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Demokratieindex (The Economist)
Laut dem Demokratieindex 2024 hat sich die weltweite Lage im Vergleich zum Vorjahr mit einem Minus von 0,06 auf 5,17 verschlechtert. Demnach leben derzeit 42,5 …
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Gegenstand und Zweck
Der Demokratieindex (englisch Democracy Index) ist ein von der britischen Zeitschrift The Economist berechneter Index. Er misst den Grad der Demokratie in 167 Staaten. Der Index wurde erstmals 2006 erstellt und wird seit 2010 jährlich veröffentlicht; der Demokratieindex 2025 erschien im April 2026.
Bewertet werden fünf Bereiche: Wahlprozess und Pluralismus, Funktionsweise der Regierung, politische Teilhabe, politische Kultur und Bürgerrechte. Aus den Ergebnissen wird für jedes Land ein Wert zwischen 0 und 10 berechnet. Danach wird es als vollständige Demokratie, unvollständige Demokratie, Hybridregime oder autoritäres Regime eingeordnet. Hybridregime sind Mischformen aus demokratischen und autoritären Elementen; autoritäre Regime werden umgangssprachlich auch als Diktaturen bezeichnet.
Deutschland, Österreich und die Schweiz zählen im Artikel zu den vollständigen Demokratien. Die Vereinigten Staaten, Indien und Brasilien gelten als unvollständige Demokratien. Mexiko, die Türkei und die Ukraine werden als Hybridregime eingeordnet. China, Russland und Iran gelten als autoritäre Regime. Einige Staaten fehlen, weil sie sehr klein, gescheitert oder De-facto-Staaten ohne Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen sind; Beispiele sind Liechtenstein, Somalia und Kosovo.
Der Index ist eine von mehreren Demokratieskalen. Vergleichbare Messungen stammen unter anderem von V-Dem, dem Bertelsmann Transformation Index und Freedom House.
Methodik und Bewertung
Der Index beruht auf 60 Fragen. Jede Frage hat zwei oder drei Antwortmöglichkeiten. Eine Antwort wird mit 1 Punkt, eine andere mit 0 Punkten bewertet; bei drei Möglichkeiten kann eine Antwort 0,5 Punkte erhalten. Die meisten Antworten beruhen auf Expertenurteilen. The Economist legt jedoch nicht offen, wie viele und welche Experten einbezogen werden. Einige Antworten stammen aus öffentlichen Umfragen. Fehlen Umfragedaten, werden Ergebnisse vergleichbarer Länder und Expertenurteile verwendet.
Die fünf Bewertungsbereiche sind:
- Wahlprozess und Pluralismus: Untersucht wird etwa, ob Wahlen frei und gerecht sind. Die Antwortmöglichkeiten können dafür 1, 0,5 oder 0 Punkte ergeben.
- Funktionsweise der Regierung: Bewertet wird beispielsweise, ob frei gewählte Abgeordnete über die Regierungspolitik bestimmen.
- Politische Teilhabe: Ein Beispiel ist der Anteil der Staatsbürger, die laut World Health Survey Politik in Radio, Fernsehen oder Zeitungen verfolgen. Über 50 % entsprechen 1 Punkt, 30 % bis 50 % 0,5 Punkte und unter 30 % 0 Punkte.
- Politische Kultur: Bewertet wird unter anderem, ob ein ausreichender gesellschaftlicher Konsens eine stabile und funktionierende Demokratie stützt.
- Bürgerrechte: Eine Beispiel-Frage lautet, ob der Staat Folter anwendet. Wird keine Folter angewandt, gibt es 1 Punkt; bei Anwendung 0 Punkte.
Für jeden Bereich werden die Punkte addiert, mit 10 multipliziert und durch die Zahl der Fragen in diesem Bereich geteilt. Der Gesamtindex ist der Durchschnitt der fünf Bereichswerte. Die Einteilung lautet: vollständige Demokratie 8,01 bis 10,00 Punkte, unvollständige Demokratie 6,01 bis 8,00 Punkte, Hybridregime 4,01 bis 6,00 Punkte und autoritäres Regime 0,00 bis 4,00 Punkte.
Die Einordnung erfolgt auf einer linearen Skala von sehr demokratisch bis sehr undemokratisch beziehungsweise von kaum diktatorisch bis sehr diktatorisch. Laut Artikel schneiden parlamentarische Monarchien in den aktuellen Indexen ungewöhnlich gut ab, obwohl ihre Monarchen nicht vom Volk gewählt werden. In gefährlichen Staaten mit sehr begrenzten Informationen sind die Werte besonders ungenau. Insgesamt korrelieren die Ergebnisse gut mit den gröberen Kategorien frei, teilweise frei und nicht frei von Freedom House.
Definitionen der Regime-Typen
Vollständige Demokratien sind Staaten, in denen bürgerliche Freiheiten und politische Grundfreiheiten respektiert und durch eine politische Kultur gestärkt werden, die demokratische Prinzipien unterstützt. Sie verfügen über staatliche Kontrolle, eine unabhängige und durchsetzungsfähige Justiz, angemessen funktionierende Regierungen sowie vielfältige und unabhängige Medien. Probleme mit dem demokratischen Funktionieren sind nur begrenzt.
Unvollständige Demokratien haben faire und freie Wahlen und wahren grundlegende bürgerliche Freiheiten. Es kann jedoch beispielsweise Verletzungen der Medienfreiheit sowie eine geringfügige Unterdrückung politischer Opposition und von Kritikern geben. Weitere Mängel können eine unterentwickelte politische Kultur, eine geringe politische Beteiligung und Probleme bei der Regierungsführung sein.
Hybride Regime sind durch regelmäßige Wahlbetrügereien gekennzeichnet, die faire und freie Demokratien verhindern. Typisch sind Druck auf die politische Opposition, nicht unabhängige Justizbehörden, weit verbreitete Korruption, Belästigung und Druck auf Medien sowie eine schwache Rechtsstaatlichkeit. Auch politische Kultur, politische Beteiligung und Regierungsführung weisen meist deutlichere Mängel auf als in unvollständigen Demokratien.
Autoritäre Regime haben keinen oder nur stark eingeschränkten politischen Pluralismus. Sie sind häufig absolute Monarchien oder Diktaturen und können demokratische Institutionen besitzen, die jedoch nur geringe Bedeutung haben. Verstöße gegen bürgerliche Freiheiten, unfaire oder nicht freie Wahlen, staatlich kontrollierte Medien, eine nicht unabhängige Justiz, Zensur und die Unterdrückung von Regierungskritik sind dort an der Tagesordnung.
Ergebnisse und Entwicklungen
Im Demokratieindex 2025 lagen unter den ersten sechs Plätzen alle fünf skandinavischen Staaten: Norwegen auf Platz 1 mit 9,81 Punkten, Dänemark auf Platz 3 mit 9,42, Island auf Platz 4 mit 9,38, Finnland auf Platz 5 mit 9,37 und Schweden auf Platz 6 mit 9,35. Neuseeland belegte Platz 2 mit 9,62 Punkten. Deutschland lag mit 8,73 Punkten auf Platz 16, Österreich mit 8,42 auf Platz 17 und die Schweiz mit 9,32 auf Platz 8. Auf den letzten drei Plätzen standen Nordkorea mit 1,08, Myanmar mit 0,96 und Afghanistan mit 0,25 Punkten.
Für 2024 nennt der Artikel eine Verschlechterung der weltweiten Lage um 0,06 auf 5,17 Punkte. 42,5 % der Weltbevölkerung lebten demnach in einer Demokratie; nur 15 % lebten in einer vollständigen Demokratie. 35,9 % lebten in einer Diktatur.
Die ausführlichen Jahresangaben zeigen folgende Entwicklung:
- 2021 war Norwegen mit 9,75 Punkten Spitzenreiter und Afghanistan mit 0,32 Punkten Schlusslicht. 74 Staaten galten als Demokratien, darunter 21 vollständige und 53 unvollständige; 34 waren Hybridregime und 59 autoritäre Regime. 45,7 % der Weltbevölkerung lebten in einer Demokratie. Als wichtigste Rückschritte nennt der Artikel die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und den Militärputsch in Myanmar. Die größte positive Entwicklung verzeichnete Sambia nach dem demokratischen Machtwechsel und der Abwahl von Edgar Lungu.
- 2020 führte Norwegen mit 9,81 Punkten; Nordkorea lag mit 1,08 Punkten am Ende. Es gab 23 vollständige und 52 unvollständige Demokratien, 35 Hybridregime und 57 autoritäre Regime. 49,4 % der Weltbevölkerung lebten in einer Demokratie.
- 2019 lag Norwegen mit 9,87 Punkten vorn, Nordkorea mit 1,08 Punkten hinten. Die Verteilung umfasste 22 vollständige, 54 unvollständige, 37 hybride und 54 autoritäre Regime.
- 2018 führte ebenfalls Norwegen mit 9,87 Punkten; Nordkorea erreichte 1,08 Punkte. Es wurden 20 vollständige, 55 unvollständige, 39 hybride und 53 autoritäre Regime gezählt.
Bei einzelnen Staaten zeigt die Zeitreihe deutliche Verschiebungen. Die Vereinigten Staaten sanken von 7,96 Punkten 2018 und 2019 über 7,92 im Jahr 2020 und 7,85 im Jahr 2021 auf 7,65 im Jahr 2025. Taiwan stieg von 7,73 Punkten 2018 und 2019 auf 8,94 im Jahr 2020 und erreichte 8,78 im Jahr 2025. Für einzelne Länder werden im Jahr 2025 Spannweiten angegeben, etwa 7,86–7,95 für Malta, 6,16–6,19 für Singapur und 2,46–2,54 für Bahrain.
Regimeverteilung und Regionen
Die Übersicht nach Regime-Typen zeigt, dass autoritäre Regime in allen aufgeführten Jahren einen großen Anteil ausmachen. 2023 wurden 24 vollständige Demokratien, 50 unvollständige Demokratien, 34 Hybridregime und 59 autoritäre Regime gezählt. Das entsprach 14,4 %, 29,9 %, 20,4 % und 35,3 % der untersuchten Länder. Bezogen auf die Weltbevölkerung entfielen 7,8 %, 37,6 %, 15,2 % und 39,4 % auf diese vier Kategorien.
2022 waren es 24, 48, 36 und 59 Staaten; 2021 21, 53, 34 und 59; 2020 23, 52, 35 und 57; 2019 22, 54, 37 und 54; 2018 20, 55, 39 und 53. Für 2006 weist die Tabelle 28 vollständige, 53 unvollständige, 31 hybride und 55 autoritäre Regime aus. Einige kleinere Staaten wurden nicht untersucht; ihre Gesamtbevölkerung ist im Vergleich zur geschätzten Weltbevölkerung jedoch beinahe irrelevant.
Die Regionalwerte sind ungewichtete Durchschnittswerte und berücksichtigen die sehr unterschiedlichen Staatengrößen nicht. Deshalb ist ihre Aussagekraft eingeschränkt. 2023 lag Mittel- und Westeuropa mit 8,37 Punkten an erster Stelle, gefolgt von Nordamerika mit 8,27. Es folgten Lateinamerika und die Karibik mit 5,68, Asien und Australasien mit 5,41 sowie Osteuropa mit 5,37. Subsahara-Afrika erreichte 4,04, der Nahe Osten und Nordafrika 3,23. Der Gesamtdurchschnitt der 167 Staaten betrug 5,23 Punkte. In der Zeitreihe sank der Gesamtdurchschnitt von 5,52 im Jahr 2006 über 5,48 im Jahr 2018, 5,44 im Jahr 2019, 5,37 im Jahr 2020, 5,28 im Jahr 2021 und 5,29 im Jahr 2022 auf 5,23 im Jahr 2023.