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Dantons Tod
Dantons Tod ist ein Drama in vier Akten von Georg Büchner, das von Mitte Januar bis Mitte Februar 1835 geschrieben wurde. Im selben Jahr erschien eine von …
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Werk und Einordnung
„Dantons Tod“ ist ein deutschsprachiges Drama in vier Akten von Georg Büchner. Es entstand von Mitte Januar bis Mitte Februar 1835 und behandelt die letzten Tage des Revolutionsführers Georg Danton während der Französischen Revolution, vom 24. März bis zum 5. April 1794. Im selben Jahr erschien es zunächst in einer von Karl Gutzkow herausgegebenen und stark zensierten Fassung; eine Buchausgabe trug den Untertitel „Dramatische Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft“. Es ist Büchners einziges Drama, das noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde.
Die Uraufführung erfolgte erst am 5. Januar 1902 im Belle-Alliance-Theater in Berlin, weil das Stück lange als unspielbar galt. Eine Opernfassung komponierte Gottfried von Einem; sie wurde 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt.
Revolution und Machtkampf
Das Drama spielt auf dem Höhepunkt der Schreckensherrschaft. In der Revolution standen sich politische Gruppen gegenüber: Die gemäßigteren Girondisten beziehungsweise die „Talpartei“ waren zur Zusammenarbeit mit dem König bereit. Die radikaleren Jakobiner, die „Bergpartei“, forderten die Republik. Zu ihnen gehörten Robespierre, Marat und Danton; Danton gehörte jedoch zur jakobinischen Sektion der Cordeliers. Hébert führte die noch weiter links stehenden Hébertisten, die Eigentum und Religion abschaffen wollten.
Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. am 21. Januar 1793 entstand am 6. April auf Dantons Antrag der Wohlfahrtsausschuss, der die Exekutivgewalt ausübte. Das seit dem 10. März 1793 bestehende Revolutionstribunal urteilte über politische Vergehen; möglich waren nur Freispruch oder Tod. Die Zahl der während der Schreckensherrschaft Hingerichteten wird auf 40.000 geschätzt.
Nachdem Girondisten und am 24. März 1794 auch Hébertisten beseitigt worden waren, blieben Dantonisten als Gegner der Terrorherrschaft zurück. Robespierre ließ Danton, Desmoulins, Lacroix, Philippeau und weitere Vertraute in der Nacht vom 30. auf den 31. März verhaften. Am 5. April wurden sie hingerichtet. Büchner verwendet vielfach historische Quellen: Fast ein Sechstel des Textes besteht aus wörtlichen oder leicht veränderten historischen Zitaten. Die Schicksale von Julie und Lucile gestaltet er jedoch aus dramaturgischen Gründen stark um.
Konflikt und Verhaftung
Im ersten Akt treten Dantonisten, Robespierristen und das Volk auf. Danton steht für eine liberale, tolerante Republik und das Ende der Schreckensherrschaft. Hérault fordert: „Die Revolution muß aufhören und die Republik muß anfangen.“ An die Stelle von Pflicht, Tugend und Strafe sollen Recht, Wohlbefinden und Notwehr treten.
Die Armut des Volkes zeigt jedoch, wie fern solche Vorstellungen seiner Wirklichkeit sind: Ein betrunkener Bürger berichtet verzweifelt, seine Tochter müsse sich prostituieren, um die Familie zu ernähren. Robespierre gilt dem Volk als „der Tugendhafte“ und „der Unbestechliche“. Er fordert revolutionäre Tugend, also persönliche Uneigennützigkeit und völlige Hingabe an die Revolution. Gegen Hunger und Not setzt er aber weitere Gewalt und die Guillotine, um einen Tugendstaat zu errichten.
Damit prallen Freiheit und Gleichheit sowie zwei gegensätzliche Staatsvorstellungen aufeinander. Robespierre gewinnt den Nationalkonvent für eine Verschärfung der Schreckensherrschaft. Ein Treffen zwischen Danton und Robespierre bleibt erfolglos. Unter dem Einfluss Saint-Justs entscheidet Robespierre, Danton und dessen Anhänger töten zu lassen.
Prozess und Hinrichtung
Im zweiten Akt ist Danton fatalistisch und resigniert: Er hält die Revolution für gescheitert, akzeptiert zunächst seine Verhaftung und kann sich weder zum Handeln noch zur Flucht entschließen. Er will Frankreich nicht verlassen: „Nimmt man das Vaterland an den Schuhsohlen mit?“ Zugleich vertraut er darauf, dass der Konvent gegen ihn nichts unternehmen werde. Gewissensbisse wegen der von ihm als Justizminister geduldeten Septembermorde belasten ihn. Saint-Just überzeugt den Konvent schließlich, die Verhaftung zu billigen.
Im dritten Akt warten die Gefangenen im Palais Luxembourg auf ihren Tod und philosophieren über Leben, Tod und Unsterblichkeit; ihre Gespräche karikieren Gottesbeweise. Beim Revolutionstribunal verteidigt Danton sich zunächst wirkungsvoll, erinnert an seine Verdienste und gewinnt Sympathien. Als er für Wahrheit und Gerechtigkeit gegen Robespierres blutiges Vorgehen spricht, wird die Sitzung aufgelöst. Linientreue Geschworene, die Denunziation eines Gefangenen und ein korruptes Tribunal verhindern eine faire Verteidigung. Die wechselhafte Volksmenge ruft am Ende wieder nach Robespierre und Dantons Hinrichtung.
Im vierten Akt werden Danton und seine Anhänger zum Tod verurteilt. Julie vergiftet sich, weil sie Danton über den Tod hinaus verbunden bleiben will. Nach Camilles Hinrichtung ruft Lucile Desmoulins „Es lebe der König!“; damit spricht sie ihr eigenes Todesurteil aus und wird von einer Bürgerwehr festgenommen.
Figuren, Form und Deutung
Danton ist der Protagonist und eine widersprüchliche Figur. Seine Schuldgefühle und Albträume hängen mit den Septembermorden zusammen. Er verbindet Fatalismus, also den Glauben an schicksalhafte Unausweichlichkeit, mit Nihilismus, der Annahme, dass sich nach dem Tod alles im Nichts auflöst. Seine Todessehnsucht steht neben Epikureismus, dem Streben nach persönlichem Lebensgenuss. Seine Liebe zu Julie führt dazu, dass er später doch stärker leben will.
Robespierre erkennt die Not des Volkes und stellt sich als sozial verantwortlicher, tugendhafter Politiker dar. Zugleich rechtfertigt er den Terror als Mittel der Revolution: „Das Laster muss bestraft werden, die Tugend muss durch den Schrecken herrschen“. Saint-Just ist sein bedeutendster Anhänger und eine exekutive Kraft.
Das Stück gehört zum Vormärz, der Zeit vor der Märzrevolution von 1848. Büchner fordert eine Literatur, die der tatsächlichen Geschichte möglichst nahekommt und politische sowie soziale Wirklichkeit zeigt. Das Drama besitzt eine offene Form: Viele Orte und Figuren, einzelne statt kontinuierlich verbundener Situationen und eigenständige Szenenteile spiegeln die chaotische Umbruchzeit. An der Jakobinerdiktatur zeigt Büchner, wie freiheitliche Ideale in willkürliche Gewalt umschlagen können. Zugleich stellt das Drama angesichts einer zerstörerischen Geschichtsdynamik die Handlungsmöglichkeiten des einzelnen Menschen in Frage; dies wird als Geschichtsfatalismus bezeichnet.