Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Cité von Carcassonne
Ihr Ursprung lag in gallorömischer Zeit, ihr Ausbau zur Festung erfolgte im Mittelalter. Die Festungsstadt ist von einer doppelten Mauer (je etwa drei Kilometer …
Inhalt4 Abschnitte
Festungsstadt und Bedeutung
Die Cité von Carcassonne ist eine mittelalterliche Festungsstadt auf einem Hügel der Altstadt von Carcassonne in Okzitanien im Süden Frankreichs. Sie liegt am rechten Ufer der Aude im Südosten der heutigen Stadt. Ihr Ursprung reicht in die gallorömische Zeit zurück, der Ausbau zur Festung erfolgte im Mittelalter.
Die Cité wird von zwei Mauerringen umschlossen, die zusammen 52 Türme besitzen; jede Mauer ist etwa drei Kilometer lang. Zu den wichtigsten Gebäuden im bewohnten Inneren gehören das Château Comtal und die Kirche Saint-Nazaire-et-Saint-Celse. Auf 14 Hektar lebten im Mittelalter 3.000 bis 4.000 Menschen; heute haben 229 Einwohner dort ihren ständigen Wohnsitz. Die Anlage ist ein touristisch genutztes Freilichtmuseum und normalerweise nicht mit Autos erreichbar.
Im 13. Jahrhundert war Carcassonne Sitz der zentralen Verwaltung der Inquisition in Südfrankreich und ein wichtiges Zentrum der als heterodox bezeichneten Katharerbewegung. Zusammen mit Toulouse gehörte die Stadt zu den bedeutendsten Orten der historischen Region Okzitanien. Nachdem die Cité im 19. Jahrhundert unter Leitung von Eugène Viollet-le-Duc restauriert worden war, erklärte die UNESCO sie 1997 zum Weltkulturerbe.
Entwicklung und politische Geschichte
Die Lage auf einer Anhöhe über dem Aude-Tal erlaubte die Kontrolle von Handelswegen zwischen Atlantik und Mittelmeer. Archäologische Ausgrabungen belegen eine Niederlassung im 6. Jahrhundert v. Chr. Die Römer gründeten Carcasso, später Colonia Julia Carcaso und Castellum Carcaso, 43–30 v. Chr. Im 3. Jahrhundert n. Chr. errichteten sie nach ersten Einfällen der Völkerwanderung einen Mauerring mit vier Toren und 30 gallisch-römischen Türmen. Diese Türme sind außen rund, innen eckig beziehungsweise hufeisenförmig und hatten große Fenster zum Werfen von Speeren. Ein großer Teil dieses Rings bildet noch die innere Mauer.
412 besetzten die Westgoten die Burgstadt; ihnen wird der Bau der Festung laut Artikel oft fälschlich zugeschrieben. Chlodwig konnte die Stadt 509 nicht einnehmen. Araber besetzten sie 725; Pippin der Kleine eroberte sie ab 751 mit Hilfe verbliebener westgotischer Stämme in Septimanien für das fränkische Lehen, bevor Araber Carcassonne 793 nochmals kurzzeitig zurückeroberten. 1067 ging das Lehen an das Haus Barcelona, bald darauf an die Trencavel, Vizegrafen von Béziers.
Etwa 60 Jahre später entstand das heutige Grafenschloss. 1185 scheiterte Raimund V. von Toulouse bei einem Eroberungsversuch. Während des Albigenserkreuzzugs wurde Carcassonne 1208 nach zweimonatiger Belagerung eingenommen. Als Gründe nennt der Artikel wahrscheinlich Verrat, nach einer anderen Version Wassermangel. Die Stadt kam an Simon IV. de Montfort. Raimund VII. gewann sie ein Jahr später zurück; nach weiteren Kämpfen trat Amaury von Montfort Carcassonne am 14. Januar 1224 an den französischen König Ludwig VIII. ab. Zwei Jahre später besetzte der König die Stadt kampflos. 1229 fiel die Grafschaft Toulouse im Vertrag von Paris größtenteils an den König, der Rest sollte 1271 folgen.
Ein letzter Belagerungsversuch Raimunds II. Trencavel mit Unterstützung Aragons scheiterte 1240 nach drei Monaten an einem königlichen Heer. Ab 1247 entstand am linken Flussufer eine Unterstadt. Edward, der „Schwarze Prinz“, verzichtete 1353 auf eine Belagerung, ließ aber die Unterstadt anzünden. Als Roussillon 1659 zum Französischen Reich gehörte, war Carcassonne keine Grenzfestung mehr und verlor an Bedeutung. Die Befestigungen reichen von der gallorömischen Zeit bis zum Hochmittelalter und zeigen mittelalterliche Verteidigungstechnik; mit dem Aufkommen neuzeitlicher Artillerie verloren ihre Konstruktionsprinzipien ihre Gültigkeit.
Mauern und Verteidigungssystem
Die Mauern stammen aus mehreren Bauperioden. Die ältesten Mauerteile werden an Schichten kleiner würfelförmiger Steine erkannt, die von Ziegelschichten unterbrochen sind; die zugehörigen engen Türme haben bereits Fenster. Im 12. Jahrhundert wurde vor allem die Burg gebaut. Der äußere Mauerring mit glatten Quadern entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Ende des 13. Jahrhunderts wurden Teile der inneren Mauer und weitere Türme umgebaut oder vorgeschoben. Die Quadern dieser Zeit sind meist kunstvoll behauen; die Türme besitzen mehrere Geschosse und Schießscharten.
Die äußere Mauer ist 1,5 Kilometer lang und wurde bald nach 1230 innerhalb von 15 Jahren gebaut, weshalb sie einheitlich wirkt. Die 1,3 Kilometer lange innere Mauer hat eine wesentlich kompliziertere Baugeschichte. Ihre etwa 1.000 Jahre alte gallorömische Stadtmauer bildet heute ihr Skelett und ist häufig im unteren Bereich sichtbar. Das Mauerinnere besteht aus Kieseln, Gesteinssplittern und Sand, die durch Kalk verbunden sind; dieser dient zugleich als Mörtel. Verwendet wurde harter Sandstein aus umliegenden Steinbrüchen, der unter heftigen südwestlichen Stürmen im Lauf der Jahrhunderte erodierte.
Der Raum zwischen den Mauern heißt Zwinger. Er hielt Angreifer in einem Bereich fest, den die Bürgerwehr mit Wurfgeschossen erreichen konnte. Der Graben war nicht mit Wasser gefüllt, sondern sollte den Einsatz großer Belagerungsgeräte verhindern. Die äußere, niedrigere Mauer liegt im Schussbereich der inneren. Ihre niedrigen, nach innen offenen Schalentürme boten Feinden nach einer Einnahme keine Zuflucht; sie konnten weiterhin von der inneren Mauer aus angegriffen werden. Hohe runde Türme konnten als eigenständige Bollwerke dienen. Der Vade-Turm an der Südostecke ist mit 25 Metern der mächtigste.
Das System folgte einer um 1200 zur Zeit Philipp Augusts (1180–1223) entwickelten aktiven Verteidigungstaktik: Mehr als tausend Bogenschützen sollten auf den Wehrgängen stehen, und Türme flankierten die gesamte Mauer ohne tote Winkel. Zugbrücken, verwinkelte Zufahrten und starke Türme erschwerten Angriffe auf Tore. Aus dem Zwinger konnten Verteidiger ausrücken und einzelne oder kleine Gruppen von Angreifern verfolgen. Die Wirksamkeit dieser Verteidigung wurde laut Artikel allerdings nie wirklich erprobt.
Château Comtal und Sammlung
Das Château Comtal und das Musée Lapidaire sind innerhalb der Cité gesondert zugänglich. Das Schloss der Grafen von Trencavel ist als Festung innerhalb der Festung angelegt. Seine Mauern bilden ein Rechteck, das durch fünf Türme und einen trockenen Graben geschützt wird. Das Eingangstor wurde durch zwei Fallgatter und eine eisenbeschlagene Tür gesichert, die verschiedene Personen bedienen mussten, um Verrat zu verhindern. Ehemals hölzerne Hurden, also vor die Mauer auskragende hölzerne Wehrgänge, wurden im 19. Jahrhundert teilweise von Viollet-le-Duc rekonstruiert.
Die archäologische Sammlung des Musée Lapidaire ist in den Rundgang durch das Schloss und die Ringmauer integriert.