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Demografie Südkoreas

Dadurch vollzog sich im Land einen der schnellsten demografischen Übergänge aller Zeiten. Südkorea hat seit den 1990er Jahren mit einer sehr niedrigen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bevölkerung und demografischer Wandel
  2. 2. Geburtenrückgang und Alterung
  3. 3. Geburten, Todesfälle und Bevölkerungsrückgang
  4. 4. Ethnische Zusammensetzung, Sprachen und Religion
  5. 5. Urbanisierung
  6. 6. Gesundheit und Lebenserwartung

Bevölkerung und demografischer Wandel

Südkorea hatte 2024 etwa 51,8 Millionen Einwohner und stand damit weltweit auf Platz 28. Es gehört zugleich zu den am dichtesten besiedelten Ländern. Im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung stark; gleichzeitig wandelte sich das Land durch Industrialisierung und Urbanisierung von einer Agrar- zu einer Industriegesellschaft. Dieser demografische Übergang – der Wandel von hohen Geburten- und Sterberaten zu niedrigen Raten – verlief besonders schnell.

Seit den 1990er Jahren ist die Geburtenrate sehr niedrig. 2018 wurden ungefähr 325.000 Kinder geboren und die Fertilitätsrate sank unter ein Kind pro Frau. Die Fertilitätsrate bezeichnet die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommt. Bleibt die Entwicklung bestehen, könnte die Bevölkerung nach einer Annahme der UNDESA gegen Ende des 21. Jahrhunderts auf knapp 20 Millionen Menschen schrumpfen.

Die erste offizielle Volkszählung von 1949 erfasste 20.188.641 Einwohner. Bis zur Volkszählung von 1985 hatte sich die Bevölkerung auf 40.466.577 mehr als verdoppelt. Das jährliche Wachstum betrug von 1949 bis 1955 durchschnittlich etwa 1,1 %, stieg zwischen 1955 und 1966 auf 2,8 % und sank von 1966 bis 1985 auf 1,7 %. Danach fiel es unter 1 %. Zum 1. Januar 1989 wurde die Einwohnerzahl auf ungefähr 42,2 Millionen geschätzt.

Geburtenrückgang und Alterung

Mit dem sinkenden Bevölkerungswachstum veränderte sich die Altersstruktur. Der Anteil der unter 15-Jährigen betrug 1955 etwa 41,2 %, erreichte 1966 43,5 % und sank anschließend auf 38,3 % im Jahr 1975, 34,2 % im Jahr 1980 und 29,9 % im Jahr 1985. Das Durchschnittsalter stieg zwischen 1960 und 1980 von 18,7 auf 21,8 Jahre. Dadurch näherte sich die Altersstruktur dem eher säulenförmigen Muster entwickelter Länder an.

Der Rückgang nach 1966 hing unter anderem mit staatlichen und nichtstaatlichen Familienplanungsprogrammen zusammen. Die Regierung unter Park Chung Hee führte ein landesweites Programm ein, weil sie Nachteile des schnellen Bevölkerungswachstums für die Wirtschaft befürchtete. Zu den weiteren Ursachen gehörten Urbanisierung, ein höheres Heiratsalter, bessere Bildung, mehr erwerbstätige Frauen und verbesserte Gesundheitsstandards. In den späten 1980er Jahren wurden Verhütungsmittel und Informationen angeboten sowie Sterilisationen durch Zuschüsse und Vergünstigungen gefördert. 1984 wurden 502.000 Menschen sterilisiert, nach 426.000 im Vorjahr. Das Gesetz über Mütter- und Kindergesundheit von 1973 legalisierte Abtreibungen. Ab 1983 schränkte die Regierung außerdem Leistungen und Steuervergünstigungen für größere Familien ein.

Die traditionelle Bevorzugung von Söhnen erschwerte die Familienplanung. Eltern erwarteten von Söhnen häufig die Versorgung im Alter und die Weiterführung des Familiennamens. Dass deutlich mehr Jungen als Mädchen geboren wurden, deutet laut Artikel auf Fälle geschlechtsselektiver Abtreibung hin.

Die Fertilitätsrate sank von 6,1 Kindern je Frau im Jahr 1960 auf 4,2 im Jahr 1970, 2,8 im Jahr 1980 und 2,4 im Jahr 1984. Zwischen 2005 und 2010 lag sie nach Angaben der Vereinten Nationen bei 1,21 und damit weit unter dem Ersatzwert von 2,1 Kindern je Frau, der langfristig für eine stabile Bevölkerungszahl nötig wäre. Als Gründe gelten hohe städtische Immobilienpreise, lange Arbeitszeiten, wirtschaftlicher Druck und die Benachteiligung von Müttern auf dem Arbeitsmarkt. Frauen bekommen ihr erstes Kind durchschnittlich erst mit 31 Jahren. Bisher brachten staatliche Gegenmaßnahmen keine Wende. Bei unveränderten Trends könnte das Medianalter – das Alter, das eine Bevölkerung in zwei gleich große Hälften teilt – bis 2050 auf etwa 54 Jahre steigen. Die Alterung belastet die sozialen Sicherungssysteme und kann das Wirtschaftswachstum einschränken.

Geburten, Todesfälle und Bevölkerungsrückgang

Die langfristige Statistik zeigt den Übergang von starkem natürlichem Wachstum zu einem Bevölkerungsrückgang. 1925 lebten 12.997.611 Menschen im Gebiet; es gab 558.897 Geburten und 359.042 Todesfälle. Die Geburtenrate betrug 43,0 und die Sterberate 27,6 je 1.000 Einwohner, die Fertilität 5,95 Kinder je Frau.

Um 1960 erreichten die Geburten besonders hohe Werte: Bei 25.012.374 Einwohnern wurden 1.080.535 Geburten und 285.350 Todesfälle registriert. Die natürliche Veränderung – Geburten minus Todesfälle – lag bei 795.185 Menschen beziehungsweise 31,8 je 1.000 Einwohner. Danach gingen Geburtenrate und Fertilität langfristig stark zurück. Die Fertilität fiel von 6,16 im Jahr 1960 auf 2,82 im Jahr 1980, 1,47 im Jahr 2000 und 0,98 im Jahr 2018.

2019 gab es bei 51.709.098 Einwohnern noch 302.676 Geburten und 295.132 Todesfälle; der natürliche Zuwachs betrug nur 7.544. Im Jahr 2020 überstieg die Zahl der Todesfälle erstmals in der Tabelle die Zahl der Geburten: 272.410 Geburten standen 305.127 Todesfällen gegenüber, also eine Veränderung von −32.717. Der Rückgang verstärkte sich bis 2022 auf −123.614. Im Jahr 2023 lebten 51.430.018 Menschen im Land; 229.971 Geburten standen 352.721 Todesfällen gegenüber. Die natürliche Veränderung betrug −122.750 beziehungsweise −2,4 je 1.000 Einwohner, die Fertilitätsrate nur noch 0,72.

Ethnische Zusammensetzung, Sprachen und Religion

Die Gesellschaft ist ethnisch relativ homogen: 96 % der Bevölkerung sind Koreaner. Gemeinsame Sprache und ethnische Zugehörigkeit gelten als wichtige Bestandteile der Identität. Wegen Arbeitskräftemangels und Alterung öffnet sich das Land zunehmend für Einwanderung, obwohl die Bestimmungen besonders für Nicht-Asiaten streng bleiben. Die Zahl registrierter Ausländer stieg von etwa 469.000 im Jahr 2004 auf 1,1 Millionen im Jahr 2014. Die größte ausländische Gruppe stammt aus der Volksrepublik China; 2016 waren es 1.016.607 Personen. Weitere große Gruppen kamen unter anderem aus Vietnam, den Vereinigten Staaten und Thailand. Vor seiner wirtschaftlichen Entwicklung war Südkorea vor allem ein Auswanderungsland; eine große koreanische Diaspora lebt insbesondere in den Vereinigten Staaten.

Koreanisch ist die Muttersprache der großen Mehrheit. Englisch wird an öffentlichen und privaten Schulen als Fremdsprache unterrichtet. Die allgemeinen Englischkenntnisse gelten im Vergleich zu anderen Industrieländern als relativ gering, sind bei jüngeren Menschen aber deutlich besser. Eine chinesische Minderheit spricht Mandarin und Kantonesisch. Manche ältere Menschen können noch Japanisch, das während der japanischen Herrschaft von 1905 bis 1945 Amtssprache war.

Religiös wirkten historisch Schamanismus, Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus; durch westliche Missionare gewann das Christentum an Bedeutung. 2015 waren 27,6 % der Bevölkerung Christen, darunter 19,7 % Protestanten und 7,9 % Katholiken. 15,5 % waren Buddhisten. 56,9 % hatten keine Religion oder praktizierten Konfuzianismus beziehungsweise Daoismus. Südkorea zählt damit zu den am stärksten säkularisierten Ländern.

Urbanisierung

Die Abwanderung vom Land ließ die Städte schnell wachsen. Bis in die 1970er Jahre war Südkorea überwiegend eine Agrargesellschaft; heute gehört es zu den am stärksten urbanisierten Ländern. Der Anteil der Stadtbevölkerung stieg von 27,71 % im Jahr 1960 auf 40,70 % im Jahr 1970, 56,72 % im Jahr 1980, 73,84 % im Jahr 1990 und 79,62 % im Jahr 2000. Er erreichte 81,94 % im Jahr 2010 und lag 2023 bei 81,00 %.

Knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt im Einzugsgebiet der Hauptstadt Seoul. Wegen des begrenzten Raums wohnt ein großer Teil der Menschen in Appartementblocks in den Vorstädten.

Gesundheit und Lebenserwartung

Die Gesundheitssituation verbesserte sich deutlich. Die Lebenserwartung stieg von 23,5 Jahren im Jahr 1908 auf 46,7 Jahre im Jahr 1950. Für 1950–1955 betrug sie 47,9 Jahre, für 1985–1990 bereits 70,3 Jahre und für 2010–2015 81,3 Jahre. Im Jahr 2016 lag Südkorea bei der Lebenserwartung weltweit auf Platz 11. Einer Prognose zufolge soll es bis 2032 das Land mit der höchsten Lebenserwartung werden: 84 Jahre für Männer und 92 Jahre für Frauen.

Die HIV/AIDS-Prävalenz – der Anteil infizierter Menschen an der Bevölkerung – liegt bei nur 0,1 %. Auch die Kindersterblichkeit und der Anteil stark übergewichtiger Menschen sind niedrig; Letzterer beträgt 4,7 %. Dagegen gehören Raucheranteil und Alkoholkonsum pro Kopf zu den höchsten weltweit. Suizid ist besonders unter jungen Menschen ein schwerwiegendes Problem. 2015 hatte Südkorea mit 25,8 Todesfällen je 100.000 Personen die zweithöchste Suizidrate innerhalb der OECD.

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