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Deborah (Händel)

Deborah (HWV 51) ist ein Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel mit einem Libretto von Samuel Humphreys. Die Uraufführung fand am 17.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Bedeutung
  2. 2. Vorlage und dramatischer Kern
  3. 3. Handlung in drei Teilen
  4. 4. Musik, Orchester und Aufbau
  5. 5. Aufführungen und Aufnahmen

Werk und Bedeutung

Deborah (HWV 51) ist ein Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel. Das Libretto schrieb Samuel Humphreys; als literarische Vorlage dienten das vierte und fünfte Buch der Richter. Das Werk ist englischsprachig, dauert etwa 2 ½ Stunden und spielt in Israel zur Zeit der Richter. Die Uraufführung fand am 17. März 1733 im King’s Theatre am Haymarket in London statt.

Im Mittelpunkt stehen Deborah, Richterin und Prophetin der Israeliten, der Heerführer Barak, der kanaanäische Heerführer Sisera und Jael, die Frau des Keniters Heber. Die Handlung verbindet militärischen Konflikt und religiöse Auseinandersetzung: Entscheidend ist vor allem, ob Jehova oder Baal siegen wird.

Händel komponierte Deborah in gut drei Wochen zwischen den ersten sechs Vorstellungen seiner Oper Orlando. Er schloss die Partitur am 21. Februar 1733 ab. Die schwierige wirtschaftliche Lage seines Opernbetriebs, erhöhte Steuern und die entstehende Konkurrenz der Opera of the Nobility machten neue, englischsprachige Oratorien besonders wichtig. Für die Uraufführung standen die Stars seines Opernensembles und an die hundert Mitwirkende zur Verfügung. Die Eintrittspreise für Orchestersitze und Logenplätze wurden verdoppelt, was Proteste und Widerstand der Abonnenten auslöste. Das Werk kam beim Publikum gut an, war finanziell aber nur mäßig erfolgreich.

Die Uraufführungsbesetzung umfasste Anna Maria Strada del Pò als Deborah, Francesco Bernardi, genannt Il Senesino, als Barak, Antonio Montagnana als Abinóam und israelitischen Hohepriester, Francesca Bertolli als Sisera, Celeste Gismondi als Jael und israelitische Frau sowie Gustavus Waltz als Hohepriester Baals.

Vorlage und dramatischer Kern

Humphreys entwickelte die biblische Geschichte weiter. Deborah sagt die Vernichtung des kanaanitischen Heeres voraus und macht sie zu einem Gleichnis für alle Siege Israels über seine Feinde. Das Drama spielt an einem einzigen Tag. Nicht der gesamte Kampf der unterdrückten Israeliten gegen die Kanaaniter steht im Vordergrund, sondern die religiöse Entscheidung zwischen Jehova und Baal.

Die wichtigsten Rollen sind Deborah, Barak, Abinóam, Sisera und Jael. Hinzu kommen eine Israelitische Frau, der Hohepriester der Israeliten, der Hohepriester Baals, ein Herold sowie die Chöre der Israeliten und der Baalspriester. Die Chöre sind nicht bloß musikalische Begleitung, sondern treten wie handelnde Personen auf und vertreten die beiden religiösen und politischen Lager.

Handlung in drei Teilen

Im ersten Teil ernennt Deborah Barak, den Sohn Abinóams, zum Feldherrn der Israeliten. Sie fordert ihn auf, auf Gott zu vertrauen und seiner Inspiration zu folgen. Barak nimmt den Auftrag an; die Israeliten rufen zu den Waffen und bitten um göttliche Hilfe. Deborah prophezeit, dass der Anführer der Kanaaniter durch die Hand einer Frau umkommen werde. Barak betont daraufhin, dass Frauen denselben Ruhm wie Männer verdienen.

Jael bittet um ein Ende der Gewalt. Deborah sieht in einer Vision, dass Engel Jael schützen werden und dass sie noch an diesem Tag zum Stolz ihres Geschlechts werde. Abinóam fordert seinen Sohn auf, sich sowohl auf den Sieg als auch auf den Tod vorzubereiten, tugendhaft zu handeln und alles Weitere dem Himmel zu überlassen. Ein Herold aus Siseras Lager bietet Verhandlungen an, doch Barak weist ihn zurück. Der erste Teil endet mit der Zuversicht und dem hoffnungsvollen Dankgebet der Israeliten.

Im zweiten Teil erwarten Deborah, Barak, Abinóam, Jael und die Israeliten auf dem Berg Tabor Siseras Angriff. Israelitische Priester und Baalspriester unterstützen jeweils ihre Seite. Sisera verlangt die Unterwerfung der Israeliten. Deborah weist ihn zurück und erklärt, dass Jehova selbst sein Feind sei. Es entsteht ein Streit zwischen Sisera und Barak über die Macht Jehovas und Baals. Die beiden Chöre und ihre Hohepriester nehmen den Streit auf; dieser religiöse Wortkampf bildet den Höhepunkt der Handlung. Deborah warnt Sisera vor Gottes Zorn. Barak und die Israeliten ziehen anschließend zum Kampf.

Im dritten Teil kehren die siegreichen Israeliten von der Verfolgung der Kanaaniter zurück; die Baalspriester sind gefangen. Abinóam begrüßt seinen Sohn. Jael berichtet, dass Sisera nach der verlorenen Schlacht in ihr Haus floh. Sie erfrischte ihn mit Milch, wartete, bis er eingeschlafen war, und nagelte ihn dann mit Nagel und Hammer durch die Schläfe am Boden fest. Die Baalspriester beklagen ihren toten Anführer. Deborah und Barak rühmen Jaels Tat. Das Oratorium endet mit dem Jubelchor „Let our glad songs to Heav’n ascend“ und einem Alleluja.

Musik, Orchester und Aufbau

Wegen seiner hohen Arbeitsbelastung und der kurzen Entstehungszeit verwendete Händel in Deborah besonders häufig Teile früherer eigener Werke. Nach Winton Dean gehen etwa drei Viertel der Musik auf frühere Kompositionen zurück, darunter die Brockes-Passion (1716), Il trionfo del Tempo e del Disinganno (1707), Dixit Dominus (1707), die Serenata Aci, Galatea e Polifemo (1708) und die Ode for the Birthday of Queen Anne (1713). Die Schlusschöre aller drei Teile beruhen auf den Coronation Anthems (1727); der Eingangschor „Immortal Lord of earth and skies“ entspricht dem neunten Chandos Anthem „O praise the Lord with one consent“ von 1717/18. Deshalb kann das Werk teilweise als Pasticcio bezeichnet werden.

Die Chöre haben eine überragende Bedeutung. Händel verbindet die Anthems, also Gesänge der anglikanischen Liturgie, mit dem traditionellen Gerüst des italienischen Oratorio. Diese Verbindung wurde bald kennzeichnend für das englische Oratorium; Deborah gilt nach Esther als weiterer Meilenstein dieser Entwicklung.

Das Orchester besteht aus zwei Traversflöten, zwei Oboen, zwei Fagotten, drei Hörnern, drei Trompeten, Pauken, Streichern und Basso continuo. Zum Basso continuo gehören Violoncello, Laute, zwei Cembali und zwei Orgeln. Einige Chöre sind achtstimmig und doppelchörig. Groß angelegte Effekte entstehen besonders durch Trompeten und Pauken. Die Violinen sind gelegentlich dreifach, die Violen zweifach geteilt. Ein Bericht des Viscount Perceval nennt nahezu 75 Musiker; in einem Tagebucheintrag ist außerdem von fast hundert Mitwirkenden, darunter etwa 25 Sänger, die Rede.

Auf eine Ouverture mit den Abschnitten Grave, Poco allegro und Allegro folgen drei Teile mit insgesamt 39 nummerierten Musikstücken. Sie umfassen Rezitative, Arien, Duette, Solo-und-Chor-Sätze, Accompagnati, große Chöre und im dritten Teil eine „Grand Military Symphonie and Chorus of Israelites“. Der erste Teil enthält die Nummern 1 bis 14, der zweite die Nummern 15 bis 29 und der dritte die Nummern 30 bis 39. Der Schlusschor ist die Nummer 39.

Aufführungen und Aufnahmen

Im Uraufführungsjahr 1733 wurde Deborah innerhalb von drei Wochen sechsmal im King’s Theatre gespielt und am 12. Juli außerdem im Sheldonian Theatre in Oxford aufgeführt. Es folgten Wiederaufnahmen, unter anderem drei Aufführungen im April 1734 und drei Ende März 1735. Da fast alle Sänger zur Opera of the Nobility gewechselt waren, musste Händel 1734 nahezu das gesamte Ensemble neu besetzen und die Partien an die neuen Sänger anpassen. Weitere Aufführungen gab es im November 1744, im März 1754 sowie in Dublin bis 1759 siebenmal und in Edinburgh dreimal. Die letzte Aufführung zu Händels Lebzeiten fand am 19. März 1756 im Covent Garden Theatre statt.

Nach Händels Tod wurde das Werk auf Veranlassung Georgs III. in London 1764, 1766/67, 1771, 1781 und 1787 gespielt; 1767 war es erneut in Oxford zu hören. Im 19. Jahrhundert gab es in London nur zwei Aufführungen, 1843 und 1854. Felix Mendelssohn Bartholdy regte eine Aufführung beim Aachener Musikfest im Mai 1834 an. Weitere wichtige Wiederbelebungen waren eine Aufführung unter Joseph Joachim 1879 in Berlin, Aufführungen gekürzter Fassungen zwischen 1889 und 1899 sowie eine Aufführung 1910 in Leipzig. Die erste englische Aufführung der Neuzeit fand offenbar am 14. Oktober 1955 beim Norfolk & Norwich Festival statt; die erste deutsche Aufführung der Neuzeit gab es 1967 bei den Göttinger Händel-Festspielen.

Mehrere CD-Aufnahmen dokumentieren das Werk. Die Einspielung von 1967 unter Günther Weissenborn enthält 89 Minuten Ausschnitte in deutscher Sprache. 1970 erschien unter Riccardo Muti eine 59-minütige deutsche Ausschnittaufnahme. Eine vollständige Aufnahme unter Robert King erschien 1993 bei Hyperion mit 140 Minuten; 1999 folgte bei Naxos eine 163-minütige Live-Aufnahme unter Joachim Carlos Martini.

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