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Cluster (Musik)
In der Musik steht das Wort Cluster (engl. „Gruppe“, „Haufen“, „Büschel“, „Traube“) für ein Klanggebilde, dessen Töne nahe beieinanderliegen.
Begriff und Klangwirkung
Ein Cluster ist in der Musik ein Klanggebilde aus mehreren dicht beieinanderliegenden Tönen. Henry Cowell verstand Cluster als klangliche „Einheiten“: Sie sollen eher wie einzelne Klangereignisse als wie gewöhnliche Akkorde behandelt werden.
Auf Tasteninstrumenten entstehen Cluster durch das gleichzeitige Anschlagen mehrerer Nachbartasten mit fünf Fingern, der Faust, der Handfläche oder dem Unterarm. Dabei kann das Tonmaterial pentatonisch sein, etwa nur aus schwarzen Tasten bestehen, diatonisch, etwa nur aus weißen Tasten, oder chromatisch, also schwarze und weiße Tasten umfassen.
Orchesterinstrumente, Vokalensembles und Chöre ermöglichen noch kleinere Tonabstände, beispielsweise Vierteltöne oder andere Mikrointervalle. In der elektronischen Musik kann der Frequenzabstand zwischen den Einzeltönen weiter verringert werden, bis weißes oder farbiges Rauschen entsteht.
Notation
In traditioneller Notenschrift ähnelt die Darstellung eines Clusters einer Weintraube, beispielsweise bei einer Tontraube aus c′, d′, e′, f′ und g′.
In der gebräuchlichsten modernen Notation zeigen schwarze Balken den genauen Tonumfang des Clusters. Auflösungs- und Versetzungszeichen geben zusätzlich an, welches Tonmaterial verwendet werden soll, etwa ob auf dem Klavier nur weiße, nur schwarze oder sämtliche Tasten innerhalb dieses Umfangs anzuschlagen sind.
Historische Entwicklung und Beispiele
Tontrauben wurden bereits verwendet, bevor der Begriff „Cluster“ entstand. In der Barockmusik dienten sie als rhetorische Figur, um beispielsweise Chaos oder Erdbeben anschaulich darzustellen. Ein prägnantes Beispiel ist der Eingangsakkord von Jean-Féry Rebels Werk Les éléments. Zu Beginn von Richard Strauss’ spätromantischer Eine Alpensinfonie erzeugt ein leiser Cluster eine verhaltene Atmosphäre beim Tagesanbruch.
In der Neuen Musik erhielten Cluster strukturelle Bedeutung. Béla Bartók (1881–1945) und besonders Henry Cowell (1897–1965) leisteten dabei Pionierarbeit. Cowell schrieb in seinem Klavierstück The Tides of Manaunaun von 1912 erstmals ausdrücklich Cluster vor.
In den 1960er Jahren experimentierten zahlreiche Vertreter der Avantgarde mit Klangflächen, also ausgedehnten, flächig wirkenden Klanggebilden. Besonders einflussreich war György Ligetis Orchesterstück Atmosphères (1961); weitere Beispiele sind sein Chorstück Lux aeterna (1966) und sein Orchesterstück Lontano (1967).
Cluster kommen außerdem in elektronischer Popmusik vor, etwa in der zweiten Hälfte von Kraftwerks Elektro Kardiogramm. Im Jazz wurde Cecil Taylor unter anderem durch sein variantenreiches und mitreißendes Clusterspiel bedeutend.