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Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters
Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters ist eine 2006 entstandene Religionsparodie von Bobby Henderson über das Fliegende Spaghettimonster.
Inhalt4 Abschnitte
Werk und Bedeutung
„Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters“ ist eine 2006 entstandene Religionsparodie des US-amerikanischen Autors Bobby Henderson. Im Mittelpunkt steht das Fliegende Spaghettimonster, kurz FSM, und die darauf bezogene Glaubenslehre des Pastafarianismus beziehungsweise Pastafaritums. Das Werk ahmt religiöse Schriften und deren Anspruch auf Wahrheit nach, überträgt jedoch religiöse Vorstellungen auf absurde Motive wie Piraten, einen Biervulkan und Stripperinnen.
Nach der im Artikel genannten Einquellentheorie ist das Buch die maßgebliche Schrift des Pastafarianismus, der seinerseits auf diesem Werk beruht. Der Autor selbst bezeichnet seine Lehre als die „beste Religion“ und als die „vermutlich wahrste Theorie, die in der Geschichte der Menschheit aufgestellt wurde“. Diese Aussagen gehören zum parodistischen Auftreten des Buches. Der „Standard“ ordnete das Pastafaritum als etablierte Religion ein, weil seine „heilige Schrift“ unterschiedliche Exegesen, also verschiedene Auslegungen, zulasse.
Aufbau und zentrale Inhalte
Die Gliederung der deutschen Originalausgabe nimmt eine grobe Dreiteilung vor:
• Teil 1 trägt die Überschrift „Hier irrt die Wissenschaft“ und begründet die angebliche Notwendigkeit alternativer Theorien.
• Teil 2 heißt „Erklärung des Pastafarianismus“. Er stellt die Weltgeschichte dar und beantwortet große Menschheitsfragen aus pastafarianischer Sicht.
• Teil 3 trägt die Überschrift „Propaganda“ und bietet eine Übersicht über Pamphlete und Feiertage.
Das Buch beginnt mit dem Satz: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war ‘Arrrgh!’“ Damit erklärt es die Schaffung des Universums durch das FSM. Später wird diese Entstehungsgeschichte durch den aus der Bibel bekannten Satz „Es werde Licht“ weitergeführt.
Zu Beginn fasst Bobby Henderson das Anliegen des Evangeliums zusammen: Die Leser sollen etwas über den pastafarianischen Himmel erfahren, die vom FSM ausgesuchte „Kluft der Piraten“ kennenlernen und den Freitag als den von ihm erwählten Feiertag genießen. Auf die Fragen, wofür die Gemeinschaft stehe und was sie ablehne, antwortet der Text allgemein: für „Alles, was gut ist“ und gegen „Alles, was nicht gut ist“. Diese bewusst einfachen Aussagen parodieren religiöse Bekenntnisse und missionarische Botschaften.
Sprache und Erzählweise
Die Sprache des englischen Originals wird als schlicht, anschaulich, genau und umgangssprachlich beschrieben. Henderson verwendet bekannte Wörter und einen übersichtlichen Satzbau. Weil er die „Sprache unserer Zeit“ benutzt, lesen sich die „heiligen Schriften des Pastafarianismus“ mitunter „recht unheilig“. Der Stil wurde auch als pubertär bewertet, etwa wegen der Beschreibung des Himmels als Ort mit Biervulkan und Stripperinnen. Der Erzählton wechselt zwischen „rotzfrecher Parodie“ und „brillant geheucheltem missionarischem Eifer“.
Henderson verwendet vor allem beschreibendes Imperfekt und Plusquamperfekt, historisches Präsens sowie prophezeiendes Futur. Die meist parataktischen Sätze, also aneinandergereihte Hauptsätze, werden häufig mit „aber“ oder „und“ verbunden. Wendepunkte der Handlung, sogenannte Peripetien, hebt er oft durch erzählendes Präsens und eine Prädikat-Subjekt-Stellung hervor. Dies geschieht besonders bei göttlichen Offenbarungen und bei Aussagen über die Rolle der Piraten. Typisch ist außerdem der bestimmte Artikel vor Eigennamen, beispielsweise „das FSM“.
Das Buch greift Formen und Motive der religiösen Literatur auf, besonders aus der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments. Es verarbeitet die biblische Schöpfungsgeschichte und Begriffe oder Motive wie Sonne, Mond, Sterne, Eden, Sintflut und Turmbau. Dadurch entsteht eine erkennbare Nachahmung heiliger Schriften.
Meist berichtet ein auktorialer Erzähler, der das Geschehen überblickt. Nur im Vorwort, in den abschließenden Worten und in der Danksagung spricht der Autor seine Leser aus der Ich-Perspektive an. Das Werk ist episodisch-anekdotisch aufgebaut, besteht also aus einzelnen, erzählerisch verbundenen Episoden und Anekdoten. Henderson weist selbst darauf hin, dass sein Buch „zahlreiche Lücken und Widersprüche“ und als missionarisches Mittel „vielleicht sogar dreiste Lügen und Übertreibungen“ enthalte.
Entstehung, Veröffentlichung und Wirkung
Henderson schrieb das Buch ab 2005 in Oregon, seinem damaligen Wohnort. Es erschien am 28. März 2006 in US-amerikanischem Englisch bei Villard Books. Villard Books war ein Imprint der The Random House Publishing Group, die wiederum zu Random House, Inc. gehörte. Neben der deutschen Übersetzung liegen französische, russische und dänische Fassungen vor. Nach einer Einschätzung des Deutschlandfunks ist das Buch besonders auf eine „studentische Jüngerschaft“ zugeschnitten.
Die deutsche Übersetzung von Jörn Ingwersen erschien 2007 bei Goldmann Manhattan in München unter dem Titel „Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters“, ISBN 978-3-442-54628-2. Eine Taschenbuchausgabe folgte 2008 als Goldmann Taschenbuch 5462, ISBN 978-3-442-54262-8.
Der Religionskritiker Richard Dawkins reagierte auf das Erscheinen des Werkes mit „Entzücken“. In Deutschland verband sich unter dem Einfluss der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e. V. der religiös-parodistische Überbau des Evangeliums mit dem als „erdverbunden“ bezeichneten Manifest des evolutionären Humanismus; darüber berichtete Deutschlandfunk Kultur 2016. Die Zeitung „Welt“ urteilte, das Werk müsse überarbeitet werden und brauche „eine Art Konzil von Nicäa“, das ähnlich wie die Kirchenväter des Christentums „Irrlehren und Abstrusitäten“ aussondere.