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Deutscher Caritasverband
Der Deutsche Caritasverband ist ein 1897 in Köln gegründeter Dachverband der organisierten Caritas (lateinisch für Nächstenliebe, Hochschätzung) und …
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Aufgabe und Größe des Verbands
Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der Wohlfahrtsverband der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und ein 1897 gegründeter eingetragener Verein. Caritas bedeutet lateinisch Nächstenliebe beziehungsweise Hochschätzung. Der DCV ist ein Dach- und Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege: Er bündelt über 900 Organisationseinheiten, die meist rechtlich selbstständige Vereine sind, und arbeitet mit den anderen Spitzenverbänden in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zusammen. Die evangelische Entsprechung ist Diakonie Deutschland.
Der Verband versteht seine soziale Arbeit als Hilfe für Menschen unabhängig von Weltanschauung und Religion. Sein Motto lautet „Not sehen und handeln“. Er ist national tätig und mit Caritas International auch international in der Hilfe bei Notlagen, Migration und Katastrophen aktiv. Für 2024 werden rund 6.249 Mitglieder, etwa 740.000 Beschäftigte im Verband und rund 500.000 Freiwillige genannt. Damit gilt die Caritas als größter Wohlfahrtsverband und als größter privatrechtlicher Arbeitgeber Deutschlands. Der Umsatz des eingetragenen Vereins betrug 2024 237.393.906 Euro.
Entwicklung seit 1897
Am 9. November 1897 gründete der Prälat Lorenz Werthmann mit fünf weiteren Personen, darunter Cyprian Fröhlich, in Köln den „Charitasverband für das katholische Deutschland“. 1916 erkannte die Fuldaer Bischofskonferenz ihn als einheitliche Zusammenfassung der Diözesan-Caritasverbände an; 1922 besaßen alle deutschen Diözesen einen eigenen Diözesan-Caritasverband.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 verhielt sich die Caritas zunächst distanziert-abwartend, begrüßte später jedoch die „nationale Erhebung“ und hoffte auf Zusammenarbeit mit der Regierung. Vertreter betonten unter anderem Gemeinsamkeiten wie den Kampf gegen Liberalismus, Sozialismus und Kommunismus sowie die Idee einer Volksgemeinschaft. Das Reichskonkordat von Juli 1933 sicherte in Artikel 31 den Bestand des Verbands, während die nationalsozialistische Herrschaft seine Arbeit zugleich politisch und rechtlich beschränkte. Konflikte mit dem Regime entstanden meist zur Wahrung eigener Interessen. Präsident Benedikt Kreutz äußerte sich jedoch auch kritisch; 1937 verwies er auf die Pflicht zur Sorge für sogenanntes „lebensunwertes Leben“. Die Caritasmitarbeiterin Gertrud Luckner unterstützte von 1935 bis zu ihrer Verhaftung 1943, unter Leitung und Schutz von Kreutz, Jüdinnen und Juden unter anderem bei der Auswanderung. Eine offizielle Stellungnahme des DCV zu seiner Verbandspolitik in der NS-Zeit lag laut Artikel bislang nicht vor.
Nach dem Krieg verteilte die Caritas ausländische Spenden, half deutschen Flüchtlingen und bei Familienzusammenführungen. Der Artikel nennt außerdem Fluchthilfe über Caritasstrukturen und in Zusammenarbeit mit dem Bischof Alois Hudal für zahlreiche NS-Kriegsverbrecher. Seit den 1960er Jahren baute sie internationale Hilfe bei Naturkatastrophen und Kriegen auf. 1982 gehörten in der Bundesrepublik 22 Diözesanverbände, 260 karitative Genossenschaften und 36 Fachverbände zum DCV. Bis 1990 gab es 25.860 Einrichtungen und 263.000 hauptberufliche Mitarbeitende.
In der DDR wurde die Caritas in die Bistumsstrukturen und Pfarrgemeinden eingebunden. Staatliche Beschränkungen erschwerten besonders Kinder- und Jugendhilfe; bestehende Kindergärten durften weiterarbeiten, neue konnten nicht gegründet werden. Wichtige Aufgaben waren Einrichtungen für geistig behinderte Menschen, Dienste für körper- und sinnesbehinderte Menschen, Altenheime sowie eigene kirchliche Ausbildungsgänge. Nach der Wiedervereinigung wurden die ostdeutschen Caritasverbände 1990 als Vereine neu- oder wiedergegründet. 1993 beschloss der Zentralrat ein Leitbild, 2003 eine neue Satzung. Eva Maria Welskop-Deffaa wurde am 13. Oktober 2021 als erste Frau zur Präsidentin gewählt und am 16. November 2021 eingeführt.
Aufbau, Ziele und Arbeitsfelder
Der DCV hat Bundesgeschäftsstellen in Berlin, Freiburg im Breisgau und Brüssel; sein Hauptsitz befindet sich im Lorenz-Werthmann-Haus in Freiburg. Er ist Dachverband der 27 Diözesan-Caritasverbände und der anerkannten zentralen Fachverbände. Die Delegiertenversammlung wählt die Präsidentin oder den Präsidenten für sechs Jahre. Die laufende Geschäftsführung liegt bei einem drei- bis fünfköpfigen hauptamtlichen Vorstand. Die Diözesanverbände sind rechtlich eigenständig und dezentral organisiert. Zu ihnen gehören 636 Orts-, Kreis- und Bezirksverbände sowie 262 karitative Ordensgemeinschaften. Auch die verschiedenen Dachverbände und örtlichen Träger sind selbstständige Rechtsträger, beispielsweise als e. V. oder gemeinnützige GmbH.
Caritas International ist das internationale Hilfswerk des DCV. Es ist nicht mit Caritas Internationalis zu verwechseln, dem weltweiten Zusammenschluss der Caritasorganisationen; dort ist der DCV das deutsche Mitglied. Dem Vorstand gehören neben Präsidentin Welskop-Deffaa Susanne Pauser für Personal und Digitales, Oliver Müller für Internationales, Migration und Katastrophenhilfe sowie Friedrich von Schönfeld für Finanzen und Recht an.
Nach dem Leitbild von 1997 sind zentrale Ziele der Schutz der Menschenwürde, Solidarität in einer pluralen Welt und grenzüberschreitende Verpflichtung. Der Verband will Menschen in Not helfen, Benachteiligte als Anwalt und Partner unterstützen, Sozial- und Gesellschaftspolitik mitgestalten und soziale Arbeit qualifizieren. Caritas wird neben Liturgie und Verkündigung als Wesensäußerung der Kirche verstanden.
Zu den 24.391 Einrichtungen mit mehr als einer Million Plätzen oder Betten gehören Angebote des Gesundheitswesens, der Kinder- und Jugendhilfe, Altenhilfe, Behindertenhilfe, Suchtkrankenhilfe und sozialpsychiatrische Dienste. Die Allgemeine Sozialberatung dient in vielen Kreis-, Regional- und Bezirksverbänden als Beratung für unterschiedliche schwierige Lebenslagen und als erste Anlauf- und Clearingstelle; Clearing bedeutet hier, den Unterstützungsbedarf zu klären und an passende Angebote weiterzuvermitteln. Weitere Arbeitsfelder sind etwa Krankenhäuser und Sozialstationen, Kindertagesstätten, Erziehungsberatung, Wohnungslosenhilfe, Migrationsberatung, Telefonseelsorge, Hospizarbeit, Freiwilligendienste, Kleider- und Möbellager sowie Lebensmittelhilfen. In strukturschwachen oder von wenigen Katholikinnen und Katholiken geprägten Gebieten arbeitet die Caritas teils gemeinsam mit der evangelischen Diakonie.
Beschäftigung und Finanzierung
Die rechtlich eigenständigen Caritas-Träger beschäftigen rund 740.000 hauptamtliche Mitarbeitende, entsprechend rund 490.000 Vollzeitstellen. Von 472.541 Teilzeitbeschäftigten sind 9,7 Prozent geringfügig beschäftigt; der Frauenanteil liegt bei 81,7 Prozent. Die Bezahlung richtet sich nach den Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes, die sich an BAT und TVöD orientieren.
Als kirchlicher Träger nutzt die Caritas das kirchliche Selbstbestimmungsrecht nach Artikel 138 der Weimarer Reichsverfassung in Verbindung mit Artikel 140 des Grundgesetzes. Deshalb gilt ein besonderes kirchliches Arbeitsrecht. Streiks sind unzulässig, gewerkschaftliche Organisation hingegen erlaubt. Beschäftigte werden durch gewählte Mitarbeitervertretungen (MAV) vertreten; über Tarifveränderungen verhandelt eine paritätisch besetzte arbeitsrechtliche Kommission. Anstelle des Betriebsverfassungsgesetzes gilt die vom Ortsbischof erlassene Mitarbeitervertretungsordnung (MAVO). Für einzelne Aufgaben kann die Zugehörigkeit zur katholischen oder wenigstens zu einer anderen christlichen Kirche verlangt werden. Seit der Grundordnung des kirchlichen Dienstes von 2022 beeinflusst die private Lebensgestaltung das Dienstverhältnis nicht mehr; relevant ist außerdienstliches Verhalten nur bei öffentlich wahrnehmbaren Verletzungen grundlegender katholischer Werte, etwa Fremdenhass oder ausdrücklich kirchenfeindlichen Äußerungen.
Finanziell verantwortet der Vorstand nur den eingetragenen Verein DCV, nicht die etwa 25.000 Dienste und Einrichtungen mit eigenen Jahresabschlüssen. Die Bilanzsumme des DCV betrug im Geschäftsjahr 2023 337 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz aller Caritas-Dienste und -Einrichtungen wurde 2002 auf rund 25 Milliarden Euro geschätzt. Heute stammen die Mittel überwiegend aus Leistungsentgelten des Staates und Sozialversicherungen; Spenden spielen besonders in Gesundheitshilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie Altenpflege kaum eine Rolle. Eigenmittel können aus Kirchensteuer, Spenden, Sammlungen, Vermögensverwaltung und Mitgliedsbeiträgen kommen. Externe Fachleute schätzen den Anteil von Kirchengeldern an allen Aktivitäten auf 1,8 bis 6 Prozent; diese Frage wird öffentlich als „Caritas-Legende“ diskutiert. Kürzungen öffentlicher Mittel und sinkende Kirchensteuern verengen vielerorts die Spielräume.
Im Februar 2021 wurde die Caritas kritisiert, weil die Dienstgeberseite ihrer Arbeitsrechtlichen Kommission einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die Altenpflege nicht zustimmte. Nach Verdi hätte dieser für manche Beschäftigte Lohnerhöhungen bis zu 25 Prozent gebracht; der Tarifvertrag trat nicht in Kraft.
Beratung, Fachverbände und Öffentlichkeit
Bis 1999 führten Caritas-Beratungsstellen Schwangerschaftskonfliktberatungen nach § 219 StGB durch und stellten eine Bescheinigung aus, die für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch genutzt werden konnte. Papst Johannes Paul II. untersagte dies den katholischen Verbänden Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen, da er die Bescheinigung als Beihilfe zu einer aus katholischer Sicht verwerflichen Abtreibung ansah. Die Entscheidung war gesellschaftlich und innerkirchlich umstritten und führte zur Schließung zahlreicher Stellen, weil deren staatliche Finanzierung an die gesetzlichen Vorgaben gebunden war. Danach gründeten katholische Laien unter anderem donum vitae und Frauenwürde als unabhängige Beratungsvereine; der Vatikan verurteilte deren Tätigkeit mehrfach.
Dem DCV sind acht Personalfachverbände und sieben Einrichtungsfachverbände angeschlossen. Dazu zählen beispielsweise Malteser Hilfsdienst, Sozialdienst katholischer Frauen, Kreuzbund, Katholischer Krankenhausverband Deutschlands, Verband katholischer Altenhilfe und Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie. Der DCV ist Mitglied der Europäischen Bewegung Deutschland und Gründungsmitglied der Aktion Mensch.
Der Verband führt sozialpolitische Kampagnen durch, zuletzt etwa „Für Klimaschutz, der allen nutzt“ (2023), „Frieden beginnt bei mir“ (2024), „Da kann ja Jeder kommen. Caritas öffnet Türen“ (2025) und „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“ (2026). Caritas International wirbt durch Spendenbriefe, Anzeigen und Unternehmenspartnerschaften. Das 1962 von Bert Jäger entworfene Caritas-Logo, das „Flammenkreuz“, zeigt ein Kreuz mit vier stilisierten Flammen: Die senkrechte Linie steht für die Verbindung zwischen Gott und Menschen, die waagerechte für gegenseitige Verantwortung, die Flammen für Wärme, Beistand und Hilfe.