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Der Große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918
Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918 ist eine Monografie des Politikwissenschaftlers Herfried Münkler, die sich mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt.
Inhalt6 Abschnitte
Werk und Bedeutung
„Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918“ ist eine Monografie des Politikwissenschaftlers Herfried Münkler über den Ersten Weltkrieg. Sie erschien erstmals am 6. Dezember 2013 bei Rowohlt. Münkler verfolgt den Anspruch, den Krieg umfassend darzustellen und zugleich als politische Herausforderung zu untersuchen.
Das Buch beginnt mit der politischen Ausgangslage und reicht bis zum Ende der Kampfhandlungen. Der Erste Weltkrieg erscheint darin als „Werkstatt“ zahlreicher Technologien, Strategien und Ideologien, deren Wirkungen bis in die Gegenwart reichen. Dazu zählt Münkler die durchgeplante Kriegsführung, die propagandistische Mobilmachung, übersteigerten Nationalismus und imperiales Machtstreben. Im Januar 2014 erreichte das Buch Platz 1 der „Sachbücher des Monats“; bis Anfang Mai 2014 wurden 50.000 Exemplare verkauft.
Kriegführung und Gesellschaft
Münkler beschreibt die militärischen Strategien der beteiligten Kriegsparteien und den Einsatz neuer Waffen. Behandelt werden unter anderem Maschinengewehre, U-Boote und Giftgas. Neben den militärischen Ereignissen untersucht er die soziale Lage in den vom Krieg betroffenen Ländern.
Besonders ausführlich geht das Buch auf die Rolle der Intellektuellen in den damaligen Kriegsdiskussionen ein. Damit verbindet Münkler die militärische Geschichte mit gesellschaftlichen und ideologischen Entwicklungen.
Ursachen und Verantwortung
Die Schuld am Kriegsausbruch weist Münkler keiner einzelnen Kriegspartei zu. Entscheidend sei vielmehr ein komplexes Zusammenwirken mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärkten. Das Attentat von Sarajevo bewertet er dabei lediglich als entscheidenden Auslöser.
Nach seiner Darstellung fühlten sich die späteren Alliierten vom wirtschaftlich aufstrebenden Deutschland bedroht. Deshalb verbündeten sich das Vereinigte Königreich, Frankreich und Russland. Im Deutschen Kaiserreich verstärkte dies wiederum die Furcht vor einer Einkreisung.
Münkler sieht keinen zwingenden Weg in den Krieg, benennt aber Verantwortliche. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sei nicht fähig gewesen, den impulsiven Kaiser Wilhelm II. zu mäßigen. Als verhängnisvoll bewertet er außerdem die Haltung des deutschen Generalstabs, der vor allem militärisch und nicht politisch dachte. Seine Überlegungen zur Kriegsschuld ähneln denen Christopher Clarks in „Die Schlafwandler“, das die Verantwortung der Beteiligten vor dem Krieg neu bewertet. Gelegentlich arbeitet Münkler mit kontrafaktischer Geschichtsschreibung, also mit Überlegungen dazu, wie die Geschichte unter veränderten Bedingungen hätte verlaufen können.
Gegenwartsbezug
Am Ende des Buches versucht Münkler, aus den Ereignissen des Ersten Weltkriegs Lehren abzuleiten und auf die politische Situation des Jahres 2013 zu übertragen. Dabei vergleicht er die Lage der Volksrepublik China mit der des Deutschen Kaiserreichs. Der Krieg wird somit nicht nur als historisches Ereignis, sondern auch als Modell für die Untersuchung politischer Herausforderungen behandelt.
Kritische Aufnahme
Das Feuilleton besprach das Buch überwiegend sehr positiv. Martin Hubert bezeichnete es im Deutschlandfunk als Werk, das „mehr als nur historische Aufmerksamkeit verdient“. Er fand es zwar „nicht immer flüssig“ geschrieben, aber verständlich. Cord Aschenbrenner lobte in der „Neuen Zürcher Zeitung“ die gute Lesbarkeit, den „zivilen Stil“ und den kenntnisreichen Zugriff; er nannte das Buch ein „umfassendes Standardwerk“.
Unter Historikern fiel die Bewertung kritischer aus. Christian Th. Müller und Alan Kramer lobten die Darstellung, beanstandeten aber die starke Konzentration auf das Deutsche Reich. Kramer hob besonders die klare Schilderung der militärischen Ereignisse an der Westfront hervor, bemängelte jedoch, dass Bulgarien und das Osmanische Reich kaum vorkämen. Hans Rudolf Wahl verstand das Werk weniger als Gesamtdarstellung denn als „politikwissenschaftliche Modellanalyse am historischen Beispiel des Ersten Weltkriegs“. Rudolf Walther urteilte dagegen grundsätzlich ablehnend und warf Münkler vereinfachende Zahlenberechnungen und spekulative Geopolitik vor.
Ausgaben
Die Erstausgabe erschien als „Herfried Münkler: Der Große Krieg: Die Welt 1914 bis 1918“, Rowohlt, Berlin 2013, ISBN 978-3871347207. Eine weitere Ausgabe wurde 2014 in Bonn als Band 1438 der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht.