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Deutsche Christen
Diese gründeten daraufhin im Mai 1934 die Bekennende Kirche, die die Deutschen Christen als Häretiker betrachtete und aus der Kirchengemeinschaft ausschloss.
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Charakter und Bedeutung
Die Deutschen Christen (DC) waren von 1932 bis 1945 eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip ausgerichtete Strömung im deutschen Protestantismus. Ihr Ziel war, die evangelischen Kirchen an die Ideologie des Nationalsozialismus anzugleichen. Als Kirchenpartei gewannen sie 1933 Leitungsämter in einigen Landeskirchen der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK).
Besonders folgenreich waren ihre Gleichschaltungspolitik und der Versuch, den Arierparagraphen in kirchliche Verfassungen zu übernehmen. Dadurch sollten Christen jüdischer Herkunft als „Judenchristen“ aus kirchlichen Ämtern und teils aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Der Konflikt darüber trug zum Kirchenkampf bei. Im Mai 1934 entstand als Gegenbewegung die Bekennende Kirche, die die DC als Häretiker betrachtete und aus der Kirchengemeinschaft ausschloss.
Ideologische Vorläufer
Schon im Kaiserreich verbanden verschiedene protestantische Gruppen Christentum mit völkischem, nationalistischem und rassistischem Denken. Sie wollten das Christentum in eine angeblich „arteigene Volksreligion“ umformen. Beispiele waren Forderungen nach einer „Germanisierung des Christentums“, die Behauptung eines „deutschen“ oder „arischen“ Jesus sowie die Abwertung des Judentums.
Ein wichtiges Ziel dieser Gruppen war die Entfernung jüdischer Einflüsse aus dem Christentum. Friedrich Andersen forderte seit 1904 die Abschaffung des Alten Testaments und die Reinigung der Jesuslehre von angeblich jüdischen Einflüssen. Die 95 Thesen von 1917 für ein „Deutschchristentum auf evangelischer Grundlage“ verlangten eine engere Verbindung von Deutschtum und Christentum. Religions- und Konfirmandenunterricht sollten Stoffe des Alten Testaments wie die Zehn Gebote nicht mehr behandeln; auch das Neue Testament sollte umgedeutet werden.
1921 entstand der Bund für deutsche Kirche. Seine Zeitschrift Die Deutschkirche verlangte unter anderem, das Alte Testament durch die „Deutsche Mythe“ zu ersetzen. 1925 schloss sich der Bund mit weiteren völkischen und antisemitischen Verbänden zusammen. Nicht alle national gesinnten Protestanten stimmten dem zu: Johannes Schneider schrieb 1925: „Wer das Alte Testament preisgibt, wird bald auch das Neue verlieren.“
1927 gründeten Anhänger in Thüringen die Thüringer Kirchenbewegung Deutsche Christen. Sie suchte den Kontakt zur NSDAP. Alfred Rosenbergs 1930 erschienenes Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts verstärkte den Einfluss dieser Kreise: Es griff christliche Glaubensgrundlagen und Kirchenorganisationen als „undeutsch“ oder „artfremd“ an und stellte eine Nationalreligion als Vollendung der Reformation dar.
Gründung und Programm
1931 trat in Altenburg in Thüringen erstmals eine Gruppe mit der Bezeichnung Deutsche Christen zu einer Kirchenvertreterwahl an. Am 6. Juni 1932 gründete Joachim Hossenfelder die Glaubensbewegung Deutsche Christen als reichsweite innerprotestantische Kirchenpartei.
Ihre Richtlinien erklärten „Rasse, Volkstum und Nation“ zu von Gott gegebenen Lebensordnungen. Sie forderten, Rassenmischung entgegenzutreten, die Judenmission abzulehnen und insbesondere Eheschließungen zwischen Deutschen und Juden zu verbieten. Zum Programm gehörten außerdem:
- die Auflösung der 29 eigenständigen Landeskirchen zugunsten einer nach dem Führerprinzip aufgebauten „Reichskirche“;
- der Ausschluss von Judenchristen;
- die „Entjudung“ der kirchlichen Botschaft durch Abkehr vom Alten Testament sowie Reduktion und Umdeutung des Neuen Testaments;
- die „Reinhaltung der germanischen Rasse“ durch Schutz vor „Untüchtigen“ und „Minderwertigen“;
- die Vernichtung des „volksfeindlichen Marxismus“.
Die Forderung nach einer Reichskirche war auch ein Angriff auf die kirchliche Ordnung nach 1918. Die Landeskirchen hatten nach dem Ende der landesherrlichen Kirchenleitung eigene, teils parlamentarisch-demokratische Verfassungen und verschiedene Bekenntnisse. Die DC wollten diesen Parlamentarismus durch das Führerprinzip ersetzen, beantworteten aber nicht, welchem Bekenntnis die Reichskirche folgen sollte.
Am 9. September 1932 wurden die DC vom altpreußischen Evangelischen Oberkirchenrat als Kirchenpartei anerkannt. Bei den Kirchenwahlen am 13. November 1932 erreichten sie in der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union durchschnittlich ein Drittel der Sitze in den Presbyterien.
Machtgewinn und Kirchenkampf
Anfang 1933 übernahm die DC-Gruppe aus dem Wieratal bei Altenburg die Leitung der Thüringer Landeskirche und nannte sich „Kirchenbewegung deutsche Christen“. Sie hatte fast eine Million Mitglieder, darunter ein Drittel der Pfarrerschaft. Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde von zahlreichen Protestanten begrüßt. DC-nahe Pastoren ließen Hakenkreuzflaggen in Kirchen aufhängen.
Im April 1933 ernannte Hitler Ludwig Müller zum „Sonderbeauftragten für Kirchenfragen“. Die DC wählten ihn zu ihrem Schirmherrn und Kandidaten für das Reichsbischofsamt. Als Gegenkandidat wurde Friedrich von Bodelschwingh im Mai 1933 zum Reichsbischof gewählt, trat jedoch nach 26 Tagen unter dem Druck von DC und Staatsvertretern zurück.
Hitler setzte anschließend eine neue DEK-Verfassung mit dem „Führerprinzip mit einem lutherischen Reichsbischof“ in Kraft; 28 Landeskirchen erkannten sie an. Vor den Kirchenwahlen vom 23. Juli 1933 sprach Hitler im Radio für die DC. Diese erhielten in fast allen Landeskirchen eine Mehrheit von etwa zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen und übernahmen zahlreiche Führungsämter. Am 6. September 1933 wählte die DEK-Synode Ludwig Müller einstimmig zum Reichsbischof; er trat am 29. September sein Amt an. Danach führten DC-geführte Landeskirchen Arierparagraphen für Geistliche und Beamte ein. Zum Schutz von Judenchristen bildete sich der Pfarrernotbund.
Zerfall und Entjudung der Bibel
Der Aufstieg der DC wurde durch die Sportpalastrede Reinhold Krauses am 13. November 1933 gebremst. Krause verlangte eine „völkische Nationalkirche“, die Entfernung des Alten Testaments, die Streichung angeblich entstellter und abergläubischer Berichte aus dem Neuen Testament sowie den Ausschluss von Menschen „judenblütiger Art“. Etwa 20.000 Zuhörer stimmten begeistert zu; eine Erklärung mit seinen Forderungen wurde mit nur einer Gegenstimme angenommen. Die Rundfunkübertragung führte jedoch bei vielen bisher sympathisierenden Protestanten zu einem Stimmungsumschwung. Tausende verließen die DC, und fast alle evangelischen Teilkirchen distanzierten sich von ihnen.
Die Rede machte auch den Einfluss des Neuheidentums sichtbar. Diese Strömung wollte das bekenntnisgebundene Christentum durch eine deutsch-germanische Nationalreligion mit Blut-und-Boden-Ideologie, Führerkult und Rassenlehre ersetzen. Reichsbischof Müller enthob Krause seiner Ämter und gab die Schirmherrschaft über die DC auf, verlor aber selbst die Anerkennung als Leiter der DEK.
Danach zerfiel die Glaubensbewegung in viele Gruppen. Die Reichsbewegung Deutsche Christen benannte sich 1938 in „Lutherdeutsche“ um. 1937 schlossen sich viele Gruppen zur Nationalkirchlichen Bewegung Deutsche Christen zusammen. Bereits 1934 gab es 32 verschiedene „Glaubensbewegungen“.
Die Thüringer DC behielten die Leitung ihrer Landeskirche. 1939 gründeten sie in Eisenach mit Zustimmung von elf evangelischen Landeskirchen das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“. Es stellte ein „Volkstestament“ zusammen, das den Mythos eines „arischen Jesus“ verkünden sollte. 1940 veröffentlichte der Arbeitskreis Volkstestament Die Botschaft Gottes. Das Werk fand besonders in Thüringen starken Absatz, wurde aber auch entschieden kritisiert. Ein 2019 in Eisenach errichtetes Mahnmal erinnert an den „Irrweg“ des Instituts.
Folgen nach 1945
Nach 1945 bestanden frühere DC-Strömungen nur noch als kleinere Gemeinschaften und Zirkel in Distanz zur neu gegründeten EKD fort. DC-nahe Personen versuchten über eine „Kirchengeschichtliche Arbeitsgemeinschaft“, die Darstellung des Kirchenkampfs zu beeinflussen; für Theologie und Politik blieben sie jedoch bedeutungslos.
Einige deutschchristliche Pfarrer verließen ihre Landeskirchen, wurden in den Wartestand oder vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Andere kehrten nach einem Gesinnungswandel in den kirchlichen Dienst zurück. Kleinere Folgegruppen waren etwa die „Gemeinschaft Christlicher Lebensglaube“, die „Freunde christlicher Freiheit“, die Freie Christliche Volkskirche und die Volkskirchenbewegung Freie Christen.