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Der Roman
Der Roman ist eine allgemeine Einführung in die Erzähltheorie (Narratologie), verfasst von dem Anglisten und Amerikanisten Christoph Bode, Professor für …
Inhalt5 Abschnitte
Werk und Grundgedanke
Der Roman ist eine allgemeine Einführung in die Erzähltheorie (Narratologie), also in die Untersuchung, wie Erzählungen aufgebaut und vermittelt werden. Verfasser ist der Anglist und Amerikanist Christoph Bode, Professor für Englische Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die erste Auflage erschien 2005 im A. Francke Verlag (UTB); 2011 folgten die zweite, erweiterte Auflage sowie die englische Übersetzung The Novel: An Introduction.
Das Buch soll dazu befähigen, Romane nicht nur formal und eng zu analysieren. Zentral ist die Frage „What's the difference?“: Welche Wirkung hätte es, wenn Personen, Situationen oder Ereignisse anders erzählt würden, etwa aus einer anderen Perspektive oder in einer anderen Reihenfolge? Die Analyse geht damit vom Wie der Darstellung zum Was, also zu Inhalt und Bedeutung. Ein Vorwort, neun thematische Kapitel, Literaturhinweise und ein ausführliches Literaturverzeichnis bilden den Aufbau.
Anfänge, Fiktion und Romanformen
Zu Beginn behandelt Bode, was Leserinnen und Leser bei einem Roman erwarten können. Er berücksichtigt den Anfang und den Sinn eines Romans, soziokulturelle Konventionen und Spielregeln sowie die Methoden, mit denen einzelne Ereignisse verknüpft werden. Dabei ist auch wichtig, wie diese Elemente zusammenwirken und wie ein Roman seine Leserinnen und Leser einbindet. Die ersten Sätze einer Erzählung haben hierfür eine besondere Funktion.
Das Buch beschreibt außerdem die historische Entstehung des neuzeitlichen europäischen Romans anhand von Belegen und Beispielen. Es erläutert und grenzt die Begriffe Fakt und Fiktion voneinander ab. Ebenso unterscheidet es erzählte Fiktion, Illusion und erzählten Realismus. Anschließend wird die Vielfalt der entstandenen Romanarten umrissen.
Werkzeuge der Romananalyse
Gegenstand jeder Romananalyse ist das „Wie des Was“: Nicht nur der erzählte Stoff zählt, sondern ebenso die Art, in der er vermittelt wird. Das Buch bereitet diese Analyse mit einer Übersicht zentraler Begriffe vor, die unterschiedliche Narratologen verwenden. Berücksichtigt werden Gérard Genette, Seymour Chatman, Mieke Bal, Shlomith Rimmon-Kenan, Gerald Prince und Franz Karl Stanzel.
Ein wichtiger Bereich ist die Zeit. Erzählzeit bezeichnet ungefähr die Zeit, die ein Leser zum Lesen benötigt; erzählte Zeit ist die Zeitspanne, die der Roman abdeckt. Ihr Verhältnis heißt Erzähltempo oder Erzählgeschwindigkeit und wird als Erzählzeit ÷ erzählte Zeit angegeben. Der Erzähler kann dieses Tempo innerhalb eines Romans verändern: Verlangsamung signalisiert, dass ein Moment wichtig ist und länger dargestellt wird; Beschleunigung kann ein Nachlassen der Bedeutung anzeigen.
Zur Zeitgestaltung gehören auch Ordnung und Frequenz. Ordnung meint die Reihenfolge der erzählten Ereignisse: Sie kann der natürlichen zeitlichen Abfolge folgen oder eine Anachronie sein. Eine Prolepse ist ein Vorgriff, eine Analepse eine Rückblende. Frequenz bedeutet, dass identische oder gleiche Ereignisse wiederholt erzählt werden. Das Kapitel behandelt außerdem die Bedeutung verschiedener Tempusformen.
Figuren und Erzählsituation
Bode untersucht die Konzeption und Zeichnung von Figuren. „Figur“ wird dabei weit verstanden und kann eine Person, einen Protagonisten oder ein Wesen meinen. Die Gestaltung von Figuren ist ein Bestandteil der Frage, wie ein Roman seinen Inhalt erzeugt.
Das längste Kapitel des Buches, das mehr als ein Viertel seines Umfangs einnimmt, widmet sich der Erzählsituation. Es erklärt, vergleicht und kommentiert zwei einflussreiche Modelle: Franz K. Stanzels Typenkreis, den Bode als „germanische Rosette“ bezeichnet, und Gérard Genettes Erzähltheorie, die als „gallische Taxonomie“ erscheint. Beide Modelle dienen dazu, genauer zu bestimmen, wer erzählt und wie die Vermittlung der Geschichte organisiert ist.
Daran schließen Multiperspektivität, Unzuverlässigkeit und Gender an. Multiperspektivisches Erzählen wird in seinen Aspekten und Deutungsmöglichkeiten behandelt. Unzuverlässiges Erzählen liegt vor, „wenn der Leser begründeten Anlass hat, einer Erzählung zu misstrauen“; das Buch betont jedoch die Schwierigkeit, dies objektiv zu definieren. Zudem beleuchtet es das Geschlecht beziehungsweise Gender der Erzählung, der Erzählinstanz und der erzählenden Person.
Symbolik, Raum und Zukunft des Romans
Symbolik wird als Herausforderung der Analyse dargestellt: Auffällige Elemente müssen erkannt und „decodiert“ werden. Dabei ist Symbolik nicht nur im engen Sinn eines Symbols gemeint. Auch Allegorien, Metaphern und Metonymien gehören zu möglichen Formen. Entscheidend ist die Frage, warum der Erzähler gerade diese Darstellungsweise gewählt hat.
Der Begriff Raum bezieht sich auf „semantisierte Räume“. Das sind in der Handlung beschriebene Örtlichkeiten wie Natur, Städte oder Räume, die nicht nur für ihre gewöhnliche Bedeutung stehen. Sie können vom Erzähler parallel zu einer Figur oder zu deren Situation angelegt sein und dadurch zusätzliche Bedeutung tragen.
Im Schlusskapitel untersucht Bode Formen der Anwesenheit oder Abwesenheit von Erfahrung(en) in Bezug auf die Geschichte des Erzählers. Er behandelt Sinnorientierungen und Versuche der Sinnstiftung in Romanen. Abschließend fragt er nach der Zukunft des Romans angesichts stärkerer Konkurrenz visueller Medien gegenüber Printmedien, etwa TV, Kinofilm auf VHS oder DVD sowie audiovisueller Angebote im Internet.
Der Anhang enthält eine kommentierte Basisbibliothek Romananalyse mit 16 referenzierten Titeln zu Erzähltheorie, Perspektivenstruktur, Erzähltextanalyse und Romantheorie. Das Literaturverzeichnis umfasst knapp 400 Literaturverweise auf 30 Seiten.