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Environmental, Social and Governance
Environmental, Social and Corporate Governance (kurz ESG; englisch für: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) sind Kriterien und Rahmenbedingungen der …
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Grundidee und drei Kriterienbereiche
Environmental, Social and Corporate Governance (ESG; Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) bezeichnet Kriterien und Rahmenbedingungen der Vereinten Nationen und von Finanzinstituten. Sie sollen Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Sozialfragen in den Entscheidungen von Unternehmen, öffentlichen Körperschaften, Regierungen und Behörden berücksichtigen. Neben den Interessen der Unternehmen sollen dabei die Bedürfnisse aller Stakeholder einbezogen werden. Stakeholder sind Interessengruppen wie Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Finanzinstitute, Nichtregierungsorganisationen sowie Sozial- und Umweltvertreter. Die Kriterien sollen in Unternehmensstrategien eingebettet werden und die wirtschaftliche Wertschöpfung künftig unter allen Stakeholdern verteilen.
ESG umfasst drei Schlüsselbereiche:
• Umwelt (Environment): Bewertet werden Auswirkungen auf die Umwelt, etwa Klimawandel, Energieeffizienz, Ressourcenverbrauch, Abfallmanagement und Umweltverschmutzung. Umweltfreundliche Praktiken und die Verringerung ökologischer Schäden wirken sich positiv auf das ESG-Rating aus.
• Soziales (Social): Dieser Bereich betrifft die Beziehungen zu Beschäftigten, Kunden, Lieferanten, Gemeinschaften und anderen Stakeholdern. Dazu zählen Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Vielfalt und Inklusion, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie gesellschaftliches Engagement.
• Governance: Gemeint ist die Art, wie ein Unternehmen geführt und kontrolliert wird. Bewertet werden unter anderem ethische Grundsätze, Integrität, Transparenz, die Zusammensetzung des Vorstands, unabhängige Prüfungen und die Einhaltung von Vorschriften. Gute Governance-Strukturen gelten als vertrauenswürdig und führen zu einer höheren ESG-Bewertung.
Entwicklung und Bedeutung
Der Begriff ESG wurde 2004 durch den Bericht „Who Cares Wins“ bekannt. Dieser entstand als gemeinsame Initiative von Finanzinstituten auf Einladung der UN. Die zugrunde liegende Arbeit reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Seit 2020 setzt die UN verstärkt Anreize, ESG-Daten mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung, den Sustainable Development Goals (SDGs), zu verbinden.
Innerhalb von weniger als 20 Jahren entwickelte sich ESG von einer durch die UN angestoßenen Initiative zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen zu einem weltweiten Phänomen. ESG-bezogene Anlagen repräsentierten mehr als 30 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Nach Angaben von Morningstar, Inc. flossen allein 2019 insgesamt 17,67 Milliarden US-Dollar in ESG-verknüpfte Produkte; das waren fast 525 Prozent mehr als 2015.
Die Erfassung und Auswertung von ESG-Daten sowie ihre Verknüpfung mit den SDGs erfordern wissenschaftliche Methoden und eine interdisziplinäre Arbeitsweise. Beteiligt sind unter anderem Global Studies, Umwelt-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Die Forschung untersucht, wie ESG-Faktoren auf Unternehmen, Märkte und Gesellschaft wirken, und soll fundiertere Entscheidungen sowie eine nachhaltigere Entwicklung ermöglichen.
Wirkungen, Chancen und Grenzen
ESG hat für Investoren an Bedeutung gewonnen, weil Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren finanzielle Risiken und Chancen beeinflussen können. Durch ihre Einbeziehung in Anlagestrategien sollen Unternehmen erkannt werden, die langfristig nachhaltig und erfolgreich sein können.
Unternehmen mit guter ESG-Performance können von besseren Geschäftsergebnissen, höherer Wettbewerbsfähigkeit, leichterem Zugang zu Kapital und einer stärkeren Bindung von Kunden und Beschäftigten profitieren. Wichtig sind dabei auch immaterielle Faktoren wie Reputation, Mitarbeiterzufriedenheit und Organisationskultur. Eine Studie von Susen und Etter (2024) stellte bei Unternehmen des S&P 500 einen positiven Zusammenhang zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und sowohl einem hohen ESG-Standard („ESG Tilt“) als auch Verbesserungen dieses Standards („ESG Momentum“) fest. Wahrgenommene Fairness und die Erwartung künftiger Belohnungen verstärkten den Effekt.
Eine Meta-Studie von Friede, Busch und Bassen (2015) berichtete in 90 % der Fälle eine positive Korrelation zwischen ESG-Leistung und finanziellen Ergebnissen. Hohe ESG-Standards gehen häufig mit geringeren Risiken einher: Die Einhaltung von Umweltvorgaben kann beispielsweise Sanktionen verhindern und langfristige finanzielle Stabilität unterstützen. Nachhaltigkeitsberichte können finanzielle Leistung, Unternehmensimage, Wettbewerbsvorteile und durch größere Transparenz auch die Eigenkapitalrendite fördern. ESG kann zudem zur Erreichung der SDGs beitragen.
Dem stehen Kosten und notwendige Investitionen gegenüber, die besonders kleinere oder finanzschwächere Unternehmen belasten können. Unternehmen, die ESG-Praktiken nicht umsetzen oder finanzieren können, können vom Markt verdrängt werden; Wettbewerbsdruck und Hürden beim Marktzugang steigen dann.
Ein direkter ursächlicher Einfluss von ESG-Strategien auf den wirtschaftlichen Erfolg ist trotz positiver Korrelationen nicht eindeutig belegt. Nach der klassischen Wirtschaftstheorie von Milton Friedman (1962) ist die Maximierung des Shareholder Value, also des Werts für die Anteilseigner, das Hauptziel eines Unternehmens. Zudem fehlen universelle Kriterien, um die ESG-Konformität eines Investments zu beurteilen. Ratings stützen sich häufig auf interne und teilweise unvollständige Unternehmensdaten und bilden die tatsächliche Leistung daher nur begrenzt ab. Auch die genaue Bewertung von ESG-Maßnahmen in Geld ist schwierig; vorhandene Modelle und Ratings erfassen nicht alle wichtigen Faktoren und lassen sich nur schwer in kurzfristige Anlagestrategien integrieren.
Frühere empirische Untersuchungen ergaben teilweise andere Ergebnisse als die Meta-Studie von 2015. Studien von Alexander und Buchholz (1978), Cochran und Wood (1984), Aupperle, Carroll und Hatfield (1985) sowie Blackburn, Doran und Shrader (1994) fanden trotz verschiedener Methoden keine eindeutige oder signifikante Verbindung zwischen sozial verantwortlichem beziehungsweise ESG-bezogenem Handeln und Aktienrenditen oder Unternehmensperformance. Auch Untersuchungen mit risikobereinigten Rentabilitätskennzahlen konnten keinen eindeutigen Zusammenhang nachweisen.
Umsetzung, Bewertung und Anwendungen
ESG-Analysten bewerten die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen und Organisationen. Sie unterstützen eine transparente Berichterstattung, mit der Unternehmen Stakeholder über Praktiken und Fortschritte informieren und Vertrauen stärken können. Dafür ist Wissen aus Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Global Studies und Recht erforderlich. Zunehmende behördliche Vorgaben für Nachhaltigkeitsberichte machen solche Analysen für Unternehmen notwendig. ESG-Manager entwickeln eine auf die Ziele und Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnittene Nachhaltigkeitsstrategie. Sie bewerten Risiken und Chancen und bestimmen Maßnahmen und Ziele für eine langfristige Nachhaltigkeitsperformance.
Die EU-Taxonomie ist ein Klassifikationssystem der Europäischen Union für die Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Tätigkeiten. Einheitliche Kriterien sollen festlegen, welche Aktivitäten als umweltfreundlich gelten. Gemeinsam mit ESG-Kriterien soll sie Nachhaltigkeit fördern und Investoren, Unternehmen und Regierungen bei Entscheidungen unterstützen. Die Verbindung beider Ansätze schafft einen einheitlicheren Bewertungsrahmen, verbessert die Vergleichbarkeit von Informationen und fördert Transparenz sowie Verantwortlichkeit.
Zu ESG-Finanzprodukten gehören nachhaltige Investmentfonds, grüne Anleihen, sozial verantwortliche Anlagen und ethische Investmentstrategien. Sie ermöglichen Investitionen in Unternehmen, die Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und gute Unternehmensführung verfolgen. ESG-Kriterien fließen außerdem in Kreditentscheidungen und Kreditratings ein, um entsprechende Risiken zu bewerten. Anleger können damit neben finanziellen Renditen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung anstreben. Die Einbindung der Kriterien soll langfristige Risiken verringern und Chancen fördern. Allerdings können Unternehmen ESG-Zertifikate zum Greenwashing nutzen, also sich nachhaltiger darstellen, als sie tatsächlich sind.
Auch Immobilien können Teil von ESG-Investitionsstrategien sein. ESG-Mietverträge beziehungsweise Green Leases verpflichten Mieter beispielsweise dazu, Strom aus erneuerbaren Quellen wie einer hauseigenen Photovoltaikanlage zu verwenden, Energie und Wasser zu sparen oder Beschäftigte zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und von Elektrofahrzeugen anzuhalten. Green-Lease-Klauseln wurden 2018 mit „ZIA 1.0“ eingeführt und 2024 als Version 2.0 überarbeitet. Sie spielen auch bei Gebäudezertifizierungen eine wichtige Rolle.
Kritik und Zielkonflikte
ESG wird wegen der Unschärfe seiner Kriterien und der häufig beobachteten Gefahr des Greenwashings kritisiert. Umstritten ist insbesondere, welche Tätigkeiten als nachhaltig gelten dürfen. Mitte 2022 nahm das Europäische Parlament Gasinfrastruktur und Kernkraftwerke in die ESG-bezogene EU-Taxonomie auf. Nach Auffassung von Rasmus Andresen machte dies die Taxonomie „als [...] Gütesiegel für Finanzprodukte unbrauchbar“.
Unter dem Themenfeld „Verteidigung, Resilienz und Sicherheit“ beabsichtigt die Europäische Kommission außerdem, die Rüstungsindustrie als nachhaltige Anlage nach ESG-Kriterien zu betrachten. Andere finanzmarktnahe Akteure weisen auf innere Zielkonflikte hin. So kann eine schnelle Dekarbonisierung, also die Verringerung kohlenstoffbedingter Emissionen, mit dem Schutz von Arbeitsplätzen in bestehenden Branchen in Konflikt geraten. Solche Fälle zeigen, dass die drei ESG-Bereiche nicht immer zu derselben Bewertung führen.