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Nationalkonvent
Der Nationalkonvent (französisch Convention nationale) war während der Französischen Revolution die konstitutionelle und legislative parlamentarische …
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Aufgabe und Zeitraum
Der Nationalkonvent, französisch Convention nationale, war während der Französischen Revolution die konstitutionelle und legislative parlamentarische Versammlung Frankreichs. Er tagte vom 20. September 1792 bis zum 26. Oktober 1795, dem 4. Brumaire des Jahres IV. Ursprünglich sollte er eine neue Verfassung entwerfen und damit die politische Ordnung nach der Abschaffung der Monarchie festlegen.
Seine Einberufung wurde am 10. August 1792 beschlossen. An diesem Tag stürmten Pariser Volksmassen die Tuilerien und forderten die Abschaffung der Monarchie. Die Gesetzgebende Versammlung suspendierte daraufhin den König vorläufig und ordnete die Wahl eines Nationalkonvents an. Der Konvent begann am 20. September 1792 mit seiner ersten Sitzung. Am folgenden Tag schaffte er das Königtum ab.
Am 22. September 1792 beschloss der Konvent, alle Dokumente künftig nach einer neuen Jahreszählung zu datieren. Diese begann mit dem Jahr I der Französischen Republik. Im Oktober 1793 beschloss der Konvent außerdem den Französischen Revolutionskalender mit neuen Monatsnamen. Er trat am 4. Frimaire II, dem 24. November 1793, rückwirkend zum 1. Vendémiaire des Jahres I, dem 22. September 1792, in Kraft. Die neue Zeitrechnung sollte den als unumkehrbar angesehenen Charakter der Revolution ausdrücken.
Wahlrecht und politische Arbeitsweise
Die Abgeordneten wurden von allen männlichen Franzosen gewählt, die mindestens 21 Jahre alt waren, seit mindestens einem Jahr in Frankreich lebten und von ihrer Arbeit lebten. Damit war der Nationalkonvent die erste französische Versammlung, die durch ein Wahlrecht ohne Klassenunterschiede bestimmt wurde. Das Mindestalter für das aktive Wahlrecht betrug 21 Jahre; das passive Wahlrecht, also die Möglichkeit, selbst Abgeordneter zu werden, begann mit 25 Jahren.
Der Konvent sollte zunächst drei Jahre lang arbeiten. Wegen des Krieges wurde die Ausarbeitung einer neuen Verfassung jedoch auf die Zeit nach einem Friedensschluss verschoben. Gleichzeitig erweiterte der Konvent seine Befugnisse, um die Republik gegen Bürgerkrieg, Invasion und andere Gefahren zu schützen. Obwohl er grundsätzlich eine legislative Versammlung war, übernahm er auch die exekutive Gewalt und übertrug sie Mitgliedern aus den eigenen Reihen. Dadurch wurden gesetzgebende und ausführende Gewalt vermischt. Diese Entwicklung widersprach der Gewaltenteilung, die besonders durch die politischen Theorien Montesquieus beeinflusst worden war. Die daraus entstehenden außergewöhnlichen Maßnahmen bildeten die Grundlage der Revolutionsregierung, die vor allem während der Terrorherrschaft wirksam war. Deshalb muss zwischen vorübergehenden Notmaßnahmen und dauerhaft vorgesehenen Regelungen unterschieden werden.
Der Konvent tagte zunächst in einem Saal der Tuilerien, danach wie die früheren Versammlungen im Manegesaal. Am 10. Mai 1793 zog er in einen großen Saal im Théâtre des Tuileries um. Dort gab es Tribünen für die Öffentlichkeit. Zuschauerinnen und Zuschauer, darunter die sogenannten Tricoteuses de Robespierre, unterbrachen die Debatten häufig durch Applaus und Zurufe.
Der Präsident wurde alle zwei Wochen gewählt und konnte danach erneut gewählt werden. Die Sitzungen fanden gewöhnlich morgens statt, oft aber auch abends bis spät in die Nacht. Unter außergewöhnlichen Umständen erklärte sich der Konvent für permanent und tagte mehrere Tage ohne Unterbrechung. Für gesetzgeberische und administrative Aufgaben bildete er Ausschüsse. Besonders wichtig waren das Comité de salut public, der Wohlfahrtsausschuss, das Comité de sûreté générale, der Sicherheitsausschuss, und das Comité de l’instruction.
Zusammensetzung und wechselnde Anwesenheit
Der Nationalkonvent umfasste insgesamt 749 Abgeordnete; 33 Abgeordnete aus den Kolonien sind in dieser Zahl nicht mitgezählt. Zusätzlich waren die zwischen 1792 und 1795 annektierten Départements berechtigt, Abordnungen zu entsenden. Die tatsächlich anwesende Zahl wechselte jedoch ständig. Einige Abgeordnete starben oder wurden verbannt, nicht alle Sitze wurden neu besetzt. Nach dem 9. Thermidor kehrten manche während der Terrorherrschaft geächtete Mitglieder zurück. Andere wurden in die Départements oder in die Armee geschickt und waren dort teilweise lange mit besonderen Missionen beschäftigt. Weil namentliche Abstimmungen selten waren, lässt sich die Zahl der jeweils anwesenden Abgeordneten nur schwer bestimmen. Während des Terrors nahmen an Abstimmungen durchschnittlich nur etwa 250 Personen teil.
Die Mitglieder stammten aus allen Gesellschaftsschichten, am stärksten vertreten waren jedoch Anwälte. 75 Mitglieder hatten bereits der Verfassunggebenden Nationalversammlung, der Konstituante, angehört; 183 waren Mitglieder der Gesetzgebenden Versammlung gewesen.
Bei seinem Zusammentritt im Jahr 1792 bestand der Konvent ungefähr aus 750 Mitgliedern. Die politische Einteilung wird in drei Hauptgruppen beschrieben:
- Die Girondisten umfassten etwa 160 Abgeordnete und vertraten vor allem das mittlere Bürgertum.
- Die Montagne, die Bergpartei, umfasste etwa 140 Abgeordnete. Zu den radikalen Jakobinern gehörten unter anderem Robespierre und Saint-Just.
- Der Marais, auch Ebene oder Sumpf genannt, bildete mit etwa 450 Abgeordneten die größte, politisch weniger festgelegte Gruppe. Viele ihrer Mitglieder neigten bis zum Sturz Robespierres zunehmend nach links.
Zum Vergleich wird die Gesetzgebende Nationalversammlung vom 1. Oktober 1791 mit ungefähr 750 Mitgliedern dargestellt. Sie bestand aus 136 Demokraten beziehungsweise Jakobinern, 350 Unabhängigen und 264 Konstitutionellen, den Feuillants. Die Demokraten vertraten radikalere jakobinische und kleinbürgerliche Interessen, die Girondisten das mittlere Bürgertum, während die Unabhängigen keine feste politische Meinung als Gruppe hatten. Die Konstitutionellen wollten die Verfassung von 1791 erhalten.
Die Verfassunggebende Nationalversammlung von 1789 umfasste ungefähr 800 Mitglieder. In ihr standen sich Demokraten, Konstitutionelle, Monarchisten und Aristokraten gegenüber. Die Demokraten vertraten die Interessen der Volksmassen, forderten allgemeines Wahlrecht und beriefen sich auf Rousseau. Die Konstitutionellen vertraten vor allem das Großbürgertum und befürworteten eine konstitutionelle Monarchie. Die Monarchisten wollten dem König durch ein absolutes Veto eine starke Stellung sichern; die Aristokraten wollten die alten Privilegien erhalten.
Leistungen und Bedeutung
Die Arbeit des Nationalkonvents betraf nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Nach der Darstellung des Artikels schützte die Versammlung Frankreich vor einem Bürgerkrieg und einer Invasion. Außerdem schuf sie ein System öffentlicher Ausbildung mit Einrichtungen wie dem Museum, der École Polytechnique, der École Normale Supérieure, der École des Langues orientales und dem Conservatoire.
Zu den weiteren bedeutenden Einrichtungen gehörte das Grand Livre de la Dette publique. Der Konvent befestigte außerdem soziale und politische Errungenschaften der Revolution. Seine Bedeutung liegt daher sowohl in der Abschaffung des Königtums und der Einführung der republikanischen Zeitrechnung als auch in der Ausweitung staatlicher Befugnisse während des Krieges und der Terrorherrschaft. Dabei verband er zeitweise Gesetzgebung und Regierung in einer Weise, die ursprünglich nicht dem Prinzip der Gewaltenteilung entsprach.