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Deutsche Evangelische Kirche
Die Deutsche Evangelische Kirche (DEK) war von 1933 bis 1945 eine Vereinigung der zunächst 30 deutschen evangelischen Landeskirchen in der Zeit des …
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Einordnung und Bedeutung
Die Deutsche Evangelische Kirche (DEK) war von 1933 bis 1945 der Zusammenschluss der deutschen evangelischen Landeskirchen während der nationalsozialistischen Herrschaft. Sie war eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und ersetzte den 1922 gegründeten Deutschen Evangelischen Kirchenbund. Bei ihrer Gründung gehörten ihr 30 Landeskirchen an; durch Zusammenschlüsse und Eingliederungen sank ihre Zahl bis Ende 1934 auf 23.
Die Geschichte der DEK war vom sogenannten Kirchenkampf geprägt. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob die evangelische Kirche dem nationalsozialistischen Staat und seiner Ideologie untergeordnet werden sollte. Die nationalsozialistisch ausgerichteten „Deutschen Christen“ wollten christliche Lehre und Nationalsozialismus miteinander verbinden. Dagegen formierte sich kirchlicher Widerstand, insbesondere in der Bekennenden Kirche. Das NS-Regime konnte die Auseinandersetzung bis 1937 weitgehend für sich entscheiden; danach spielte die DEK keine eigenständige Rolle mehr.
Gründung und nationalsozialistische Gleichschaltung
Obwohl es bereits seit mehreren Jahren Bestrebungen zur Einigung der evangelischen Landeskirchen gegeben hatte, entstand die DEK erst im Juli 1933. Zu diesem Zeitpunkt kontrollierten die Deutschen Christen bereits zahlreiche Kirchenleitungen. Die Nationalsozialisten griffen stark in die Wahl zur ersten Reichssynode ein und unterstützten Ludwig Müller als Reichsbischof. Müller war überzeugter Nationalsozialist und ein bedingungsloser Gefolgsmann Hitlers. Bei seiner Amtseinführung in Wittenberg soll etwa die Hälfte der anwesenden Pfarrer SA-Uniform getragen haben; nach dem Wahlsieg der Deutschen Christen wehten laut Sebastian Haffner von allen Berliner Kirchtürmen Hakenkreuzfahnen.
Am 20. Dezember 1933 gliederte Müller die im Evangelischen Jugendwerk Deutschlands zusammengeschlossenen evangelischen Jugendverbände ohne Zustimmung ihrer Führungen und gegen deren ausdrücklichen Willen in die Hitler-Jugend ein. Außerdem ernannte er Karl Friedrich Zahn zum Reichsjugendpfarrer. Gegen Müllers Verbindung von Kirche und nationalsozialistischer Ideologie entstand Widerstand. Er versuchte, die Diskussion durch einen „Maulkorberlass“ und zahlreiche Disziplinarmaßnahmen zu unterdrücken.
Am 25. Januar 1934 trafen evangelische Kirchenführer Hitler. Sie erklärten ihre Loyalität gegenüber dem Staat; Müller blieb im Amt und begann, weitere Landeskirchen umzugestalten. Die evangelische Presse wurde ebenfalls gleichgeschaltet: Am 24. Juni 1933 besetzte die SA den zuvor eigenständigen und finanziell unabhängigen Evangelischen Presseverband für Deutschland und setzte dessen Leitung durch Aktivisten der Deutschen Christen ab. Damit wurde die Pressefreiheit beseitigt. Die Deutschen Christen verbreiteten ihre Propaganda unter anderem durch die auflagenstarken Kampfblätter „Evangelium im Dritten Reich“ und „Christenkreuz und Hakenkreuz“, die Walter Grundmann herausgab. Das gemeinsame kirchliche Publikationsorgan „Das Evangelische Deutschland. Kirchliche Rundschau für das Gesamtgebiet des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes“, 1924 von der Vorgängerorganisation gegründet und von August Hinderer herausgegeben, erschien bis März 1945.
Kirchenkampf, Widerstand und staatliche Kontrolle
Der Widerstand gegen die Verbindung von christlicher Lehre und nationalsozialistischem Gedankengut blieb zunächst begrenzt. Nur in einzelnen Gemeinden entstanden „bekennende Gemeinden“. Unter Martin Niemöller bildete sich der Pfarrernotbund mit etwa 7000 Mitgliedern. Innerhalb der DEK bestanden schließlich mehrere Gruppen in ungeklärter Rechtslage nebeneinander:
• Die von Deutschen Christen geleiteten und bereits umgestalteten „Bistümer“ betrachteten sich als Teile einer nationalen Einheitskirche.
• Die „Intakten Kirchen“ Hannover, Bayern, Württemberg und Westfalen blieben in der Einheitskirche, lehnten Müller aber als Führer ab.
• In den „Zerstörten Kirchen“ verweigerten sich die bekennenden Gemeinden der Einheitskirche.
• Die Bekennende Kirche (BK) verstand sich selbst als „wahre“ evangelische Kirche und berief sich auf das Dahlemer Notrecht, um eigenständig zu handeln.
Wegen der anhaltenden Konflikte verlor Müller zunehmend Einfluss. Durch einen „Führererlass“ vom 16. Juli 1935 wurde Hanns Kerrl zum Minister für kirchliche Angelegenheiten ernannt. Das Gesetz zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 24. September 1935 sollte die Einheit der DEK sichern und diente später als Grundlage zahlreicher Verordnungen. Ein Reichskirchenausschuss (RKA) unter Wilhelm Zoellner übernahm anstelle Müllers die Leitung. Er erhielt Unterstützung von den intakten Landeskirchen und einigen Bruderräten der Bekennenden Kirche.
Als der RKA im Sommer 1936 „Irrlehren“ der Thüringer Deutschen Christen verurteilte, behinderte das Reichsministerium seine Arbeit, da es ihn der Bevorzugung der Bekennenden Kirche beschuldigte. Der Bekennenden Kirche wurde jede Ausübung kirchenleitender Befugnisse verboten. Im Februar 1937 trat der RKA zurück; führende Vertreter der Bekennenden Kirche, darunter Martin Niemöller, wurden verhaftet. Damit hatte das Regime den Kirchenkampf 1937 weitgehend für sich entschieden. Die Leitung der DEK ging auf den Leiter der Deutschen Evangelischen Kirchenkanzlei über. Kerrl verlor ebenfalls rasch an Bedeutung und wurde zeitweise nicht einmal mehr von Hitler empfangen. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs versuchte Müller erfolglos, durch Hitlers persönliche Unterstützung erneut Einfluss zu gewinnen. Nach Kerrls Tod 1941 führte dessen Staatssekretär Hermann Muhs das Ministeramt bis zum Kriegsende kommissarisch.
Kirchen, Ideologie und Ende der DEK
Die Verbindung von Nationalsozialismus und Christentum zeigte sich auch in Kirchengebäuden und ihrer Ausstattung. Während der NS-Zeit wurden im Deutschen Reich 190 evangelische Kirchen neu gebaut. Glocken trugen Hakenkreuze, Orgelpfeifen zeigten Hitlers Ebenbild. Auf der hölzernen Kanzel der Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf ist neben Frau und Kind ein Wehrmachtssoldat dargestellt. Solche Gestaltungen entsprachen der Ideologie der Deutschen Christen.
Im August 1945 wurde die DEK durch den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) abgelöst. Mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis bekannte die EKD erstmals eine Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus.
Zusammensetzung der Mitgliedskirchen
Die 30 Gründungskirchen waren lutherisch, reformiert oder uniert. „Uniert“ bezeichnet hier Kirchen, in denen lutherische und reformierte Traditionen organisatorisch verbunden waren. Zu den großen Mitgliedskirchen gehörten unter anderem die Evangelische Kirche der altpreußischen Union sowie die Landeskirchen von Bayern, Hannover, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und Württemberg. Daneben bestanden kleinere Kirchen etwa in Anhalt, Baden, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Lippe, Lübeck, Oldenburg, der Pfalz und Schaumburg-Lippe.
Mehrere Kirchen wurden in kurzer Zeit zusammengelegt. Ende 1933 vereinigten sich die Landeskirchen von Frankfurt am Main, Hessen und Nassau zur Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen. Im Jahr 1934 entstanden aus Hessen-Kassel und Waldeck die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sowie aus Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs. Außerdem wurden zwei kleinere selbstständige Kirchen anderen Landeskirchen angegliedert: Die Kirche des Landesteils Birkenfeld kam 1934 zur Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, die Evangelisch-lutherische Kirche in Reuß ältere Linie zur Thüringer evangelischen Kirche. Dadurch verringerte sich die Zahl der DEK-Mitgliedskirchen bis Ende 1934 von 30 auf 23.
Leitung durch Reichsbischöfe
Friedrich von Bodelschwingh war bis zum 24. Juni 1933 als Reichsbischof vorgesehen. Wegen der kirchenpolitischen Auseinandersetzungen im Frühjahr und Sommer 1933 trat er das Amt jedoch nicht an.
Ludwig Müller wurde am 27. September 1933 Reichsbischof und blieb formal bis 1945 im Amt. Seine tatsächliche Macht nahm aufgrund des Kirchenkampfs ab 1935 stark ab. Zunächst übernahm der Reichskirchenausschuss wichtige Leitungsaufgaben; nach dessen Rücktritt 1937 lag die Führung der DEK bei der Deutschen Evangelischen Kirchenkanzlei.