Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Analepse
Aufbauende Rückwendung: Nach einem direkten, plötzlichen Einstieg wird im Nachhinein erzählt, wie es zu dieser Situation gekommen ist. · Auflösende Rückwendung: …
Begriff und Funktion
Eine Analepse, auch Rückblende, Rückwendung oder Retrospektive genannt, ist eine Erzähltechnik in Literatur sowie Film- und Fernsehproduktionen. Dabei werden Ereignisse erst nachträglich erzählt, obwohl sie zeitlich vor dem bisher Erzählten stattgefunden haben oder stattgefunden haben müssten.
Die Analepse gehört zum anachronischen Erzählen, also zu einer Erzählweise, die die zeitliche Reihenfolge der Ereignisse verändert. Ihr Gegenstück ist die Prolepse; im Film wird dieses Gegenstück auch Vorausblende genannt.
Rückwendungen in der Literatur
Der Literaturwissenschaftler Eberhard Lämmert verwendet den Begriff „Rückwendung“, Gérard Genette den Begriff „Analepse“; beide meinen dasselbe. Lämmert unterscheidet zwei Arten:
- Aufbauende Rückwendung: Nach einem unmittelbaren, plötzlichen Einstieg wird nachträglich erzählt, wie die dargestellte Situation entstanden ist. Sie steht häufig am Beginn einer Erzählung und heißt dann auch „offener Einstieg“.
- Auflösende Rückwendung: Nach einer längeren Erzählung wird ein zeitlich früheres Ereignis berichtet. Dadurch wird das bisher Erzählte neu verstanden.
Ein Beispiel für eine auflösende Rückwendung ist Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“: Erst am Ende zeigt sich, dass Figuren aus eigentlich rivalisierenden Religionen miteinander verwandt sind und als Kinder getrennt wurden. Auch die klassische Auflösung eines Krimis ist eine auflösende Rückwendung.
Rückblenden im Film
Damit Zuschauende eine Rückblende erkennen, wird sie im Film oft optisch von der übrigen Handlung abgesetzt, etwa durch Schwarzweiß, eine andere Farbgebung, veränderte Schärfe oder Belichtung.
Filme mit Rückblenden sind unter anderem „Casablanca“ (1942) mit Rick und Ilsa in Paris, „Goldenes Gift“ (1947) mit Jeff Markhams Liaison mit Kathie Moffat, „Die Rechnung ging nicht auf“ (1956) mit mehreren Handlungsanfängen aus verschiedenen Figurenperspektiven und „Hiroshima, mon amour“ (1959) mit den Szenen in Nevers. In „Schießen Sie auf den Pianisten“ (1960) wird von der Zeit erzählt, als Charlie Kohler Konzertpianist Edouard Saroyan war und mit Thérésa verheiratet war. In „Fight Club“ (1999) ist beinahe der gesamte Film eine Rückblende nach der Szene im Hochhaus.