Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Deutsch in anderen Sprachen

In den slawischen und anderen südosteuropäischen Sprachen existiert ein eigener Wortstamm für „deutsch“, der vom urslawischen Wort němьcь, Plural němьci …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernidee
  2. 2. Namen aus deutsch
  3. 3. Namen aus Germania
  4. 4. Namen nach Alemannen
  5. 5. Slawische Wurzel und andere Herkunft
  6. 6. Besondere Bedeutungen

Kernidee

Der Artikel erklärt, warum Deutschland, die Deutschen und die deutsche Sprache in verschiedenen Sprachen sehr unterschiedliche Namen haben. Diese Vielfalt hängt mit der langen und uneinheitlichen Geschichte germanischer und deutscher Gruppen zusammen. Unterschiedliche Nachbarvölker kamen jeweils mit anderen Gruppen in Kontakt und entwickelten eigene Bezeichnungen. Außerdem wurden europäische Sprachen durch Kolonialismus weltweit verbreitet, sodass auch außerhalb Europas verschiedene Namen für Deutschland üblich wurden.

Die wichtigsten Herkunftsgruppen sind: Formen aus urgermanisch *þeudiskaz, Formen aus lateinisch Germania bzw. griechisch Γερμανία, Formen nach dem Stamm der Alemannen, Formen aus slawisch němьcь beziehungsweise nemet sowie Bezeichnungen aus anderen Quellen, etwa nach Sachsen, Preußen, Franken oder besonderen historischen Kontakten.

Namen aus deutsch

Eine große Gruppe von Bezeichnungen geht auf das urgermanische Wort *þeudiskaz zurück. Es bedeutete „volkstümlich“ oder „nicht-Latein“. Daraus entstanden das deutsche Endonym „Deutsch“ und verwandte Formen in vielen Sprachen. Ein Endonym ist ein Eigenname, also eine Bezeichnung, die eine Gruppe für sich selbst verwendet.

Der Wortstamm verbreitete sich teils durch direkte Verwandtschaft, teils durch Entlehnung. Nordgermanische und westgermanische Formen wie dänisch Tyskland/tysk, schwedisch Tyskland/tysk(a), niederländisch Duitsland/Duits, luxemburgisch Däitschland/Däitsch oder jiddisch Daytshland/daytsh gehen nicht einfach aus dem Althochdeutschen hervor, sondern aus eigenen Formen.

Auch außereuropäische Sprachen nutzen Formen dieses Stamms. Chinesisch Déyìzhì 德意志 ist eine phonetische Annäherung an „deutsch“; die Kurzform Dé 德 wird für Volk, Land und Sprache weiterverwendet, etwa Dégúo für Deutschland und Déyǔ oder Déwén für die deutsche Sprache. Japanisch Doitsu, heute meist ドイツ, wurde phonetisch aus niederländisch Duits entlehnt. Koreanisch spricht die Schriftzeichen 独逸 als Dogil 독일 aus; in Nordkorea gibt es auch die Form Do-i-chuil-lan-deu.

Namen aus Germania

Eine zweite wichtige Gruppe stammt von lateinisch Germania beziehungsweise griechisch Γερμανία ab. Die Etymologie von Germani ist nicht vollständig geklärt. Der Begriff erscheint seit etwa 200 v. Chr. in römischen Quellen als Sammelbezeichnung für nördlich des Römischen Reiches lebende Volksstämme. Besonders wichtig war Julius Caesar: Er prägte den Begriff 51 v. Chr. in den Commentarii de Bello Gallico, indem er den Rhein als Grenze zwischen Gallien und Germanien bestimmte.

Im Mittelalter wurde Germania eher selten verwendet, meist historisch oder geografisch für Gebiete rechts des Rheins. In der Zeit des Humanismus griff man den Begriff aus der antiken Literatur auf; im Neulatein erhielt Germania die Bedeutung „Deutschland“. Von dort gelangte er im 16. Jahrhundert ins Englische und in mehrere romanische Sprachen.

Durch den Einfluss des Lateinischen und Englischen kommt der Wortstamm german heute in vielen Sprachen vor, auch außerhalb Europas. Beispiele sind englisch Germany/German, albanisch Gjermania/Gjermanisht, bulgarisch Germanija, russisch Germanija, rumänisch Germania/germana, swahili Ujerumani/Kijerumani, thai Yoeramani und Plansprachen wie Esperanto Germanio/germana oder Interlingua Germania.

Namen nach Alemannen

Viele Bezeichnungen leiten sich vom westgermanischen Volk der Alemannen ab. Vor der Entstehung des Fränkischen Reiches waren die Alemannen direkte Nachbarn der Galloromanen. Diese übertrugen den Namen auf die Gesamtheit der östlich von ihnen lebenden germanischen Völker.

So gelangte die von „Alemannen“ abgeleitete Bezeichnung für die Deutschen in die Sprachen des französischen Königtums. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde der Begriff im Französischen vorherrschend. Zeitweise gab es entsprechende Formen auch im Italienischen und Englischen. Dauerhaft wurde der Wortstamm aus dem Französischen im 12. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel übernommen, im 15. Jahrhundert auch ins Portugiesische.

Durch den Einfluss iberischer Sprachen während der Reconquista kam diese Wortfamilie unter anderem ins Arabische. Während der Conquista verbreitete sie sich auch in Lateinamerika. Beispiele sind französisch Allemagne/allemand, spanisch Alemania/alemán, portugiesisch Alemanha/alemão, katalanisch Alemanya/Alemany, arabisch Almāniyā/almānī, türkisch Almanya/Alman, persisch Ālmān/Ālmāni und Nahuatl Alemantlan/Alemantēcatl.

Slawische Wurzel und andere Herkunft

In slawischen und mehreren südosteuropäischen Sprachen gibt es einen eigenen Wortstamm für „deutsch“. Er stammt vom urslawischen němьcь, Plural němьci, „Fremder“, und wird meist auf das Adjektiv němъ „stumm“ mit dem Suffix -ьcь zurückgeführt. Gemeint waren ursprünglich Fremdsprachige, die sich mit den Slawen nicht verständigen konnten; später verengte sich die Bedeutung auf Deutschsprachige. Dazu passt die häufige Erklärung des Namens „Slawen“ aus slawisch slóvo, „Wort“, also etwa „die Sprechenden“. Eine ältere Theorie, die heute in der Slawistik nicht mehr vertreten wird, leitete den Wortstamm vom germanischen Stamm der Nemeter am Rhein ab.

Beispiele für diese Gruppe sind polnisch Niemcy, tschechisch Německo, slowakisch Nemecko, slowenisch Nemčija, serbisch Nemačka, kroatisch Njemačka, ukrainisch Nimetschtschyna und ungarisch Németország. In einigen Sprachen steht der Stamm nicht unbedingt für das Land, sondern für Volk, Person, Sprache oder Adjektiv, etwa russisch Njemzy für das Volk, némez für „der Deutsche“ und njemjezki als Adjektiv.

Daneben gibt es Bezeichnungen anderer Herkunft. Estnisch Saksamaa und finnisch Saksa gehen auf den Stamm der Sachsen zurück. Mittellateinisch Teutonia und regnum Teutonicum beziehen sich auf die Teutonen. Mittelgriechisch Frángoi/frangikós stammt von den Franken. Luxemburgisch Preiseland, Preisen und preisech kommen von Preußen. Lettisch Vācija und litauisch Vokietija haben eine unsichere Herkunft, vielleicht mit Bezug auf die Vagoth. Grönländisch Noorliit Nunaat entstand aus einem lokalen Kontakt mit der Herrnhuter Brüdergemeine bei Nuuk. In der Deutschen Gebärdensprache wird Deutschland durch eine Faust an der Stirn mit einem nach oben zeigenden Finger dargestellt; dies verweist auf eine Pickelhaube.

Besondere Bedeutungen

Ein wichtiger Sonderfall ist englisch Dutch. Es stammt wie „deutsch“ von mittelniederländisch duutsch ab und konnte im Mittelenglischen allgemein das westgermanische Sprachkontinuum auf dem europäischen Kontinent bezeichnen. Aus diesem Kontinuum entwickelten sich Hochdeutsch, Niederdeutsch und Niederländisch. Wegen enger wirtschaftlicher Beziehungen Englands zu niederländischsprachigen Städten, besonders durch Handel, wurde duche beziehungsweise Dutch immer stärker mit den Niederlanden verbunden. Im 15. Jahrhundert kamen 85 % der in England als duche bezeichneten Ausländer aus den Niederlanden; in London bildeten niederländische Einwanderer 1437 sogar 90 % der gesamten ausländischen Bevölkerung. Im 17. Jahrhundert setzte sich German für „deutsch“ durch, während Dutch auf „niederländisch“ verengt wurde. Im amerikanischen Englisch blieb Dutch länger zweideutig, etwa in High Dutch für „deutsch“ und Low Dutch für „niederländisch“. Bei Pennsylvania Dutch ist unklar, ob es von der pennsylvaniadeutschen Eigenbezeichnung deitsch/deutsch verballhornt wurde oder eine ältere Bedeutung von Dutch fortsetzt.

Weitere Sonderfälle betreffen regionale und historische Bezeichnungen. Arabisch Nimsā für Österreich stammt aus der slawischen Wurzel für Deutschland und gelangte über die osmanische Sprache ins Arabische; im modernen Türkisch wurde es verdrängt, im Kurdischen und Arabischen blieb es erhalten. Auf dem Balkan werden deutsche Minderheiten oft „Schwaben“ genannt, während sich die Deutschen in Siebenbürgen „Sachsen“ nennen, obwohl ihre Dialekte eher rheinfränkisch beziehungsweise moselfränkisch sind. In der deutschsprachigen Schweiz heißen Deutsche häufig „Schwaben“. Im Luxemburgischen wurden Deutsche als Preisen („Preußen“) und ihre Sprache als Preisesch bezeichnet, weil das gesamte deutsche Grenzgebiet zu Luxemburg von 1815 bis 1945 zu Preußen gehörte; nach der deutschen Besetzung Luxemburgs im Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff zum Schimpfwort. Heute gilt Däitschen als politisch korrekt. In limburgischen Dialekten werden Pruus für einen Deutschen und Pruses für Deutschland meist abwertend verwendet.

Weiterlesen

Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen Hier werden deutsche Wörter gesammelt, die als Lehn- oder Fremdwörter (Germanismus) in anderen Sprachen aufgenommen worden sind. Dazu gehören auch Wörter, … Deutsche Sprache Die heutige deutsche Standardsprache entwickelte sich überwiegend aus den hochdeutschen Dialekten und fungiert als überregionale Dachsprache für sowohl hoch- … Deutschland Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als … Germanen Als Germanen wird eine Gruppe ehemaliger Stämme in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien bezeichnet, deren Identität in der Forschung traditionell über … Geschichte Europas Die Geschichte Europas ist eine Migrationsgeschichte, von der ersten Besiedlung über die Eiszeiten hinweg bis zur Gegenwart. Heutige Europäer, egal aus … Kolonialismus Die Dependenztheorie sieht in der fortgesetzten Abhängigkeit der ehemaligen Kolonien eine Hauptursache der in ihnen verbreiteten Armut. Andere … Afrikaans Afrikaans, früher auch Kapholländisch oder Kolonial-Niederländisch genannt, ist eine der elf Amtssprachen in Südafrika und eine anerkannte … Öömrang Interrogativpronomen. Bearbeiten. Die Interrogativpronomen sind hoker?, wer, wem, wen?, und hög?, wessen? Relativpronomen. Bearbeiten. Es gibt nur ein … Luxemburgische Sprache Ein Luxemburger Kind erlernt es als Muttersprache, bevor es später in der Schule Standarddeutsch, Französisch und Englisch erlernt. ... Der Satzbau (Syntax) … Niederdeutsche Sprache Bei allen drei Geschlechtern kann das Adjektiv ohne Endung gebraucht werden (de lütt Mann, de lütt Fru, dat lütt Kind). Den Gebrauch mit Endungen kann man … Niederländische Sprache im Niederländischen die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Silben, wobei die langen Vokale in offenen Silben einfach, in geschlossenen Silben … Schwedische Sprache Komparation. Bearbeiten. Das Schwedische kennt in der Komparation die gleichen Stufen wie die deutsche Sprache, also Positiv, Komparativ und Superlativ. Den …