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Complementizer
Eine ähnliche Unterscheidung existiert bei Ja/Nein-Fragen; hier gibt es Argumente dafür, dass das Englische if in Fragesätzen eine Konjunktion ist, das …
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Begriff und Aufgabe
Ein Complementizer bzw. Komplementierer (Kategoriesymbol C) ist in der Linguistik, besonders in der generativen Grammatik, ein Bestandteil der Satzstruktur. Er verbindet sich mit einem Kernsatz aus Subjekt und Prädikat und kann ihn etwa zu einem eingeleiteten Nebensatz erweitern. Dabei bestimmt er die Satzart, zum Beispiel Aussage- oder Fragesatz; diese unterscheiden sich nicht unbedingt durch Subjekt und Prädikat.
Zur Klasse gehören zunächst unterordnende Konjunktionen (Subjunktionen) wie dass und ob. ob kennzeichnet den eingeleiteten Nebensatz als eingebetteten Fragesatz, dass als eingebetteten Aussagesatz. Im weiteren Verständnis sind Komplementierer jedoch nicht nur bestimmte Wörter, sondern vor allem eine abstrakte Position mit grammatischen Merkmalen. Sie kann auch phonetisch leer sein und kommt dann nicht nur in Nebensätzen, sondern auch in Hauptsätzen vor. In vielen Theorien entspricht die linke Satzklammer des deutschen Feldermodells dieser Position; im Verbzweitsatz steht dort das finite Verb.
Enger und weiter Begriff
Rosenbaum (1967) führte die Bezeichnung complementizer ein. Ursprünglich bezog sie sich auf Konjunktionen, die Nebensätze einleiten, welche eine vom Verb verlangte Ergänzung (englisch complement) sind, etwa in „Ich weiß, dass er ein Auto hat“ oder „Ich weiß nicht, ob er ein Auto hat“.
In diesem engeren Sinn zählen Konjunktionen von Adverbialsätzen wie weil, da, nachdem oder bevor nicht dazu, weil solche Sätze keine Komplementsätze sind. Sie werden dann beispielsweise „adverbielle Subjunktoren“ genannt.
Im weiteren, hier zugrunde gelegten Sinn hat jeder voll ausgebaute Satz ein Satztyp-Merkmal oder ein Einleitungswort, das dieses Merkmal zeigt. Als Komplementierer gelten dann Elemente für Aussage-, Frage-, Relativ- und verschiedene Adverbialsätze, bei letzteren ausdrücklich auch „adverbielle Komplementierer“. Für diesen allgemeinen Typ wird auch die Bezeichnung C-Element verwendet. Sie gehört zum CP/IP-System: C ist zwar die Abkürzung von complementizer, wird dort aber im weiteren Sinn verstanden.
Abgrenzung von Frage- und Relativwörtern
Nach überwiegender Lehrmeinung sind Fragewörter und Relativpronomen keine Komplementierer. Sie sind Vertreter ganzer Konstituenten, also vollständiger syntaktischer Gruppen. Das zeigt sich daran, dass ein Frage- oder Relativsatz mit einer ganzen Wortgruppe beginnen kann: „Ich weiß nicht mehr, wer angerufen hat“, „Ich weiß nicht mehr, mit wem ich telefoniert habe“, „Der Mann, mit dem ich zu telefonieren glaubte“ oder „Leute, mit denen zu telefonieren er sich eingebildet hatte“.
Komplementierer können dagegen nicht zu größeren syntaktischen Gruppen ausgebaut werden. Insbesondere sind sie nicht selbst Ergänzungen anderer Kategorien: wem und dem können beispielsweise Ergänzungen einer Präposition sein, ein Komplementierer nicht.
Im Englischen stehen in Relativsätzen sowohl wh-Wörter wie who als auch that. that erscheint als Komplementierer, who als Relativpronomen. Bei Ja/Nein-Fragen gibt es entsprechend Argumente dafür, dass if eine Konjunktion ist, während das gleichbedeutende whether eine Phrase wie andere wh-Wörter ist.
Position in der Satzstruktur
Ein Komplementierer bildet mit dem nachfolgenden Satz eine Konstituente, die zum Beispiel Ergänzung eines Verbs sein kann: „Ich weiß nicht, [ob [er angerufen hat]]“; dies kann durch „Ich weiß es nicht“ ersetzt werden. In der von Noam Chomsky 1986 maßgeblich vertretenen X-Bar-Theorie ist C ein Kopf der Kategorie C° und baut eine eigene Phrase, die CP, auf. Der weitere Satz ist sein Komplement. Für das Englische heißt dieser Teil unter anderem IP oder TP; in den Diagrammen für das Deutsche wird er als Verbalphrase (VP) dargestellt.
Bezeichnungen wie ob-Satz oder dass-Satz verdeutlichen, dass ob und dass Köpfe sind, welche den Typ des ganzen Satzes bestimmen. Frage- und Relativpronomen sind dagegen Phrasen und stehen im Spezifikator von CP, also einer Position vor dem Kopf. In älterer Literatur, etwa Chomskys Rektions- und Bindungstheorie von 1981, wurde vor dem Kernsatz eine einheitliche, nicht als Kopf verstandene Position COMP angenommen. Statt CP = C° + VP oder CP = C° + IP lautete das ältere Schema S’ = COMP + S.
Leere Positionen, Verbbewegung und Flexion
Die Unterscheidung zwischen Kopf und Phrase führt zu zwei Positionen auf der Ebene des Komplementierers: C° für eine elementare Einheit und davor der Spezifikator für eine Phrase. Bei „um welche Zeit er angerufen hat“ steht die komplexe Fragephrase im Spezifikator; C° ist phonetisch leer. Dennoch muss der leere Kopf das Fragemerkmal tragen, weil der gesamte Satz ein Fragesatz ist.
Dass beide Positionen getrennt bestehen, zeigen deutsche Dialekte. Im Bairischen kann auf das Relativpronomen de noch wo folgen: „vier Saugnäpf, de wo an de Zitzn vo da Kua oneghengt wern.“ de ist als Phrase ein Relativpronomen im Spezifikator, wo ein Relativsatz-Komplementierer. Daraus wird für das Standarddeutsche nach dem Relativpronomen eine leere C-Position gefolgert.
In der generativen Grammatik kann auch zunächst leeres C° durch Bewegung besetzt werden. Verbzweit- und Verberstsätze des Deutschen werden als Bewegung des Verbs nach C beschrieben. Ein Bedingungssatz kann entweder mit wenn beginnen oder mit dem vorangestellten finiten Verb: „Wenn die Stelle nicht mit einer Frau besetzt werden kann, darf sie auch einem Mann angeboten werden“ beziehungsweise „Kann die Stelle nicht mit einer Frau besetzt werden –, darf sie auch einem Mann angeboten werden“. Auch im deutschen Hauptsatz wird das finite Verb entsprechend als Besetzung von C aufgefasst.
Obwohl Konjunktionen traditionell als unflektierbar gelten, zeigen süddeutsche Dialekte Formen mit denselben Merkmalen wie das finite Verb, etwa bairisch „Wannst du des ned woaßt, wer sonst?“ mit wann-st für wenn-2.sg. Im Friesischen lautet ein Beispiel „dat-st do jûn komst“: dass-2.sg. Außerdem regieren Komplementierer am nachfolgenden Kernsatz ein Finitheitsmerkmal: dass verlangt finite Sätze, um bildet mit einem Infinitiv einen Nebensatz. Daher gilt „dass er arbeitet“, aber nicht „*dass (zu) arbeiten“, sowie „um zu arbeiten“, aber nicht „*um er arbeitet“.