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David Easton
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt David Eastons war der Zustand und Entwicklungsstand der Politikwissenschaften in Bezug auf die politische Sozialisation von …
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Bedeutung und Grundgedanke
David Easton (17. Juni 1917–19. Juli 2014) war ein kanadisch-US-amerikanischer Politikwissenschaftler. Sein wichtigstes wissenschaftliches Ziel war eine allgemeine Theorie der Politik. Er definierte Politikwissenschaft als „the study of the authoritative allocation of values“, also als Untersuchung der verbindlichen Zuweisung von Werten in einer Gesellschaft.
Die Grundzüge seiner Theorie stellte Easton 1953 in „The Political System: An Inquiry into the State of Political Science“ vor. Damit trug er zum Durchbruch der „behavioralistischen Revolution“ bei, die politische Vorgänge empirisch und systematisch untersuchen wollte. Seine zentrale Forschungsfrage lautete: „Wie erreichen es politische Systeme, sich in einer Welt, die zugleich Stabilität und Wandel aufweist, zu behaupten?“
Das politische System
Easton versteht politische Systeme als anpassungsfähige Handlungssysteme, die in eine Umwelt eingebettet sind. Ein politisches System besteht aus „Interaktionen, durch die in bindender Weise Werte für eine Gesellschaft gesetzt werden“. Es muss auf Störungen und Spannungen reagieren und diese regulieren können.
Zwei Hauptfunktionen sind dafür entscheidend:
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Das System muss Werte und Güter für die Gesellschaft zuteilen können. Diese Zuteilung wird als Allokation bezeichnet.
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Es muss die Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder dazu bringen, diese Allokationen als verbindlich anzuerkennen.
In „The Analysis of Political Structure“ beschreibt Easton politische Strukturen als Ergebnis des Zusammenwirkens von Interessengruppen, gouvernementalem Vorgehen, politischer Besetzung und gegenseitigem Austausch. Sie entstehen außerdem aus Ansprüchen, Absichten und Kräfteverhältnissen, aus Erfolgen und Misserfolgen im Kampf um Macht und Anerkennung sowie aus Kooperation und Kompromissen.
Input, Output und Rückkopplung
Eastons Modell erklärt politische Prozesse als Kreislauf zwischen gesellschaftlicher Umwelt und politischem System. Aus der Umwelt gelangen Inputs in das System. Inputs sind einerseits Forderungen („demands“) und andererseits Unterstützungsleistungen („supports“). Politiker und andere Autoritäten verarbeiten sie und treffen Entscheidungen, die für die Gesellschaft verpflichtend und gültig sind.
Das System wandelt die Inputs in Outputs um. Diese werden als Strategien, Entscheidungen oder konkrete Umsetzungen sichtbar. Die informationelle Rückkopplung der Outputs an spätere Inputs nennt Easton Feedback. Gesellschaftliche Reaktionen auf politische Ergebnisse können damit neue Forderungen oder neue Unterstützung auslösen.
Die inneren Abläufe der Regierungsgewalt und ihrer Entscheidungsbereiche gelten in diesem Modell als nicht unmittelbar einsehbar. Easton bezeichnet die Umwandlung von Inputs in Outputs deshalb als „Black Box“. Sichtbar ist vor allem das Ergebnis politischer Entscheidungen, nicht unbedingt ihr Zustandekommen. Medien und gut recherchierter Journalismus versuchen, diese schwer durchschaubaren Prozesse nachzuvollziehen und offenzulegen.
Stabilität, Unterstützung und Legitimation
Das politische System ist nach Easton für die verbindliche Zuweisung von Werten und Gütern sowie für die Mobilisierung von Ressourcen verantwortlich. Es muss Lösungen offen darlegen, die Erwartungen und Interessen der Gesellschaft zufriedenstellen. Unerfüllte Erwartungen können andernfalls als Störungs- oder Stressfaktoren auf das System wirken.
Durch Kooperation muss das System Vertrauen und Legitimation gewinnen. Unterstützung zeigt sich etwa durch persönliches Engagement, Steuern, Spenden oder Stiftungen. Eine allgemeine Zuwendung zum System und dessen Akzeptanz beruhen besonders auf Wertbindungen, die durch gelungene Sozialisations- und Entkulturationsprozesse entstehen. Dieses generalisierte Systemvertrauen kann auch bei Regierungs- und Politikwechseln für Kontinuität sorgen. Darin drückt sich ein fortwirkendes Gemeinschaftsgefühl („we-feeling“) aus, das wichtige gesellschaftliche Bereiche umfasst. Parteien und politisch aktive Mitglieder üben ebenfalls entscheidenden Einfluss aus.
Im Artikel wird ergänzend das AGIL-Schema mit vier Bedingungen beständiger Systeme genannt: Adaption (Anpassung), Goal attainment (Zielerreichung), Integration und Latent pattern maintenance (Erhaltung latenter Strukturen). Dieses Schema stammt jedoch von Talcott Parsons und nicht von Easton.
Forschungsgebiete und Projekte
Easton lehrte und forschte vor allem zu empirischer politischer Theorie, zur Analyse politischer Systeme, zu den Grundlagen moderner Politikwissenschaft und zur strukturellen Analyse der Politik. Weitere Schwerpunkte waren der Zustand und die Entwicklung der Politikwissenschaft sowie die politische Sozialisation von Kindern. Sein zuletzt veröffentlichtes Buch untersuchte den Einfluss politischer Systeme auf zahlreiche Bereiche des politischen Lebens.
Sein letztes Projekt beschäftigte sich mit der Entwicklung der Gesellschaftswissenschaften in China. Daraus entstand ein Austauschprogramm für Studierende der University of California, Irvine (UCI), der Peking-Universität und der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Das auf seine Initiative gegründete Projekt „Study of the Development of Political Science“, dessen Vorsitzender er war, verband Politikwissenschaftler aus verschiedenen Teilen der Welt. Sie untersuchten gemeinsam den zeitgenössischen Staat und die weltweite Entwicklung der Politikwissenschaft. Außerdem beteiligte sich Easton an einer Studie darüber, wie Unterschiede in Struktur und Organisation demokratischer politischer Systeme die Wirksamkeit ihrer öffentlichen Politik („public policies“) beeinflussen.
Akademischer Weg und zentrale Veröffentlichungen
Easton wuchs in Toronto auf und schloss sein Studium an der dortigen Universität mit einem Master ab. 1944 wechselte er an die Harvard University, an der er 1947 in Philosophie promoviert wurde. Von 1947 bis 1982 lehrte er an der University of Chicago. Seit 1982 war er Distinguished Professor of Political Science an der University of California, Irvine. Von 1968 bis 1969 amtierte er als Präsident der American Political Science Association. Der American Academy of Arts and Sciences gehörte er seit 1962 an; von 1984 bis 1989 war er ihr Vizepräsident.
Von 1996 bis 1998 arbeitete Easton als Humboldt-Preisträger und Gastforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Am 28. Juni 2001 verlieh ihm der Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin die Ehrendoktorwürde. Auch nach seiner Emeritierung setzte er seine wissenschaftliche Arbeit zur theoretischen und empirisch-analytischen Fundierung der Politikwissenschaft fort.
Zu seinen zentralen Veröffentlichungen gehören „The Political System“ (1953), „A Framework for Political Analysis“ (1965), „A Systems Analysis of Political Life“ (1965) und „The Analysis of Political Structure“ (1990). Weitere Arbeiten behandelten unter anderem politische Theorie, Demokratie, die Entwicklung der Politikwissenschaft, politische Sozialisation von Kindern sowie den Austausch von Wissen zwischen Disziplinen und Kulturen.