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Diakonie Österreich
Die Diakonie Österreich mit Sitz in Wien ist der Dachverband aller diakonischen evangelischen Anbieter in Österreich und besteht aus 30 …
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Profil und Aufgaben
Die Diakonie Österreich ist ein evangelisch-kirchlicher Verein mit Sitz in Wien und der Dachverband aller diakonischen evangelischen Anbieter in Österreich. Sie wurde 1968 gegründet und besteht aus 30 Mitgliedsorganisationen. Mit rund 10.300 Beschäftigten und 2.900 Freiwilligen im Jahr 2022 gehört sie zu den fünf größten österreichischen Wohlfahrtsorganisationen. Die Gesamterlöse aller Mitglieder betrugen 2022 568 Mio. Euro. Die Diakonie trägt das Österreichische Spendengütesiegel.
Zu ihren Kernbereichen gehören Altenarbeit und Pflege, die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und Inklusion, Flucht und Integration, Hilfe für Kinder und Jugendliche, Ausbildung und Schulen, Sozialraumorientierung, Hospiz, Gesundheit, Rettungsdienst und Krankentransport sowie soziale Krisen.
Über die Diakonie Katastrophenhilfe leistet die Diakonie weltweit humanitäre Hilfe nach Naturkatastrophen und bei kriegerischen Konflikten. Dazu zählen Soforthilfe, der teilweise mehrere Jahre dauernde Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge. Außerdem ist sie Mitglied der Hilfsaktion Nachbar in Not mit dem ORF als Medienpartner.
Mit „Brot für die Welt“ arbeitet die Diakonie international in der Entwicklungszusammenarbeit. Schwerpunkte sind die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, Ernährungssicherung, Geschlechtergerechtigkeit und soziale Inklusion. Die Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt Österreich gehören zur ACT Alliance.
Geschichtliche Entwicklung
Die Voraussetzungen für evangelische Arbeit in Österreich verbesserten sich durch das Toleranzpatent Kaiser Josephs II. von 1781, das die Ausübung des evangelischen Glaubens wieder gestattete. Die gesetzliche Gleichstellung mit der römisch-katholischen Kirche erfolgte 1861 unter Kaiser Franz Joseph I. mit dem Protestantenpatent.
1873 gründete die evangelische Gräfin Elvine de La Tour auf ihrem Gut in Russiz bei Görz ein Liebeswerk für Mädchen. Im selben Jahr begann Pfarrer Ernst Schwarz in Waiern in Kärnten mit der Kinder-Rettungsarbeit. Sein Bruder, Pfarrer Ludwig Schwarz, gründete 1874 den Verein für Innere Mission in Gallneukirchen; daraus entstand 1877 das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen. Ernst Schwarz gründete später das evangelische Diakoniewerk Waiern. Nach dem Tod Elvine de La Tours 1916 wurde ein Teil ihres Vermögens in die Evangelische Stiftung de La Tour eingebracht. Die Brüder Schwarz und Gräfin de La Tour gelten damit als Begründer der Diakonie in Österreich.
1912 entstand der Zentralverein für Innere Mission. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zunächst in Evangelischer Zentralausschuss für Innere Mission und später in Evangelischer Zentralausschuss für Innere Mission und Diakonie in Österreich umbenannt. Aus diesem entwickelte sich das Diakonische Werk für Österreich, das heute Diakonie Österreich heißt.
Während des Nationalsozialismus war die Diakonie mit der systematischen staatlichen Tötung von Menschen mit mentalen oder körperlichen Beeinträchtigungen konfrontiert. Im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen wurden 1941 64 Bewohner, vorwiegend Kinder, von einem NS-Kommando abgeholt und ermordet. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgte 2011.
Aufbau und Mitgliedsorganisationen
Vier der 30 Mitgliedsorganisationen sind ständige Mitglieder des Diakonischen Rates und besitzen dort Sitz und Stimme: das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen, die Diakonie de La Tour, das Diakonie Zentrum Spattstraße und die Diakonie Eine Welt. Sie sind zugleich die größten diakonischen Anbieter Österreichs.
Das 1877 gegründete Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen ist die älteste und größte diakonische Einrichtung Österreichs. Es beschäftigt mehr als 3.800 Menschen, die an über 200 Standorten in sechs Bundesländern sowie in Slowenien, Rumänien und Bosnien und Herzegowina tätig sind. Es betreut Einrichtungen in Hermannstadt in Siebenbürgen und in Mostar.
Die Diakonie de La Tour ist mit mehr als 2.500 Mitarbeitern und 90 Einrichtungen in Kärnten, Osttirol und der Steiermark der zweitgrößte diakonische Träger Österreichs. Sie begleitet unter anderem Menschen mit Behinderungen, Kinder, Schüler, Menschen mit Erkrankungen und Suchtproblemen, ältere Menschen, Familien und Menschen auf der Flucht.
Das Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz behandelt und begleitet Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien in Krisen und Notsituationen. Es gehört der Evangelisch-methodistischen Kirche; in Oberösterreich arbeiten rund 1.000 Menschen für die Einrichtung.
Die 2009 gegründete Diakonie Eine Welt verbindet Flüchtlingsarbeit, Sozialarbeit und Bildungsarbeit, besonders in Wien und Niederösterreich. Sie führt und entwickelt das Evangelische Hilfswerk in Österreich und das Evangelische Schulwerk A.B. Wien weiter. Im Auftrag der Diakonie Österreich verwaltet sie die Diakonie Austria. Die Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt wurden lange von ihr geführt, wechselten aber 2023 wieder in die gemeinsame Verantwortung aller Mitglieder im Dach der Diakonie Österreich. Seit 2012 ist die Diakonie Eine Welt an Oikocredit beteiligt.
Weitere Mitglieder und Anbieter gibt es im Burgenland und in der Steiermark sowie durch die Heilsarmee und die Johanniter-Unfall-Hilfe. Wegen ihrer ökumenischen Ausrichtung gehören auch die Altkatholische Diakonie, die Heilsarmee Österreich und der Hilfsverein der Baptisten in Österreich zum Verband.
Direktoren und Finanzierung
Die Leitung hatte folgende Personen:
- 1969–1994: Pfarrer Ernst Gläser
- 1994–2018: Pfarrer Michael Chalupka
- ab September 2018: Pfarrerin Maria Katharina Moser
Maria Katharina Moser wurde am 1. September 2018 zur Direktorin ernannt.
Die Diakonie veröffentlicht jährlich einen Jahresbericht. 2022 verwaltete sie in ganz Österreich rund 568 Mio. Euro und stellte damit entsprechende Dienstleistungen bereit. Zwei Drittel der Mittel stammten aus der öffentlichen Hand, ein Fünftel aus privaten Beiträgen für Leistungen von Krankenhäusern, Schulen und anderen Einrichtungen; der Rest kam aus Spenden und kirchlichen Mitteln.
Der Spendeneingang der Diakonie – Brot für die Welt betrug laut Fundraising Verband Austria 2020 9,71 Mio. Euro. Das entsprach knapp 2,3 % der für die Arbeit verfügbaren Mittel. Seit 2003 ist die Diakonie durchgehend mit dem österreichischen Spendengütesiegel ausgezeichnet. Ihre Umsätze sind von der Umsatzsteuer befreit.
Internationale Zusammenarbeit
In Europa arbeiten diakonische Werke verschiedener Länder in „Eurodiaconia“ zusammen. Gemeinsam vertreten sie die Interessen ihrer Mitgliedsverbände gegenüber den europäischen Institutionen.
Weltweit sind diakonische Werke in einem Weltverband zusammengeschlossen. Die europäischen Verbände sind dort in die Regionalversammlung „Europ-Africa“ eingebunden.
Bedeutung des Logos
Das Logo der Diakonie enthält das Kronenkreuz. Richard Boeland von der Kunstschule Berlin entwarf es 1925 ursprünglich als künstlerische Verbindung der Buchstaben I und M für „Innere Mission“.
Später wurde es als Kronenkreuz bekannt. Das Kreuz steht für Not und Tod, die Krone für Hoffnung und Auferstehung. Bei der Gründung des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde das Signet 1957 als eigenes Symbol übernommen.