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Medienmanipulation

Medienmanipulation · Meist wird er verwendet, um eine tatsächliche oder vermeintliche Manipulation der öffentlichen Meinung durch die Medien zu bezeichnen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Auswahl, Gewichtung, Sprache und Bilder
  3. 3. Akteure, Interessen und Ziele
  4. 4. Äußere Lenkung der Medien
  5. 5. Netzwerke und Forschung
  6. 6. Schutz vor Manipulation

Begriff und Grundprinzip

Medienmanipulation hat zwei Bedeutungen. Meist bezeichnet der Ausdruck eine tatsächliche oder vermeintliche Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Medien. Er kann aber auch bedeuten, dass Regierungen, Unternehmen oder andere Akteure Medien beeinflussen, um eine bestimmte Veröffentlichung zu erreichen oder zu verhindern. Erfolgt die Weitergabe von Informationen transparent und nach journalistischen Regeln, handelt es sich dagegen um Presse- oder Medienarbeit.

Manipulation durch Medien ist eine einseitige, tendenziöse oder verzerrte Darstellung von Fakten und Ereignissen. Sie kann bereits bei der Themenauswahl beginnen und sich durch Platzierung, Umfang, Sprache und Gestaltung der Berichterstattung fortsetzen. Dadurch kann beim Publikum eine verzerrte Wahrnehmung entstehen. Medienmanipulation ist von einer Fälschung zu unterscheiden, etwa vom Erfinden eines Interviews oder der nachträglichen Veränderung eines Fotos oder Videos.

Vollständige Neutralität ist allerdings kaum erreichbar: Medien können nicht über alle Ereignisse berichten und müssen für jede zusammenhängende Darstellung Fakten auswählen. Deshalb kann ein Manipulationsvorwurf berechtigte Kritik ausdrücken, aber auch als politischer Kampfbegriff dienen. Bewusst einseitige Berichterstattung widerspricht den Grundsätzen unabhängigen Journalismus und den Regeln des Deutschen Presserates.

Auswahl, Gewichtung, Sprache und Bilder

Selektion ist die unvermeidbare Auswahl von Informationen durch Redaktionen. Nach Steffens gelangen „über 99 % aller Nachrichten“ nicht zu den Lesern, weil sie als zu unbedeutend, fragmentarisch, polemisch oder nach geltenden Vorstellungen als unsittlich aussortiert werden. Auch die Entscheidungen anderer Medien beeinflussen die Auswahl: Ein Ereignis gilt eher als berichtenswert, wenn bereits darüber berichtet wird. Niklas Luhmann beschreibt Kommunikation daher als einen Prozess, der selektiv auf Selektionen reagiert und Selektivität verstärkt. Selbst wenn jede einzelne Meldung stimmt, kann ihre einseitige Häufung insgesamt wie Desinformation wirken.

Bei der Gewichtung müssen Medien relevante Positionen darstellen und zugleich kenntlich machen, dass Argumente unterschiedliche Bedeutung und Seriosität besitzen. Eine verzerrte oder falsche Gewichtung gilt als tendenziöse Berichterstattung. Der Schweizer Presserat leitet aus seinen Berufspflichten allerdings keine allgemeine Pflicht zu objektiver Berichterstattung ab; auch einseitige und parteiergreifende Berichte können zulässig sein. Eine offen erkennbare redaktionelle Ausrichtung, beispielsweise die linksliberale Position der Frankfurter Rundschau, ist als Ausdruck der Meinungsfreiheit nicht automatisch Manipulation. Manipulativ kann Gewichtung werden, wenn eine Gegenposition als Strohmann verzerrt, ein Gegner „dämonisiert“ oder von wichtigen Ereignissen durch übermäßige Behandlung anderer Themen abgelenkt wird.

Auch Sprache beeinflusst Wahrnehmungen. Meliorative Wörter haben einen positiven, pejorative einen negativen Beigeschmack. Derselbe Vorgang kann beispielsweise als „Flucht und Vertreibung“ oder als „Umsiedlung“ bezeichnet werden. Übersetzer können durch eine nicht originalgetreue Übertragung Einfluss nehmen. In mehrsprachigen Gesellschaften kann bereits die Wahl einer Mediensprache bestimmte Gruppen bevorzugen und andere von der öffentlichen Beteiligung ausschließen.

Visuelle und akustische Mittel wirken ebenfalls: Fotos, Tabellen und Grafiken, Größe, Platzierung, Farben und Schriftarten sowie in audiovisuellen Medien Einstellungsgröße, Bewegung, Bildkomposition, Licht, Sounddesign, Erzählstruktur und Framing. Framing bedeutet, Informationen in einen Deutungsrahmen einzuordnen, der ihre Wahrnehmung lenkt.

Akteure, Interessen und Ziele

Mögliche Manipulatoren sind zunächst Journalisten. Ihre politischen Ansichten, finanziellen Abhängigkeiten und Karrierebeziehungen können tendenziöse Berichte begünstigen. Verlage und Eigentümer legen im Rahmen des Tendenzschutzes die publizistische Ausrichtung fest; problematisch wird dies besonders, wenn ein Thema ihre geschäftlichen Interessen berührt. Auch die Auswahl von Personal und Zielgruppe sowie begrenzter Platz, begrenzte Sendezeit und Redaktionsfristen können unvollständige oder scheinbar manipulierte Berichte erzeugen.

Von außen können Werbekunden, Parteien, Verbände und andere Interessengruppen Druck ausüben. Nach einem kritischen Bericht der Süddeutschen Zeitung über Arbeitsbedingungen bei Aldi bestellte das Unternehmen 2004 Werbung ab. Eine Studie von Helmut Volpers im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW stellte außerdem eine zunehmende Vermischung von Public Relations und redaktioneller Berichterstattung fest: Beiträge von PR-Agenturen erschienen als eigene Beiträge eines Mediums. Barbara Baerns gilt als Pionierin dieser Forschungsrichtung.

Mögliche Formen und Ziele umfassen geopolitische, politische, religiöse, ethnische, rassistische, nationalistische, regionale und klassenbezogene Einflussnahme. Unternehmen können Werbung, Public Relations oder Berichte im Interesse von Eigentümern einsetzen. Weitere Formen sind Skandalisierung, gezielte Desinformation, Agitation und Propaganda, journalistische Lügen sowie Hofberichterstattung oder Verlautbarungsjournalismus, also die distanzlos-unkritische Verbreitung von Aussagen politischer oder institutioneller Akteure.

Manipulation muss nicht politisch motiviert sein. Medien orientieren sich auch am erwarteten Publikumsinteresse und betonen daher lokale, prominente, glamouröse oder schockierende Ereignisse. So kann ein einzelnes nahes Ereignis ausführlicher behandelt werden als ein Konflikt mit Millionen Toten in Afrika oder Asien. Diese durch Publikumserfolg bestimmte Themenordnung wird mit Agendasetting verbunden.

Äußere Lenkung der Medien

Manipulation der Medien liegt vor, wenn einflussreiche Stellen Berichterstattung erreichen, verändern oder verhindern wollen. Dies kann durch offene oder verdeckte Zensur geschehen. Aus Angst vor Nachteilen können Journalisten problematische Tatsachen auch freiwillig zurückhalten; diese Selbstzensur wird als „Schere im Kopf“ bezeichnet.

Direkte staatliche Lenkung ist besonders in Diktaturen und Staaten mit stark eingeschränkter Pressefreiheit sichtbar, etwa im Dritten Reich, in der DDR sowie im heutigen China und Russland. Im Dritten Reich gaben die „Pressekonferenzen der Reichsregierung“ nicht nur die gewünschte Meinung, sondern sogar Einzelheiten der Darstellung vor. Zwischen 1976 und dem Ende der 1980er Jahre wollten Länder der Dritten Welt mit der „Neuen Weltinformationsordnung“ die Vorherrschaft westlicher Presse überwinden. In einigen Staaten wurde dieses Vorhaben jedoch durch die Abschaffung der Pressefreiheit zum Schutz von Regierungen und Interessengruppen missbraucht.

Indirekte Lenkung ist auch bei privaten Medien möglich. In lateinamerikanischen Militärdiktaturen des 20. Jahrhunderts wurden regierungsfreundliche Unternehmen gefördert und andere Medien behindert. Während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 wurden Folter und das Verschwindenlassen Zehntausender Oppositioneller weitgehend verschwiegen; auch die sukzessive Ermordung von rund 100 Journalisten blieb unberichtet.

In Kriegsgebieten erschweren Festnahmen, Zugangsbeschränkungen und die Abhängigkeit von offiziellen Pressekonferenzen eine unabhängige Berichterstattung. Tom Curley von Associated Press kritisierte 2009 den wachsenden Druck des US-Militärs. Das Pentagon hatte sein Budget für „Einfluss-Operationen“ seit 2003 um 63 Prozent erhöht; 2008 betrug es 4,7 Milliarden Dollar für 27.000 Mitarbeiter. Auch in Demokratien kann wirtschaftliche Abhängigkeit von staatlichen Förderungen und Anzeigen Einfluss schaffen. Als Inseratenkorruption wird dabei die Belohnung positiver Berichterstattung durch staatliche Werbeaufträge bezeichnet.

Netzwerke und Forschung

Die Forschung untersucht Medienmanipulation unter anderem mit Inhaltsanalysen, Interviews und teilnehmender Beobachtung. Die Glasgow Media Group kam in ihren Bad News Studies zu dem Ergebnis, dass britische Meldungen gegen Gewerkschaften gerichtet gewesen seien und diese für den Bruch von Tarifvereinbarungen und hohe Inflation verantwortlich gemacht hätten. Martin Harrison kritisierte 1985 jedoch die Methoden und warf der Gruppe vor, Manipulation selektiv zu untersuchen und eigene Vorurteile als Ergebnis darzustellen.

Herman und Chomsky entwickelten 1988 das Propagandamodell. Danach entsteht systematische Medienmanipulation aus der ökonomischen Struktur eines Landes. Als entscheidende Faktoren gelten Medienbesitz durch Großunternehmen, Werbefinanzierung und die Übernahme regierungsamtlicher Quellen; diese Strukturen könnten die Öffentlichkeit im Interesse von Unternehmen beeinflussen und unabhängige Medien diskreditieren.

Uwe Krüger untersuchte in seiner Dissertation den Einfluss von Eliten auf deutsche Journalisten. Sein Modell sagt voraus, dass Leitmedien den Diskurs der Eliten weitgehend wiedergeben, dessen Grenzen aber selten überschreiten oder seine Voraussetzungen kritisch prüfen. Eine Netzwerkanalyse von 219 leitenden Redakteuren ergab, dass jeder Dritte informelle Kontakte zu Eliten aus Politik und Wirtschaft unterhielt. Besonders dichte Verbindungen im US- und NATO-nahen Milieu stellte Krüger bei Stefan Kornelius, Klaus-Dieter Frankenberger, Michael Stürmer und Josef Joffe fest.

Eine Frame- und Inhaltsanalyse kam zu dem Ergebnis, dass FAZ, Welt und Süddeutsche den Diskurs der Münchner Sicherheitskonferenz ausführlich darstellten, Proteste und die Münchner Friedenskonferenz dagegen marginalisierten und delegitimierten. Krüger bewertet zudem Beratertätigkeiten führender Journalisten für Konzerne oder die Bundesregierung als problematisch. Mit Pierre Bourdieus Begriff des sozialen Kapitals erklärt er, dass Journalisten mit elitenkompatiblen Ansichten leichter Zugang zu hochrangigen Kreisen erhalten könnten und diese Einbindung ihre Konformität weiter verstärke.

Ein konkreter Fall äußerer Einflussnahme wurde 2009 bei der Deutschen Bahn bekannt. Das Unternehmen räumte ein, 2007 insgesamt 1,3 Millionen Euro für vorproduzierte Medienbeiträge, Blog- und Forenbeiträge, Leserbriefe und Meinungsumfragen ausgegeben zu haben.

Schutz vor Manipulation

Berufliche Selbstverpflichtungen sollen Manipulation verhindern. Dazu gehören journalistische Ehrenkodizes wie der deutsche Pressekodex und der Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Gesetze und organisatorische Regeln können Ausgewogenheit sichern. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland muss nach den Rundfunkurteilen des Bundesverfassungsgerichts „Binnenpluralität“ gewährleisten, also unterschiedliche gesellschaftliche Sichtweisen innerhalb seines Angebots berücksichtigen. Programmbeiräte sollen das Angebot stellvertretend für die Gesellschaft kritisch begleiten. In Kanada verpflichtet der Broadcasting Act seit 1991 CBC und SRC unter anderem zu einem vielfältigen und umfassenden Programm sowie dazu, der Öffentlichkeit angemessene Möglichkeiten zum Ausdruck unterschiedlicher Sichtweisen zu geben.

Als wirksamster Schutz gilt eine vielfältige Medienlandschaft. Dafür sollen Medienkonzentration verhindert, Wettbewerb erhalten und Gegenöffentlichkeiten ermöglicht werden. Transparenz über Eigentümer, Kapitalbeteiligungen und andere Abhängigkeiten macht mögliche Interessenkonflikte erkennbar. In Hessen müssen Medien beispielsweise Mehrheitseigentümer im Impressum nennen.

Streitgespräche und Runde Tische können gegensätzliche Positionen sichtbar machen. Ihre Wirkung hängt jedoch von Gästeauswahl, Fragen, Redezeit und Kommentierung durch Moderatoren und Redaktionen ab. Werden Positionen trotz sehr unterschiedlicher Beleglage als gleichwertig präsentiert, kann eine falsche Ausgewogenheit entstehen. Bei offensichtlicher Manipulation können Medienunternehmen verantwortliches Personal versetzen oder entlassen.

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