Geburtenrate über der Sterberate liegt. Beide Raten hängen unter anderem von Nahrungsmittelproduktion und medizinischer Versorgung ab; diese werden wiederum durch die Industrieproduktion beeinflusst. Dadurch können Entwicklungen sich gegenseitig verstärken oder abschwächen.

Die Berechnungen waren keine exakten Vorhersagen. Sie sollten nach Aussage des Berichts vielmehr „Hinweise auf die im Weltsystem charakteristischen Verhaltensweisen“ geben. Deshalb wurden zahlreiche Szenarien mit unterschiedlichen Annahmen berechnet, etwa zu Rohstoffreserven, Wirtschaftswachstum, landwirtschaftlicher Produktivität, Geburtenkontrolle, Umweltschutz und Technik.

Ergebnisse der Studie von 1972

Die zentrale Schlussfolgerung lautete: Wenn die damalige Zunahme von Weltbevölkerung, Industrialisierung, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelproduktion und Rohstoffverbrauch unverändert anhalte, würden die absoluten Wachstumsgrenzen der Erde innerhalb der folgenden hundert Jahre erreicht. Eine solche Grenzüberschreitung könne durch zerstörte Umwelt und weitgehend verbrauchte Rohstoffe ein schnelles, nicht mehr aufzuhaltendes Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität auslösen.

Grundlage vieler Zusammenbruchsszenarien war exponentielles Wachstum, bei dem eine Größe in gleichen Zeitabschnitten jeweils um denselben Anteil zunimmt. Um 1650 hatte die Weltbevölkerung eine Verdopplungszeit von 250 Jahren, 1970 nur noch von 33 Jahren. Die Autoren bezeichneten diese Beschleunigung als „superexponentiell“. Für das Jahr 2000 setzte der Standardlauf etwa sechs Milliarden Menschen an; die tatsächliche Weltbevölkerung lag später annähernd bei diesem Wert.

In den meisten Szenarien setzte sich das zunächst unauffällige Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum fort, bevor sich die Entwicklung noch vor 2100 ziemlich plötzlich umkehrte. Trotz unsicherer Daten ergaben auch Modellläufe mit bis zu fünfmal höheren Rohstoffreserven als den 1972 nachgewiesenen meist eine Erschöpfung vor 2100.

Das Modell untersuchte auch weitreichende technische Möglichkeiten: vollständiges Recycling, unbegrenzte Rohstoffvorräte, stark verringerte Umweltverschmutzung, höhere landwirtschaftliche Produktivität und perfekte Geburtenkontrolle. Nach den Modellannahmen konnte selbst maximale Technik einen Zusammenbruch nicht verhindern, solange das Produktionskapital unbegrenzt weiterwuchs. Steigende Kosten der Rohstoffgewinnung und zunehmende Kapitalabnutzung konnten schließlich größer werden als die Investitionen. Technische Lösungen allein genügten daher nicht.

Ein langfristiger Gleichgewichtszustand erschien jedoch möglich. Dazu müssten Bevölkerung und materieller Wohlstand dauerhaft stabilisiert werden. Genannt wurden sofortige Maßnahmen zum Umweltschutz, zur Geburtenkontrolle und zur Begrenzung des Kapitalwachstums sowie Wiederverwendung von Abfällen, längere Nutzungsdauer von Investitions- und anderen Kapitalgütern und eine langfristige Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit. Je früher diese Veränderungen begännen, desto größer seien ihre Erfolgschancen. Erforderlich seien weltweite Zusammenarbeit sowie neue politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ziele, die nicht auf unbegrenztes Wachstum, sondern auf ein dauerhaftes Gleichgewicht gerichtet seien.

Kritik und spätere Überprüfung

Die Veröffentlichung löste starke Kontroversen aus. Kritiker wie Julian L. Simon und Herman Kahn warfen dem Modell vor, technischen Fortschritt unzureichend zu berücksichtigen. Allen Kneese und Ronald Riker beanstandeten, dass Bevölkerung, Kapital und Umweltverschmutzung exponentiell wüchsen, Verbesserungen bei Ressourcennutzung und Umweltschutz dagegen höchstens linear angesetzt würden. Befürworter betonten hingegen, dass die Studie keine punktgenauen Prognosen, sondern mögliche Systemverläufe dargestellt habe.

Besonders umstritten ist die Behauptung, der Bericht habe das Versiegen einzelner Rohstoffe noch im 20. Jahrhundert vorhergesagt. Einer Deutung zufolge wurden drei Knappheitskennzahlen fälschlich als Reichweitenprognosen verstanden. Nach der Gegenposition wurde ein frühes Versiegen zumindest nahegelegt oder eine Verwechslung in Kauf genommen. Für die erste Sicht spricht unter anderem, dass der Gesamttext spätere Zusammenbruchszeitpunkte behandelt und Prognosen über Rohstoffpreise „in 100 Jahren“ enthält.

Graham Turner verglich 2008 historische Daten von 1970 bis 2000 mit den ursprünglichen Szenarien und stellte eine große Übereinstimmung mit dem Standardszenario fest, das einen globalen Kollaps in der Mitte des 21. Jahrhunderts ergibt. Eine Aktualisierung von 2014 kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Entwicklung entspreche weitgehend dem Szenario „business as usual“, also einer Fortsetzung des bisherigen Handelns.

Aktualisierungen von 1992 bis 2012

Die 1992 erschienene Aktualisierung „Die neuen Grenzen des Wachstums“ berücksichtigte verbesserte Daten und größere bekannte Rohstoffvorkommen. Trotzdem blieben die Ergebnisse ähnlich: Die meisten der 13 Szenarien endeten mit „Grenzüberziehung und Zusammenbruch“, drei führten zu einem Gleichgewicht. Dieses war durch Geburten- und Produktionsbeschränkungen sowie Techniken zur Emissionsbekämpfung, Erosionsverhütung und Ressourcenschonung erreichbar. Je später die Maßnahmen einsetzten, desto niedriger lag der erreichbare materielle Lebensstandard. Gegenüber 1972 konnten nun auch der menschengemachte Treibhauseffekt und der durch FCKW verursachte Abbau der Ozonschicht besser berücksichtigt werden.

Das 30-Jahre-Update von 2004 aktualisierte die Daten, veränderte World3 leicht und simulierte Entwicklungen von 2002 bis 2100. In den meisten Szenarien kam es spätestens bis 2100 zu „overshoot and collapse“, also zur Überschreitung der Grenzen mit anschließendem Zusammenbruch. Bei einer Fortsetzung des bisherigen Kurses sollte der Kollaps ab 2030 beginnen. Im Szenario „Weiter wie bisher“ ermöglichten technische Fortschritte und zusätzliche Lagerstätten etwa 20 weitere Jahre industriellen Wachstums. Die Bevölkerung erreichte 2040 bei höherem Konsum einen Höchststand von acht Milliarden, sank danach aber infolge von Nahrungsmangel und gesundheitlichen Folgen der Umweltverschmutzung.

Selbst konsequente Umwelt- und Effizienzstandards milderten die Entwicklung häufig nur ab. Erst eine besonders ehrgeizige Verbindung aus geringerem Konsum, Kontrolle des Bevölkerungswachstums, weniger Schadstoffausstoß und weiteren Maßnahmen ergab eine nachhaltige Gesellschaft mit knapp acht Milliarden Menschen. Für 2002 nannten die Autoren außerdem ein starkes soziales Gefälle: 20 % der Weltbevölkerung verfügten über 85 % des globalen Bruttoinlandsprodukts. Zudem seien 40 % der Ackerflächen übernutzt und 75 % der Fischbestände bereits abgefischt. Die ökologische Tragfähigkeit der Erde – ihre Fähigkeit, Rohstoffe bereitzustellen und Schadstoffe aufzunehmen – sei bereits 1980 überschritten worden, 2004 um ungefähr 20 %.

2012 legte Jørgen Randers mit „2052: A Global Forecast for the Next Forty Years“ eine erneuerte Prognose vor. Im selben Jahr diskutierte das Symposium „Already Beyond? – 40 Years Limits to Growth“ den Forschungsstand vierzig Jahre nach der ersten Studie.

Neuere politische Vorschläge

Der Bericht „Ein Prozent ist genug“ von Jørgen Randers und Graeme Maxton aus dem Jahr 2016 fordert nicht nur weniger Wachstum in Industrieländern, sondern einen grundlegenden Umbau der Volkswirtschaften. Die Autoren betrachten das damalige Wirtschaftssystem als Ursache von Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel. Weil sie die Verdoppelung der Weltbevölkerung innerhalb der vorhergehenden 50 Jahre als Hauptursache der fortschreitenden Umweltzerstörung ansehen, wollen sie auch die Wachstumsrate der Bevölkerung senken oder ins Negative wenden.

Zu ihren 13 Vorschlägen gehören: kürzere Jahresarbeitszeit, ein höheres Renteneintrittsalter, die Anerkennung häuslicher Pflege als bezahlte Arbeit, höheres Arbeitslosengeld, höhere Steuern für Unternehmen und Reiche, grüne Konjunkturprogramme, die Besteuerung fossiler Brennstoffe mit gleichmäßiger Rückverteilung der Einnahmen, eine Verlagerung von Einkommenssteuern hin zu Steuern auf Emissionen und Rohstoffverbrauch, höhere Erbschaftssteuern, stärkere Gewerkschaften, nötigenfalls Beschränkungen des Außenhandels, Förderung kleinerer Familien und ein existenzsicherndes Grundeinkommen für besonders Bedürftige.

Zusätzlich werden Zuckersteuern vorgeschlagen, damit Hersteller die gesellschaftlichen Folgen entsprechender Lebensmittel tragen. Freihandel soll begrenzt werden können, wenn die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland Arbeitslosigkeit verschärft. Auch Industriestaaten sollen ihre Geburtenzahlen senken, weil Kinder dort nach Angabe des Berichts 30-mal so viele Ressourcen verbrauchen wie Kinder in Entwicklungsländern; Frauen mit höchstens einem Kind sollen deshalb eine Geldprämie erhalten.

„Earth for all“ von 2022 entwickelte fünfzig Jahre nach der ersten Studie eine verbesserte Simulation. Fachleute formulierten Maßnahmen für mehr Gerechtigkeit gegenüber armen Ländern, mehr Gleichheit innerhalb der Staaten, Geschlechtergerechtigkeit, die Energiewende und eine nachhaltige Landwirtschaft. Diese Vorschläge wurden sowohl für die Welt insgesamt als auch für zehn Regionen simuliert und überprüft.

Einordnung in die Wachstumskritik

Die Studie steht in einer langen Tradition der Kritik an unbegrenztem und besonders an exponentiellem Wachstum. Thomas Robert Malthus warnte 1798 in „The Principle of Population“ vor einer Bevölkerungsfalle. William Stanley Jevons sagte 1865 in „The Coal Question“ eine Erschöpfung der Kohlevorkommen für 1980 voraus und formulierte das Jevons-Paradoxon: Eine effizientere Nutzung eines Rohstoffs kann trotzdem zu einem höheren Gesamtverbrauch führen.

Auf „Die Grenzen des Wachstums“ folgten weitere Weltmodelle und Umweltszenarien. Dazu zählen „Global 2000 – Der Bericht an den Präsidenten“ und der Club-of-Rome-Bericht „Faktor 4 – Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch“ von 1995. Das Millennium Ecosystem Assessment von 2005 kam zu dem Ergebnis, dass 15 von 24 Schlüsselökosystemen übernutzt seien, also 60 %. Bei manchen seien die Folgen bereits sichtbar, bei anderen werde die Funktionsfähigkeit bei anhaltender Belastung künftig abnehmen.

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