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Dark (Fernsehserie)

Dark ist eine deutsche Science-Fiction-Mystery-Fernsehserie auf Netflix. Es ist die erste Serie, die von Netflix in Deutschland entwickelt, produziert und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Grundidee
  2. 2. Beginn der Zeitschleife
  3. 3. Apokalypse und zwei Welten
  4. 4. Ursprung und Ende
  5. 5. Entstehung und Gestaltung
  6. 6. Veröffentlichung und Bedeutung

Überblick und Grundidee

Dark ist eine deutsche Science-Fiction-, Mystery- und Thrillerserie von Jantje Friese und Baran bo Odar. Sie umfasst 26 Folgen mit einer Länge von 44 bis 73 Minuten, verteilt auf drei Staffeln. Netflix veröffentlichte die Serie vom 1. Dezember 2017 bis zum 27. Juni 2020. Dark war die erste Netflix-Serie, die in Deutschland entwickelt, produziert und gefilmt wurde.

Die Handlung spielt hauptsächlich in der fiktiven Kleinstadt Winden. Das Verschwinden mehrerer Kinder führt zu den Geheimnissen der vier eng verbundenen Familien Doppler, Kahnwald, Nielsen und Tiedemann. Zeitreisen verknüpfen ihre Schicksale über mehrere Generationen. Die Serie beschäftigt sich dabei mit Ursache und Wirkung, Determinismus, freiem Willen, Schuld und der Frage, ob eine sich wiederholende Ereigniskette verändert werden kann.

Die Geschichte erstreckt sich zunächst über die Jahre 1953, 1986, 2019 und 2052. Später kommen 1921, 1954, 1987, 2020, 2053 und schließlich 1888 sowie weitere Zwischenzeiten hinzu. In der dritten Staffel werden außerdem zwei miteinander verbundene Parallelwelten und eine Ursprungswelt eingeführt. Viele Figuren erscheinen deshalb in verschiedenen Lebensphasen und werden von unterschiedlichen Schauspielern dargestellt.

Beginn der Zeitschleife

Nach dem Suizid seines Vaters Michael Kahnwald kehrt der Jugendliche Jonas Kahnwald nach einer psychologischen Behandlung in die Schule zurück. Als Jonas und seine Freunde nahe den Windener Höhlen nach dem Drogenversteck des vermissten Erik Obendorf suchen, verschwindet Mikkel Nielsen. Kurz darauf wird die Leiche von Mads Nielsen gefunden, der bereits 1986 verschwunden war. Mads ist der Bruder des Polizisten Ulrich Nielsen und damit Mikkels Onkel.

Mikkel ist durch eine Passage in den Höhlen von 2019 ins Jahr 1986 gelangt. Dort wird er von Ines Kahnwald adoptiert, wächst unter dem Namen Michael Kahnwald auf, heiratet später Hannah und wird Jonas’ Vater. Jonas kann Mikkel daher nicht einfach zurückholen, ohne seine eigene Existenz zu gefährden. Ein Fremder, der sich später als erwachsener Jonas herausstellt, erklärt ihm diesen Zusammenhang.

Die Höhlenpassage verbindet zunächst Zeitpunkte, die jeweils 33 Jahre auseinanderliegen. Auch Ulrich gelangt hindurch, landet jedoch unbeabsichtigt im Jahr 1953. Er versucht dort, den jungen Helge Doppler zu töten, weil er ihn für die späteren Kindesentführungen verantwortlich hält. Der Versuch misslingt; Ulrich wird verhaftet und bleibt in der Vergangenheit. Der alte Helge stirbt später bei dem Versuch, sein jüngeres Ich im Jahr 1986 aufzuhalten.

Hinter den Entführungen stehen Noah und der von ihm beeinflusste Helge. Die Kinder werden für Experimente mit einer frühen Zeitmaschine benutzt. Noah gehört zur Zeitreiseorganisation Sic Mundus Creatus Est. Gleichzeitig baut der Uhrmacher H. G. Tannhaus eine tragbare Zeitmaschine. Der erwachsene Jonas versucht 1986, die Passage zu schließen, erzeugt sie durch seinen Eingriff jedoch erst. Der junge Jonas wird schließlich durch ein Wurmloch in das postapokalyptische Winden des Jahres 2052 versetzt.

Apokalypse und zwei Welten

Die zweite Staffel erweitert die Handlung um die Jahre 1921, 1954, 1987, 2020 und 2053. Im Jahr 1921 begegnet Jonas Adam, dem Anführer von Sic Mundus. Adam ist Jonas selbst, allerdings 66 Jahre älter. Er schickt sein jüngeres Ich nach 2019, damit es Michaels Suizid verhindert. Jonas erkennt dort jedoch, dass sein Eingreifen den Suizid erst auslöst. Auch Mikkels Reise ins Jahr 1986 geschieht, weil Jonas ihm den Weg durch die Höhlen zeigt. Vergangenheit und Zukunft bilden somit eine geschlossene Verkettung von Ursachen und Wirkungen.

Claudia Tiedemann erfährt von ihrem älteren Ich und von Jonas, dass sich die Ereignisse in einer Zeitschleife wiederholen. Noah sucht fehlende Seiten aus Claudias Notizbuch, in dem die Abläufe der verschiedenen Zeiten festgehalten sind. Er offenbart Charlotte Doppler, dass er ihr Vater ist. Zugleich ist Charlotte die Tochter ihrer eigenen Tochter Elisabeth und später selbst Elisabeths Mutter. Solche kreisförmigen Abstammungsverhältnisse zeigen, dass auch die Familiengeschichte durch die Zeitschleife entsteht.

Am 27. Juni 2020 lässt SOKO-Leiter Clausen im Atomkraftwerk einbetonierte Atommüllfässer öffnen. Dabei wird ein beim Störfall von 1986 entstandenes Higgs-Boson freigesetzt, ein Wurmloch bildet sich und die Apokalypse beginnt. Adam erschießt Martha vor Jonas’ Augen. Unmittelbar vor der Druckwelle erscheint jedoch eine andere Martha und rettet Jonas mit einer kugelförmigen Apparatur.

Diese Martha stammt aus einer Parallelwelt, die in der dritten Staffel als Evas Welt bezeichnet wird; die bisher bekannte Welt ist Adams Welt. In Evas Welt ist Mikkel nicht zurückgereist, weshalb Michael und Jonas dort nicht existieren. Eva, die ältere Martha, führt die Organisation Erit Lux. Anders als Adam will sie den Kreislauf nicht zerstören, sondern erhalten. Ihr Helfer ist der Unbekannte, der gemeinsam mit seinem jüngeren und älteren Ich auftritt. Er ist der Sohn von Jonas aus Adams Welt und Martha aus Evas Welt und verbindet beide Welten. Er sorgt unter anderem für den Bau des Windener Atomkraftwerks, löst 1986 dessen Störfall aus und verfasst Claudias Notizbuch.

Ursprung und Ende

Der erwachsene Jonas reist mit Magnus, Franziska und Bartosz unbeabsichtigt ins Jahr 1888. Dort versuchen sie jahrelang, ein Wurmloch zu erzeugen, während Jonas allmählich zu Adam wird. Bartosz und Silja bekommen die Kinder Agnes und Hanno; Hanno wird später unter dem Namen Noah bekannt. Dadurch entstehen weitere Verbindungen zwischen den zentralen Familien.

Adam glaubt zunächst, der ungeborene Sohn von Jonas und Martha sei der Ursprung der Zeitschleife. Er tötet die schwangere Martha, kann den Kreislauf damit aber nicht auflösen. Claudia entdeckt, dass eine Quantenverschränkung mehrere Versionen von Jonas und Martha ermöglicht: Während der Apokalypse steht die Zeit für einen Augenblick still. Dadurch kann Jonas sowohl von Martha gerettet werden als auch ohne sie überleben; ebenso kann Martha ihn retten oder mit Bartosz zurückkehren.

Claudia erkennt außerdem, dass Adams und Evas Welt aus einer dritten Welt hervorgegangen sind, der Ursprungswelt. Dort verliert H. G. Tannhaus seinen Sohn Marek, dessen Frau Sonja und ihr Kind bei einem Verkehrsunfall. Um den Tod seiner Familie rückgängig zu machen, baut Tannhaus eine Zeitmaschine. Ihr Einsatz im Jahr 1986 spaltet die Ursprungswelt in Adams und Evas Welt und erzeugt damit die gesamte Zeitschleife.

Jonas und Martha reisen in die Ursprungswelt und bewegen Marek und Sonja zur Rückkehr zu Tannhaus. Der Unfall findet deshalb nicht statt. Tannhaus baut die Zeitmaschine nicht, und Adams sowie Evas Welt lösen sich vollständig auf – ebenso Jonas, Martha und alle Menschen, deren Existenz allein aus der Zeitschleife hervorgegangen ist. Ohne es zu wissen, erreicht Tannhaus damit sein ursprüngliches Ziel: Die Vergangenheit wurde verändert und seine Familie gerettet.

Entstehung und Gestaltung

Jantje Friese und Baran bo Odar entwickelten Dark von Anfang an als Geschichte über drei Staffeln. Baran bo Odar führte bei allen 26 Folgen Regie; Jantje Friese entwickelte die Handlung und war Hauptautorin. Weitere Drehbuchautoren waren Marc O. Seng, Ronny Schalk, Martin Behnke und Daphne Ferraro. Produziert wurde die Serie von Wiedemann & Berg Filmproduktion. Netflix gab im Februar 2016 grünes Licht für die erste Staffel.

Die Dreharbeiten liefen von Oktober 2016 bis April 2017, von Juni bis November 2018 und von Juni bis Dezember 2019. Insgesamt wurde an 438 Tagen mit 95 Darstellern und 549 Mitarbeitern gearbeitet. Gedreht wurde überwiegend in Berlin und Brandenburg sowie in den Studios der CCC-Film und später in Babelsberg. Zu den Schauplätzen gehörten unter anderem die Einhornhöhle bei Scharzfeld, der Südwestkirchhof Stahnsdorf, die ehemalige Kaserne Krampnitz, ein früheres Chemiewerk in Rüdersdorf und die Reinfelder Schule in Berlin. Die Produktion erfolgte in nativem 4K. Drehorte wurden jeweils vollständig abgedreht, statt die Serie Folge für Folge aufzunehmen.

Für Evas Parallelwelt wurden Sets und Figurenmerkmale gespiegelt. Da dieser Effekt nachträglich entstand, mussten Requisiten wie Bücher spiegelverkehrt vorbereitet und bestimmte Bewegungen entsprechend ausgeführt werden. Rise FX erzeugte unter anderem Wurmlöcher, Zeitmaschinen, Apokalypse und Higgs-Boson digital. Auch das Atomkraftwerk mit seinen Kühltürmen war bis auf das Haupttor ein vollständiges 3D-Modell. Postapokalyptische oder historische Fassungen vorhandener Schauplätze wurden ebenfalls digital hergestellt.

Der Titelsong Goodbye stammt von Apparat in Zusammenarbeit mit Soap&Skin. Ben Frost komponierte den Original-Soundtrack, der Dark Ambient, Minimal Music und klassische Komposition verbindet. Im Schnitt kennzeichnete zunächst ein Soundeffekt Zeitsprünge. In der dritten Staffel zeigte zusätzlich ein kurz zusammenfallendes und sich wieder aufbauendes Bild den Wechsel zwischen Adams und Evas Welt an.

Veröffentlichung und Bedeutung

Dark wurde am 9. September 2017 beim 42. Toronto International Film Festival erstmals gezeigt. Die erste Staffel erschien am 1. Dezember 2017 auf Netflix. Die zweite Staffel folgte am 21. Juni 2019, dem Tag, an dem innerhalb der Handlung Michaels Suizid die Ereignisse in Gang setzt. Die dritte Staffel erschien am 27. Juni 2020, dem Datum der Apokalypse am Ende der zweiten Staffel.

Die Serie wurde insgesamt sehr positiv aufgenommen, zugleich aber wegen ihrer hohen Komplexität teilweise als schwer verständlich kritisiert. Rotten Tomatoes verzeichnete 89 Prozent für Staffel 1, 100 Prozent für Staffel 2 und 97 Prozent für Staffel 3; bei Metacritic erreichte sie 72 von 100 Punkten. Auf IMDb lag sie bei über 400.000 Bewertungen bei 8,7 von 10 Punkten (Stand: 13. März 2023). Hervorgehoben wurden die anspruchsvolle Zeitreisehandlung, die Fragen nach Determinismus und freiem Willen, die visuelle Gestaltung und das schlüssige Finale. Kritik betraf unter anderem die stark eingesetzte Musik sowie Figuren, deren Ziele sich häufig auf das Entschlüsseln der Ereignisse beschränkten.

2018 erhielt Dark den Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion. Weitere Auszeichnungen gab es unter anderem für Bildgestaltung und Szenenbild bei der Deutschen Akademie für Fernsehen sowie 2021 für Jantje Frieses Drehbuch beim Deutschen Fernsehpreis. Der internationale Erfolg trug dazu bei, dass Netflix weitere deutsche Serien bestellte. Friese und bo Odar schlossen zudem einen exklusiven Serienvertrag mit Netflix, aus dem als erstes Projekt die 2022 veröffentlichte Serie 1899 hervorging.

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