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Was ist eigentlich Corporate Social Responsibility (CSR)?
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 54 Zeilen
- Massenentlassungen bei gleichzeitigen Rekordgewinnen, Managergehälter, Rohstoffknappheit und drohende Klimakatastrophe, moralisch fragwürdige Werbung, Kinderarbeit, Betrügereien von Unternehmen,
- Finanzkrise und die Occupy-Wallstreet- Bewegung ... Dies sind nur einige Beispiele, die Ihnen unter den Begriffen Wirtschaftsethik, Nachhaltigkeit
- oder aber unter dem Begriff Corporate Social Responsibility -- neudeutsch für Unternehmensverantwortung -- vielleicht schon begegnet sind. Insgesamt geht es bei dieser Thematik um Gerechtigkeitsfragen
- für jetzt lebende und ebenso für zukünftige Generationen. Wir wollen fragen: Corporate Social Responsibility (kurz CSR), was ist das? Dieser Herr machte
- vor einigen Jahren Schlagzeilen. Angelo Ugolotti erfuhr 2004 von der Staatsanwaltschaft, dass er Aufsichtsratsvorsitzender von diversen Unternehmen war, von denen er noch nie gehört
- hatte. Es waren Scheinfirmen seines eigenen Unternehmens, dem italienischen Milch-Konzern Parmalat. Angelo Ugolotti zeigte sich überrascht, denn in seinen Unternehmen war er für ganz
- andere Aufgabenbereiche verantwortlich. Eigentlich war er Leiter der Telefonzentrale. Den Rest kann man sich denken. Unternehmerische Betrügereien vom Feinsten: Scheinfirmen, Bilanzfälschungen,
- Bestechungen, Konten auf den Cayman Islands -- die ganze Palette. Eine wichtige Aufgabe von Corporate Social Responsibility ist es, diese und andere moralisch verwerfliche Praktiken
- zu vermeiden. Denn sie schädigen die Gesellschaft und ebenso das eigene Unternehmen. In der Unternehmenspraxis ist dies mehr und mehr angekommen, wenn auch noch nicht immer
- hinreichend realisiert. Konkrete Maßnahmen werden oft als „Risikomanagement" bezeichnet, mit dem es gelingen soll, finanzielle Risiken aber auch das Risiko von Reputationsschäden
- zu vermeiden. Wer hat schon gerne schlechte Presse?! Dafür installiert man in Unternehmen klare Regeln, sogenannte Compliance-Systeme oder Wertemanagementsysteme, wie: eine Flasche
- Wein darf man als Geschenk des Lieferanten annehmen, die Einladung zum Golfwochenende nach Mallorca ist hingegen auszuschlagen. Risiko- und Compliance-Management ist gleichwohl
- nur ein Teilaspekt richtig verstandener Unternehmensverantwortung. Erstens geht es bei CSR nicht nur um die Vermeidung von „bad practices", wie Korruption und Betrug. Zweitens hinterfragt dieser Ansatz
- nicht die eigentlichen Geschäftstätigkeiten des Unternehmens. Ein Wertemanagement wäre womöglich auch für Mafia-Organisationen ein effizientes Steuerungsinstrument. Die
- herausfordernde Frage ist vielmehr: Welchen Beitrag sollen und können Unternehmen für eine „gute Gesellschaft" durch „gute
- Geschäfte" leisten? Dann gründen wir also eine Stiftung oder spenden fleißig und tun so „Gutes". Nein! Das schadet zwar nicht und es mag sogar helfen, geht aber an systemischen
- Veränderungen vorbei. Wichtig ist: Bei CSR geht es nicht darum, wie Unternehmen ihre Gewinne verwenden, sondern wie Unternehmen ihre Gewinne erwirtschaften. Unternehmensverantwortung
- darf also nicht nur „Reparaturwerkstatt" des Kapitalismus sein, sondern muss nach Systemveränderungen in einer Marktwirtschaft fragen. Und hierzu zählt eine neue Rolle der zentralen Spieler
- in diesem Spiel, nämlich Unternehmen, als nicht nur ökonomische, sondern auch als moralische Akteure. Angesprochen ist damit eine stärker integrative Perspektive auf der Grundlage
- einer Wertebasis und nahe am „Kerngeschäft" des jeweiligen Unternehmens. Es geht um die Beachtung sozialer und ökologischer Kriterien beispielsweise bei der Behandlung
- von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Organisation des Produktionsprozesses, den angebotenen Produkten und Dienstleistungen sowie deren Vermarktung und auch bei den Zulieferbetrieben.
- Tugendhafte Mangerinnen oder der „ehrbare Kaufmann" alleine werden hier übrigens nicht ausreichen. Wir brauchen zwar integre Mitarbeitende auf allen Hierarchie-Ebenen
- des Unternehmens, zugleich jedoch auch Organisationsstrukturen und klare Regeln. Nur auf Verhaltensregeln zu setzen, ist gleichwohl ebenso verkürzt, denn sie verordnen im Extremfall „Dienst
- nach Vorschrift", also das Gegenteil einer ethischen Reflexion, nämlich über gut und böse, richtig und falsch nachzudenken.
- Es geht also immer um beides: Person und Struktur. In der Wissenschaft spricht man hier von Individual- und Institutionenethik. Ist das nicht unrealistisch? Sollte nicht der Staat mehr für eine gute
- und gerechte Gesellschaft tun? Zugegeben. Es ist unrealistisch und gerade deshalb sind auch solche Fragen wichtig! Häh? Wirtschaftsethiker fragen nicht nur, wie die Welt „ist",
- sondern besonders auch wie sie sein soll. Wir wollen damit wenigstens in etwa andeuten, wohin die Reise gehen sollte. Es geht uns aber zugleich auch darum, praktische Vorschläge
- dazu zu machen, wie diese Reise angetreten werden kann. Man spricht hier von Begründungsfragen einerseits und Implementierungsfragen andererseits -- gerne in dieser Reihenfolge. Der Staat,
- genauer Politik und Recht, kann bei der Umsetzung von Unternehmensverantwortung durchaus mitwirken. Leider aber nur noch mit begrenzter Reichweite.
- Wenn wir unsere Gesellschaft aus einer Vogelperspektive betrachten, dann können wir verschiedene gesellschaftliche Systeme ausmachen: das Wirtschaftssystem, das System der Politik, das Rechtssystem usw.
- Man spricht von einer funktional-differenzierten Gesellschaft, in der wir leben. Vor gut sechzig, siebzig Jahren hatten einige Wissenschaftler eine gute Idee, die zur Entwicklung der Sozialen
- Marktwirtschaft, wie wir sie besonders in Europa kennen, geführt hat. Eine Marktwirtschaft sollte eingebettet werden in eine politische Rahmenordnung, bei der die Politik die Spielregeln
- definiert. Auch heute noch bleibt diese Grundidee wichtig, aber es ist ungleich schwieriger geworden, nur auf den Staat zu setzen. Die gesellschaftliche Differenzierung hat sich
- fortgesetzt, indem sich die meisten Systeme internationalisiert haben. „Globalisierung" heißt das Zauberwort. Die meisten Systeme ja, aber eben nicht alle. Politik und besonders
- Recht sind weiterhin tendenziell an die Grenzen eines Landes gebunden, während vor allem die Wirtschaft hochgradig globalisiert ist. Das führt zu einem Regulierungsdefizit.
- Daher geht es heute nicht mehr nur um klassische Spielregeln, sondern um die Spielzüge der „Unternehmen" in einer veränderten Welt. Und jenseits von Politik und Recht hat die
- Zivilgesellschaft -- insbesondere repräsentiert durch Nichtregierungsorganisationen -- einen starken Einfluss auf die Wirtschaft entwickelt; als bissige Watch-Dogs ebenso wie als Kooperationspartner.
- Und wir finden in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts neue, recht eigentümliche -- hybride -- Gebilde unter dem Begriff „soft law". Das sind kollektive Selbstverpflichtungen
- zur Einhaltung bestimmter sozialer und ökologischer Standards, wie Branchenvereinbarungen oder der Global Compact. Unternehmen sollen also verantwortlich wirtschaften?! Tut sich da
- denn in der Praxis etwas? Dazu gibt es weder ein klares Ja noch ein klares Nein. Böse Zungen behaupten, CSR ist wie Teenager-Sex: alle sagen, sie tun es,
- doch nur die wenigsten machen es wirklich; und die, die es tun, machen es eher schlecht. Die Wahrheit ist differenzierter: Auch im Bereich der Unternehmensverantwortung gibt
- es „the „good, the bad, and the real ugly". Wir können feststellen, dass sich mehr und mehr Unternehmen diesem Thema annehmen und hier erste Schritte gehen. Es ist ein deutliches
- Bemühen zu verzeichnen, auch wenn es sich dabei noch um zarte Pflänzchen handelt. Und natürlich gibt es auch weiterhin die, die CSR als PR-Instrument fehldeuten und sich
- einfach nur „grün- oder blau waschen" wollen. Und es gibt leider auch noch die Unternehmen, die sich einen Dreck um Fragen von Unternehmensverantwortung scheren, ja, Gerechtigkeit mitunter sogar
- mit Füssen treten. Alles verstanden? Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung:
- Erstens, CSR steht für Corporate Social Responsibility, Unternehmensverantwortung. Zweitens, grundlegend dafür ist die Frage nach „guten Geschäften" für eine „gute
- Gesellschaft" -- heute und auch morgen. Drittens, CSR ist keine Spendenethik: Es geht es nicht darum, wie Unternehmen ihre Gewinne verwenden, sondern wie Unternehmen ihre Gewinne
- erwirtschaften. Viertens, für eine Umsetzung im Unternehmen braucht es ebenso integre Mitarbeiter wie angemessene Organisationsstrukturen. Es geht
- um eine Individual- und Institutionenethik. Fünftens, die Politik bleibt wichtig, hat aber in einer globalisierten Welt nur noch begrenzt Handlungsmacht für politische Regulierungen.
- Daher kommt Unternehmen, sechstens, eine immer wichtigere Rolle zu. Siebtens, „Soft laws" sind neue Steuerungsmechanismen, die auf Selbstverpflichtungen von Unternehmen
- basieren. Achtens, CSR ist in der Unternehmenspraxis angekommen. Dies gilt es fachlich, aber auch kritisch zu begleiten.
- Die Forschung zu Fragen von Unternehmensverantwortung steht noch immer am Anfang und künftige Entwicklungen werden spannend zu beobachten sein. Ob mit Unternehmen eine gute und gerechte Gesellschaft
- gelingen kann, ist durchaus ungewiss. Ohne sie -- da können wir uns sicher sein -- kann sie jedoch nicht gelingen. Ach so, ganz vergessen: neben Unternehmensverantwortung
- gibt es auch Konsumentenverantwortung. Das können Sie beim nächsten Einkauf schon mal üben und vielleicht gibt es dann zu diesem Thema an dieser Stelle bald mehr dazu.
Zum Nachlesen
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