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Dekolonisierung Amerikas

Die Dekolonisierung Amerikas bezeichnet den Prozess, während dessen die Länder in Nordamerika und Südamerika ihre Unabhängigkeit errangen. Länder in Amerika …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und erste Unabhängigkeiten
  2. 2. Spanische und portugiesische Kolonien
  3. 3. Kanadas schrittweise Selbstständigkeit
  4. 4. Unabhängigkeiten im 20. Jahrhundert
  5. 5. Fortbestehende abhängige Gebiete

Begriff und erste Unabhängigkeiten

Die Dekolonisierung Amerikas bezeichnet den Prozess, in dessen Verlauf die Länder Nord- und Südamerikas ihre Unabhängigkeit von europäischen Kolonialmächten oder anderen Staaten errangen. Der Prozess verlief nicht einheitlich: Manche Länder erkämpften ihre Unabhängigkeit in Kriegen, andere erhielten sie durch Verhandlungen, Anerkennungen oder schrittweise Übertragung politischer Zuständigkeiten. Die Unabhängigkeitserklärung, ihre Anerkennung und die tatsächliche staatliche Souveränität konnten dabei zu unterschiedlichen Zeitpunkten liegen.

Die Vereinigten Staaten waren das erste unabhängige Land Amerikas. Sie erklärten am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit vom Königreich Großbritannien; anerkannt wurde sie durch den Frieden von Paris am 3. September 1783. Die Vereinigten Staaten erreichten ihre volle territoriale Ausdehnung jedoch erst 1867. Große Teile des späteren Staatsgebiets standen zunächst unter der Kontrolle anderer Mächte: Florida wurde 1810 direkt von Spanien übernommen, Kalifornien gehörte zwischenzeitlich zum unabhängigen Mexiko, und Texas war vor seiner Annexion durch die USA am 19. Februar 1845 zunächst eine eigenständige Republik. Große Gebiete kamen durch den Louisiana Purchase von Frankreich an die USA. Alaska war vom 18. Jahrhundert bis 1867 als Russisch-Amerika eine Kolonie des Russischen Zarenreichs und wurde anschließend im Alaska Purchase an die Vereinigten Staaten verkauft.

Haiti wurde im Zusammenhang mit der Französischen Revolution zum zweiten unabhängigen Staat der westlichen Hemisphäre. 1791 begann dort ein Aufstand versklavter Menschen. Jean-Jacques Dessalines erklärte Haiti am 1. Januar 1804 zur freien Republik. Nach Darstellung des Artikels ist Haiti das einzige Land der westlichen Hemisphäre, in dem ein Sklavenaufstand unmittelbar zur Freiheit führte. Frankreich erkannte die Unabhängigkeit 1825 unter König Karl X. an.

Spanische und portugiesische Kolonien

Die spanischen Kolonien Südamerikas wurden im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts während der Südamerikanischen Unabhängigkeitskriege unabhängig. Zu den wichtigsten Anführern gehörten Simón Bolívar und José de San Martín. Bolívar wollte die spanischsprachigen Gebiete politisch zusammenhalten; sie wurden jedoch rasch zu mehreren Staaten, und es folgten weitere Kriege, darunter der Tripel-Allianz-Krieg und der Salpeterkrieg.

Während der Napoleonischen Kriege auf der Iberischen Halbinsel beriefen Kreolen Parlamente ein, die im Namen des spanischen Königs Ferdinand VII. regieren sollten. Erfahrungen mit Selbstverwaltung sowie der Einfluss des Liberalismus, der Französischen Revolution und der Amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung verstärkten den Kampf um die Unabhängigkeit. Die sogenannten „Libertadores“ führten diese Kämpfe an. Unterstützung kam häufig vom Britischen Weltreich, das politischen Einfluss und Handel ohne das spanische Monopol anstrebte. In den 1810er Jahren setzte ein ähnlicher Prozess in den nord- und zentralamerikanischen spanischen Kolonien ein, insbesondere im Mexikanischen Unabhängigkeitskrieg und den damit verbundenen Kämpfen. 1898 besiegten die USA Spanien im Spanisch-Amerikanischen Krieg, besetzten Kuba und Puerto Rico und beendeten dadurch die spanische territoriale Kontrolle in Amerika.

Portugal teilte seine amerikanischen Kolonialgebiete im Gegensatz zu Spanien nicht in mehrere voneinander unabhängige Staaten auf. Die portugiesischen Kapitanate unterstanden einer zentralen Verwaltung in Salvador, die direkt der Krone in Lissabon berichtete. Daher spricht man in diesem Zusammenhang gewöhnlich von Brasilien und nicht von „Portugiesisch-Amerika“. Brasilien wurde 1822 unabhängig und zerfiel nicht in mehrere Staaten. Peter I., der später auch als Peter IV. König von Portugal wurde, proklamierte die Unabhängigkeit und wurde Brasiliens erster Kaiser. Die portugiesische Krone nahm die Unabhängigkeit im Großen und Ganzen friedlich auf; einzelne Guerillakämpfe zwischen portugiesischen Truppen und Zivilisten gab es dennoch. Portugal erkannte die Unabhängigkeit nach einer Entschädigung an.

Kanadas schrittweise Selbstständigkeit

Kanada entwickelte seine Unabhängigkeit schrittweise und überwiegend durch politische Verhandlungen. Am 1. Juli 1867 wurde es als Dominion Teil des Britischen Weltreichs. Das Dominion umfasste zunächst Ober- und Niederkanada, also das heutige südliche Ontario und Québec, sowie Nova Scotia und New Brunswick.

Weitere britische Kolonien schlossen sich später an: British Columbia 1871, Prince Edward Island 1873 und Neufundland 1949 nach dem Zweiten Weltkrieg. Großbritannien übertrug außerdem Rupert’s Land und das Nordwestterritorium 1870 sowie die arktischen Inseln 1880 an Kanada. Neufundland erhielt bereits am 26. September 1907 den Status eines Dominions und trat 1949 der kanadischen Konföderation bei. Zwei Versuche in Ober- und Niederkanada, 1837 und 1838 die Unabhängigkeit mit bewaffneten Mitteln zu erreichen, wurden von Großbritannien niedergeschlagen.

Von 1867 bis 1931 kontrollierte Großbritannien weiterhin die kanadische Außenpolitik. Das Statut von Westminster übertrug diese Kontrolle 1931 an Kanada. Für bestimmte Änderungen des Grundgesetzes war jedoch weiterhin die formale Zustimmung des britischen Parlaments erforderlich. Mit dem Kanada-Gesetz von 1982 wurde diese letzte formale gesetzgeberische Verbindung zum Mutterland beendet. Kanada erhielt damit die volle Unabhängigkeit von der königlichen Regierung in London und blieb Mitglied des Commonwealth of Nations.

Unabhängigkeiten im 20. Jahrhundert

Einige amerikanische Staaten erlangten ihre Unabhängigkeit erst im 20. Jahrhundert. Mehrere von ihnen wurden unabhängig von Großbritannien und blieben anschließend Mitglieder des Commonwealth of Nations:

  • Jamaika: 6. August 1962.
  • Trinidad und Tobago: 31. August 1962.
  • Guyana: 26. Mai 1966.
  • Bahamas: zunächst interne Selbstverwaltung 1964, vollständige Unabhängigkeit am 10. Juli 1973.
  • Belize, zuvor Britisch-Honduras: 21. September 1981.

Suriname wurde am 25. November 1975 von den Niederlanden unabhängig. Weitere in der Übersicht genannte Unabhängigkeiten sind Barbados am 30. November 1966, Grenada am 7. Februar 1974, Dominica am 3. November 1978, St. Lucia am 22. Februar 1979, St. Vincent und die Grenadinen am 27. Oktober 1979, Antigua und Barbuda am 1. November 1981 sowie St. Kitts und Nevis am 19. September 1983. Die Übersicht nennt für diese Staaten als bisherige Kolonialmacht jeweils Großbritannien, für Suriname die Niederlande.

Die Übersicht ordnet außerdem die früheren Unabhängigkeiten chronologisch. Zu den wichtigen Daten gehören Paraguay 1811, Mexiko 1813, Argentinien 1816, Chile 1818, Kolumbien 1819, Peru 1821, Brasilien 1822, die Zentralamerikanische Föderation 1823, Bolivien 1825, Uruguay 1828, Venezuela und Ecuador 1830 sowie mehrere zentralamerikanische Staaten zwischen 1838 und 1841. Die Dominikanische Republik erklärte 1844 ihre Unabhängigkeit von Haiti, gab diese Souveränität 1861 freiwillig an Spanien ab und erklärte 1863 erneut die Unabhängigkeit. Kuba wurde 1898 im Vertrag von Paris von Spanien getrennt; die Präsidialrepublik entstand 1902. Panama erklärte sich 1903 von Kolumbien unabhängig.

Fortbestehende abhängige Gebiete

Auch nach den Unabhängigkeitsprozessen stehen Teile Amerikas weiterhin unter der Kontrolle europäischer Staaten. Zum Vereinigten Königreich gehören Anguilla, Bermuda, die Britischen Jungferninseln, die Cayman Islands, die Falklandinseln, Montserrat sowie die Turks- und Caicosinseln. Zu den Niederlanden gehören Aruba, der niederländische Teil von St. Martin und die früheren Niederländischen Antillen. Frankreich kontrolliert Clipperton, Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Saint-Barthélemy, den französischen Teil von St. Martin sowie Saint-Pierre und Miquelon. Grönland gehört zum Königreich Dänemark.

Aruba trennte sich am 1. Januar 1986 von den Niederländischen Antillen und wurde ein eigenständiges, selbstverwaltetes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Eine Bewegung für vollständige Unabhängigkeit wurde 1990 auf Arubas Wunsch gestoppt; vorgesehen war ursprünglich eine Unabhängigkeit 1996. Mit der Auflösung der Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 erhielten Curaçao und Sint Maarten den Status autonomer Länder innerhalb des Königreichs. Bonaire, Saba und St. Eustatius wurden auf eigenen Wunsch zu Besonderen Gemeinden der Niederlande, ohne einer Provinz anzugehören.

Französisch-Guayana, Guadeloupe und Martinique gelten nach der Darstellung des Artikels nicht als französische Kolonien, sondern als „integrale Bestandteile“ des französischen Mutterlandes und damit als französische Übersee-Départements. Grönland ist seit 1979 autonom, bleibt aber Bestandteil des Königreichs Dänemark.

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