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Der ewige Jude (Ausstellung)
Der ewige Jude war der Titel einer von den Nationalsozialisten ab November 1937 veranstalteten Wanderausstellung, die der weiteren Aufhetzung der …
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Zweck und Bedeutung
„Der ewige Jude“ war eine nationalsozialistische Wanderausstellung, die ab November 1937 veranstaltet wurde. Sie sollte die Bevölkerung im Sinne der antisemitischen Rassismusideologie weiter aufhetzen. Die Ausstellung war damit kein neutraler Beitrag zur Information, sondern ein Instrument der NS-Propaganda.
Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, dass sie antisemitische Vorstellungen verbreitete und jüdische Menschen systematisch entmenschlichte. Dadurch sollte bei der sogenannten „arischen“ Bevölkerung Angst, Neid und Hass geweckt sowie letzte moralische Skrupel gegenüber jüdischen Mitbürgern beseitigt werden. Die Ausstellung wird deshalb ebenso wie der gleichnamige Film zur Vorgeschichte der Novemberpogrome 1938 und des bald darauf folgenden Holocaust gerechnet. Laut Polizeiberichten bestand ein direkter Zusammenhang zwischen der Ausstellung und der steigenden Zahl antisemitischer Übergriffe.
Aufbau und propagandistische Inhalte
Der erste Saal behandelte angebliche „biologische Grundlagen des Judentums“. Er diente der rassistischen Diffamierung, indem jüdische Menschen fälschlich als biologisch festgelegte Gruppe dargestellt wurden. Im zweiten Saal wurde die jüdische Religion mit herabsetzenden, falschen und beleidigenden Deutungen versehen.
Im weiteren Verlauf stellte die Ausstellung eine verzerrte „Geschichte des Judentums“ dar. Juden wurden als überall auftretende Wucherer und Hehler bezeichnet. Daraus wurde die Behauptung abgeleitet, man habe sie aus Notwehr in Ghettos sperren oder vertreiben müssen.
Plakate, Schriftzüge, Bilder und Fotografien verwendeten typische antisemitische Klischees. Unter anderem sollten Fotografien von Leo Trotzki und Charlie Chaplin angeblich „typisch jüdische Merkmale“ zeigen, obwohl die Nationalsozialisten beide fälschlicherweise als Juden bezeichneten. Eine verbreitete Karikatur zeigte den Typus des Ostjuden im Kaftan mit Goldmünzen und einer Peitsche in den Händen sowie einer Weltkarte unter dem Arm. Zusammen mit Hammer- und Sichelsymbolen verband dieses Bild antisemitische Feindbilder mit dem sogenannten Bolschewistenschreck.
Auf diese Weise verbreitete die Ausstellung übertriebene Weltverschwörungstheorien und die Behauptung, Juden wollten Deutschland sowjetisieren. Diese Verbindung von Antisemitismus und Antibolschewismus wurde später im fünften Flugblatt der Weißen Rose von Alexander Schmorell kritisiert.
Organisatoren und Einordnung
Initiator war Otto Nippold, der stellvertretende NSDAP-Gauleiter von München-Oberbayern. Er hatte bereits die am 7. November 1936 im Bibliotheksbau des Deutschen Museums eröffnete Große antibolschewistische Schau initiiert.
Durchgeführt wurde die Ausstellung vom stellvertretenden Gaupropagandaleiter Walther Wüster. Für die Gestaltung waren der Architekt Fritz von Valtier sowie die Maler Horst Schlüter und Otto Jahn verantwortlich.
Die Ausstellung war die dritte Schau eines geschlossenen Zyklus sogenannter „Schandausstellungen“. Dieser Zyklus begann 1936 mit der Großen antibolschewistischen Schau, wurde mit der Ausstellung Entartete Kunst fortgesetzt und fand mit Der ewige Jude seine weitere Fortsetzung.
Verlauf und Verbreitung
Als Wanderausstellung wurde die Schau erstmals vom 8. November 1937 bis zum 31. Januar 1938 in der Bibliothek des Deutschen Museums in München gezeigt. Eröffnet wurde sie am 8. November von Joseph Goebbels und anderen führenden Nationalsozialisten. Der Eintritt kostete 50 Pfennige, im Vorverkauf der NSDAP 35 Pfennige. Obwohl die Ausstellung mit dem möglicherweise werbewirksamen Hinweis „Jugendliche haben keinen Zutritt“ versehen war, wurden Münchner Schüler klassenweise hindurchgeführt. Eine Sonderpostkarte war nach wenigen Tagen vergriffen. In München wurden 412.300 Besucher gezählt.
Vom 2. August bis 23. Oktober 1938 war die Ausstellung in der Nordwestbahnhalle in Wien zu sehen. Die Eröffnungsrede hielt Arthur Seyß-Inquart. Dort wurden unter anderem Fotos des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Richard Schmitz und des Kabarettisten Fritz Grünbaum gezeigt. Beide waren im Konzentrationslager Dachau inhaftiert; die Fotos trugen die beleidigende Legende „Juden und Judenknechte in Dachau auf Sommerfrische“. In Wien besuchten 350.000 Menschen die Ausstellung. Der Besuch war für Wiener Schüler verpflichtend.
Vom 12. November 1938 bis zum 13. Januar 1939 wurde die Schau in Berlin gezeigt. Im Schatten der Reichspogromnacht fand sie dort mit 250.000 Besuchern etwas weniger Beachtung. Weitere Stationen waren Bremen vom 4. Februar bis 5. März, Dresden vom 24. März bis 23. April und schließlich die Stadthalle Magdeburg vom 13. Mai bis 11. Juni. In Magdeburg sahen 80.000 Besucher die Ausstellung.
Während der deutschen Besetzung Frankreichs wurde im besetzten Frankreich eine ähnliche Ausstellung mit dem Titel „Le Juif et la France“ gezeigt. Der Judenreferent der Deutschen Botschaft in Paris, Carltheo Zeitschel, hatte dafür aus Berlin die Unterstützung Walther Wüsters angefordert.